Autokrise Planspiele
Soll Opel eine Zukunft haben, müssen Werke geschlossen werden. Das weiß der Europa-Chef. Doch welcher Politiker würde dann noch dafür zahlen wollen – mitten im Wahlkampf?

© Andreas Rentz/Getty Images
Corsa-Karosserien im Opelwerk Eisenach. Über eine Schließung der Fabrik wird spekuliert
Carl-Peter Forster redet nicht lange drum herum: »Wir haben 30 Prozent Überkapazität in Europa«, er müsse mindestens 1,2 Milliarden Dollar sparen. Forster ist Europa-Chef von General Motors (GM) und Aufsichtsratsvorsitzender von Opel. Er sagte das am Dienstag am Rande des vornehmen Automobilsalons in Genf und fügte dann noch offener hinzu: Die betriebswirtschaftlich sinnvollste Lösung wäre es, »drei Werke zu schließen«. Und schon hat der Krimi um die Zukunft von Opel wieder eine neue Wendung genommen.
Bisher hatte Forster, er ist der oberste Handlungsreisende in Sachen Opel, über solche Dinge geschwiegen. Natürlich sah sein »Zukunftsplan« für die Rettung von Opel – und anderen europäischen Marken von GM – Einsparungen vor. Schlagzeilen machte aber vor allem seine Forderung nach Staatshilfe in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Geben sollen Bund und Bundesländer, aber auch Staaten wie Großbritannien, Polen, Belgien, Österreich, Frankreich und Spanien – überall dort stehen Fabriken von GM. Doch seit seinem Auftritt in Genf wird der Bittgang mühsamer denn je. Wie will Forster ein Land zur Kasse bitten und zugleich ein Werk schließen? Und wie will er das seinem wichtigsten Verbündeten erklären, dem Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der zugleich alle 55.000 europäischen Beschäftigten im GM-Konzern vertritt? Bisher hat Franz mit der IG Metall die Politik ganz nach Wunsch von Forster gepresst. Doch das kann sich ändern, denn der Betriebsrat fordert: »Keine Werkschließungen, keine betriebsbedingten Kündigungen.« Nur so kann er auf die gesamteuropäische Solidarität seiner Leute bauen.
Mit solchen Ungereimtheiten muss sich seit Beginn der Woche auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg herumschlagen. Dem übergab Forster am Montag den »Zukunftsplan«, einen dicken Packen Papier, persönlich. Mit gut 25.000 Opelanern in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern arbeiten die meisten europäischen GM-Beschäftigten in Deutschland, also soll dort auch der größte Scheck ausgestellt werden. Von Berlin hängt in den kommenden Wochen ab, wie Opels Zukunft aussieht.
Dabei gerät das Unternehmen mitten in den inoffiziellen Start des Wahlkampfes. Denn während die Fachleute im Wirtschaftsministerium die Opel-Wünsche nach streng ökonomischen Kriterien prüfen wollen, sind viele andere längst sicher: Die Marke und alle Standorte müssen gerettet werden. In seltener Einheit finden das CDU-Ministerpräsidenten wie Roland Koch und Jürgen Rüttgers, der SPD-Spitzenkandidat Steinmeier oder der Chef der Linken, Oskar Lafontaine. Selbst die Kanzlerin entdeckt in kleinem Kreise ihre weiche Seite und wägt Ordnungspolitik gegen menschliche Schicksale ab.
Glaubt man Forster, sind das nicht wenige. Bis zu 300.000 Jobs rechnet er indirekt zu Opel und der Schwestermarke Vauxhall, ergänzt um Händler, Zulieferer und andere. Sie sind bedroht. Schon im zweiten Quartal könnte der europäischen GM das Geld auszugehen. Deutlicher geht es kaum. Forster sagt auf die Frage, ob er Bürgschaften, Kredite oder gar eine Staatsbeteiligung wolle: »Hauptsache, das Geld fließt.«
- Datum 27.05.2009 - 08:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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»Hauptsache, das Geld fließt.«
D.h.: Wieder einmal sollen die Verluste sozialisiert werden. Typischerweise zugunsten der gleichen Leute, die vom "Mann auf der Straße" seit vielen Jahren mehr "Eigenverantwortung" verlangen.
Man kann eine Marktwirtschaft haben oder eine Planwirtschaft, aber nicht beides.
Wir haben ja auf den privatisierten / liberalisierten Gebieten keine Marktwirtschaft. Oder sehen Sie irgendwo Wettbewerb und Konkurrenz - im Energiemarkt? Beim Wasser? Gesundheit? Warum nicht diese Rezept nicht fortführen? Es hat sich so wunderbar bewährt?
Was man kann:
Man kann das Marktwirtschaft nennen und eine Planwirtschaft betreiben - sie sehen doch an der HRE, wie planvoll da öffentliches Geld in private Taschen gepumpt wird.
Und so ist ja auch ganz klar, dass die oder 3.3 Mia von den o.a. Herren locker gemacht wird - und warum auch nicht, es ist ja nicht ihr Geld.
Und weiter ist klar, dass von den 3.3 Mia für die Entlassenen - sei es nun in D oder PL oder ES - nichts mehr übrig bleiben wird.
Wir haben ja auf den privatisierten / liberalisierten Gebieten keine Marktwirtschaft. Oder sehen Sie irgendwo Wettbewerb und Konkurrenz - im Energiemarkt? Beim Wasser? Gesundheit? Warum nicht diese Rezept nicht fortführen? Es hat sich so wunderbar bewährt?
Was man kann:
Man kann das Marktwirtschaft nennen und eine Planwirtschaft betreiben - sie sehen doch an der HRE, wie planvoll da öffentliches Geld in private Taschen gepumpt wird.
Und so ist ja auch ganz klar, dass die oder 3.3 Mia von den o.a. Herren locker gemacht wird - und warum auch nicht, es ist ja nicht ihr Geld.
Und weiter ist klar, dass von den 3.3 Mia für die Entlassenen - sei es nun in D oder PL oder ES - nichts mehr übrig bleiben wird.
Die Marke und alle Standorte müssen gerettet werden. In seltener Einheit finden das CDU-Ministerpräsidenten wie Roland Koch und Jürgen Rüttgers, der SPD-Spitzenkandidat Steinmeier oder der Chef der Linken, Oskar Lafontaine.
Wenn die Parteien dafür sind, kann es nur schlecht für die sein, die Steuern und/oder Sozialabgaben zahlen.
Wir haben ja auf den privatisierten / liberalisierten Gebieten keine Marktwirtschaft. Oder sehen Sie irgendwo Wettbewerb und Konkurrenz - im Energiemarkt? Beim Wasser? Gesundheit? Warum nicht diese Rezept nicht fortführen? Es hat sich so wunderbar bewährt?
Was man kann:
Man kann das Marktwirtschaft nennen und eine Planwirtschaft betreiben - sie sehen doch an der HRE, wie planvoll da öffentliches Geld in private Taschen gepumpt wird.
Und so ist ja auch ganz klar, dass die oder 3.3 Mia von den o.a. Herren locker gemacht wird - und warum auch nicht, es ist ja nicht ihr Geld.
Und weiter ist klar, dass von den 3.3 Mia für die Entlassenen - sei es nun in D oder PL oder ES - nichts mehr übrig bleiben wird.
Hier könnten doch die Banken mal einen Teil der von ihnen verursachten Krise wiedergutmachen und auch mal ein Risiko übernehmen.
Also - Opel einen Kredit geben, besichert mit den Fabriken in Deutschland. Wofür schiebt der Staat sonst Milliarden in die Banken, damit die unsere Wirtschaft wieder flott machen und Geld bereitstellen. Falls der Laden dann bis 2011 wieder läuft ist es gut, falls nicht, schreiben die Banken halt zur Abwechslung mal keine undurchschaubaren Immobilienspekulationen sondern einen ganz realen Kredit ab.
Warum soll immer der Steuerzahler für Unternehmen herhalten, die keine Autos bauen, die der Markt wirklich haben will. Erst stellt Opel jahrzehntelang langweilige und technisch anspruchslose Autos her, jetzt, wo sie kurz vor der Pleite stehen, zaubern sie plötzlich irgendwelche halbfertigen Hybridfahrzeuge aus dem Hut.
Wenn Opel vernünftig geführt würde, wären die Marktanteile nicht ständig gesunken.
Kein Steuergeld für unfähige Unternehmer!
Neuschwabe
Am Beispiel Opel zeigt sich zunehmend, auf welche Weisen zunehmend mit zweierlei Elle gemessen und offen protegiert wird: Der sozialrechtliche Imperativ, dass aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln die jeweilige Lebenslage zu bestehen ist, gilt zwar für alle gleich. Dennoch findet eine Diskussion darüber statt, wie es gelingen kann, rund 25.000 Beschäftigte der Adam Opel GmbH davon auszunehmen, woran sich die anderen rund 82 Mio. Wohnbevölkerung abzuarbeiten haben. Kein Preis ist derzeit also zu hoch, und sei es fast bei Strafe des Todes, überkommene Industriestrukturen zu konservieren.
Diese Finanzspritzen versenken wertvolles Geld in eine untergehende Branche, die jetzt immer noch mit Umsätzen für Fahrzeuge rechnet, für deren Konzept die Zeit schon abzulaufen beginnt. Die momentane Kosmetik wird kaum den erfrischten Eindruck hinterlassen können, und die damit anvisierten "Wahlgeschenke" werden leere Pakete bleiben mit einer teuren Verpackung, finanziert mit den Geldern der ausgemachten Verlierer, deren Zukunft auf dem Wartegleis bleibt, bis es zu spät ist.
In schweren Zeiten entscheidet der Horizont und eine ehrliche Bestandsaufnahme, wo zunächst die Fehler zugestanden, dann die offenen Fragen gestellt und schliesslich mutige Entscheidungen für neue Wege getroffen werden.
Ansonsten beschleunigen wir nur das Karussell.
Solange die einen zuerst oder mehr oder andere Präferenzen ohne Sinn und Verstand als Richtlinie in die Welt gesetzt werden, wird kein wirklich gemeinsames und koordiniertes Vorgehen zustande kommen und die Auseinandersetzungen werden immer mehr von dem Potential unbrauchbar machen, das uns ans rettende Ufer verhelfen könnte.
in Deutschland(west) die gesamte Textilindustrie abgewickelt wurde, keiner hat da nach Staatshilfen gerufen, gibt es etwa heute noch nennenswerte Kleiderfabriken ? Man sagte, die konnten einfach nicht mehr gewinnbringend produzieren, zahlte Kurzarbeitergeld und so, hatte im Endeffekt 1 Million Arbeitslose mehr, was solls.
Es war einfach so, das die Verquickung und Verflechtung von Lobbyimus, Interessenvertretung und Politik noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute, es hiess zwar auch "was für die Wirtschaft gut ist ist für den Staat gut", aber das die Konzerne und Banken unverbrämt Minister abordnen, sich ihre Rettungspaketchen selbst beschliessen und sich ihre Gesetze selbst schreiben, ist eine Neuerung der letzten 10 Jahre.
Sozialismus von oben, vor allem wenn es ums kleine sympatische Opel-Autochen geht hat man die dumme Masse sogar hinter sich.
Wenn das Kapitel Opel/General Motors in Deutschland sich nun langsam dem Ende zuneigt, sollte man doch noch mal erinnern, wie das damals mit der Entnazifizierung der Opel-Werke war:
"Peter S. Hoglund steht heute (1947) auf verantwortungsvollem Posten der amerikanischen Wirtschaftsregierung (in Westdeutschland). Hoglund war vor dem Krieg der Leiter von Opel, der nahe Frankfurt gelegenen größten Automobilfabrik des kapitalistischen Europas, die sich in den Händen von General Motors befindet. Weder Hoglund noch seine Vorgesetzten in der Direktion von General Motors erhoben jemals Einspruch dagegen, daß ganze Sektionen der motorisierten Stoßarmee Hitlers aus Opels Werkhallen kamen. Im November 1945 führte der aus elfjähriger KZ-Haft befreite und zum Landrat von Groß-Gerau ernannte frühere kommunistische Abgeordnete Hamman öffentlich Klage darüber, daß seine wiederholt erhobene Forderung, die Leitung der Opelfabriken in Rüsselsheim zu entnazifizieren, nicht durchgeführt wurde. Das Ende vom Lied war, daß zwar nicht die Nazi-Direktoren von Opel, wohl aber der Landrat Hamman vom Amt entfernt, ja festgenommen und erst nach 14monatiger, in Dachau gemeinsam mit SS-Führern verbrachter Haft von der amerikanischen Militärregierung wieder freigelassen wurde. Herr von Opel selbst wurde vom Entnazifizierungsgericht Anfang 1947 als Mitläufer eingestuft und zu der horrenden Strafe von 2000 Mark verurteilt, wobei als strafmildernd der Umstand galt, dass Opel auf Veranlassung der amerikanischen General Motors in die Nazipartei eingetreten ist!" (Albert Norden, "Lehren deutscher Geschichte", Berlin 1947, S.255)
Wenn ich mir die Kommentare hier so anschaue, bin ich heilfroh, dass keiner von den Threadusern in der Bundesregierung ist. Das ist nicht mehr normal !
Wenn ich mir die Kommentare hier so anschaue, bin ich heilfroh, dass keiner von den Threadusern in der Bundesregierung ist. Das ist nicht mehr normal !
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