Liebeskolumne Müssen Schmetterlinge im Bauch sein?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Reicht ihr ein lieber Langweiler?
Die Frage: Hilde und Gernot sind seit über sechs Jahren ein Paar. Gernot hat für Hilde alles, was für sie einen Traumpartner ausmacht. Er ist verständnisvoll, aufmerksam, liebevoll, kommunikativ, treu, kreativ. Dummerweise hat sie aber keine Schmetterlinge im Bauch – und eigentlich auch nie gehabt. Sie spricht mit Gernot über ihr Problem. Sogar dafür hat er Verständnis. Er sagt Hilde, dass er in Streitsituationen auch manchmal nicht recht wisse, was genau er an ihr liebe. Aber in der Regel ist er sich seiner Gefühle sehr sicher. Er bewundert Hilde, lobt sie ständig und lässt sie wissen, wie verliebt er in sie ist. Als Person bewundert sie ihn auch quasi immer – und sie kommen als Paar gut miteinander zurecht. Nur den Kitzel im Bauch vermisst sie. Hilde fragt sich öfter, ob das für eine Beziehung ausreicht oder ob sie sich nicht trennen müsste.
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Hilde idealisiert ihren Partner – obwohl er eigentlich ein bisschen langweilig ist. Warum? Vielleicht hatte sie vorher eine Beziehung mit dem Schmetterling persönlich, flatterhaft und immer auf der Suche nach Abenteuern? Und hat sich deshalb für einen Mann entschieden, bei dem sie sich sicher fühlt? Auch wenn sie in Kauf nehmen musste, dass er wenig Aufregung verspricht. Hier liegt auch die Antwort auf die Frage, ob es für eine Beziehung reicht: Hilde muss sich fragen, welche Eigenschaften ihr wichtig sind. Gernot wird kein Draufgänger mehr. Andererseits würde ihr ein solcher keine Geborgenheit geben. Etwas wird ihr immer fehlen. Bis sie Gewissheit hat, sollte sie davon absehen, sich von ihrem lieben Langweiler zu trennen. Wer allein ist, hat auch keine Schmetterlinge im Bauch.
Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .
- Datum 03.03.2009 - 14:12 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
Es ist doch ein wenig oberflächlich anzunehmen, dass eine Person, die man schätzt und bewundert ein Langweiler ist, weil man für sie keine romantischen Liebesgefühle empfindet. Wäre dem wirklich so, so wären alle unsere Vorbilder langweiler genauso wie alle guten Freunde.
De facto geht es hier um etwas völlig anderes: und zwar die Frage, ob es möglich ist eine glückliche Beziehung zu führen, weil man zueinander passt und sich prima ergänzt oder ob es dazu intensive Liebesgefühle braucht.
es wäre doch mal interessant gewesen, wenn der plattitüdendrechsler darüber reflektiert hätte, inwiefern die erwartung auch noch nach jahren "schmetterlinge im bauch" zu spüren (bzw was halt so alles darunter subsummiert wird), nicht vielmehr ausdruck einer unrealistischen erwartungshaltung an ein dauerhaftes zusammensein und somit eine überforderung des gemeinsamen lebens sein könnte.
den "gernot" stattdessen platt als langeweiler abzutun scheint mir doch eher ausdruck ebenjener geisteshaltung, die auch zu den doch sonst so gerne und wortreich beklagten bindungsproblemen bzw scheidungraten führt.
Gefühlswelt der Frauen,ich sage bewusst der Frauen weil es wohl vornehmlich eine weibliche Eigenschaft ist
einerseits der Wunsch nach Abenteuer,immer ein wenig unter Strom gesetzt zu werden was im Bauch wie im Bett für gewisse Turbulenzen sorgt
andererseits das Sicherheitsdenken,immer wissen woran Frau ist,perfekte Vorraussetzung für Familienplanung
reicht eben nicht immer aber meistens wenn Mann verständnisvoll,treu,liebevoll bla bla ist
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren