Ein Kind zu haben ist schick

Susanne Gaschke: »Bilderbuch-Väter« Zeit Nr. 9

Familienministerin Ursula von der Leyen tut stets so, als habe sie mit dem Elterngeld auch gleich eine neue Spezies Mann geschaffen, die auf einmal die Liebe zu Kind und Familie entdeckt hat. Dass dieser veränderten Einstellung der Väter eine lange gesellschaftliche Entwicklung vorausging, wird gerne übersehen.

Unser Sohn kam im vergangenen Jahr zur Welt, und ich habe die ersten beiden Monate seines Lebens Elternzeit genommen. Es war für mich eine sehr wichtige, intensive Zeit, ich hätte gerne mehr davon gehabt. Aber die Elternzeit, so wie sie derzeit konzipiert ist, wird schnell zum Rechenexempel. So wird das Elterngeld unter anderem nachversteuert, bei Frauen wird das Mutterschaftsgeld voll angerechnet, sodass sich das Elterngeld in den ersten Wochen stark reduziert. Selbst Mitarbeiter im für uns zuständigen Regierungspräsidium räumten mir gegenüber ein, dass das Elterngeld eine gut verkaufte Mogelpackung ist. Uns selbst hat meine zweimonatige Abstinenz vom Arbeitsplatz mehrere Tausend Euro gekostet.

Oliver Signus, Bad Vilbel

Einen ganz entscheidenden Grund für die steigende Geburtenrate haben Sie in Ihrem Artikel vergessen: Ein Kind zu haben ist »in«. Staatliche Förderungen hin oder her – ohne diesen grundlegenden Wandel im allgemeinen Bewusstsein würden alle Förderprogramme nichts helfen.

Keiner legt sich ein Kind zu, weil Frau von der Leyen was dazulegt oder (ja prima) die Väter in die Pflicht nimmt.

Ein Kind ist ein Statussymbol. Hollywoodstars und die vielen gut situierten Frauen über 40 mit Baby machen es uns vor. Wer in der Lage ist, Karriere, Schönheit und Kind zu kombinieren, ist wirklich tough.

Noch vor zehn Jahren war es absolut out, statt beruflicher Selbstfindung ein Kind zu bekommen – und ist dies durch eigenes Verschulden doch passiert, musste man sehen, wie man mit Kind, Uni und Karriere zurechtkam.

Schwangerschaftsmode suchte man sich dann in verstaubten Katalogen oder Babygroßhandelsketten in Industriegebieten zusammen – oder kaufte einfach die Hemden in XL.

Heute hat jede Modekette, die etwas auf sich hält, eine Ecke für die karriere- und modebewusste werdende Mutter. Der Bauch wird mit Stil getragen – nicht mit XL-Hemden kaschiert.

Annika Leese, Bonn

 
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