Lehrer Mein Gott, Darwin

Neues aus deutschen und österreichischen Lehrerzimmern

Lehrer mussten ja gerade wieder einiges einstecken würde man als Sündenbock bezahlt, sie wären reiche Leute. Erst hat eine Studie vermeldet, dass viele Lehrer früher nicht die besten Schüler waren und die Lehramtsstudenten nur mäßig für ihren Job qualifiziert sind. Dann wurden Zahlen veröffentlicht, die zeigten, dass Lehrer fehlen, und zwar sehr viele. Viele zogen das Fazit: Lehrer sind nicht nur schlecht, sie sind auch noch zu wenige. Deshalb schlug die Bildungsministerin vor, »Top-Mitarbeiter« aus Unternehmen sollten die Lücken füllen. Subtext: und dabei der schwächelnden Restlehrerschaft zeigen, wo der Hammer beziehungsweise die Kreide hängt. In der anschließenden, etwas aufgeregten Diskussion (in deren Verlauf rasch klar wurde, dass es um die Qualität und Quantität der Pädagogen wohl doch nicht so schlecht steht) sind dabei zwei bemerkenswerte Meldungen fast untergegangen.

Die erste: Ein Professor für Biologiedidaktik an der Technischen Universität Dortmund hat angehende Lehrer befragt, was sie von der Evolutionstheorie halten. Ergebnis: 15 Prozent der Lehramtsstudenten lehnen sie ab. Vielleicht waren ja zu viele angehende Religionslehrer unter den Befragten. Allerdings wollten auch sieben Prozent der rund 150 befragten Biologiestudenten nichts mit der Evolution zu tun haben. Und das im Darwin-Jahr . Mag sein, dass sich manche von ihnen einen mehr oder weniger göttlichen Scherz erlaubt haben. Trotzdem: Man sollte sie zu einer Sechstagewoche verdonnern. Nicht auszudenken, wenn dieses Gedankengut Schule machen oder gar auf andere Fachrichtungen überschwappen würde. Mathelehrer, die ihren Schülern zurufen: »Vergesst Pythagoras, Gauß und Ries!« Geografielehrer, die vor versammelter Klasse den Globus zertrümmern und zur Scheibe zusammenkleben, Deutschlehrer, die nicht an Goethe, Religionslehrer, die nicht an Gott glauben…

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Das führt zur zweiten, weniger amüsanten Meldung: In Österreich hat man festgestellt, dass 40 Prozent der Lehrer für islamischen Religionsunterricht (den gibt es bei unserem Nachbarn schon lange) weder eine theologische noch eine pädagogische Ausbildung haben. Das ist arg, aber es kommt noch ärger. Jeder Fünfte von ihnen soll laut Studie die Demokratie ablehnen, weil sie nicht mit dem Islam vereinbar sei. Befragt wurde die Hälfte der 400 Religionslehrer in Österreich. Das verursacht doch ein wenig Unbehagen. Und zeigt wieder einmal, wie wichtig eine solide Islamlehrerausbildung in Deutschland ist.

 
Leser-Kommentare
  1. ist nicht schon deswegen als Lehrer disqualifiziert. Um das Beispiel von Goethe aufzugreifen: Ein Deutschlehrer kann Goethe und sein Werk durchaus kritisieren, aber solange er dies nicht polemisch sondern differenziert tut, ist nichts dagegen einzuwenden.
    Wichtig für einen Lehrer ist, die theoretischen Grundlagen einer Lehre gut und anschaulich vermitteln zu können, und dabei so sachlich wie möglich zu sein.
    Die Kritik an der Evolutionslehre von Seiten des Kreationismus und anderer Bewegungen zielt ja weniger auf die bekannten und beobachtbaren Selektions- und Anpassungsmechanismen von Lebewesen, sondern auf die Vorstellung der Entstehung des Lebens an sich aus unbelebter Materie (auf welche bis heute, anders als die Kugelform der Erde oder der Satz des Pythagoras, nur geschlossen, nicht aber beobachtet werden kann).
    Anders ist dies natürlich mit der Demokratie: Gerade SIE muss das fundamentale Merkmal der Bildung in unserem Land sein.

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    • olik1
    • 05.03.2009 um 12:26 Uhr

    Leider ist im Seitenhieb nicht viel mehr über die Studie zu lesen, als das 15% der Lehramtsstudenten Darwins Theorie "ablehnen". (Wäre nett mit einem Quellenverweis). Ablehnung ist nicht Kritik.
    Und dies ist mE dissqualifizierend, sofern diese Ablehnung zu Gunsten kreationistischer Anschauungen, ID oder sonstigem Glaubensfundamentalismus besteht.

    Sicherlich ist Schule ein Platz für Indoktrinierung und symbolischer Gewalt, allerdings basieren deren Ziele auf einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und wissenschafttlicher Zuverlässigkeit. Ablehnung Darwins streitet gegen das letztere, Glaubensfantismus in Schulen gegen ersteres.

    Krationisten lehren, die Bibel sei wörtlich zu verstehen, die Erde 6000 Jahre alt, das Leben auch, Menschen und Dinosaurier hätten gleichzeitig gelebt.
    Selbst die Gemäßigtereren zweifeln daran, dass sich die Lebensformen grundsätzlich wandeln und aus Blaualgen durch Mutation und Selektion Bäume, aus Reptilien Vögel oder aus Kleinnagern Menschen irgendwann hervorgehen können - und das trotz sehr vieler bereits bekannter Übergangsformen.

    Wem dort eine theologische Minderheitenmeinung (auch der Vatikan erkennt inzwischen die Evolution an) gewichtiger erscheint als der logische Schluss, der ist als naturwissenschaftlicher Lehrer durchaus eine fragwürdige Besetzung - mag sein, dass er Literatur oder Sprachen unterrichten kann, Biologie oder Physik aber eher nicht.

    Goethe zu kritisieren, ihn vielleicht sogar nicht zu mögen, ist ein ästhetisches Urteil. Solange Goethe durchgenommen und nicht in seiner Bedeutung geschmälert wird, widerspricht dies nicht der Anforderung des Lehrauftrags eines Deutschlehrers. Die Ablehnung der wissenschaftlichen Methode, weil eine theologische Auffassung wichtiger genommen wird als das logische Schließen (welches seit Aristoteles Zeiten Grundlage aller Naturwissenschaften ist), hingegen disqualifiziert für den Beruf.
    Der passende Vergleich wäre vielleicht ein stark übergewichtiger Sportlehrer mit einem T-Shirt der Aufschrift "Sport ist Mord" und Fast Food in der Hand.

    • olik1
    • 05.03.2009 um 12:26 Uhr

    Leider ist im Seitenhieb nicht viel mehr über die Studie zu lesen, als das 15% der Lehramtsstudenten Darwins Theorie "ablehnen". (Wäre nett mit einem Quellenverweis). Ablehnung ist nicht Kritik.
    Und dies ist mE dissqualifizierend, sofern diese Ablehnung zu Gunsten kreationistischer Anschauungen, ID oder sonstigem Glaubensfundamentalismus besteht.

    Sicherlich ist Schule ein Platz für Indoktrinierung und symbolischer Gewalt, allerdings basieren deren Ziele auf einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und wissenschafttlicher Zuverlässigkeit. Ablehnung Darwins streitet gegen das letztere, Glaubensfantismus in Schulen gegen ersteres.

    Krationisten lehren, die Bibel sei wörtlich zu verstehen, die Erde 6000 Jahre alt, das Leben auch, Menschen und Dinosaurier hätten gleichzeitig gelebt.
    Selbst die Gemäßigtereren zweifeln daran, dass sich die Lebensformen grundsätzlich wandeln und aus Blaualgen durch Mutation und Selektion Bäume, aus Reptilien Vögel oder aus Kleinnagern Menschen irgendwann hervorgehen können - und das trotz sehr vieler bereits bekannter Übergangsformen.

    Wem dort eine theologische Minderheitenmeinung (auch der Vatikan erkennt inzwischen die Evolution an) gewichtiger erscheint als der logische Schluss, der ist als naturwissenschaftlicher Lehrer durchaus eine fragwürdige Besetzung - mag sein, dass er Literatur oder Sprachen unterrichten kann, Biologie oder Physik aber eher nicht.

    Goethe zu kritisieren, ihn vielleicht sogar nicht zu mögen, ist ein ästhetisches Urteil. Solange Goethe durchgenommen und nicht in seiner Bedeutung geschmälert wird, widerspricht dies nicht der Anforderung des Lehrauftrags eines Deutschlehrers. Die Ablehnung der wissenschaftlichen Methode, weil eine theologische Auffassung wichtiger genommen wird als das logische Schließen (welches seit Aristoteles Zeiten Grundlage aller Naturwissenschaften ist), hingegen disqualifiziert für den Beruf.
    Der passende Vergleich wäre vielleicht ein stark übergewichtiger Sportlehrer mit einem T-Shirt der Aufschrift "Sport ist Mord" und Fast Food in der Hand.

    • olik1
    • 05.03.2009 um 12:13 Uhr

    Eigentlich ein recht netter und wichtiger Artikel, nur leider hinkt ein Vergleich,
    "Religionslehrer, die nicht an Gott glauben…" .
    Diese sind durchaus wünschenswert. Zumindest was öffentliche Schulen angeht.
    /olik

    • olik1
    • 05.03.2009 um 12:26 Uhr

    Leider ist im Seitenhieb nicht viel mehr über die Studie zu lesen, als das 15% der Lehramtsstudenten Darwins Theorie "ablehnen". (Wäre nett mit einem Quellenverweis). Ablehnung ist nicht Kritik.
    Und dies ist mE dissqualifizierend, sofern diese Ablehnung zu Gunsten kreationistischer Anschauungen, ID oder sonstigem Glaubensfundamentalismus besteht.

    Sicherlich ist Schule ein Platz für Indoktrinierung und symbolischer Gewalt, allerdings basieren deren Ziele auf einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und wissenschafttlicher Zuverlässigkeit. Ablehnung Darwins streitet gegen das letztere, Glaubensfantismus in Schulen gegen ersteres.

  2. Dass Vernunft und Glaube oft im Widerspruch stehen, ist in Europa seit vielen hundert Jahren bekannt. Leider scheint aber immer noch die Unvernunft in unserer Gesellschaft einen besonderen Schutz zu genießen, sofern sie unter dem Deckmantel einer Religion steht. Nur so ist es auch zu verstehen, dass man verwundert über das mangelnde Demokratieverständnis der Islamlehrer in Österreich ist. Bei Themen wie Meinungsfreiheit, Antisemitismus und Gleichstellung der Frau wäre das Ergebnis einer solchen Umfrage wahrscheinlich noch katastrophaler ausgefallen.
    Hätten sich die deutsche Qualitätspresse schon früher kritisch mit dem Islam auseinandergesetzt, wär sie erstens über das Ergebnis der Umfrage nicht so überrascht und zweitens hätte die Politik rechtzeitig solchen Tendenzen gegensteuern können.

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    War die Vernunft nicht auch auf Newtons Seite, als er im 17.Jahrhundert seine Gravitations«theorie» aufstellte. War sie nicht auch auf Einsteins Seite, als er diesen im letzten Jahrhundet widerlegte? Sie können nicht so ohne weiteres den Kontrast Glaube - Vernunft behaupten. Glaube ist in der Wissenschaft nicht wegzudenken, weil weitreichende Fäden immer an Axiomen gesponnen werden. Sie müssen bedenken, dass wissenschaftliche Durchbrüche - von darwinscher Dimension - immer auch philosophische sind, weil sie das jeweilige herrschende Weltbild betreffen bzw. verändern. In der Philosophie wird die Koexistenz von Glaube und Vernunft am deutlichsten - was ihre Unbeliebtheit in der Moderne erklärt.
    Zum Durchbruch:
    Das Wort «Durchbruch» impliziert positive wie auch negative Momente. Die Positiven sind klar und man pflegt auch im Allgemeinen nur diese Seiten zu berücksichtigen. Den Negativen umgibt ein moderner Dunst, der das klare Sehen erschwert. Die Gefahren liegen in den Tendenzen jene Theorien und deren Ergebnisse als geronnene Vernunft anzubeten. Man darf als aufgeklärter Mensch nie die träge und bequeme Behauptung aufstellen, dass man an dieser o.jener Stelle einen PUNKT für die Ewigkeit setzen kann. Vorallem sollte man sich Feinde mit ähnlicher Kragenweite suchen. Über Gott oder Urknall zu diskutieren, weil man von Darwin «gehört»hat, ist lächerlich. Die Kreationisten meinen sie müssten Gott retten und manch Darwinist er könnte ihm den Todesstoß versetzen. Für mich ist so etwas unvernünftig.

    War die Vernunft nicht auch auf Newtons Seite, als er im 17.Jahrhundert seine Gravitations«theorie» aufstellte. War sie nicht auch auf Einsteins Seite, als er diesen im letzten Jahrhundet widerlegte? Sie können nicht so ohne weiteres den Kontrast Glaube - Vernunft behaupten. Glaube ist in der Wissenschaft nicht wegzudenken, weil weitreichende Fäden immer an Axiomen gesponnen werden. Sie müssen bedenken, dass wissenschaftliche Durchbrüche - von darwinscher Dimension - immer auch philosophische sind, weil sie das jeweilige herrschende Weltbild betreffen bzw. verändern. In der Philosophie wird die Koexistenz von Glaube und Vernunft am deutlichsten - was ihre Unbeliebtheit in der Moderne erklärt.
    Zum Durchbruch:
    Das Wort «Durchbruch» impliziert positive wie auch negative Momente. Die Positiven sind klar und man pflegt auch im Allgemeinen nur diese Seiten zu berücksichtigen. Den Negativen umgibt ein moderner Dunst, der das klare Sehen erschwert. Die Gefahren liegen in den Tendenzen jene Theorien und deren Ergebnisse als geronnene Vernunft anzubeten. Man darf als aufgeklärter Mensch nie die träge und bequeme Behauptung aufstellen, dass man an dieser o.jener Stelle einen PUNKT für die Ewigkeit setzen kann. Vorallem sollte man sich Feinde mit ähnlicher Kragenweite suchen. Über Gott oder Urknall zu diskutieren, weil man von Darwin «gehört»hat, ist lächerlich. Die Kreationisten meinen sie müssten Gott retten und manch Darwinist er könnte ihm den Todesstoß versetzen. Für mich ist so etwas unvernünftig.

    • wibo
    • 05.03.2009 um 12:56 Uhr

    Peinlich und z. Zt. leider üblich, wie von Herrn Schenk auf platte, polemische Weise schöpfungsgläubige Christen oder sonstige Evolutionskritiker ohne jedes sachliche Argument als vorgestrige, dümmliche, bildungs- und wissenschaftsfeindliche Kreaturen dargestellt werden, nur weil sie - in wissenschaftlicher Hinsicht durchaus berechtigt und sogar gefordert - nicht dem Mainstream folgen! Der völlig unsachliche und volksverhetzende Vergleich mit Feinden der Demokratie ist unerträglich. Soll hier ein neues Feindbild für unsere "aufgeklärte" Gesellschaft konstruiert werden? Der Autor beweist damit selbst demokratiefeindliche Intoleranz und dass er eigenständiges Denken weniger gelernt hat, als diejenigen, die er kritisiert!

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    • PGMN
    • 09.03.2009 um 15:53 Uhr

    Ich denke, Sie haben da etwas an der wissenschaftlichen Methode nicht verstanden. Die Forschung kann nur dann voranschreiten, wenn auf bewiesenen Theorien aufgebaut wird oder Alternativtheorien entwickelt werden, die dieselbe Vorhersagekraft wie die bestehenden besitzen. In jedem Fall dürfen neue Theorien den experimentellen Befunden nicht zuwiderlaufen. Tut sie dies, gilt die These als widerlegt. Auch müssen neue Thesen überhaupt widerlegbar sein. Ist eine These nicht widerlegbar, so ist sie unwissenschaftlich und daher defaultmäßg abzulehnen.

    Außerdem müssen neue Thesen durch experimentelle Befunde gestützt werden. Was die Entwicklung der Arten angeht, ist der experimentelle Befund eindeutig. JEDE bisher aufgestellte Theorie, welche der Theorie der Evolution durch natürliche Selektion widerspricht wurde mit wehenden Fahnen WIDERLEGT. Dagegen wurde Evolution durch natürliche Selektion durch JEDES durchgeführte Experiment bestätigt. Eine konkurrierdende These muss, um überhaupt als Alternative zugelassen zu werden, dieselbe Vorhersagekraft besitzen wie die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion UND durch dieselben Experimente GESTÜTZT werden. Jemand, der der Theorie der Evolution kritisch gegenüber steht, muss zumindest entsprechende experimentelle Befunde vorlegen und, idealerweise, Gegenbeweise für die Theorie der Evolution finden. Wer dies nicht tut, macht sich unwissenschaftlicher Arbeitsweise schuldig. "Kreationismus" oder "intelligent design" führt weder das eine noch das andere ins Feld. Anhänger dieser Theorien haben nicht das Recht, diese als wissenschaftliche Alternativen oder auch nur als "wissenschaftlich" zu präsentieren. Ich habe somit das sachliche Argument, welches Sie forderten, angeführt um, wie Sie sagen, "schöpfungsgläubige Christen oder sonstige Evolutionskritiker" als "vorgestrige, dümmliche, bildungs- und wissenschaftsfeindliche Kreaturen" darzustellen.

    Ein Wort noch zu Ihrem letzten Satz:
    Ich hasse es, Ihnen das mitzuteilen, aber die Wahrheit schert sich nicht um die Mehrheitsmeinung. Wissenschaft ist kein demokratisches Geschäft. Es sollte sich die Wahrheit als Mehrheitsmeinung durchsetzen, nicht umgekehrt. Und zuletzt bedeutet eigenständiges Denken auch, nonsense von legitimen Thesen zu unterscheiden. Evolutionskritiker, die ihre Thesen nicht mit Beweisen zu untermauern vermögen, zeigen eindeutig, dass sie zu eigenständigem Denken nicht in der Lage sind. Solche Menschen haben m.M. nach schon im Lichte der Öffentlichkeit, und als Lehrkräfte an Schulen insbesondere, absolut und rein gar nichts verloren.

    Ich sehe keinen volksverhetzenden Vergleich in dem Artikel, aber Polemiker liebe ja solche Ausdrücke ja und bringen sie ein, selbst wenn sie in keinem Zusammenhang stehen. Die Kritik im Artikel ist gerechtfertigt, denn die Ablehnung der Evolotionstheorie ist keinesfalls ein Akt des "Freidenkens", sondern ignoriert die Logik. Ergo kann sie nur religiös motiviert sein, denn der Glaube ersetzt bekanntermaßen schon mal auch das Denken. So wäre dem geneigten Leser aufgefallen, dass ja nicht die Kritik, sondern die Ablehnung der Evolutionstheorie hier das Thema ist. Kritisierende Menschen argumentieren, ablehnende Menschen ignorieren. Ich will nicht das jemand meine Kinder benotet, der die Grundprinzipien dieser Welt gegen ein paar Seelenheilsversprechen eingetauscht hat und sich womöglich auch noch auf missionarischer Mission befindet.Wollte ich das würde ich mein Kind in eine Sekte - pardon Religionsgemeinschaft meiner Wahl, aber nicht zur Schule schicken.

    • PGMN
    • 09.03.2009 um 15:53 Uhr

    Ich denke, Sie haben da etwas an der wissenschaftlichen Methode nicht verstanden. Die Forschung kann nur dann voranschreiten, wenn auf bewiesenen Theorien aufgebaut wird oder Alternativtheorien entwickelt werden, die dieselbe Vorhersagekraft wie die bestehenden besitzen. In jedem Fall dürfen neue Theorien den experimentellen Befunden nicht zuwiderlaufen. Tut sie dies, gilt die These als widerlegt. Auch müssen neue Thesen überhaupt widerlegbar sein. Ist eine These nicht widerlegbar, so ist sie unwissenschaftlich und daher defaultmäßg abzulehnen.

    Außerdem müssen neue Thesen durch experimentelle Befunde gestützt werden. Was die Entwicklung der Arten angeht, ist der experimentelle Befund eindeutig. JEDE bisher aufgestellte Theorie, welche der Theorie der Evolution durch natürliche Selektion widerspricht wurde mit wehenden Fahnen WIDERLEGT. Dagegen wurde Evolution durch natürliche Selektion durch JEDES durchgeführte Experiment bestätigt. Eine konkurrierdende These muss, um überhaupt als Alternative zugelassen zu werden, dieselbe Vorhersagekraft besitzen wie die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion UND durch dieselben Experimente GESTÜTZT werden. Jemand, der der Theorie der Evolution kritisch gegenüber steht, muss zumindest entsprechende experimentelle Befunde vorlegen und, idealerweise, Gegenbeweise für die Theorie der Evolution finden. Wer dies nicht tut, macht sich unwissenschaftlicher Arbeitsweise schuldig. "Kreationismus" oder "intelligent design" führt weder das eine noch das andere ins Feld. Anhänger dieser Theorien haben nicht das Recht, diese als wissenschaftliche Alternativen oder auch nur als "wissenschaftlich" zu präsentieren. Ich habe somit das sachliche Argument, welches Sie forderten, angeführt um, wie Sie sagen, "schöpfungsgläubige Christen oder sonstige Evolutionskritiker" als "vorgestrige, dümmliche, bildungs- und wissenschaftsfeindliche Kreaturen" darzustellen.

    Ein Wort noch zu Ihrem letzten Satz:
    Ich hasse es, Ihnen das mitzuteilen, aber die Wahrheit schert sich nicht um die Mehrheitsmeinung. Wissenschaft ist kein demokratisches Geschäft. Es sollte sich die Wahrheit als Mehrheitsmeinung durchsetzen, nicht umgekehrt. Und zuletzt bedeutet eigenständiges Denken auch, nonsense von legitimen Thesen zu unterscheiden. Evolutionskritiker, die ihre Thesen nicht mit Beweisen zu untermauern vermögen, zeigen eindeutig, dass sie zu eigenständigem Denken nicht in der Lage sind. Solche Menschen haben m.M. nach schon im Lichte der Öffentlichkeit, und als Lehrkräfte an Schulen insbesondere, absolut und rein gar nichts verloren.

    Ich sehe keinen volksverhetzenden Vergleich in dem Artikel, aber Polemiker liebe ja solche Ausdrücke ja und bringen sie ein, selbst wenn sie in keinem Zusammenhang stehen. Die Kritik im Artikel ist gerechtfertigt, denn die Ablehnung der Evolotionstheorie ist keinesfalls ein Akt des "Freidenkens", sondern ignoriert die Logik. Ergo kann sie nur religiös motiviert sein, denn der Glaube ersetzt bekanntermaßen schon mal auch das Denken. So wäre dem geneigten Leser aufgefallen, dass ja nicht die Kritik, sondern die Ablehnung der Evolutionstheorie hier das Thema ist. Kritisierende Menschen argumentieren, ablehnende Menschen ignorieren. Ich will nicht das jemand meine Kinder benotet, der die Grundprinzipien dieser Welt gegen ein paar Seelenheilsversprechen eingetauscht hat und sich womöglich auch noch auf missionarischer Mission befindet.Wollte ich das würde ich mein Kind in eine Sekte - pardon Religionsgemeinschaft meiner Wahl, aber nicht zur Schule schicken.

  3. War die Vernunft nicht auch auf Newtons Seite, als er im 17.Jahrhundert seine Gravitations«theorie» aufstellte. War sie nicht auch auf Einsteins Seite, als er diesen im letzten Jahrhundet widerlegte? Sie können nicht so ohne weiteres den Kontrast Glaube - Vernunft behaupten. Glaube ist in der Wissenschaft nicht wegzudenken, weil weitreichende Fäden immer an Axiomen gesponnen werden. Sie müssen bedenken, dass wissenschaftliche Durchbrüche - von darwinscher Dimension - immer auch philosophische sind, weil sie das jeweilige herrschende Weltbild betreffen bzw. verändern. In der Philosophie wird die Koexistenz von Glaube und Vernunft am deutlichsten - was ihre Unbeliebtheit in der Moderne erklärt.
    Zum Durchbruch:
    Das Wort «Durchbruch» impliziert positive wie auch negative Momente. Die Positiven sind klar und man pflegt auch im Allgemeinen nur diese Seiten zu berücksichtigen. Den Negativen umgibt ein moderner Dunst, der das klare Sehen erschwert. Die Gefahren liegen in den Tendenzen jene Theorien und deren Ergebnisse als geronnene Vernunft anzubeten. Man darf als aufgeklärter Mensch nie die träge und bequeme Behauptung aufstellen, dass man an dieser o.jener Stelle einen PUNKT für die Ewigkeit setzen kann. Vorallem sollte man sich Feinde mit ähnlicher Kragenweite suchen. Über Gott oder Urknall zu diskutieren, weil man von Darwin «gehört»hat, ist lächerlich. Die Kreationisten meinen sie müssten Gott retten und manch Darwinist er könnte ihm den Todesstoß versetzen. Für mich ist so etwas unvernünftig.

    Antwort auf "Vernunft und Glaube"
    • TDU
    • 05.03.2009 um 15:35 Uhr

    Das Problem sind nicht die, die glauben oder nicht glauben, sondern die, die andere Erkenntnisse unterdrücken. Und solange die Evolutionstheorie gelehrt wird, ist es doch gut und völlig egal, an was der Lehrer glaubt. Oder wollen wir eine flächendeckende Gesinnungsprüfung je nach politischer Richtung.

    An was wir allerdings glauben müssen, ist die Klimakatastrophe, die Wahrheit des Zeitgeistes und die friedensstiftende Wirkung der Political Correctness.

  4. interessant.
    immer wieder wird gerne auch in der zeit die idee ventiliert, dass unterricht in religiösen gegenständen von nicht religiös gebunden lehrern gehalten werden soll, weild as angeblich der neutralität des staates entspräche -- die frage, welchen sinn ein lehrer hat, der bei kritischen nachfragen mit den schultern zuckt und sagt "ich glaub da auch nicht dran, ich muss das nur unterrichten" kommt nicht auf, von der verachtung, die der geistigen leistungsfähigkeit und entwicklung der schüler damit erwiesen wird, ganz zu schweigen.

    in dem moment aber, wo ein lehrer sich dazu bekennt, nicht an die evolutionstheorie zu glauben (allein diese wortwahl, angesichts des vielgebrauchten dümmlichen "glauben heisst nicht wissen", ist schon entlarvend), wird seine gesamte eignung für's lehramt in frage gestellt.

    erschreckend, dieses messen mit vielerlei mass, sofern nur immer die eigene, religionsfeindlichen, vorurteile bestätigt werden.

    ps: womöglich liegt ja ein wesentlicher teil der ablehnung gerade auch bei angehenden biologielehrern in der quasireligiösen, bei strafe der exkommunikation unhinterfragbaren vermittlung, unter der die evolutionstheorie leidet?
    es wäre wohl hilfreich, die evolutionstheorie diskursfähig und kritisch zu vermitteln, statt sie einfach als neue offenbarung zum glaubensartikel zu erklären.

    hundert jahre lang war lamarck das gespött der hohepriester der evolutionstheorie -- und nun stellt sich heraus, dass der mann nicht so falsch lag. was sagt ihr nun euren gläubigen?

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  • Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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