Diskothek JAZZ Auf gemeinsamer Spur
Zwei Generationen, zwei Pianisten, von Angesicht zu Angesicht: Joachim Kühn, geboren 1944 in Leipzig, und Michael Wollny, 1978, Schweinfurt. Kühn ist der ehemalige Thomaner-Chorknabe, der im Jazz die deutschen Grenzen hinter sich ließ. Wollny ist der Senkrechtstarter der deutschen Jazzszene, dem viele eine ähnliche Karriere zutrauen. Wollny hat über Kühn seine Examensarbeit geschrieben. Zwei artverwandte Improvisatoren sind die beiden, in den Gefilden der Klassik gebildet, virtuos und feinfühlig, doch emotional an die große Freiheit des Jazz gebunden und voller Lust, ihr Spiel in neuen Erfahrungen zu erweitern.
Im September des letzten Jahres gaben Kühn und Wollny, die einander zuvor nur aus der Ferne kannten, auf Schloss Elmau ein gemeinsames Konzert, das nun als CD veröffentlicht wird. Die Kunst des Duos besteht darin, miteinander zu spielen, ohne die Begegnung als Schaukampf zu inszenieren und ohne die musikalische Luft zu verbrauchen, die der andere zum Atmen braucht. Ob der eine, Wollny, dissonante Dreiklänge langsam im Resonanzboden seines Flügels verklingen lässt, oder der andere, Kühn, einige zögerliche Phrasen im tonalen Raum umherwandern lässt, als suchten sie noch ihren Bezugsrahmen – die beiden spielen kraftvoll und nuanciert. Die Wolken ihres Spiels können sich zu einem Unwetter verdichten, bis plötzliche Stille eintritt, die Stille löst sich auf in sachte gegeneinander verschobene Minimalmuster – immer werden die beiden wie von einer geheimnisvollen Kraft auf einer gemeinsamen Spur gehalten. Stefan Hentz
Joachim Kühn & Michael Wollny: live at Schloss Elmau
ACT/edelkultur
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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