Studiengebühren Der Tabubruch

Mähdrescher und Heizkosten: Die Unis testen, wofür sie die Studiengebühren zweckentfremden können

Die Prognosen ließen Schlimmes befürchten. Die Universität Hohenheim steuerte auf ein Defizit von über drei Millionen Euro zu – mit kaum absehbaren Folgen für Kursangebot, technische Ausstattung und Stellenplan. Da fielen Rektor Hans-Peter Liebig die Studiengebühren ein, die seine Studenten seit vier Semestern zahlen müssen. Rund 5,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Das ist die Lösung, sagte sich Liebig, das sagte er auch den Studentenvertretern, mit denen er sich zuvor immer einig geworden war, wenn es um die Verwendung ihrer Gelder gegangen war. Und trat einen Streit los, den er in seiner Schärfe und Bitternis selbst wohl nicht erwartete hätte.

Es ist ein Streit, wie er sich seit Kurzem vielerorts zuträgt. Die unglaubliche Unterfinanzierung, unter denen die Finanzminister aller Bundesländer ihre Hochschulen seit Jahren leiden lassen, ist dabei nicht neu. Neu ist, dass Rektoren und Fakultätsdekane in ihrer Not Tabus brechen: Sie geben Studiengebühren für neue Uni-Gebäude aus. Sie stellen mit dem Geld der Studenten Professoren ein, die sich zu 50 Prozent der Forschung widmen. Sie wollen ihre Haushaltslöcher mithilfe der Campus-Maut stopfen und bestreiten es nicht einmal. Kurz: Sie testen, wie weit sie die gesetzliche Verpflichtung, die Gebühren für die Verbesserung der Lehre einzusetzen, strapazieren können.

Neu ist auch, dass sich die Hochschulleitungen über alle Widerstände der Studenten hinwegzusetzen versuchen. Und die gewählten Studentenvertreter, die laut Gesetz an der Entscheidung über die Gebührenverwendung beteiligt werden sollen, merken plötzlich, wie wenig ihr Mitspracherecht wert ist: Zwar sitzen sie fast überall in eigens eingerichteten Kommissionen und stimmen über praktisch jede Maßnahme mit ab, doch das Votum dieser Gremien besitzt keinerlei Rechtskraft. Bislang war den Studentenvertretern ihre Machtlosigkeit kaum bewusst, weil sich die Rektoren direkt nach der Einführung der Gebühren kaum an strittige Themen gewagt haben. Das ist vorbei.

Beispiel Hohenheim: Der Schlagabtausch zwischen Rektor und Studenten in dem Stuttgarter Vorort hat bundesweit Aufsehen erregt. Im Landtag musste Hans-Peter Liebig kürzlich erklären, wie das drohende 3,2-Millionen-Loch entstanden ist. Auf der Liste stehen etwa zusätzliche Energiekosten von gut einer Million Euro, eine Million für Berufungszusagen, 400.000 Euro für die Umstellung auf Trennbuchführung und 150.000 Euro für einen Mähdrescher. Mit einer Verbesserung der Lehre hat all das selbst bei wohlwollendster Auslegung nichts zu tun. Das weiß der Rektor und argumentiert grundsätzlich: »Im Baden-Württemberger Gesetzestext steht, die Gebühren sollen für Studium und Lehre eingesetzt werden. Punkt. Von Verbesserung steht da nichts.« Man müsse sich nur den Hohenheimer 120-Millionen-Haushalt anschauen und werde feststellen, dass die Uni ein Vielfaches der Studiengebühren für die Lehre ausgebe. »Insofern ist gesichert, dass die Beiträge der Studenten zu 100 Prozent gemäß ihrer Zweckbestimmung eingesetzt werden.«

»Die Studenten haben kein Recht auf Gegenleistung«

Liebigs Vorschlag: Einen Teil des Defizits müssen Fakultäten und Verwaltung einsparen, den Rest, rund 1,2 Millionen Euro, steuern die Studenten bei. Zeitweise war sogar von bis zu 1,6 Millionen die Rede. Anfangs dachte Liebig offenbar, den Plan mit Zustimmung der Studentenvertreter durchbringen zu können, im Rahmen des in Hohenheim üblichen Gentlemen’s Agreement, das da lautete: Über zehn Prozent der Gebührengelder entscheidet der Rektor, über zehn Prozent die Studenten, und über 80 Prozent verfügt man gemeinsam. Doch nach der Ankündigung gingen die Studenten an die Presse, was der Rektor empört als Vertrauensbruch wertete und verkündete: »Ich allein trage die Verantwortung, dass die Finanzen der Universität ordnungsgemäß eingesetzt werden.« Juristisch ist das tatsächlich so, bestätigt der Erlanger Hochschulrechtler Max-Emanuel Geis: »Studiengebühren sind in Wirklichkeit Studienbeiträge. Das bedeutet, die Zahlenden haben kein einklagbares Recht auf eine Gegenleistung und kein Recht auf ein eigenes Budget.«

Derzeit will Liebig sich nicht dazu äußern, ob die Uni am Ende wirklich eine Millionensumme vom Gebührenkonto abbuchen wird, er verweist auf eine Sitzung des Universitätsrats übernächste Woche. Seine Zurückhaltung liegt wohl auch an der öffentlichen Ermahnung durch seinen Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU), die Studentengelder keinesfalls wie normale Haushaltsmittel zu behandeln. Ein Ergebnis hat der Streit schon jetzt: Den Studenten wurde unmissverständlich klargemacht, dass ihre bisherige Macht bei der Verwendung ihrer Gelder eine Macht von Gnaden der Hochschulleitung war.

Was in Baden-Württemberg Gesetz ist, gilt auch in den fünf übrigen Gebührenländern: Ein echtes Vetorecht der Studenten kennen sie nicht. Da rühmen sich dann jene Hochschulen als fortschrittlich, die ihre Kommissionen paritätisch mit Studenten und Professoren besetzen. Mit am mutigsten in Sachen Basisdemokratie ist die Bochumer Ruhr-Universität (RUB), wo die einstimmige Ablehnung eines Vorschlags durch die Studentenvertreter aufschiebende Wirkung hat – bis sie am Ende doch überstimmt werden können. Bisher sei das allerdings nicht passiert, versichert RUB-Sprecher Josef König und lobt das »Vertrauensverhältnis, das entstanden ist. Die Studenten wissen, über ihre Köpfe hinweg wird nichts entschieden.«

Ein Satz, den der Saarbrücker Asta nicht unterschreiben würde. An der Universität des Saarlandes tobt eine Auseinandersetzung, die in ihrer Heftigkeit der Hohenheimer kaum nachsteht. Es geht um die Aufstockung eines Betonbaus, bei der auf 1000 Quadratmetern studentische Arbeitsräume entstehen sollen. Ende Januar hatte die Gebührenkommission, die je zur Hälfte aus Uni-Präsidium und Studentenvertretern besteht, dem Plan zugestimmt – bei einer studentischen Jastimme, einer Enthaltung und drei Neinstimmen. Besonders pikant: Im Vorfeld musste eigens die Uni-Gebührensatzung geändert werden, die zuvor die Finanzierung jeglicher Baumaßnahmen mithilfe studentischer Gelder ausgeschlossen hatte.

Die Verwendung widerspricht allem, was hoch und heilig versprochen war

Die Satzungsänderung sei mit Zustimmung der Studenten geschehen, betont Präsident Volker Linneweber, während aktuelle Asta-Vertreter darauf hinweisen, dies sei noch in der Amtszeit ihrer Vorgänger passiert. Die Rechtslage scheint für ihn zu sprechen, und der Präsident ist sich keiner Schuld bewusst: »Wir schaffen etwas Neues, Einmaliges. Vorige Studentengenerationen mussten ihre Gruppenarbeiten in der Mensa erledigen, zu Hause oder auf Parkbänken. Jetzt bekommen sie eigene Räume in arbeitsförderlicher Atmosphäre.« Linneweber will die Bauarbeiten auch gegen den Willen der Studentenmehrheit durchsetzen. »Die Frage ist für mich erledigt.« Das klingt nach einem Basta.

Womöglich ist es aber genau das, was die Debatte um das studentische Mitspracherecht so kompliziert macht: Wie im Saarland gibt es auch anderswo durchaus vernünftige Projekte, die trotz Widerstands der Asten durchgedrückt werden. Wahr ist zudem, dass ein echtes studentisches Vetorecht zu einer Totalblockade durch grundsätzliche Gebührengegner führen könnte. Dann könnten nicht einmal mehr die sinnvollsten Maßnahmen aus Studiengebühren finanziert werden. »Keine Verwendung wäre aber die schlimmste Verwendung«, sagt Minister Frankenberg.

Und dennoch, die Missachtung des studentischen Mehrheitsvotums könnte für die Studiengebühren insgesamt gefährlich werden: Denn je häufiger Entscheidungen par ordre du mufti durchgedrückt werden, desto stärker schwindet die angesichts unsozialer Studienkreditmodelle ohnehin geringe Akzeptanz der Campus-Maut. Überall, wo Wahlen anstehen, lässt sich dann mit dem Thema Symbolpolitik betreiben und am Ende könnte, wie bereits in Hessen geschehen, ihre Abschaffung stehen. Das aber sollte am allerwenigsten im Sinne ihrer Befürworter sein. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen, in denen Studenten Einspruch erheben, die geplante Verwendung allem widerspricht, was vor der Einführung der Gebühren hoch und heilig versprochen worden ist.

So hatte auch Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) noch 2006 angekündigt, »sehr genau darauf zu achten, dass die Mittel zweckgebunden verwendet werden«. Heute ist es in NRW möglich, Professuren komplett aus Studentengeldern zu finanzieren – auch den Forschungsanteil. Eine Differenzierung in Lehr- und Forschungsanteile habe sich als »nicht praktikabel« erwiesen, teilt das Ministerium dazu mit. Auch Baden-Württemberg will so mittlerweile bis zu 250 Professorenstellen finanzieren, die immerhin den »Schwerpunkt Lehre« haben sollen. In jedem Fall wird es aber, ganz im Sinne der verantwortlichen Wissenschaftsminister, immer schwerer, eine Trennlinie zwischen der Grundausstattung der Hochschule zu ziehen, die Kernaufgabe des Staates ist, und dem »Mehr«, das die Studiengebühren ermöglichen sollen. »Es ist ein allmähliches Aufweichen in kleinen Schritten, von denen jeder für sich nicht rechtswidrig scheint«, sagt Hochschulrechtler Geis. »Auf diese Weise ist es fast unmöglich, den Punkt zu bestimmen, von dem an der Rückzug aus der Finanzierung gegen die kulturstaatliche Pflicht zur Funktionserhaltung der Hochschulen verstößt.«

Eine Grenzverwischung, die einige Studenten sogar unterstützen, weil sie sich endlich bessere Studienbedingungen erhoffen – ob deren Finanzierung Sache des Landes ist oder nicht. Die Universität Duisburg-Essen betont, dass die Studentenvertreter schon zweimal für die Finanzierung einer Professur durch Gebührengelder gestimmt hätten. Die Tabubrüche, so scheint es, führen bei den Studenten zu Gewöhnungseffekten. Der Saarbrücker Präsident Linneweber meint sogar: »Radikale Blockierer haben Angst, dass die Mehrheit ihrer Kommilitonen am Ende außerordentlich glücklich sein könnte mit den Maßnahmen und die Akzeptanz der Gebühren steigt. Darum sagen sie selbst zu den sinnvollsten Plänen Nein.«

Entscheidend aber bleibt, was in einem solchen Fall passiert – wenn die Studentenvertreter nicht so wollen wie die Hochschulleitung. Auch da hat Duisburg-Essen ein Beispiel zu bieten: Der Fachbereich für Gesellschaftswissenschaften plant, eine neue Didaktik-Professur aus dem Gebührentopf zu bezahlen – immerhin nur zur Hälfte. Die Studentenseite hat den Vorschlag einstimmig abgelehnt, auch wenn der formale Beschluss im Gebührenbeirat noch aussteht. Dekan Gerhard Bäcker beschwichtigt zwar, möglicherweise könne die Stelle doch allein aus Haushaltsmitteln finanziert werden. Dann aber schwingt er für alle Fälle die Drohkeule: »Der Gebührenbeirat gibt nur Empfehlungen. Ich kann nie ausschließen, dass ich als Dekan einen Beschluss gegen das Votum des Beirats fassen könnte.« Sätze, die eines deutlich machen: Solange es kein studentisches Veto gibt, gibt es keine echte studentische Mitbestimmung bei der Verwendung der Studiengebühren.

 
Leser-Kommentare
    • Krisse
    • 06.03.2009 um 11:25 Uhr

    Der Artikel hat die Problematik des Umgangs mit den Gebühren gut dargestellt und jede Partei hat nachvollziehbare Argumente für ihr Handeln. Das Problem ist aber eher die Unterfinanzierung durch die Länder, die die Universitäten zwingt einen Stellvertreterkrieg um die Verwendung der Studiengebühren anzufangen um die Lehre aufrechterhalten zu können, wie in dem Eingangsbeispiel gezeigt wurde. Der Widerstand der Studenten ist dabei absolut verständlich.

    Ein weiteres Problem ist, dass einige Unis mit den Gebühren plötzlich nicht mehr wussten wohin mit dem Geld und dieses dann recht spendabel in Renovierungsmaßnahmen oder andere Projekte investierten, die sich im Nachhinein durch Mismanagement als Verschwendung herausstellten.

    Über das Für und Wider von Studiengebühren kann man lange Grundsatzdiskussionen führen, aber unabhänging davon, ob man sie befürwortet (ich tue das nicht, weil ich es als die Aufgabe des Staates ansehe den Bürgern ausreichende Bildungsmöglichkeiten und gleiche Chancen in der Bildung zu ermöglichen, was durch die Studiengebühren aber auch das Schulsystem immer weniger gewährleistet ist) sollte mit den Gebühren maßvoll und sinnig umgegangen werden.

  1. Es sind zwei wesentliche Punkte, in die man den Artikel einerseits bündeln und über ihn hinaus verweisen kann:

    1. Alle Aufwendungen, die nun an den Beispiel-Universitäten - und überall dort, wo Gebühren bezahlt werden müssen -, aus Studienkontengeldern getätigt werden, sollten in vollem Umfang und völlig selbstverständlich von den zuständigen Ländergremien finanziert werden. Diese Selbstverständlichkeit erfolgreich zu untergraben, hat bereits zu dem Zeitpunkt funktioniert, als die Gebühren vielerorts eingeführt wurden. Niemand - und was die Uni Duisburg-Essen betrifft, kann ich da wirklich aus dem Nähkästchen plaudern - wundert sich darüber, dass die Studiengebühren entgegen beschlossener Satzungen verwendet werden. De facto sind die Haushalte der großen Geisteswissenschaften seit Jahren von Länderseite unterfinanziert. Bei steigenden Studierendenzahlen und Fördergeldvergabe nach Absolventenquote wird diese Belastung in den nächsten Jahren eher größer als kleiner werden.
    Es war klar, dass die Einführung der Gebühren und die dadurch gewonnene "Autonomie" der Hochschulen zu Rückzügen der entsprechenden Länder führen würde, das wollte jedoch damals kaum jemand wahr haben. Das bringt mich zum beinahe traurigeren zweiten Punkt.

    2. Die Studierenden wissen entweder vom Missbrauch ihrer Gebühren und scheren sich nicht drum oder haben Angst vor Widerspruch oder sie interessieren sich überhaupt nicht mehr für hochschulpolitische Angelegenheiten. Angesichts der faktischen Machtlosigkeit ihrer Vertreter in den entsprechenden Gremien der Hochschulverwaltung ist diese Geisteshaltung auch kein Wunder. Der Frust, bei den eigenen Kommilitonen für Widerstand zu werben und auf Kalkül und Ignoranz zu stoßen, ist jedoch groß...

    Wer weiß, wie man an diesen Verhältnissen etwas ändern kann, der soll mir bitte schreiben. Ich bin dringend auf der Suche nach einer Organisationsform, die Uni- und möglicherweise sogar länderübergreifend Widerstand gegen die hochschulpolitischen Entwicklungen erlaubt, der Früchte tragen kann.

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    • Anonym
    • 06.03.2009 um 13:31 Uhr

    Melodramatik war schon zu Zeiten der "Betroffenheitskultur" in der alten Bundesrepublik kein guter Ratgeber bei politischen Fragen.

    In früheren Tagen mussten Studenten sogar die Lehrräume selbst putzen - also ihren EIGENEN Dreck wegmachen (unzumutbar!). Studiengebühren ("Hörgeld") gab es natürlich dennoch. Freilich war es auch umgekehrt so dass der Professor davon abhängig war dass es auch Studenten gibt die sein Seminar besuchen - nur dann hat er Geld verdient. Er hatte also einen gehörigen Anreiz. So ist es noch heute in den USA.

    Das nur als kleines Beispiel wo die Probleme im hiesigen Hochschulwesen begannen.

    Ich find es nicht "traurig" aber komisch dass Studenten die Hochschulpolitik erst entdecken wenn es an's Geld geht, sie zahlen sollen. Bis dahin hat sich keiner dafür interessiert wie die Gebäude unterhalten oder der Rasen gemäht werden. Dementsprechend hoch ist inzwischen der Sanierungsstau, und um Gebühren führt rein finanziell kein Weg mehr vorbei. Auch wenn es Studenten in ihrem behüteten Biotop nicht wissen mögen (zuerst zumeist in einem Bildungshaushalt aufgewachsen, Gymnasium, Studium - maximal unverbindliche Studentenjobs..) dreht sich die Gesellschaft nicht um die Unis und deren Finanzierung. Bildung mag eine wohlfeile Priorität sein - aber nicht die einzige. Dass Kindergartenplätze etwas kosten sollen, Akademiker aber zB nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen können brauch mir keiner erzählen. Die Empörung die dann immer mit Ausgrenzung von Arbeiterkindern vom Studium etc begründet wird speist sich doch vor allem daraus dass man schlicht keinen Cent dafür ausgeben will. Freilich möchte ich auch Stipendienprogramme, damit Leistung und nicht Geldbeutel der Eltern entscheiden wer studieren kann.

    Also bitte nicht immer das Feigenblatt der sozialen Gerechtigkeit vorschieben wenn man einfach nur nix zahlen will..

    • Anonym
    • 06.03.2009 um 13:31 Uhr

    Melodramatik war schon zu Zeiten der "Betroffenheitskultur" in der alten Bundesrepublik kein guter Ratgeber bei politischen Fragen.

    In früheren Tagen mussten Studenten sogar die Lehrräume selbst putzen - also ihren EIGENEN Dreck wegmachen (unzumutbar!). Studiengebühren ("Hörgeld") gab es natürlich dennoch. Freilich war es auch umgekehrt so dass der Professor davon abhängig war dass es auch Studenten gibt die sein Seminar besuchen - nur dann hat er Geld verdient. Er hatte also einen gehörigen Anreiz. So ist es noch heute in den USA.

    Das nur als kleines Beispiel wo die Probleme im hiesigen Hochschulwesen begannen.

    Ich find es nicht "traurig" aber komisch dass Studenten die Hochschulpolitik erst entdecken wenn es an's Geld geht, sie zahlen sollen. Bis dahin hat sich keiner dafür interessiert wie die Gebäude unterhalten oder der Rasen gemäht werden. Dementsprechend hoch ist inzwischen der Sanierungsstau, und um Gebühren führt rein finanziell kein Weg mehr vorbei. Auch wenn es Studenten in ihrem behüteten Biotop nicht wissen mögen (zuerst zumeist in einem Bildungshaushalt aufgewachsen, Gymnasium, Studium - maximal unverbindliche Studentenjobs..) dreht sich die Gesellschaft nicht um die Unis und deren Finanzierung. Bildung mag eine wohlfeile Priorität sein - aber nicht die einzige. Dass Kindergartenplätze etwas kosten sollen, Akademiker aber zB nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen können brauch mir keiner erzählen. Die Empörung die dann immer mit Ausgrenzung von Arbeiterkindern vom Studium etc begründet wird speist sich doch vor allem daraus dass man schlicht keinen Cent dafür ausgeben will. Freilich möchte ich auch Stipendienprogramme, damit Leistung und nicht Geldbeutel der Eltern entscheiden wer studieren kann.

    Also bitte nicht immer das Feigenblatt der sozialen Gerechtigkeit vorschieben wenn man einfach nur nix zahlen will..

    • mhmmmm
    • 06.03.2009 um 12:06 Uhr

    Wer hätte das gedacht: Die Gelder verbessern gar nicht die Lehre sondern werden zweckentfremdet!

    Tja, eigentlich war das doch von verherein klar, konnte aber sehr erfolgreich wegdisskutiert werden und durch geschicktes Kalkül der Politiker haben die Unis nun immer weniger Geld, statt mehr...

    • ibm
    • 06.03.2009 um 12:40 Uhr

    zu glauben, dass Studengebühren zu etwas anderem dienen als zur Sanierung der Länderhaushalte?
    Den Unis werden eben jetzt so lange die Mittel für den Regelbetrieb trotz steigender Kosten nicht erhöht, bis ihnen nichts anderes übrig bleibt, als auf die Studiengebühren zurückzugreifen, um arbeitsfähig zu bleiben.

    Mit den Unipräsidenten braucht man allerdings auch kein Mitleid zu haben, denn die haben dieses Spielchen schließlich mitgemacht.
    Deren Traum, ihr Institut nach dem Vorbild amerikanischer Eliteunis von allen Studenten zu säubern, die das Pech haben, keinen reichen Papi zu besitzen, endet jetzt in der traurigen Realität: Sie sind jetzt die Buhmänner, die sich mit ihren "Kunden" ums Geld für die Heizkosten streiten müssen.

    • Anonym
    • 06.03.2009 um 13:31 Uhr

    Melodramatik war schon zu Zeiten der "Betroffenheitskultur" in der alten Bundesrepublik kein guter Ratgeber bei politischen Fragen.

    In früheren Tagen mussten Studenten sogar die Lehrräume selbst putzen - also ihren EIGENEN Dreck wegmachen (unzumutbar!). Studiengebühren ("Hörgeld") gab es natürlich dennoch. Freilich war es auch umgekehrt so dass der Professor davon abhängig war dass es auch Studenten gibt die sein Seminar besuchen - nur dann hat er Geld verdient. Er hatte also einen gehörigen Anreiz. So ist es noch heute in den USA.

    Das nur als kleines Beispiel wo die Probleme im hiesigen Hochschulwesen begannen.

    Ich find es nicht "traurig" aber komisch dass Studenten die Hochschulpolitik erst entdecken wenn es an's Geld geht, sie zahlen sollen. Bis dahin hat sich keiner dafür interessiert wie die Gebäude unterhalten oder der Rasen gemäht werden. Dementsprechend hoch ist inzwischen der Sanierungsstau, und um Gebühren führt rein finanziell kein Weg mehr vorbei. Auch wenn es Studenten in ihrem behüteten Biotop nicht wissen mögen (zuerst zumeist in einem Bildungshaushalt aufgewachsen, Gymnasium, Studium - maximal unverbindliche Studentenjobs..) dreht sich die Gesellschaft nicht um die Unis und deren Finanzierung. Bildung mag eine wohlfeile Priorität sein - aber nicht die einzige. Dass Kindergartenplätze etwas kosten sollen, Akademiker aber zB nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen können brauch mir keiner erzählen. Die Empörung die dann immer mit Ausgrenzung von Arbeiterkindern vom Studium etc begründet wird speist sich doch vor allem daraus dass man schlicht keinen Cent dafür ausgeben will. Freilich möchte ich auch Stipendienprogramme, damit Leistung und nicht Geldbeutel der Eltern entscheiden wer studieren kann.

    Also bitte nicht immer das Feigenblatt der sozialen Gerechtigkeit vorschieben wenn man einfach nur nix zahlen will..

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    Ihre Polemik ist überzogen. Ich habe an keiner Stelle die Bildungsproblemen mit anderen Missständen verglichen und selbst wenn ich es getan hätte, blieben es Missstände.

    Ich möchte mich nicht weigern zu zahlen. Ich kann mir Studiengebühren leisten und ich zahle sie seit vier Semestern. Persönlich kenne ich Kommilitoninnen und Kommilitonen, die wegen der Studiengebühren ihr Studium abgebrochen haben. Das ist ein Zustand, den ich nicht zu akzeptieren bereit bin. Genauso wenig akzeptiere ich die vorgebliche finanzielle Notwendigkeit der Einführung von Studiengebühren. Zunächst ist es offenkundig einigen Bundesländern möglich, auf ihre Einführung zu verzichten. Überdies ist es eine Frage der Finanzpolitik und damit der Prioritätensetzung, wie viel Geld dem Bildungssektor zukommt.

    Leider - und hier drücke ich gern noch einmal auf die Tränendrüse - werden in Zeiten sog. Sachzwänge plötzlich kritisierbare Zustände gegeneinander aufgewogen, obwohl man sich in diese Position nicht begeben muss. Solch fehlgeleiteten Pragmatismus lehne ich ab. Dass ich "die" Akademiker außerdem nicht vor Kritik in Schutz nehmen möchte, können sie in vielen meiner anderen Beiträge nachlesen.

    Jawoll, der zukünftige reiche, fette Akademiker soll gefälligst für seine Ausbildung zahlen! Was für eine geistige Fehlleistung.
    Es ist ja nicht nur so, dass der fette, reiche Akademiker später dank hohen Steuersatzes gutes Geld zurück in die Staatskasse zahlt. Darüber hinaus fehlen der Gesellschaft auch Akademiker, damit die Wirtschaft wachsen und noch mehr fette, reiche Akademiker (und andere Arbeitnehmer) bezahlen kann, die dann noch mehr Steuergeld einzahlen können.
    Ist natürlich auch unpraktisch, dass viele der potentiellen zukünftigen fetten, reichen Akademiker noch gar nichts von ihrer rosigen Zukunft wissen und im Zweifelsfall das Studieren lieber bleibenlassen, als Geld, das sie nicht haben, in ihre ungewisse (rosige!) Zukunft zu stecken.

    Mag ja schön pragmatisch wirken, wenn man Bildungsausgaben einfach mal mit anderen gesellschaftlichen Ausgaben gleichstellt und nach Wichtigkeit sortiert. Es ist nur ziemlich blöd, wenn man dabei vergisst, dass erst die Bildung dafür sorgt, dass es überhaupt Geld zu verteilen gibt. Möglicherweise wäre es dann der bessere Pragmatismus, lieber auch den Kindern reicher Menschen eine kostenfreie Bildung zu schenken, als das Risiko einzugehen, weniger Akademiker auszubilden.

    • Rudi01
    • 13.03.2009 um 23:32 Uhr

    Wohl kaum jemand, der den Unsinn der Studiengebühren kritisiert, dürfte sich für den andersartigen Unfug von kostenpflichtigen Kindergartenplätzen aussprechen. Was soll also dieses Pseudo-Argument, das Mahun vorbringt: "Dass Kindergartenplätze etwas kosten sollen, Akademiker aber zB nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen können brauch mir keiner erzählen." Hier wird schlicht und einfach eine Meinung konstruiert - und postwendend attackiert - die niemand ernsthaft vertritt.

    Auch das ist übrigens ein beliebter Trick aus der Manipulationskiste:
    1) eine offensichtlich inkonsistente und unhaltbare Argumentation selbst erfinden, die den anzugreifenden Standpunkt des Gegners oberflächlich betrachtet stützt,
    2) diese fehlerhafte Argumentation möglichst nachdrücklich dem Gegner unterstellen,
    3) und dann ganz laut darauf hinweisen, wie unsinnig es ist, so zu argumentieren.

    Noch eins: man vertiefe sich mal in Mahuns Formulierung dass "Akademiker nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen...". Es lohnt sich, das zwei oder drei Mal zu lesen...

    Ihre Polemik ist überzogen. Ich habe an keiner Stelle die Bildungsproblemen mit anderen Missständen verglichen und selbst wenn ich es getan hätte, blieben es Missstände.

    Ich möchte mich nicht weigern zu zahlen. Ich kann mir Studiengebühren leisten und ich zahle sie seit vier Semestern. Persönlich kenne ich Kommilitoninnen und Kommilitonen, die wegen der Studiengebühren ihr Studium abgebrochen haben. Das ist ein Zustand, den ich nicht zu akzeptieren bereit bin. Genauso wenig akzeptiere ich die vorgebliche finanzielle Notwendigkeit der Einführung von Studiengebühren. Zunächst ist es offenkundig einigen Bundesländern möglich, auf ihre Einführung zu verzichten. Überdies ist es eine Frage der Finanzpolitik und damit der Prioritätensetzung, wie viel Geld dem Bildungssektor zukommt.

    Leider - und hier drücke ich gern noch einmal auf die Tränendrüse - werden in Zeiten sog. Sachzwänge plötzlich kritisierbare Zustände gegeneinander aufgewogen, obwohl man sich in diese Position nicht begeben muss. Solch fehlgeleiteten Pragmatismus lehne ich ab. Dass ich "die" Akademiker außerdem nicht vor Kritik in Schutz nehmen möchte, können sie in vielen meiner anderen Beiträge nachlesen.

    Jawoll, der zukünftige reiche, fette Akademiker soll gefälligst für seine Ausbildung zahlen! Was für eine geistige Fehlleistung.
    Es ist ja nicht nur so, dass der fette, reiche Akademiker später dank hohen Steuersatzes gutes Geld zurück in die Staatskasse zahlt. Darüber hinaus fehlen der Gesellschaft auch Akademiker, damit die Wirtschaft wachsen und noch mehr fette, reiche Akademiker (und andere Arbeitnehmer) bezahlen kann, die dann noch mehr Steuergeld einzahlen können.
    Ist natürlich auch unpraktisch, dass viele der potentiellen zukünftigen fetten, reichen Akademiker noch gar nichts von ihrer rosigen Zukunft wissen und im Zweifelsfall das Studieren lieber bleibenlassen, als Geld, das sie nicht haben, in ihre ungewisse (rosige!) Zukunft zu stecken.

    Mag ja schön pragmatisch wirken, wenn man Bildungsausgaben einfach mal mit anderen gesellschaftlichen Ausgaben gleichstellt und nach Wichtigkeit sortiert. Es ist nur ziemlich blöd, wenn man dabei vergisst, dass erst die Bildung dafür sorgt, dass es überhaupt Geld zu verteilen gibt. Möglicherweise wäre es dann der bessere Pragmatismus, lieber auch den Kindern reicher Menschen eine kostenfreie Bildung zu schenken, als das Risiko einzugehen, weniger Akademiker auszubilden.

    • Rudi01
    • 13.03.2009 um 23:32 Uhr

    Wohl kaum jemand, der den Unsinn der Studiengebühren kritisiert, dürfte sich für den andersartigen Unfug von kostenpflichtigen Kindergartenplätzen aussprechen. Was soll also dieses Pseudo-Argument, das Mahun vorbringt: "Dass Kindergartenplätze etwas kosten sollen, Akademiker aber zB nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen können brauch mir keiner erzählen." Hier wird schlicht und einfach eine Meinung konstruiert - und postwendend attackiert - die niemand ernsthaft vertritt.

    Auch das ist übrigens ein beliebter Trick aus der Manipulationskiste:
    1) eine offensichtlich inkonsistente und unhaltbare Argumentation selbst erfinden, die den anzugreifenden Standpunkt des Gegners oberflächlich betrachtet stützt,
    2) diese fehlerhafte Argumentation möglichst nachdrücklich dem Gegner unterstellen,
    3) und dann ganz laut darauf hinweisen, wie unsinnig es ist, so zu argumentieren.

    Noch eins: man vertiefe sich mal in Mahuns Formulierung dass "Akademiker nicht mal per Kredit von ihrem späteren Akademikergehalt etwas beitragen...". Es lohnt sich, das zwei oder drei Mal zu lesen...

  2. "Also bitte nicht immer das Feigenblatt der sozialen Gerechtigkeit vorschieben wenn man einfach nur nix zahlen will.."
    Oder schlicht nicht zahlen kann. Da nützt der reine Wille aber auch rein gar nichts:
    "Hundert eingebildete Taler in meiner Tasche sind keine hundert wirkliche." (I. Kant)
    rheinelbe

    • dk-dud
    • 06.03.2009 um 15:00 Uhr

    Um es vorwegzunehmen: Ich bin ein Befürworter einerseits der Studiengebühren und andererseits der Durchsetzung der Zweckbindung dieser Gelder.
    Beides gehört für mich zusammen, damit die Studenten nicht zur Melkkuh der Uni-Verwaltung werden.
    Die vom Autor des Artikels angeführten Gefahren einen Studentenvetos (natürlich nur für die Summe der Studiengebühren) sehe ich nicht.
    Die Gelder müssten eben einfach so lange auf einem Sonderkonto verweilen, bis die Studentenvertreter (mehrheitlich) zustimmen. Lehnen sie - ggf. über Jahre hinweg - die Zustimmung ab, so bleiben die Gelder dort.
    Ich möchte die noch so radikalen Studentenvertreter sehen, die dem Druck Ihrer Wählerschaft so lange standhalten können.
    Das sind doch klassische "Checks and Balances".
    Was den Uni-Präsidenten Liebig betrifft: Er verstößt eindeutig gegen Zusagen und müsste sofort rausgeworfen werden.

  3. Ihre Polemik ist überzogen. Ich habe an keiner Stelle die Bildungsproblemen mit anderen Missständen verglichen und selbst wenn ich es getan hätte, blieben es Missstände.

    Ich möchte mich nicht weigern zu zahlen. Ich kann mir Studiengebühren leisten und ich zahle sie seit vier Semestern. Persönlich kenne ich Kommilitoninnen und Kommilitonen, die wegen der Studiengebühren ihr Studium abgebrochen haben. Das ist ein Zustand, den ich nicht zu akzeptieren bereit bin. Genauso wenig akzeptiere ich die vorgebliche finanzielle Notwendigkeit der Einführung von Studiengebühren. Zunächst ist es offenkundig einigen Bundesländern möglich, auf ihre Einführung zu verzichten. Überdies ist es eine Frage der Finanzpolitik und damit der Prioritätensetzung, wie viel Geld dem Bildungssektor zukommt.

    Leider - und hier drücke ich gern noch einmal auf die Tränendrüse - werden in Zeiten sog. Sachzwänge plötzlich kritisierbare Zustände gegeneinander aufgewogen, obwohl man sich in diese Position nicht begeben muss. Solch fehlgeleiteten Pragmatismus lehne ich ab. Dass ich "die" Akademiker außerdem nicht vor Kritik in Schutz nehmen möchte, können sie in vielen meiner anderen Beiträge nachlesen.

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