Wassermänner

Ronald Kebelmann, 54, Fährmann

DIE ZEIT: Herr Kebelmann, Sie rudern seit knapp sechs Jahren auf der Fährlinie F24 Ausflügler über den Berliner Müggelsee. Ist es für Sie etwas Besonderes, auf dem Wasser zu arbeiten?

Ronald kebelmann: Unbedingt. Wasser ist meine Leidenschaft. Wenn ich Wasser sehe, muss ich rein. Früher wollte ich über die Weltmeere schippern, hat aber leider nicht geklappt. Jetzt gebe ich mich halt mit was Kleinerem zufrieden.

ZEIT: Wie sind Sie denn an den Job gekommen?

kebelmann: Irgendwer erzählte mir, dass sie bei der Stern- und Kreisschifffahrt Berlin jemanden suchen. Da bin ich hin, und siehe da: Es klappte.

ZEIT: Mussten Sie da eine Prüfung ablegen?

kebelmann: Was man braucht, ist ein Patent der Binnenschifffahrt. Das hatte ich noch aus DDR-Zeiten, wir hatten damals ein Boot.

ZEIT: Brauchen Sie nicht auch kräftige Muskeln?

KEBELMann: Als ich mir das zum ersten Mal angeschaut habe, dachte ich: Die paar Meter, die schaffst du auch. Ganz so einfach wars dann doch nicht. Anfangs hatte ich ganz schön Muskelkater. Jetzt weiß ich, wie ich Wind, Wellen und Strömung ausnutzen muss.

ZEIT: Wie lange dauert denn eine Fahrt von einer auf die andere Seite?

kebelmann: Von einem Steg zum anderen sind es 36 Meter. Im Schnitt brauche ich dafür zwei Minuten. Bei denen, die Spaß an der Fahrt haben, lasse ich mir ein bisschen Zeit. Die wollen ja auch was bekommen fürs Geld. Je netter die Leute, umso langsamer fahre ich.

ZEIT: In der Mythologie ist der Fährmann kein Sympathieträger. Er befördert die Menschen ins Reich der Toten. Hat Ihr Beruf ein Imageproblem?

kebelmann: Nein, im Gegenteil. Im Sommer kommen immer viele Leute, die im Grunde jemanden suchen, der ein offenes Ohr hat. Oft habe ich ja ein paar Minuten Zeit zwischen zwei Fahrten. Da stehen wir dann am Ufer und unterhalten uns. Auch über ernste Themen.

ZEIT: Kennen Sie das Lied von Chris de Burgh? Don’t Pay the Ferryman?

kebelmann: Ja, aber das sind Sachen, da macht man sich keinen Kopf. Bei mir ist noch keiner schwarzgefahren. Die Leute müssen einen gültigen Fahrausweis haben. Den müssen sie auch vorzeigen. Das ist ja eine kleine Fähre, da passen acht Leute rein oder eben vier Leute und vier Fahrräder oder Kinderwagen, das ist übersichtlich.

ZEIT: Singen Sie denn selbst beim Fahren?

kebelmann: Nee, das möchte ich meinen Gästen nicht zumuten.

INTERVIEW: Karin Ceballos Betancur

 
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