MAIL AUS Rom
Von: birgit.schoenau@zeit.de Betreff: Unter Rebellen
Ganz Italien ist von Nichtrauchern besetzt, die das strengste, unerbittlichste, gnadenloseste Rauchverbot durchgesetzt haben. Ein Gesetz, das alle, aber auch alle Italiener befolgen, gleichgültig ob Priester oder Mafiabosse, Nationaltrainer oder Minister. Und doch: Ein von unbeugsamen Rauchern bevölkerter Laden in der römischen Via Merulana hört nicht auf, den Nichtrauchern Widerstand zu leisten. Selbstverständlich handelt es sich um einen Tabakladen, in dem man aber auch Lotterielose, Papst-Postkarten und Briefmarken erwerben kann. Heute morgen sind neben dem Besitzer ein stämmiger Mittfünfziger und eine winzig kleine, uralte Frau zugegen. Alle drei qualmen, was das Zeug hält, bei sorgfältig geschlossener Ladentür. Der Stämmige liest das Mitteilungsblatt der Carabinieri. Die winzige Frau füllt konzentriert ihren Lottoschein aus, dafür braucht sie zwei Zigarettenlängen. Dann reicht sie den Schein dem Tabakhändler und flüstert: »Vielleicht wird es endlich was. Ich spiele schon 70 Jahre, weißt du. Langsam glaube ich, ich bin ein Verlierertyp.« Da kommt es laut und lakonisch von dem Stämmigen: »Ich muss doch bitten, schöne Frau. Wir sind hier alle Verlierer!«
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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