Krisenbekämpfung Achtung, fertig –Halt!
In der Krise behaupten viele: Die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie ist zu langsam in einer globalisierten Welt. Von wegen. Ein Essay

© Sean Gallup/Getty Images
Das Matterhorn, bekanntester Berg der Schweiz
In der Schweiz werden nicht nur Flüsse und Seen gestaut, sondern auch Reformen und Innovationen. Reformstau ist ein in diesem Zusammenhang häufig gehörtes Wort, welches andeutet, dass hierzulande alles viel zu langsam geht. Die Schweiz müsse, so meinen die Kritiker des hiesigen politischen Systems, viel schneller umgestaltet, angepasst und reformiert werden. So forderte etwa die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Schweiz in ihrem Länderbericht 2007 zu einem größeren Reformtempo auf. Ansonsten bleibe das Land »in dieser Hinsicht innerhalb der OECD-Staaten zurück und gefährde den Lebensstandard seiner Bürger«. Hinter solchen Aussagen steckt der Glaube, dass es einem Land umso besser gehe, je mehr Reformen pro Zeiteinheit durchgeführt werden. Oder wie es ein ehemaliger Rektor der Universität St. Gallen formuliert hat: »Es braucht keine Begründung für eine Reform, sondern vielmehr eine Begründung dafür, weshalb keine Reform durchgeführt wird.«
Die Schleusen sollen also geöffnet werden, damit sich ein fruchtbarer Strom von Neuerungen über unser Land ergieße. Das geht allerdings nicht, solange es Schleusenwärter gibt, die das hartnäckig verhindern. Der Thinktank Avenir Suisse hat diese Schleusenwärter in intensiver Detektivarbeit schon vor längerer Zeit ausfindig gemacht (in seiner Publikation Wohlstand ohne Wachstum – eine Schweizer Illusion«): Es sind das Volk und bestimmte Interessengruppen dieses Volkes wie Umweltschutzorganisationen, Heimatschutz, VCS. Wie soll es denn in einem Land vorwärts gehen, wenn das Volk nicht in der Lage ist, die Notwendigkeit von Änderungen zu erkennen und ständig an der Urne dazwischenfunkt? Wie soll die Regierung »zukunftsorientiert« arbeiten können, wenn bestimmte Interessengruppen ständig mit Initiativen und Referenden drohen oder »wegweisende Projekte« mit Einsprachen bekämpfen? Die Lösung scheint für reformfreudige Politiker darin zu bestehen, die Demokratie so zurechtzustutzen, dass das Volk dem Fortschritt nicht mehr im Weg stehen kann. Für die Mehrheit des Schweizer Volkes würde sich dadurch gar nichts ändern, da sie sowieso weder an Abstimmungen teilnimmt noch sich in Interessengruppen engagiert. Aber nach wie vor gibt es eine hartnäckige Minderheit, die stur an ihren Volksrechten festhält, und diese gilt es in die Schranken zu weisen.
Am einfachsten ließe sich das Demokratieproblem natürlich mit einem EU-Beitritt lösen, da dieser automatisch zu einer Einschränkung der Volksrechte führen würde. Doch hat es der Bundesrat in der Vergangenheit nicht geschafft, diese Idee den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern schmackhaft zu machen. Und inzwischen wagt dieses Gremium keine Vorstöße in Richtung Europa mehr.
Also muss man dem Volk auf andere Weise das Heft aus der Hand nehmen, um das Reformtempo zu steigern. Zum Beispiel indem man wichtige Bereiche des Staates wie etwa Gesundheitswesen, Post oder Bildungswesen privatisiert.
Die Menschen in den EU-Ländern hätten auch lieber weniger Reform
Ist der Staat erst einmal draußen, hat auch der Bürger nichts mehr zu sagen. Im Weiteren lassen sich auch die Unterschriftenzahlen für Referenden heraufsetzen oder die Bedingungen für Initiativen verkomplizieren, sodass dem Volk die Lust an der Wahrung der Volksrechte vergeht. Und natürlich bekämpft man das Verbandsbeschwerderecht. Die FDP wollte diesem mit einer Initiative vor Kurzem den Garaus bereiten. Doch die Stimmbürger konnten sich nicht durchringen, der FDP bei diesem Befreiungsschlag zu folgen, und ließen die Partei bei ihrem Kampf gegen die Demokratie (pardon: gegen eine Verhinderungspolitik) im Regen stehen.
Sind die Volksrechte erst einmal eingeschränkt und kann das Volk nicht mehr ständig sein Veto einlegen, dann würde gemäß den Reformenthusiasten endlich »ein Ruck durch das Land gehen«. Wir hätten es dann auch so gut wie die Menschen in EU-Ländern, wo eine starke Exekutive seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Reformen und Projekte auch gegen den Willen des Volkes mutig vorangetrieben werden. Schweizer sind eben nach dieser Meinung zu bedächtig und zu wenig änderungsfreudig. Sie sehen nicht, dass ein zu gemächliches Reformtempo Wachstum und Wohlstand gefährdet. Deshalb muss die Regierung zum langfristigen Wohl ihrer Bürger manchmal streng sein und auch unpopuläre Entscheide treffen, so wie Eltern ihren Kindern zu deren eigenem Wohl etwas verbieten müssen. Antiautoritäre Erziehung hat sich nicht bewährt. Dasselbe gilt, wenn wir den Kritikern des Schweizer Systems folgen, auch für einen antiautoritären, direkt demokratisch organisierten Staat.
Doch haben es die Länder mit einer starken Exekutive tatsächlich besser? Freuen sich die Deutschen darüber, dass frühere Regierungen ihre ehemals angesehenen Universitäten mit visionären Bildungsreformen in Massenabfertigungsanstalten verwandelt haben? Herrscht in Frankreich Dankbarkeit darüber, dass Regierungen im Rahmen von zukunftsweisenden Energiekonzepten seit Jahrzehnten Unsummen in Atomkraftwerke investieren, obwohl der Energiebedarf gedeckt ist? Erinnern sich die Italiener gern an die bahnbrechende Medienreform der ersten Regierung Berlusconi, welche die Meinungsvielfalt in der Presse und im Fernsehen durch eine einheitliche Regierungsdoktrin ersetzt hat?
Es ist zu vermuten, dass die Menschen in all diesen Ländern lieber weniger Reform und etwas mehr Demokratie gehabt hätten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die jeweilige Regierung eher sozialistisch oder eher marktorientiert war. Unsinn kommt von rechts und von links. Es ist die Stärke der direkten Demokratie, dass Regieren gegen den Willen der Bürger etwas schwieriger ist als in anderen Staatsformen. Damit verlangsamt sie zwar viele Reformprozesse und Neuerungen, aber im Nachhinein ist man oft froh, denn angeblich zukunftsweisende wichtige Projekte können schon einige Jahre später zu schweren Hypotheken werden. Und andere Interessen des Volkes werden dafür einfach vernachlässigt. Nur eine Regierung, die immer wieder durch das Volk in die Schranken gewiesen wird, handelt längerfristig auch in dessen Interesse. Wäre etwa die Alpeninitiative in der Schweiz nicht gewesen, welche das Schweizer Stimmvolk gegen den Willen von Bundesrat und Parlament annahm, dann hätte die Regierung kaum etwas zum Schutze der Bevölkerung vor dem Transitverkehr in der wirtschaftlich wenig bedeutenden Alpenregion unternommen.
Generell gilt, dass das in früheren, traditionellen Gesellschaften verbreitete Festklammern am Status quo
(status quo bias)
heute durch einen Hang zu steter Veränderung
(change bias)
verdrängt worden ist, der sich dann in den Zielen nach stets mehr Innovationen und nach immer neuen Reformen niederschlägt. Das Problem ist nur, dass die Menschen diese oftmals gar nicht wollen und ihnen diese von der Regierung aufgezwungen werden. Bei heute noch existierenden traditionellen Gesellschaften wie den Amish in Pennsylvania wird hingegen nach wie vor der Status quo und nicht Innovation und Veränderung hochgehalten. Das Leben wird dort durch immergleiche Abläufe des Lebens und durch Rituale dominiert. Die Amish wollen nicht immer schneller, größer, moderner und effizienter sein. Sie misstrauen Neuerungen, wie es auch unter den Christen im mittelalterlichen Europa üblich war. Wegen ihres so ganz eigenen Lebensstils werden die Amish ständig von Soziologen, Psychologen und Glücksforschern belästigt, denn diese möchten wissen, wie sich die andere Lebensweise auf die Menschen und ihre Gesellschaft auswirkt. Doch die Forschung führt immerhin zu einigen interessanten Resultaten. So zeigt es sich etwa, dass die Häufigkeit von Depressionen bei den Amish im Vergleich zum Rest der Bevölkerung vernachlässigbar gering ist. Sie scheinen ein glückliches Leben zu führen, und im Schnitt sind sie so glücklich wie die reichsten Amerikaner.
Aus ökonomischer Sicht sind die Amish somit in Wirklichkeit eine hocheffiziente Gesellschaft. Sie erreichen das gleiche Maß an Glück wie reiche Amerikaner mit einem Bruchteil von deren materiellem Wohlstand. Und sie sind frei von dem Stress, sich ständig um mehr Innovation und Reformen bemühen zu müssen. Damit möchte ich nun keineswegs vorschlagen, dass wir in Zukunft alle wie die Amish leben sollen. Das würde schon allein an der Menge der Pferde scheitern, die wir dann züchten müssten, um den ganzen motorisierten Verkehr zu ersetzen. Und diese Massenpferdezucht würde vermutlich ähnliche Umweltprobleme schaffen wie der Einsatz von Verbrennungsmotoren heute. Und doch können wir von den Amish etwas Wichtiges lernen. Es lohnt sich nicht, ständig neue Möglichkeiten zu erfinden, um bewährte Traditionen zu zerstören, nur weil diese im Moment nicht effizient oder innovativ scheinen. Dank der direkten Demokratie hat die Schweiz heute noch einen Touch von »Amishness«, der sich positiv auf unsere Lebensqualität auswirkt.
Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, Privatdozent an der Universität St. Gallen und Autor von »Die Tretmühlen des Glücks. Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher. Was können wir tun?«, erschienen bei Herder
- Datum 10.03.2009 - 20:22 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
- Kommentare 13
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All den Heuchlern, die wahlweise behaupten, wir in Deutschland hätten bereits eine Demokratie, oder, Demokratie funktioniere nicht, weil das Volk zu blöd sei, sei gesagt: Mehr Demokratie ist möglich, sie funktioniert, schafft ein einzigartiges Maß an innerem und äußerem Frieden und Loyalität dem Staat gegenüber, wie es kein noch so wohlwollender Potentat und keine "Volksvertreter" je erwecken könnten.
Möge die Schweiz der EU auf immer fernbleiben -- nicht, weil ich die Schweiz nicht "bei uns" haben möchte, sondern weil damit das letzte Denkmal der Demokratie von der europäischen Landkarte verschwinden würde.
Leider können wir Deutschen unsere politische Elite, die mehr Demokratie niemals zulassen würde, nicht loswerden, bevor nicht der ganze Karren vor die Wand gefahren ist. Ohne Katastrophe geht's halt mit den Deutschen nicht. Immerhin, dank der von unserer brillianten, reformfreudigen "Elite" mutwillig herbeigeführten Wirtschaftskrise dauert's vielleicht nicht mehr lange, bis mal wieder alles in Trümmern liegt.
... die Schweiz ist die einzige weltweite Referenz dafür, dass direkte Demokratie gut und idR sogar besser funktioniert als irgendein pseudodemokratisches repräsentatives System.
Eine Referenz, die selbst jene überheblichen Egomanen nicht leugnen können, die sonst das Volk als unfähig, dumm, lahm, egoistisch und selbstzerstörerisch brandmarken (natürlich immer in dem irrigen Glauben selbst viel besser zu wissen, was für die Menschen gut ist).
Die Schweiz und deren System hat deshalb eine immense Bedeutung, weit über ihre eigenen Grenzen hinaus. Ein Glücksfall der Geschichte, der es uns vielleicht ermöglicht dieses dunkle zweite Mittelalter schneller zu verlassen, diese undemokratische Zeit des Neofeudalismus mit seinen Medienlügen seiner Unbeständigkeit und seiner globalen Ausbeutung.
Zur Demokratie und EU
Erstaunlich das in Deutschland der Sinn und Zweck einer Demokratie
nicht besser bekannt ist. Erstaunlich um so mehr, weil in Deutschland,
ein zu diesem Thema besten ausgewiesener Dozent für Staatsrechte
lehrt und unterrichtet. Habe ich seine Worte zur EU und Deutschland
richtig verstanden, so ist in eben diesem Deutschland durch die
Vollmitgliedschaft in der EU die wahre Demokratie aufgegeben worden.
... die Schweiz ist die einzige weltweite Referenz dafür, dass direkte Demokratie gut und idR sogar besser funktioniert als irgendein pseudodemokratisches repräsentatives System.
Eine Referenz, die selbst jene überheblichen Egomanen nicht leugnen können, die sonst das Volk als unfähig, dumm, lahm, egoistisch und selbstzerstörerisch brandmarken (natürlich immer in dem irrigen Glauben selbst viel besser zu wissen, was für die Menschen gut ist).
Die Schweiz und deren System hat deshalb eine immense Bedeutung, weit über ihre eigenen Grenzen hinaus. Ein Glücksfall der Geschichte, der es uns vielleicht ermöglicht dieses dunkle zweite Mittelalter schneller zu verlassen, diese undemokratische Zeit des Neofeudalismus mit seinen Medienlügen seiner Unbeständigkeit und seiner globalen Ausbeutung.
Zur Demokratie und EU
Erstaunlich das in Deutschland der Sinn und Zweck einer Demokratie
nicht besser bekannt ist. Erstaunlich um so mehr, weil in Deutschland,
ein zu diesem Thema besten ausgewiesener Dozent für Staatsrechte
lehrt und unterrichtet. Habe ich seine Worte zur EU und Deutschland
richtig verstanden, so ist in eben diesem Deutschland durch die
Vollmitgliedschaft in der EU die wahre Demokratie aufgegeben worden.
Wobei man korrigieren muss:
"Es lohnt sich nicht, ständig neue Möglichkeiten zu erfinden, um bewährte Traditionen zu zerstören"
Das geschieht imho eher selten weil es so "innovativ" ist, der normale Grund dürfte einfach Korruption und Geldgeilheit der herrschenden Elite sein. Man schaut nicht so genau hin, an Stellen die kein Geld versprechen oder welches kosten könnten (Alpentransit), dafür manipuliert und agiert man was das Zeug hält, wenn es im Interesse irgendwelcher Konzerne ist (Privatisierung). Auch die Schweiz kämpft also gegen die Unterwanderung der Demokratie durch den ausufernden Kapitalismus mit seinem Renditewahn und seiner Geld- und Machtakkumulation, nur haben die Schweizer dabei (noch) die besseren Waffen. Wir Deutschen sind dagegen fast machtlos, außer idR ignorierten Demos erlaubt man uns keinerlei Einfluß, wenn die Herrschaften mal wieder in Hinterzimmern die Details aushandeln. Zwangsbeglückung ist bei uns leider die Regel.
Ich habe die Hoffnung noch immer nicht aufgegeben, dass Deutschland vielleicht auch noch (auf friedlichem Wege) demokratisch wird. Daher sei hier wiederholt an die Aktion von Mehr Demokratie e.V. erinnert, die passend zur Wahl der Partei-Oligarchie Druck machen soll für den bundesweiten Volksentscheid. Unterschriften, Geld, Mund-zu-Mund-Propaganda, alles hilft.
... die Schweiz ist die einzige weltweite Referenz dafür, dass direkte Demokratie gut und idR sogar besser funktioniert als irgendein pseudodemokratisches repräsentatives System.
Eine Referenz, die selbst jene überheblichen Egomanen nicht leugnen können, die sonst das Volk als unfähig, dumm, lahm, egoistisch und selbstzerstörerisch brandmarken (natürlich immer in dem irrigen Glauben selbst viel besser zu wissen, was für die Menschen gut ist).
Die Schweiz und deren System hat deshalb eine immense Bedeutung, weit über ihre eigenen Grenzen hinaus. Ein Glücksfall der Geschichte, der es uns vielleicht ermöglicht dieses dunkle zweite Mittelalter schneller zu verlassen, diese undemokratische Zeit des Neofeudalismus mit seinen Medienlügen seiner Unbeständigkeit und seiner globalen Ausbeutung.
Absolut richtig, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen! Einer direkten Demokratie wie in der Schweiz gelingt es im politischen Alltag regelmässig, Reformen nur um des reformen willens auf gesunde Weise in Schach zu halten. Heraus kommen schliesslich zumeist vernünftige Lösungen, die auf mittelfristigen Bestand ausgerichtet sind. So verstehen die Bürger Veränderungen, können sie mitverfolgen und begleiten. Machen wir uns mit Blick auf ein Land wie Deutschland mit seinen permanenten Reformen doch nichts vor: Bürger haben weitgehend abgeschaltet, kommen mit der Komplexität der administrierten Lebensumstände nicht mehr mit und haben sich innerlich längst abgewendet, da Wirkungsfolgenabschätzungen des eigenen Tuns kaum mehr möglich sind. Das gilt im besonderen auch für juristische Personen. Hohe Reform-Taktraten werden so auf Sicht zu Aktionismus, und eignen sich wunderbar, die Leistungsbemessung zu verunmöglichen. Ein gutes Beispiel sind die permanenten Reformen im Bildungsbereich der Bundesländer, wo die schlechteren Ergebnisse dort sichtbar sind, wo immer wieder die Reformkeule geschwungen wird. Sozialdemokratische Hochburgen bekommen das regelmässig schwarz auf weiss serviert.
Insgesamt sicher ein Hauptgrund für brain-drain, ein Land wie Deutschland zunehmend verlassen.
Soviel freisinniges Gedankengut und stolzen Trotz ist man aus deutschen Zeitungen gar nicht gewohnt. Ich hatte anfänglich geglaubt, dass ich auf der Internet-Präsenz der NZZ gelandet bin.
„Ich hätte mir gewünscht, in einem Land geboren zu sein, in dem der Souverän und das Volk, nur ein und dasselbe Interesse haben könnten,...“
Dies ist ein Zitat aus der einleitenden Widmung von Rousseaus Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen. Er widmete diese Schrift den Bürgern der Stadt Genf. Klar, zum einen war er Schweizer, in Deutschland hätte er aber auch schlecht Zuhörer gefunden. Voltaire ging es übrigens nicht anders. Während er in der Schweiz mit Bürgern über die Aufklärung disputierte, war dies in Preussen freilich eine Angelegenheit des Königs, und zwar solange, bis der König genug davon hatte.
Die Dinge werden sich in Deutschland nie ändern, dafür steht dem Volk nicht der Sinn und der Verstand. Es kennt nur die Form des herumkommandiert zu werden. Der Staat denkt, der Staat lenkt. Der Obrigkeitsglaube sitzt tief verankert in der Seele; die politischen Zustände werden als schicksalhaft gegeben hingenommen.
Es gab kurze Zeitspannen, z.B. nach den Befreiungskriegen und im Windschatten der preußischen Staatsreformen, da sah es so aus, als könnten sich die Verhältnisse ähnlich entwickeln, wie es in Bern, Zürich oder Genf der Fall gewesen ist. Auch möchte ich an die Zeit der Mainzer Republik erinnern, die freilich durch Preussens Armee beendet wurde. Aber dies waren immer nur Phasen, in denen die Monarchie kurzzeitig labil war und ihren Schwächen sie am sympathischsten erscheinen ließ.
Die Habsburger wählten als ihr Leitmotiv felix austria. Eigentlich müßte es jedoch felix helvecia heißen. Schließlich sind die Bundesgenossen diese Bande losgeworden.
Es ist schon lange her, daß ich in der Zeit einen Artikel lesen konnte dem ich so vorbehaltlos zustimmen konnte! Schweiz, Du hast es besser! Dort wählt sich das Volk eine Regierung, in Deutschland hingegen glaubt die Regierung, sie müsse sich ein Volk erziehen - in steter Ermahnung, mit den Medien im Schlepptau und stets den neusten Trends folgend.
Wer pauschale Äußerungen solcher Qualität tätigt hat sich in meinen Augen disqualifiziert. Blocher ist also zB eine Lichtgestalt? Dass es sich beim Volkeswillen um etwas unschuldiges, reines und tugendhaftes handelt war schon immer naiv. Freilich kann die Macht nur vom Volke ausgehen, aber die Institutionen müssen so angelegt sein dass sie sich gegenseitig kontrollieren und keine einzelne Instanz gewisse Dinge alleinig in der Hand hat. Auch nicht der Bürger. In den USA, wer Staatskunde hatte weiss dass selbst die Schweiz ein zentralistischer Staat ist verglichen mit den extremst föderalen USA wo selbst Universitäten auf ihrem Gelände über eigene polizeiliche Hoheit verfügen, geschieht dies durch die berühmten Checks and Balances. Aber auch scharf abgegrenzte Zuständigkeiten, über allem steht immer die Verfassung und die Bill of Rights. Nichts und niemand, auch nicht das Volk, kann dies außer Kraft setzen oder ändern. Jeder kleine Bürger kann vor dem Supreme Court klagen selbst wenn durch Volksabstimmungen, die es in den USA unablässig gibt (zB sog. "Propositions", das sind soviele dass die sogar einfach nur durchnummeriert werden, in Kalifornien ging in es in der Proposition 8 zB um die Homo-Ehe), eine 100% Mehrheit für etwas gestimmt hätte - über der Verfassung steht niemand. Auch nicht das Volk. Nicht nur die deutsche Geschichte bweist dass dies ein weißes Prinzip ist, nur weil die Schweiz bisher keinen größeren Sündenfall in ihrer Geschichte hatte heißt dies noch lange nicht dass es sich um bessere Menschen handelt.
Im Übrigen finde ich dass bei den Norddeutschen immer diese unfassbar innige Liebe zu der Schweiz eine Rolle spielt, alles ist toll weil es aus der Schweiz ist und da ist es ja auch so sauber und die sprechen so "putzich" und Heimat-Idylle und ach. Jedem das seine, für mich als Allgäuer sind die Schweizer einfach nur Nachbarn die paar KM weiter im Südwesten wohnen und bei denen es genauso ausschaut wie bei mir vor der Tür, aber legt endlich mal die rosarote Brille ab. Dass ich regelmäßig wenn ich im Norden bin für einen Schweizer gehalten werde tut sein übriges um mich zu entnerven, das Alamannische wird schließlich nicht nur in der CH gesprochen. Schaut euch das in der Schweiz mal wirklich vorbehaltslos aus der Nähe an dann seht ihr dass nicht alles Gold ist was auf dem Papier gut klingt. Achja, bis ins späte 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz noch Kantone in denen Frauen keinerlei Wahlrecht hatten. Demokratie ist also relativ, oder wie heißt es schon "We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.." ;-)
müssen stets erzogen werden, wenn ich mir diese Horden an Rechtsradikalen [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und pauschalisierende Aussagen. Danke. Die Redaktion/m.e. ] anschaue...
Bloss der Erzieher (USA) wird langsam immer schwächer, das macht mir persönlich Angst.
Wehe dem entfesselten, penibel-genauen, deutschen Zorn.
Wer pauschale Äußerungen solcher Qualität tätigt hat sich in meinen Augen disqualifiziert. Blocher ist also zB eine Lichtgestalt? Dass es sich beim Volkeswillen um etwas unschuldiges, reines und tugendhaftes handelt war schon immer naiv. Freilich kann die Macht nur vom Volke ausgehen, aber die Institutionen müssen so angelegt sein dass sie sich gegenseitig kontrollieren und keine einzelne Instanz gewisse Dinge alleinig in der Hand hat. Auch nicht der Bürger. In den USA, wer Staatskunde hatte weiss dass selbst die Schweiz ein zentralistischer Staat ist verglichen mit den extremst föderalen USA wo selbst Universitäten auf ihrem Gelände über eigene polizeiliche Hoheit verfügen, geschieht dies durch die berühmten Checks and Balances. Aber auch scharf abgegrenzte Zuständigkeiten, über allem steht immer die Verfassung und die Bill of Rights. Nichts und niemand, auch nicht das Volk, kann dies außer Kraft setzen oder ändern. Jeder kleine Bürger kann vor dem Supreme Court klagen selbst wenn durch Volksabstimmungen, die es in den USA unablässig gibt (zB sog. "Propositions", das sind soviele dass die sogar einfach nur durchnummeriert werden, in Kalifornien ging in es in der Proposition 8 zB um die Homo-Ehe), eine 100% Mehrheit für etwas gestimmt hätte - über der Verfassung steht niemand. Auch nicht das Volk. Nicht nur die deutsche Geschichte bweist dass dies ein weißes Prinzip ist, nur weil die Schweiz bisher keinen größeren Sündenfall in ihrer Geschichte hatte heißt dies noch lange nicht dass es sich um bessere Menschen handelt.
Im Übrigen finde ich dass bei den Norddeutschen immer diese unfassbar innige Liebe zu der Schweiz eine Rolle spielt, alles ist toll weil es aus der Schweiz ist und da ist es ja auch so sauber und die sprechen so "putzich" und Heimat-Idylle und ach. Jedem das seine, für mich als Allgäuer sind die Schweizer einfach nur Nachbarn die paar KM weiter im Südwesten wohnen und bei denen es genauso ausschaut wie bei mir vor der Tür, aber legt endlich mal die rosarote Brille ab. Dass ich regelmäßig wenn ich im Norden bin für einen Schweizer gehalten werde tut sein übriges um mich zu entnerven, das Alamannische wird schließlich nicht nur in der CH gesprochen. Schaut euch das in der Schweiz mal wirklich vorbehaltslos aus der Nähe an dann seht ihr dass nicht alles Gold ist was auf dem Papier gut klingt. Achja, bis ins späte 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz noch Kantone in denen Frauen keinerlei Wahlrecht hatten. Demokratie ist also relativ, oder wie heißt es schon "We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.." ;-)
müssen stets erzogen werden, wenn ich mir diese Horden an Rechtsradikalen [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und pauschalisierende Aussagen. Danke. Die Redaktion/m.e. ] anschaue...
Bloss der Erzieher (USA) wird langsam immer schwächer, das macht mir persönlich Angst.
Wehe dem entfesselten, penibel-genauen, deutschen Zorn.
Wer pauschale Äußerungen solcher Qualität tätigt hat sich in meinen Augen disqualifiziert. Blocher ist also zB eine Lichtgestalt? Dass es sich beim Volkeswillen um etwas unschuldiges, reines und tugendhaftes handelt war schon immer naiv. Freilich kann die Macht nur vom Volke ausgehen, aber die Institutionen müssen so angelegt sein dass sie sich gegenseitig kontrollieren und keine einzelne Instanz gewisse Dinge alleinig in der Hand hat. Auch nicht der Bürger. In den USA, wer Staatskunde hatte weiss dass selbst die Schweiz ein zentralistischer Staat ist verglichen mit den extremst föderalen USA wo selbst Universitäten auf ihrem Gelände über eigene polizeiliche Hoheit verfügen, geschieht dies durch die berühmten Checks and Balances. Aber auch scharf abgegrenzte Zuständigkeiten, über allem steht immer die Verfassung und die Bill of Rights. Nichts und niemand, auch nicht das Volk, kann dies außer Kraft setzen oder ändern. Jeder kleine Bürger kann vor dem Supreme Court klagen selbst wenn durch Volksabstimmungen, die es in den USA unablässig gibt (zB sog. "Propositions", das sind soviele dass die sogar einfach nur durchnummeriert werden, in Kalifornien ging in es in der Proposition 8 zB um die Homo-Ehe), eine 100% Mehrheit für etwas gestimmt hätte - über der Verfassung steht niemand. Auch nicht das Volk. Nicht nur die deutsche Geschichte bweist dass dies ein weißes Prinzip ist, nur weil die Schweiz bisher keinen größeren Sündenfall in ihrer Geschichte hatte heißt dies noch lange nicht dass es sich um bessere Menschen handelt.
Im Übrigen finde ich dass bei den Norddeutschen immer diese unfassbar innige Liebe zu der Schweiz eine Rolle spielt, alles ist toll weil es aus der Schweiz ist und da ist es ja auch so sauber und die sprechen so "putzich" und Heimat-Idylle und ach. Jedem das seine, für mich als Allgäuer sind die Schweizer einfach nur Nachbarn die paar KM weiter im Südwesten wohnen und bei denen es genauso ausschaut wie bei mir vor der Tür, aber legt endlich mal die rosarote Brille ab. Dass ich regelmäßig wenn ich im Norden bin für einen Schweizer gehalten werde tut sein übriges um mich zu entnerven, das Alamannische wird schließlich nicht nur in der CH gesprochen. Schaut euch das in der Schweiz mal wirklich vorbehaltslos aus der Nähe an dann seht ihr dass nicht alles Gold ist was auf dem Papier gut klingt. Achja, bis ins späte 20. Jahrhundert gab es in der Schweiz noch Kantone in denen Frauen keinerlei Wahlrecht hatten. Demokratie ist also relativ, oder wie heißt es schon "We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal.." ;-)
Ich will mich gewiss nicht als Kenner der Schweiz aufspielen.
Aber:
Vor einigen Tagen haben wir hier über "Populismus" diskutiert, und wo Sie nun gerade Blocher erwähnen ...
Ich vertrat (z.B. hier
http://kommentare.zeit.de...)
die Meinung, dass der dumpfe "Populismus" immer dann entsteht, wenn sich der Bürger für sein Gemeinwesen nicht verantwortlich fühlt.
Ein wesentlicher Punkt, der mich zu dieser Einsicht brachte, war die Abstimmung, die die Schweizer wohl Anfang des Jahres durchgeführt haben, dass auch Rumänen und Bulgaren die Personenfreizügigkeit geniessen sollten - dass das nun populär sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. (Blocher war ja wohl auch dagegen?)
Wie ich gehört habe, haben ja wohl gegen 60% dafür und nur 40% dagegen gestimmt? Man hat mich dahingehend belehrt, dass das zwar richtig sei, der wahre Grund aber darin gelegen hätte, dass widrigenfalls die EU alle Verträge gekündigt hätte. Und da haben 60% der Abstimmenden nicht nur mit der Schulter gezuckt und sind -passiv- zu Hause geblieben, sondern sind -aktiv- losgestiefelt und haben zugestimmt - gegen Blocher gestimmt. Im Interesse des Gemeinwohls gegen das dumpfe Gefühl gestimmt.
Bei uns doch undenkbar!
Man lasse sich doch einmal die Einführung folgenden Textes auf der Zunge zergehen:
http://kommentare.zeit.de...
Dem Volk nach dem Maul zu reden gilt als übel. Doch manchmal ist es für die Demokratie hilfreich, wenn Politiker an den Ängsten der Bürger nicht einfach vorbeischauen.
Hier zeigt sich doch deutlich, wessen Geistes Kind die "Demokraten" eigentlich sind! ... für die Demokratie hilfreich ...
Ich will mich gewiss nicht als Kenner der Schweiz aufspielen.
Aber:
Vor einigen Tagen haben wir hier über "Populismus" diskutiert, und wo Sie nun gerade Blocher erwähnen ...
Ich vertrat (z.B. hier
http://kommentare.zeit.de...)
die Meinung, dass der dumpfe "Populismus" immer dann entsteht, wenn sich der Bürger für sein Gemeinwesen nicht verantwortlich fühlt.
Ein wesentlicher Punkt, der mich zu dieser Einsicht brachte, war die Abstimmung, die die Schweizer wohl Anfang des Jahres durchgeführt haben, dass auch Rumänen und Bulgaren die Personenfreizügigkeit geniessen sollten - dass das nun populär sein soll, kann ich mir nicht vorstellen. (Blocher war ja wohl auch dagegen?)
Wie ich gehört habe, haben ja wohl gegen 60% dafür und nur 40% dagegen gestimmt? Man hat mich dahingehend belehrt, dass das zwar richtig sei, der wahre Grund aber darin gelegen hätte, dass widrigenfalls die EU alle Verträge gekündigt hätte. Und da haben 60% der Abstimmenden nicht nur mit der Schulter gezuckt und sind -passiv- zu Hause geblieben, sondern sind -aktiv- losgestiefelt und haben zugestimmt - gegen Blocher gestimmt. Im Interesse des Gemeinwohls gegen das dumpfe Gefühl gestimmt.
Bei uns doch undenkbar!
Man lasse sich doch einmal die Einführung folgenden Textes auf der Zunge zergehen:
http://kommentare.zeit.de...
Dem Volk nach dem Maul zu reden gilt als übel. Doch manchmal ist es für die Demokratie hilfreich, wenn Politiker an den Ängsten der Bürger nicht einfach vorbeischauen.
Hier zeigt sich doch deutlich, wessen Geistes Kind die "Demokraten" eigentlich sind! ... für die Demokratie hilfreich ...
Der wird aber schwer einen von Herrn Joffe auf den Deckel bekommen - und das völlig zu Recht!
So viel Hohn und Spott und Häme! Kübelweise ausgeschüttet über alles, was wir lieben! Für Recht erkannt haben! Eeeeeeeee-kel-haft!
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