Gesellschaftskritik "Anziehen muss man sich ohnehin"

Die Lebensphilosophie von Minu Barati, der fünften Ehefrau des früheren Bundesaußenministers

Leider wurden die Gesellschaftskritiker des ZEITmagazins in den letzten Wochen von Lesern mehrfach fälschlich des Antiamerikanismus und des Chauvinismus bezichtigt. Doch wir lieben in Wahrheit nicht nur Amerika und die Frauen, sondern auch unsere Leser. Im Speziellen lieben wir die Leserin Uschi G. aus F., die darüber Klage führte, dass das Lesen dieser Rubrik "ihren Puls auf 200" bringe und "sinnes- und verstandeszerreibend" sei. Diese Wirkung nennt man im Journalismus "enge Leser-Blatt-Bindung".

Lassen Sie uns, liebe Frau G. im Besonderen, liebe Leser im Allgemeinen, in diesem Sinne auf dieses wahrlich sinnes- und verstandeszerreibende Foto von Minu Barati schauen. Oder, nein, damit das Ganze nicht gleich wieder einen falschen Zungenschlag bekommt, lassen Sie uns auf die Lebensphilosophie der fünften Ehefrau des ehemaligen Bundesaußenministers Joschka Fischer blicken.

Zum Thema fünfte Ehefrau etwa sagte sie der Welt am Sonntag den schönen Satz: "Dass ich existiere, regelmäßig atme und vielleicht noch die Frau von Herrn Fischer bin, ist ja noch keine persönliche Leistung." Noch schöner war ihr Hinweis zur Unkaputtbarkeit der Westberliner Eckkneipen-Mentalität: "In Grunewald ist es sehr schön, trotz einiger reaktionärer Idioten dort, alte West-Berliner mit ihren goldenen Tränen-Brillen, die sich wünschten, die Mauer wäre nie gefallen."

Und am schönsten ihre lapidare Antwort auf die Frage, wie sich weibliche Emanzipation und ihre Liebe zu den Kleidern von Unrath & Strano miteinander vertrügen: "Ich verstehe die weibliche Emanzipationsbewegung, aber phänotypisch muss man da keine Akzente mehr setzen. Anziehen muss man sich ohnehin, dann kann man sich auch ein bisschen Mühe geben."

Die Rubrik Gesellschaftskritik hat es sich eben keinesfalls zur Aufgabe gemacht, nur die Missstände unserer Gesellschaft anzuprangern. Wir wollen vielmehr Woche für Woche Kritik im alten Sinne der Unterscheidung pflegen. Und, wie im Fall von Minu Barati, kann dies dann eben auch durchaus einmal eine sinnes- und verstandesanregende Wirkung haben. Wer war noch mal gleich Joschka Fischer?

 
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