Zweiter Weltkrieg Als der Krieg endgültig begann

Mit "Menschenrauch", seiner erschütternden Textsammlung, plädiert Nicholson Baker für den Pazifismus

Nicholson Baker, geboren 1957, lebt in Maine/USA

Nicholson Baker, geboren 1957, lebt in Maine/USA

Gerd Bucerius, der Gründer der ZEIT, hat einmal bekannt, er habe sich gefreut, als die ersten englischen Bomben auf seine Vaterstadt Hamburg fielen. Er sah in ihnen die Vorboten der Befreiung vom Naziterror. Das waren sie in der Tat. Und doch kann man fragen, ob die Angriffe ins Herz deutscher Städte dafür notwendig waren, mit all den zahllosen, oft unschuldigen Opfern und der Zerstörung großer Monumente der europäischen Kultur. Die seriöse Geschichtsschreibung hat diese Frage eindeutig beantwortet: Ja, es war notwendig, denn nur so, durch die gnadenlose Attacke, war die Kriegswut Hitlers, die ohne den tätigen Beistand der meisten Deutschen nicht so lange ihr Werk hätte betreiben können, am Ende zu brechen.

Es gibt aber kaum eine historische Frage, die ein für alle Mal beantwortet wäre. Sie neu zu stellen ist das Recht jeder folgenden Generation. Dieses Recht nimmt sich der amerikanische Autor Nicholson Baker in seinem Buch Menschenrauch. Der 600 Seiten starke Band besteht aus einem Mosaik heterogener Quellen, aus Zeitungsnotizen und Zeugenberichten, aus persönlichen Erinnerungen und Briefen. Wenige dieser an die tausend Bruchstücke sind länger als eine Buchseite, manche umfassen nur ein paar Zeilen, wie diese Notiz aus der New York Times 1936: »Die US-Regierung veröffentlichte ihre monatliche Statistik von Waffenverkäufen an ausländische Regierungen. Im Februar war China erneut der größte Waffenkäufer, gefolgt von Chile und Deutschland.«

Die Notiz fügt sich in eine Kette ähnlicher Beobachtungen. Schon Ende der zwanziger Jahre bewaffneten sich die großen Nationen erneut bis an die Zähne, allen voran die USA, im Verein mit Japan, Großbritannien und später Deutschland. Dem großen Heer pazifistisch gesinnter Zeitgenossen stand in den meisten Ländern eine Schar kriegserprobter und nicht selten kriegslüsterner Militärs gegenüber, die in der Rüstungsindustrie ihre Bundesgenossen fand. Und wenn die alte Krimiregel, wonach eine auftauchende Pistole irgendwann losgehen muss, eine Entsprechung in der Wirklichkeit hat, dann war es nur eine Frage der Zeit, wann dieses Waffenarsenal zum Einsatz kommen würde.

Nicholson Baker macht keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass der Pazifismus nicht nur eine ehrenwerte, sondern auch segensreiche Haltung gewesen wäre, hätte er sich durchsetzen können. Obgleich diese Sammlung kontroverser Stimmen vornehmlich Fragen aufwirft, so legt sie doch auch Antworten nahe. Churchill erscheint in diesen Dokumenten als Eisenfresser, der den Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung anordnet und nur auf die Gelegenheit wartet, es endlich den »Hunnen« heimzuzahlen. Roosevelt erscheint als Haupt des militärisch-industriellen Komplexes, kindlich vernarrt in seine Flotte aus Spielzeugschiffen, eifrig auf eine Gelegenheit bedacht, endlich das verhasste Japan angreifen zu können. Beide wiederum, im Verein mit Chamberlain, erscheinen als typische Vertreter eines weithin geläufigen Salon-Antisemitismus, was den Verdacht aufkommen lässt, das Ressentiment sei Ursache dafür gewesen, dass die Alliierten auf die Drangsal der Juden nicht entschieden genug reagiert hätten.

Als das Buch vor einem Jahr in den USA erschien, hat es bei nicht wenigen Historikern einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Man warf dem Schriftsteller, der sich bislang mit Romanen wie Vox (1992) oder Fermate (1994) einen Namen gemacht hat, vor allem vor, dass er seine Kompetenz überschreite. Der gleichförmige Umgang mit Quellen unterschiedlicher Validität sei fahrlässig. Indem er den Schluss nahelege, es hätte zum Kriegseintritt der USA oder zu Churchills rabiatem Anti-Hitler-Krieg eine Alternative gegeben, betreibe er nichts anderes als Revisionismus.

Nicholson Baker, Jahrgang 1957 und in Maine lebend, ist in der Tat kein Historiker, und obgleich die Literatur im Prinzip alles darf, so kann man doch fragen, ob sie gut daran tut, auf unvertrauten Feldern zu wildern. Jonathan Littells umstrittener Roman Die Wohlgesinnten (2008), der das fürchterliche Leben des fiktiven SS-Mannes Dr. Max Aue identifikatorisch (und gestützt auf historische Quellen) abschildert, wäre eine Parallele aus jüngster Zeit. Bakers Menschenrauch aber ist kein Roman. Nichts an dieser Collage aus zeitgenössischen Berichten ist fiktiv. Und doch haben wir es mit Literatur zu tun, mit einer Textsammlung, die dem Leser nahegeht wie kaum eine wissenschaftliche Darstellung. Aus diesen Fragmenten spricht das Authentische mit unverstellter Wucht. Sie bringen ja nichts wirklich Neues, aber wenn man einen der Wahnsinnsanfälle Hitlers von einem Augenzeugen geschildert bekommt, danach am herzzerreißenden Einzelfall das Schicksal jüdischer Deutscher, dann wieder den beispiellosen Zynismus eines Goebbels oder Heydrich, dann erschrickt man wie von Neuem.

Baker ist kein Ideologe, aber man spürt im Hintergrund die Debatte über den Irakkrieg, erinnert sich an die Gleichstellung von Saddam und Hitler und ahnt seine These, dass aus Krieg nichts Gutes kommen kann. Aber obwohl er die Argumente der Pazifisten voller Sympathie zu Gehör bringt, zögert er nicht, wahrhaft bizarre Äußerungen Gandhis zu zitieren, etwa seine Antwort an einen Intellektuellen in New York, der ihn 1939 darauf hingewiesen hatte, ein jüdischer Gandhi in Deutschland könne sich höchstens fünf Minuten halten, bevor er zur Hinrichtung abgeführt werde. Gandhi: »Ich weiß, dass es notwendig sein kann, Hunderte, wenn nicht Tausende zu opfern, um den Hunger von Diktatoren zu stillen.« Dennoch sei die Gewaltlosigkeit auf Dauer das beste Mittel gegen Gewalt, »auch wenn die Opfer nicht mehr erleben, wofür sie gelitten haben«.

Der durch keinen Kommentar gemilderte Zusammenstoß widersinnigster, einander ausschließender Ansichten, Befunde und Stimmungen ist schwer erträglich. Nie bleibt unklar, dass Hitler es war, der den Kontinent in das Inferno trieb. Aber gerade dadurch, dass die Collage uns vor die Frage stellt, ob der Weltkrieg nicht durch ein klügeres Vorgehen der Alliierten hätte verhindert werden können, führt sie uns die verzweifelte Lage vor Augen, und wir hören diesen finsteren, misstönenden Choral mit wachsendem Entsetzen. Allein die Schilderung der verzweifelten Suche nach einem Flucht- und Daseinsort für die Juden, ob Madagaskar oder Palästina oder die Dominikanische Republik oder irgendein menschenleerer Staat in den USA, ist niederschmetternd. Niemand wollte sie haben. Einmal heißt es: »Im amerikanischen Konsulat in Wien warteten mehr als 120000 Visumsanträge auf Entscheidung. Es war im März 1939.«

Ende 1941 endet das Buch. Es folgten drei Jahre einer beispiellosen Vernichtung menschlichen Lebens und menschlicher Kultur. Man darf annehmen, dass Gerd Bucerius beim Anblick seiner am Boden liegenden Stadt nicht nur Freude über die Befreiung empfunden hat, sondern auch Trauer. Was nach der Lektüre dieses erschütternden Buches vor allem zurückbleibt, ist nichts anderes: Trauer.

 
Leser-Kommentare
    • TDU
    • 08.03.2009 um 12:46 Uhr

    habe ich das Werk, aber muss man denn aus Collagen, Berichten und Fakten denn immer die Schlussfolgerung des Autors teilen? Das Problem des Pazifismus ist doch wohl komplexer als die Frage nach der Verteidigungsbereitschaft beim Angriff auf die Familie. Insofern teile ich auf jeden Fall mit dem Autor des Artikels, nämlich die Trauer.

  1. Was nach der Lektüre dieses erschütternden Buches vor allem zurückbleibt, ist nichts anderes: Trauer.

    Trauer ist ein naheliegendes Gefühl im Rückblick an diese Zeit und in Hinblick darauf, was durch Krieg und Gewalt verlorenging - in Europa und weltweit. Und nur Trauer und Empathie, welche einander bedingen, können den Boden für eine Versöhnung mit der Geschichte ermöglichen und einer (weiteren) Instrumentalisierung dieser Zeit das Wasser abgraben, welche in sich das Potential für neue Konflikte birgt.

  2. Zu behaupten "die seriöse Geschichtsschreibung hat diese Frage eindeutig beantwortet" -- nämlich daß der Bombenterror auf Zivilisten notwendig war (ist), um Hitler (ein mißliebiges Regime) zu stoppen -- ist eine Anmaßung sondergleichen!

    Wahr -- und historisch belegbarer Fakt -- ist vielmehr, daß der anglo-amerikanische Bombenkrieg NICHT kriegsentscheidend war. Vor allem das "Morale Bombing", also das Flächenbombardieren der Wohnquartiere der Arbeiter, um deren Moral zu brechen war eindeutig ein Fehlschlag.
    http://de.wikipedia.org/w...

    Aber Gegenrede schließt Qualitätsjournalist Greiner ja grundsätzlich als "unseriös" aus und so wird auch der Autor von "Human Smoke" diffamiert:

    "Nicholson Baker, Jahrgang 1957 und in Maine lebend, ist in der Tat kein Historiker, und obgleich die Literatur im Prinzip alles darf, so kann man doch fragen, ob sie gut daran tut, auf unvertrauten Feldern zu wildern."

    Zwar konstatiert Greiner: "Aus diesen Fragmenten spricht das Authentische mit unverstellter Wucht.", aber anstelle Baker zu Wort kommen zu lassen, gefällt sich Greiner darin, seine eigenen Wahrheiten zu verbreiten -- ohne Authentisches oder gar Argumente.

    Und was bezweckt Greiner? "Indem er den Schluss nahelege, es hätte zum Kriegseintritt der USA oder zu Churchills rabiatem Anti-Hitler-Krieg eine Alternative gegeben, betreibe er nichts anderes als Revisionismus."

    Nein, Herr Greiner, Baker sammelt Fakten und zieht seine Schlüsse. Von Ihnen als Kritiker darf man eine inhaltliche Auseinandersetzung erwarten, nicht ein substanzloses Herummäkeln, weil der ZEIT Bakers Ergebnis nicht paßt!
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gut, daß es das Internet gibt und der Leser die Wahl zwischen vielen Stimmen hat:

    Thomas Steinfeld im Gespräch mit Nicholson Baker, dem Autor von "Human Smoke"

    SZ: Es wird heißen, dass Sie die deutsche oder japanische Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg relativieren wollten und stattdessen die Schuld bei Churchill und Roosevelt suchten.

    Baker: Ich weiß. Aber wenn man versucht, keinen lächerlichen Eindruck zu machen, sieht man noch lächerlicher aus.
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

    Meine volle Zustimmung! Die seriöse Geschichtsschreibung dürfte in der Wertung, daß die Bombardierung von zivilen Zielen weder zu politischer Instabilität des Hitler-Regimes geführt noch gar den Krieg verkürzt hat. Das sollte man heute auch als ZEIT-Mitarbeiter vertreten können, ohne Angst vor Revisionismus-Vorwürfen zu haben.
    Mich hat darüberhinaus eher folgende Passage erschreckt:
    »Aber obwohl er die Argumente der Pazifisten voller Sympathie zu Gehör bringt, zögert er nicht, wahrhaft bizarre Äußerungen Gandhis zu zitieren, etwa seine Antwort an einen Intellektuellen in New York, der ihn 1939 darauf hingewiesen hatte, ein jüdischer Gandhi in Deutschland könne sich höchstens fünf Minuten halten, bevor er zur Hinrichtung abgeführt werde. Gandhi: »Ich weiß, dass es notwendig sein kann, Hunderte, wenn nicht Tausende zu opfern, um den Hunger von Diktatoren zu stillen.« Dennoch sei die Gewaltlosigkeit auf Dauer das beste Mittel gegen Gewalt, »auch wenn die Opfer nicht mehr erleben, wofür sie gelitten haben«.

    Der durch keinen Kommentar gemilderte Zusammenstoß widersinnigster, einander ausschließender Ansichten, Befunde und Stimmungen ist schwer erträglich.«

    Was soll an Ghandis Äußerung "bizarr" sein? Sie ist konsequent, radikal und lediglich selbstverpflichtend, weshalb seine Überzeugung keinem schadet außer ihm selbst.
    Den letzten zitierte Satz über den "Zusammenstoß" unterschreibe ich dagegen - so ist das Leben und die Welt nun einmal: ein ständiger Zusammenstoß des Widersinns. In Buchform allerdings immer noch erträglicher als in der Wirklichkeit.

    daß der Bombenterror auf Zivilisten "notwendig" war:

    In einer Abhandlung für das Mises Institute

    Inconvenient Facts about World War II

    identifiziert Autor Gordon eindeutig Churchill als Initiator des "Bombenterrors auf Zivilisten" -- die Deutschen haben REAGIERT -- und stellt sogar die Verbindung zu Churchills Taten als "First Lord of the Admiralty" im 1. Weltkrieg her:

    "The British blockade," Churchill later wrote, "treated the whole of Germany as if it were a beleaguered fortress, and avowedly sought to starve the whole population — men, women, and children, old and young, wounded and sound — into submission."

    Auch war nach dem Waffenstillstand 1918 nicht Schluß, sondern das Aushungern der deutschen Bevölkerung wurde als Druckmittel benutzt, damit die Deutschen dem Versailler Vertrag zustimmten:

    "We are enforcing the blockade with rigour… It is repugnant to the British nation to use this weapon of starvation, which falls mainly on the women and children, upon the old and the weak and the poor, after all the fighting has stopped, one moment longer than is necessary to secure the just terms for which we have fought." (pp. 5–6)

    Die Blockade gegen das Deutsche Reich und Österreich führte 1917–1919 zu rund einer Million Hungertoten, der größte Teil davon in Deutschland. (WIKI)

    2 Tage nachdem Churchill Premier wurde, befahl er die Vorbereitung der Bombardierung deutscher Städte.
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    Gut, daß es das Internet gibt und der Leser die Wahl zwischen vielen Stimmen hat:

    Thomas Steinfeld im Gespräch mit Nicholson Baker, dem Autor von "Human Smoke"

    SZ: Es wird heißen, dass Sie die deutsche oder japanische Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg relativieren wollten und stattdessen die Schuld bei Churchill und Roosevelt suchten.

    Baker: Ich weiß. Aber wenn man versucht, keinen lächerlichen Eindruck zu machen, sieht man noch lächerlicher aus.
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    Meine volle Zustimmung! Die seriöse Geschichtsschreibung dürfte in der Wertung, daß die Bombardierung von zivilen Zielen weder zu politischer Instabilität des Hitler-Regimes geführt noch gar den Krieg verkürzt hat. Das sollte man heute auch als ZEIT-Mitarbeiter vertreten können, ohne Angst vor Revisionismus-Vorwürfen zu haben.
    Mich hat darüberhinaus eher folgende Passage erschreckt:
    »Aber obwohl er die Argumente der Pazifisten voller Sympathie zu Gehör bringt, zögert er nicht, wahrhaft bizarre Äußerungen Gandhis zu zitieren, etwa seine Antwort an einen Intellektuellen in New York, der ihn 1939 darauf hingewiesen hatte, ein jüdischer Gandhi in Deutschland könne sich höchstens fünf Minuten halten, bevor er zur Hinrichtung abgeführt werde. Gandhi: »Ich weiß, dass es notwendig sein kann, Hunderte, wenn nicht Tausende zu opfern, um den Hunger von Diktatoren zu stillen.« Dennoch sei die Gewaltlosigkeit auf Dauer das beste Mittel gegen Gewalt, »auch wenn die Opfer nicht mehr erleben, wofür sie gelitten haben«.

    Der durch keinen Kommentar gemilderte Zusammenstoß widersinnigster, einander ausschließender Ansichten, Befunde und Stimmungen ist schwer erträglich.«

    Was soll an Ghandis Äußerung "bizarr" sein? Sie ist konsequent, radikal und lediglich selbstverpflichtend, weshalb seine Überzeugung keinem schadet außer ihm selbst.
    Den letzten zitierte Satz über den "Zusammenstoß" unterschreibe ich dagegen - so ist das Leben und die Welt nun einmal: ein ständiger Zusammenstoß des Widersinns. In Buchform allerdings immer noch erträglicher als in der Wirklichkeit.

    daß der Bombenterror auf Zivilisten "notwendig" war:

    In einer Abhandlung für das Mises Institute

    Inconvenient Facts about World War II

    identifiziert Autor Gordon eindeutig Churchill als Initiator des "Bombenterrors auf Zivilisten" -- die Deutschen haben REAGIERT -- und stellt sogar die Verbindung zu Churchills Taten als "First Lord of the Admiralty" im 1. Weltkrieg her:

    "The British blockade," Churchill later wrote, "treated the whole of Germany as if it were a beleaguered fortress, and avowedly sought to starve the whole population — men, women, and children, old and young, wounded and sound — into submission."

    Auch war nach dem Waffenstillstand 1918 nicht Schluß, sondern das Aushungern der deutschen Bevölkerung wurde als Druckmittel benutzt, damit die Deutschen dem Versailler Vertrag zustimmten:

    "We are enforcing the blockade with rigour… It is repugnant to the British nation to use this weapon of starvation, which falls mainly on the women and children, upon the old and the weak and the poor, after all the fighting has stopped, one moment longer than is necessary to secure the just terms for which we have fought." (pp. 5–6)

    Die Blockade gegen das Deutsche Reich und Österreich führte 1917–1919 zu rund einer Million Hungertoten, der größte Teil davon in Deutschland. (WIKI)

    2 Tage nachdem Churchill Premier wurde, befahl er die Vorbereitung der Bombardierung deutscher Städte.
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  3. Gut, daß es das Internet gibt und der Leser die Wahl zwischen vielen Stimmen hat:

    Thomas Steinfeld im Gespräch mit Nicholson Baker, dem Autor von "Human Smoke"

    SZ: Es wird heißen, dass Sie die deutsche oder japanische Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg relativieren wollten und stattdessen die Schuld bei Churchill und Roosevelt suchten.

    Baker: Ich weiß. Aber wenn man versucht, keinen lächerlichen Eindruck zu machen, sieht man noch lächerlicher aus.
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  4. 5. Hmmmm.

    Ich weiß: Die abschließende Untersuchung zur Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus ist (leider) immer noch nicht geschrieben, und somit sind Versuche einer neutralen Beurteilung der wirtschaftlichen Folgen und Wirkungen des Bombenkrieges schwierig.

    Dann aber bleibt da die Aussage des ehemaligen Rüstungsministers Albert Speer unbestritten, wonach es ihm trotz intensiver Bombarements gelungen sei, die Produktion von Rüstungsgütern in den Jahren 43-45 zu vervielfachen. Also, zumindest in dieser Hinsicht blieb der Bombenkrieg wirkungslos.

    Und was die psychologische Komponente angeht: Weder die Londoner Bevölkerung noch die Bewohner deutscher Städte waren durch die Bombenangriffe zu demoralisieren. Was die Deutschen am Ende kriegsmüde gemacht hat, war - wie Sebastian Hafner ("Anmerkungen zu Hitler") schon treffend festgestellt hat - die Weiterführung eines sinnlos gewordenen Krieges.

    Last not least: Nicht umsonst wollte die Sowjetunion in den Nürnberger Prozessen die Luftangriffe auf unbefestigte Städte zum Gegenstand der Anklage machen und wurde nur mit Mühe von den westlichen Alliierten daran gehindert.

    Nein, eine "Generalentschuldigung" im Sinne des Autors ("Es war notwendig!") gibt es nicht...

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    Dann aber bleibt da die Aussage des ehemaligen Rüstungsministers Albert Speer unbestritten, wonach es ihm trotz intensiver Bombarements gelungen sei, die Produktion von Rüstungsgütern in den Jahren 43-45 zu vervielfachen. Also, zumindest in dieser Hinsicht blieb der Bombenkrieg wirkungslos.

    Auch in dieser Hinsicht ist der Bombenkrieg nicht wirkungslos geblieben: Man stelle sich nur die Frage, wieweit die Produktion von Rüstungsgütern noch hätte gesteigert werden können, wenn die Bombardierungen nicht oder nur in weit geringerem Maße, stattgefunden hätten!?

    Vielleicht hätte es dann dazu gereicht, das Deutschland nicht bereits am 8. Mai 1945 kapituliert, sondern sich am 16. Juli und in den folgenden Wochen noch im Krieg befunden hätte.

    Zumindest dieser Kelch ist an Deutschland vorüber gegangen...

    Dann aber bleibt da die Aussage des ehemaligen Rüstungsministers Albert Speer unbestritten, wonach es ihm trotz intensiver Bombarements gelungen sei, die Produktion von Rüstungsgütern in den Jahren 43-45 zu vervielfachen. Also, zumindest in dieser Hinsicht blieb der Bombenkrieg wirkungslos.

    Auch in dieser Hinsicht ist der Bombenkrieg nicht wirkungslos geblieben: Man stelle sich nur die Frage, wieweit die Produktion von Rüstungsgütern noch hätte gesteigert werden können, wenn die Bombardierungen nicht oder nur in weit geringerem Maße, stattgefunden hätten!?

    Vielleicht hätte es dann dazu gereicht, das Deutschland nicht bereits am 8. Mai 1945 kapituliert, sondern sich am 16. Juli und in den folgenden Wochen noch im Krieg befunden hätte.

    Zumindest dieser Kelch ist an Deutschland vorüber gegangen...

  5. 6. Ghandi

    Meine volle Zustimmung! Die seriöse Geschichtsschreibung dürfte in der Wertung, daß die Bombardierung von zivilen Zielen weder zu politischer Instabilität des Hitler-Regimes geführt noch gar den Krieg verkürzt hat. Das sollte man heute auch als ZEIT-Mitarbeiter vertreten können, ohne Angst vor Revisionismus-Vorwürfen zu haben.
    Mich hat darüberhinaus eher folgende Passage erschreckt:
    »Aber obwohl er die Argumente der Pazifisten voller Sympathie zu Gehör bringt, zögert er nicht, wahrhaft bizarre Äußerungen Gandhis zu zitieren, etwa seine Antwort an einen Intellektuellen in New York, der ihn 1939 darauf hingewiesen hatte, ein jüdischer Gandhi in Deutschland könne sich höchstens fünf Minuten halten, bevor er zur Hinrichtung abgeführt werde. Gandhi: »Ich weiß, dass es notwendig sein kann, Hunderte, wenn nicht Tausende zu opfern, um den Hunger von Diktatoren zu stillen.« Dennoch sei die Gewaltlosigkeit auf Dauer das beste Mittel gegen Gewalt, »auch wenn die Opfer nicht mehr erleben, wofür sie gelitten haben«.

    Der durch keinen Kommentar gemilderte Zusammenstoß widersinnigster, einander ausschließender Ansichten, Befunde und Stimmungen ist schwer erträglich.«

    Was soll an Ghandis Äußerung "bizarr" sein? Sie ist konsequent, radikal und lediglich selbstverpflichtend, weshalb seine Überzeugung keinem schadet außer ihm selbst.
    Den letzten zitierte Satz über den "Zusammenstoß" unterschreibe ich dagegen - so ist das Leben und die Welt nun einmal: ein ständiger Zusammenstoß des Widersinns. In Buchform allerdings immer noch erträglicher als in der Wirklichkeit.

  6. daß der Bombenterror auf Zivilisten "notwendig" war:

    In einer Abhandlung für das Mises Institute

    Inconvenient Facts about World War II

    identifiziert Autor Gordon eindeutig Churchill als Initiator des "Bombenterrors auf Zivilisten" -- die Deutschen haben REAGIERT -- und stellt sogar die Verbindung zu Churchills Taten als "First Lord of the Admiralty" im 1. Weltkrieg her:

    "The British blockade," Churchill later wrote, "treated the whole of Germany as if it were a beleaguered fortress, and avowedly sought to starve the whole population — men, women, and children, old and young, wounded and sound — into submission."

    Auch war nach dem Waffenstillstand 1918 nicht Schluß, sondern das Aushungern der deutschen Bevölkerung wurde als Druckmittel benutzt, damit die Deutschen dem Versailler Vertrag zustimmten:

    "We are enforcing the blockade with rigour… It is repugnant to the British nation to use this weapon of starvation, which falls mainly on the women and children, upon the old and the weak and the poor, after all the fighting has stopped, one moment longer than is necessary to secure the just terms for which we have fought." (pp. 5–6)

    Die Blockade gegen das Deutsche Reich und Österreich führte 1917–1919 zu rund einer Million Hungertoten, der größte Teil davon in Deutschland. (WIKI)

    2 Tage nachdem Churchill Premier wurde, befahl er die Vorbereitung der Bombardierung deutscher Städte.
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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  7. es ist m.E. erschreckend, wie der Zeit-Autor hier kommentiert. Weil die Deutschen als erste und z.T. einzige besonders Grausames bzw. dies in besonders großem Ausmaß getan haben, sind sie besonders schlecht. Die Deutschen allein sind bzw. waren "die" großen Antisemiten, die Deutschen die Ursache für den 2. Weltkrieg.
    Und nun, auch einmal, wie aus dem Nichts, die Aussage, dass es wie in einem Krimi sei, wo eine Pistole dann auf einmal losgehen würde, wenn alle - absichtlich - sich unter Waffen gestellt haben, und dies im großen und Ganzen im gleichen Ausmaß. Eine solche Betrachtung ist unmarxistisch, unlogisch und eben falsch. Auch wenn richtig ist, dass Deutschland der Haupttäter, der Anfänger und der Aggressivste war.

    Ja, es ist genausogut denkbar, dass eines Tages eine starke Sowjetunion Deutschland angegriffen hätte - wenn sie sich hätte einen Sieg ausmalen könne. Den Grund dafür hätte man sofort gefunden - ein kapitalistischer Staat. So wie die USA heuer ihren Grund bei der Irak-Intervention gefunden haben - und dann, nach offensichtlicher Fehlbehauptung, diesn einfach nur geändert haben. Wir alle sind aggressiv - und das gilt bis heute, wie die die riesigen A-Waffenberge, gerade die guten Sieger, sehr klar uns aufzeigen. Alles ist eine Machtfrage. wer keine Macht (Kurden, Nepalesen) hat, ist mehr oder weniger rechtslos bzw. -arm.

    Ich denke, dass dies, ein so falsches, so sich, bzw. eigene Vorfahren, selbst als Alleinschuldige ansehendes Geschichtsbild, der Grund für die ideologischen Fortbestand des Neonazismis ist.
    Gut, dass einer aus dem uns angehmesten Siegervolk das mal gesagt und erkannt hat - hätte ein Deutscher dies gesagt, "wir", gerade auch die "Zeitler" hätten ihn in zum Schämen in die Neonazi-Ecke gestellt, ihn ignoriert oderund massiv denunziert.

    Der Vorteil eines solchen Geschichtsbildes ist, dass man alles auf eine Gruppe von Menschen schieben kann, dass man dann die eigenen Fehler und Aggressionspotentiale besser verdrängen kann. Ganz sauber, diese Menschen, in diesem Geschichtsbild.
    Wir, die wir Waffen haben, die die der Nazis in den Schatten stellen, bzw. die wir mit den Besitzern von solchen Waffen uns ganz eng verbündeten und verbünden, sind gut - weil wir diese nicht einsetzen, (einen versehentlichen Einsatz allerdings können wir nicht sicher ausschließen). Die Nazis, die, weil mit ihren Waffensystemen noch eine bewohnbare Erde zurückgeblieben wäre, diese aggressiv eingesetzt haben, die sind die einzigen bösen Buben der damaligen Walt. Wir Heutigen sind - fast - alle gut, zumindest die modernen "Westler", diejenigen die heute die militärische Übermacht besitzen - und permanent zu erhalten suchen!

    So ein Geschichts- und Selbstbild ist hanebüchen!!!

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    • lpzig
    • 10.03.2009 um 21:44 Uhr

    waere schwer zu erfinden!
    Wir gratulieren.

    • lpzig
    • 10.03.2009 um 21:44 Uhr

    waere schwer zu erfinden!
    Wir gratulieren.

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