Wassermänner

Peter Bajus, 65, Wasserwanderer

Die ZEIT: Herr Bajus, Sie haben für den Naturpark Frankenhöhe den »Wanderweg Europäische Wasserscheide« eingerichtet. Was genau scheidet sich denn da?

PETER BAJUS: Von dieser Linie aus fließt Quellwasser entweder nach Norden oder nach Süden ab. Die Europäische Wasserscheide führt von Gibraltar quer durch Europa bis zum Ural. Unser Weg pickt da 98 Kilometer raus – von der Rokokostadt Ansbach über Rothenburg ob der Tauber nach Schnelldorf.

ZEIT: Und warum sollte ich da entlangwandern?

BAJUS: Weil man lernt, wohin das Wasser fließt. Und zwar jedes Wasser, auch der Regen. In Nordenberg etwa läuft man über eine Kreuzung, die auf einer Anhöhe liegt. Ist die Straße richtig nass, dann sehen Sie, wie sich das Wasser teilt. Die eine Hälfte fließt nach Norden ab, hinein in den Ort. Die andere nach Süden, Richtung Wald. Es lohnt sich auch, auf die Dachrinnen zu achten. Bei einem Haus, das genau auf der Wasserscheide liegt, entwässert die nördliche Dachseite in die Nordsee, die südliche ins Schwarze Meer.

ZEIT: Woher weiß ich denn, ob ich auf der Wasserscheide bin?

BAJUS: Wir vom Naturpark haben Hinweistafeln angebracht. Der Wanderer kann den Verlauf der Wasserscheide aber auch selbst erkennen. Wenn er an ein Wässerlein kommt – und er kommt an sehr vielen Wässerlein vorbei –, kann er prüfen: Wo läuft denn jetzt dieser Bach hin? Er schaut beim ersten Bach, ob er in Richtung Süden fließt. Stellt er ein paar Hundert Meter weiter fest, dass der nächste Bach nach Norden unterwegs ist – dann weiß er, dass er die Wasserscheide überschritten hat. Die Himmelsrichtungen kann ein geübter Wanderer anhand des Sonnenstandes bestimmen. Oder er hat einen Kompass dabei.

ZEIT: Welche Wege nimmt das Wasser dann zum Meer?

BAJUS: Das Quellwasser nach Norden fließt zum Beispiel in die Tauber, dann über den Neckar oder den Main und den Rhein in die Nordsee. Das nach Süden fließt in die Altmühl, weiter in die Donau und dann ins Schwarze Meer. Im Naturpark stehen auch Grenzsteine aus Granit: Auf der einen Seite steht M, von dort fließt das Wasser zum Main, auf der anderen D für die Donau.

ZEIT: Wie kamen Sie denn dazu, sich ausgerechnet fürs Wasserwandern einzusetzen?

BAJUS: Ich liebe es, im Wald zu sein, und neben mir rauscht ein Bach. Wenn ich sehe, dass ein Rinnsal durch Äste oder Laub gestaut wird, suche ich mir gerne ein Stöckchen. Und dann beseitige ich den Stau. Ich finde es schade, wenn ein Bach nicht richtig fließen kann.

Interview: Günter Ermlich

 
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