Umwelt Dreckschleudern für die Bahn
Hartmut Mehdorns Konzern kauft Diesel-Loks ohne Rußfilter, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Spätestens ab 2012 verstößt das gegen EU-Vorschriften

© AFP/Getty Images
Da war seine Welt noch in Ordnung: Bahn-Chef Hartmut Mehdorn verkündet vor Journalisten, dass die Regierung den Börsengang seines Konzerns beschlossen hat (April 2008)
Eigentlich hat Hartmut Mehdorn, Chef der Deutschen Bahn, wegen der »Spitzelaffäre« schon genug Ärger. Trotzdem ereilt ihn jetzt weiteres Ungemach. Die Deutsche Umwelthilfe wirft ihm vor, 130 mit Dieselmotoren ausgestattete Rangierlokomotiven zu kaufen – ohne Rußfilter. Weil Dieselruß laut Weltgesundheitsorganisation schwere Krankheiten verursacht, muss Mehdorn um den Ruf der Bahn als umweltverträgliches Verkehrsmittel fürchten.
Ein Sprecher der DB AG bestätigt den Vorgang im Grundsatz, weist aber darauf hin, dass in den Verträgen mit dem Loklieferanten, der Voith Turbo GmbH in Kiel, eine Option enthalten sei, die bis Jahresende die endgültige Entscheidung über den Filtereinbau zulasse. Ein erstes Angebot sei »zu teuer« gewesen, so die Bahn-Auskunft. Mittlerweile soll der Hersteller den Preis für den Partikelfilter gesenkt haben, die Bahn hofft auf weitere Nachlässe.
Eine Rangierlok kostet rund zwei Millionen Euro, der Filter weniger als fünf Prozent davon. Nicht nur Umweltschützer, auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat Mehdorns Beschaffungspolitik bereits irritiert. In seinem Haus hält man das Vorgehen für rechtlich fragwürdig; schließlich schreibe die EU Grenzwerte vor, die nur mit Partikelfilter einzuhalten sind.
Allerdings gelten die Werte erst vom Jahr 2012 an. Sollte die Bahn jetzt Loks ohne Filter kaufen, müssten sie spätestens dann nachgerüstet werden.
- Datum 04.03.2009 - 12:10 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Er schafft es also auch im genannten Bereich, die Luft zu verpesten und die Sicht zu vernebeln!
Aber nichts, gar nichts -
nicht seine Bespitzelungsaktionen aller DB-Beschäftigten,
nicht sein Hinhalten, Verzögern, Vertuschen in der Affaire,
nicht der Achsenskandal,
nicht die nicht sach- und anforderungsgerechte Auftragsvergabe,
nicht die mangelhafte Qualitätskontrolle,
vom Umgang mit seinen Kunden ganz zu schweigen -
GAR NICHTS wird dazu führen, daß Herr Mehdorn "die Liebe" von Angela Merkel verliert, bzw. dazu, daß sie vor den Wahlen im September durch Mehdorns überfällige Entlassung das Personal- und Koalitionsproporzkarussel in Gang setzt.
Ihnen, Herr Vorholz, ganz herzlichen Dank bei der Gelegenheit: für mich sind Sie ein Fels in der umwelt- und enregiepolitischen Brandung und eine Zierde der ZEIT - und ich wünschte mir, Sie fänden mehr Gehör!
... kann man mit Beruhigung lesen, dass Herr Tiefensee endlich öffentlich von den Privatisierungsplänen abrückt. Mehdorn hat sich wohl dann doch zu gutsherrlich aufgeführt; ist eben kein Teamspieler. Möhrchenfähige Posten ohne einen großen Aufschrei in der Öffentlichkeit sind da auf absehbare Zeit nicht mehr drin.
Merkel hin, oder her: Hoffentlich wird diese Veruntreuung von Volksvermögen -- dafür halte ich es -- tatsächlich gestoppt.
Alles Gute
Kai Hamann
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren