MBA "Am richtigen Ort"

In ihren Heimatländern gründeten sie eigene Firmen oder arbeiteten als Unternehmensberater. Drei ausländische Studenten erzählen, warum sie den MBA jetzt in Deutschland machen

Kamerun
Roger Bessong, 33, MBA-Student an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin
Mein Job als Agraringenieur auf einer Bananenfarm in Kamerun hat mir Spaß gemacht. Nach meinem Abschluss 2002 an der Universität Dschang bin ich rasch aufgestiegen und zum Gebietsleiter ernannt worden. Ich war für 269 Hektar Anbaufläche und mehr als 300 Arbeiter verantwortlich. Jeden Morgen entschied ich, welche Stauden geerntet und verpackt werden sollen, um sie nach Europa zu verschicken. Mein Beruf hatte nur zwei Nachteile: Erstens konnte ich irgendwann keine Bananen mehr essen, weil ich jeden Tag mit ihnen zu tun hatte. Zweitens wollte ich mehr Geld verdienen, wusste aber auch, dass ich dafür einen Master, am besten ein Management-Programm, draufsatteln müsste.

Also fing ich an, etwas von meinem Gehalt zu sparen und mich über MBA-Studiengänge zu informieren. Französisch und Englisch spreche ich fließend, daher kamen diese beiden Programmsprachen infrage. Im Internet habe ich aber gesehen, dass Business Schools in den USA und Kanada sehr teuer sind: Man zahlt dort mehrere Zehntausend Euro! Dazu kommen noch Reisekosten und der Lebensunterhalt. Für meinen MBA in Berlin habe ich mich einerseits aufgrund der geringeren Gebühren – rund 12.000 Euro für 15 Monate – entschieden. Andererseits spielte auch eine Rolle, dass Deutschland die größte Wirtschaftsmacht in Europa ist. Ich denke, dass der MBA an einer deutschen Hochschule international gern gesehen wird. Außerdem hoffe ich, dass ich nach dem Studium hier eine Stelle bekomme. Die Investition in den MBA soll sich möglichst rasch auszahlen – deshalb entscheidet das höhere Gehalt, in welchem Land ich nach dem Abschluss 2010 arbeiten werde. Wahrscheinlich wird es in Europa bessere Angebote geben als in Kamerun.

Reizen würde mich, mit dem MBA die Branche zu wechseln. Im Studium besuche ich am liebsten Kurse in Mathematik, Finanzierung und Investition. Ein Job im Bankensektor würde mich interessieren. Natürlich hört man überall, dass auch in Deutschland derzeit vor allem Stellen gestrichen werden. Aber ich sage mir: Auf neue Leute und frische Ideen kann keine Branche dauerhaft verzichten.

Ecuador
Cecilia Fernández de Córdoba, 28, MBA-Studentin an der Mannheim Business School
Ich bin schon immer gern und viel gereist. Mein Informatik-Studium habe ich in meiner Heimat Ecuador absolviert, danach war ich als IT-Technikerin für verschiedene Konzerne fast in ganz Lateinamerika und in den USA im Einsatz. 2006 habe ich meine eigene Firma gegründet: ein Online-Gaming-Center in Quito, wo sich die Kunden in ein Netzwerk einloggen und so mit anderen Teilnehmern weltweit zum Beispiel World of Warcraft spielen können. Damals merkte ich, dass ich mit meinem Ingenieur-Wissen allein meine Ideen nicht verwirklichen kann. Ich brauchte zusätzlich BWL-Kenntnisse. Die Jugendlichen in Quito rannten uns den Laden ein. Wir wuchsen immer weiter, ich musste Leute anheuern, wollte mich aber, was das Management angeht, nicht allein auf meine Mitarbeiter verlassen. Damit ich selbst Entscheidungen treffen kann, mache ich nun den MBA.

Die Kultur in Lateinamerika ist inzwischen stark von den USA beeinflusst, das habe ich auch auf meinen Reisen immer wieder bemerkt. Daher wollte ich das Aufbaustudium nutzen, um etwas ganz anderes zu erleben. Schon während der Schulzeit habe ich ein Austauschjahr in Frankreich gemacht, und mir hat Europa damals gut gefallen. Also habe ich mir Rankings angesehen, um herauszufinden, welche Business Schools empfohlen werden. Mannheim kam dabei sehr gut weg. Außerdem habe ich hier an der Hochschule und im Alltag die Chance, noch eine weitere Sprache zu lernen: Jeden Morgen von 8 bis 8.45 Uhr bekommen wir Deutschstunden. Überhaupt fand ich das Studienprogramm gut, weil es nur ein Jahr dauert. Man ist also schnell wieder im Job.

Im Moment mache ich ein Praktikum bei der Deutschen Bank. Dass ich hier eine andere Arbeitswelt kennenlerne, war für mich ebenfalls ein Grund, nach Deutschland zu kommen. Es ist tatsächlich alles sehr durchorganisiert und läuft in time und on budget ab. Eigentlich hatte ich vor meinem MBA schon eine Wohnung in Quito gekauft, und am Anfang des Studiums war ich sicher, dass ich zurückkehren würde. Das Heimweh war einfach zu groß. Inzwischen könnte ich mir vorstellen, in Europa zu bleiben.

Indien
Aditya Parab, 26, MBA-Student an der WHU Vallendar
An der WHU in Deutschland hat mir der kleine Campus gefallen. Hier kennt man fast jeden, alles ist schnell erreichbar. Aus meinem Bachelor-Studium zum IT-Ingenieur, das ich 2005 abgeschlossen habe, war ich ganz andere Dimensionen gewohnt: Meine Uni in Pune im Westen Indiens hatte 500.000 Studenten; 4000 Computer-Ingenieure haben im gleichen Jahr wie ich abgeschlossen. Nach den Erfahrungen an der Massen-Uni wollte ich den MBA einfach an einer Business School machen, die überschaubar und familiär ist.

Eine Familie zu haben, das war noch aus einem anderen Grund ein wesentlicher Faktor für meine Studienentscheidung: Meine Eltern und meine Schwester arbeiteten seit 2006 für die indische Botschaft in Berlin, während ich zunächst als Consultant in einer Unternehmensberatung in Indien angestellt war. Jetzt muss ich nur aus dem Rheinland in die Hauptstadt reisen, um sie zu besuchen. Im Vergleich ist das ein Katzensprung. Wichtig war für mich auch, dass ich ein Stipendium bekommen konnte. An den bekannten Unis in Großbritannien bewerben sich sicherlich Tausende um einen Platz, also habe ich an einer deutschen Hochschule bessere Chancen, dachte ich, als ich mich für Vallendar entschied. Der Plan ist aufgegangen: Ein Teil der Gebühren wird mir nun erlassen.

Mein MBA-Jahrgang ist bunt gemischt: Wir sind vier Inder, es gibt einige Deutsche, aber auch Studenten aus Japan, Argentinien oder Slowenien. Dass die MBA-Jahrgänge hier so vielfältig sind, war für mich einer der Hauptgründe, nach Europa zu kommen. In den USA wäre ich wohl vor allem unter amerikanischen Kommilitonen. Sicher haben die US-Unis die eindrucksvollere Tradition und die größeren Namen, aber ich denke, der Lernstoff, den man geboten kriegt, ist überall ähnlich. In Europa gibt es immer weniger junge Leute. Frische Akademiker werden hier in den nächsten Jahren sicher stärker gebraucht als in Asien, wo es diesen demografischen Wandel in den meisten Ländern nicht gibt. Ich hatte einfach das Gefühl, hier wäre ich mit dem MBA zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

 
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