Diese Deutschen
Hat Deutschland sich in den vergangenen Jahren auf Kosten seiner Nachbarn saniert? Mit einer unfairen Strategie der Lohnzurückhaltung, lautet der Vorwurf, hätte es seine Exporte ausgeweitet und dem Ausland geschadet.
Tatsächlich stiegen die Löhne hierzulande wenig, während die Exporte wuchsen. Dennoch spricht vieles gegen den Vorhalt. Eine allgemeine »Strategie« der Lohnzurückhaltung gab es – anders als 1982 bei den Niederländern und ihrem Abkommen von Wassenaar – nicht. Auch die Agenda-Politik löste die Entwicklung nicht aus. Schon Mitte der neunziger Jahre drückten anhaltende Massenarbeitslosigkeit und eine stark gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf die Tarifabschlüsse. Freiwillig war die »Lohnzurückhaltung« nicht.
Hiesige Firmen nutzten außerdem stärker als ihre Konkurrenten Standorte in Osteuropa. Die Verlagerung von Teilen der Produktion half, Kosten zu senken. »Etwa ein Drittel des Exporterfolgs geht darauf zurück«, sagt Jürgen Matthes, Handelsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Zudem waren in den vergangenen Jahren Produkte besonders gefragt, auf die Deutschland spezialisiert ist: Maschinen und andere Investitionsgüter. Die Deutschen waren Ausrüster aufstrebender Länder in Asien und Osteuropa.
Schließlich fällt es schwer, einen Schaden zu erkennen. Die größten Handelspartner – Frankreich, USA, Großbritannien – erfreuten sich trotz des »unfairen« Wettbewerbs hoher Wachstumsraten und sinkender Arbeitslosenzahlen. rud
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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