Bestseller Im Kästchen

Ein Glück kommt selten allein: Eckart von Hirschhausen schafft es locker von null auf Platz eins der Bestsellerliste

Hier steht also seit Tagen ein grünes Kästchen und will die Aufmerksamkeit der Kritikerin haben. Es möchte geöffnet werden, es könnte ja wie im Falle Gretchens im Faust etwas Kostbares drin sein; weil in diesem Fall »Rowohlt« draufsteht, wahrscheinlich also ein Buch in der Kiste steckt, hat der Trick der Werbeabteilung umso reibungsloser geklappt, und schon hat Dr. med. Eckart von Hirschhausen sein neues Buch Glück kommt selten allein mittels eines grünen Kästchens mit gleichlautender Aufschrift ins Aufmerksamkeitsfenster platziert. Soll man sagen, dass außer dem Buch noch Schokolade, ein Tütchen Glücksklee, ein Schlüsselanhänger, ein flauschiger Pinguin und ein in der Tat komischer Brief in der Kiste waren? Traut der Verlag seinem Buch nicht? Ja, Glück kommt selten allein, das Gefühl von Peinlichkeit tritt gern hinzu, Glückwunsch!

Das Buch allein hat es aber unterdessen von null auf Platz eins der Bestsellerliste geschafft, in den wenigen Tagen, seit die Kiste hier eintraf, und das ist ihm fast ohne die Hilfe von Kritiken, also auch ohne Pinguin geglückt. In den paar Tagen, während es die Spitze erklomm, wurde auch bekannt, dass ein Gen namens 5-HTTLPR gute Laune zu befördern vermag, es ist beim Transport des Glücksstoffs Serotonin behilflich, den Schokoladenesser gut kennen. Deshalb überrascht es nicht, wenn gleichzeitig zu erfahren war, dass der Konsument, trotz und wegen der Wirtschaftskrise, an guter Schokolade nicht spart, die Schweizer Lindt & Sprüngli gehören zu den Gewinnern der Krise. Glücksuche ist anspruchsvoll.

Hirschhausens Buch aber verfolgt das Glück nicht. Es lässt das Glück kommen. Sein scharfsinniger Autor ist von Haus aus Arzt, der zum öffentlichen Zauberer wurde, weil er am besten im Kabarett die Medizin ad absurdum führen kann und Menschen vorzugsweise gesund sein lässt, indem sie im Leiden auch die Komik erkennen. Sein Buch tut nur das: Es nimmt das Sehnen ernst, glücklich zu sein, und findet alles Weitere, stets wissenschaftlich gestützt, leidlich komisch. Das wirkt, ärztlich. In einem Gespräch hat Hirschhausen gesagt, aus den Widersprüchen des Lebens könne man durch den Traum entkommen, in die Psychose oder ins Lachen. Zufällig erscheint jetzt ein anderes Buch neu, die Benediktsregel, die es aus dem 6. Jahrhundert nach Christus bis heute, ganz ohne Schokolade, geschafft hat, und die würde ergänzen: Ein Leben in tätiger Nächstenliebe, einfach, in Demut hilft auch, das wäre noch so eine Idee für die nächste Kiste mit den PR-Materialien zum Glück, wenn noch Platz ist. Umsonst!

 
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