Kunstmarkt Alexander Koester ist ein Garant für hohe Preise. Je mehr Enten sich auf seinen Bildern tummeln, desto teurer sind sie
Alexander Koester ist ein verlässlicher Stern des deutschen Kunsthandels. Und schon das Gemälde, mit dem der Maler vor 110 Jahren bei einer Berliner Ausstellung zum ersten Mal ein größeres Publikum auf sich aufmerksam machte, zeigte sein Lieblingssujet: Enten. Hunderte von meist undatierten Entenbildern hat Koester dann bis zu seinem Tode 1932 gemalt, so viele, dass er irgendwann Enten-Koester genannt wurde. Die schlichten Titel seiner Bilder sind Programm: Elf Enten am Steg , Entenfütterung oder Enten in der Morgensonne heißen sie – und genau das zeigen sie auch. Delikat habe er das Lichtspiel im weißen Gefieder gemalt, schwärmen seine Fans, die rhythmische Ernsthaftigkeit seiner Kompositionen erinnere an ein Adagio.
In den Museen und den Abhandlungen der Kunsthistoriker sucht man Koesters Namen meist vergeblich, aber bei einem bestimmten Publikum waren seine Gemälde und Zeichnungen stets beliebt, Wilhelm II. und der Prinzregent Luitpold gehörten dazu, auch die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier hängte sich Koester-Enten in ihr Ministerzimmer. Nicht nur im deutschen, auch im ausländischen Kunsthandel garantieren seine Werke fünf- bis sechsstellige Euro-Beträge. Und auch die vergangenen Kunstmarktkrisen konnten dem stetigen Wertzuwachs der Koester-Kunst nichts anhaben.
Auf 35000 Euro sind jetzt Zehn weiße Enten im Wasser geschätzt, die am 11. März im Münchner Auktionshaus Neumeister versteigert werden. Zehn weiße Enten schwimmen da auf graublauem Wasser durchs Schilf, eine Ente steckt ihren Kopf bis zum schwarzen Auge ins Wasser, eine andere taucht nur den Schnabel ein, eine dritte scheint im Gefieder einer anderen stöbern zu wollen. Während die Impressionisten in Frankreich die Natur in Farbtupfen auflösten, blieb Koester seinem akademischen Stil treu und malte realistisch Ente um Ente im Morgenlicht. Andere zeitgenössische Strömungen, der Expressionismus etwa, ließen den Künstler völlig kalt.
Am Anfang seiner Karriere hatte Koester auch Bäuerinnen in Tracht gemalt, Blumenstillleben oder Schilflandschaften ganz ohne Geflügel. So richtig gut verkauften sich allerdings schon zu Lebzeiten vor allem die intimen Nahsichten auf die Enten. Dabei scheint für die Koester-Sammler die Anzahl der Enten pro Leinwand eine wichtige Rolle zu spielen, das lassen zumindest die erzielten Preise vermuten. So sorgte im Mai 2008 eine Flottille von 21 Enten (Enten am Seeufer) für einen Höchstpreis von knapp 150000 britischen Pfund. Vier Monate später kosteten fünf Enten (Entenbesprechung) nicht einmal die Hälfte. Tobias Timm
- Datum 05.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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