Finanzkrise Die Nöte der Halbstarken

Osteuropas junge Marktwirtschaften trifft es besonders hart: Der Geldstrom aus dem Westen versiegt, die internationalen Kunden kaufen nicht mehr. Einige Länder werden sich auf Jahre nicht erholen

Ein Häftling arbeitet in einer Schuhproduktion im Gefängnis von Deva in West-Rumänien. Im Land geht ein Immobilienboom zu Ende - und die Zeit hoher Wachstumsraten

Ein Häftling arbeitet in einer Schuhproduktion im Gefängnis von Deva in West-Rumänien. Im Land geht ein Immobilienboom zu Ende - und die Zeit hoher Wachstumsraten

Für Ieroču Veikals ist Pfefferspray der Krisenindikator. Jeden Tag verkaufe er in seinem Waffenladen mehr davon, sagt der Lette – und sei das nicht verständlich? In Lettland stürze die Wirtschaft ab, der Polizei in der Hauptstadt Riga gehe das Benzingeld für ihre Streifenwagen aus. Die Krise bringe mehr Kriminalität, sagt Veikals: »Also wollen sich die Leute schützen.«

Mihai Rădulescu erkennt die Krise am Umsatz seiner Firma. Um 30 Prozent sei beim Bukarester Zulieferer Electromagnetica Anfang 2009 allein die Fertigung von Kunststoffteilen eingebrochen; Abnehmer Dacia, Hersteller von Billigautos und Rumäniens Stolz, habe schon im Januar nur 14 Tage lang produziert, klagt er: »Da mussten auch wir ganze Betriebsteile vorübergehend schließen.«

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Bei Tamás Erdei zeigt die Krise ihr hässliches Gesicht, seit er als Bankier nicht mehr tun kann, was er eigentlich tun sollte: Unternehmen mit neuen Krediten zu versorgen, damit sie produzieren und investieren. Dem Chef der Budapester MKB-Bank, einer Tochter der in schweres Wetter geratenen Bayerischen Landesbank, fehlen dafür die liquiden Mittel. »Wir können Ungarns Wirtschaft nicht unterstützen«, sagt Erdei. »Wir können nicht weiter wachsen.«

Válság in Ungarn, crizá in Rumänien, krīze in Lettland – aber auch kryzys in Polen, krīis in Estland und kríza in der Slowakei: Überall im Osten Europas ist der weltweite Wirtschaftsabsturz angekommen. Noch im vergangenen Sommer tönte der polnische Regierungschef Donald Tusk, Polen sei »eine Insel der Stabilität«; auch Fachleute im Westen hofften, dass die Erfolgswirtschaften des Ostens sich von den Turbulenzen in den etablierten Industrienationen würden abkoppeln können. Dann gerieten Ungarn und Lettland an den Rand des Staatsbankrotts. Jetzt folgt eine Schreckensnachricht der anderen: Währungen sind im freien Fall, die Defizite in den Staatshaushalten wachsen, die Arbeitslosigkeit steigt. In den Ländern des Baltikums werden die Wirtschaften in diesem Jahr um mindestens sechs bis zehn Prozent schrumpfen, Ungarn dürfte ein Minus von etwa zwei Prozent einfahren. Und ob Polen, Tschechien, die Slowakei oder Rumänien das Jahr – wie von der EU-Kommission vorausgesagt – allesamt mit einem kleinen Plus abschließen, ist längst nicht ausgemacht.

Nach Jahren des hohen Wachstums – durchschnittlich bis zu sieben Prozent seit 2002 – stehen die EU-Mitgliedsländer Mittel- und Osteuropas damit vor einem tiefen Sturz. Teilweise, etwa in den baltischen Staaten und in Rumänien, ist er die Folge von schlechter Politik und einer leichtfertigen Kreditvergabe durch zumeist westeuropäische Banken. Teilweise ist er aber auch unverschuldet und das Resultat der engen Verflechtung der Region mit dem Rest der Welt. Seit in Westeuropa die Wirtschaften schrumpfen, fallen Produktion und Exporte auch in wirtschaftlich soliden Ländern wie Polen, Tschechien und der Slowakei – und zwar so dramatisch wie nie.

Drohen soziale Unruhen und politisches Chaos?

Längst schlägt das, was im Osten passiert, auf den Westen zurück. An der Wiener Börse brach Panik aus, nachdem die Rating-Agentur Moody’s mit schlechteren Noten für in Osteuropa engagierte österreichische Kreditinstitute drohte. Deutschen Exporteuren brechen Märkte weg, die zu den lukrativsten der Welt gehörten. In Brüssel wächst die Angst, dass aus der europäischen Wirtschaftskrise auch eine politische Krise der Europäischen Union wird; in Wien fordert die Regierung einen milliardenschweren Rettungsschirm für alle Osteuropäer. Der ist seit dem EU-Gipfel vom vergangenen Wochenende vom Tisch – zumindest vorerst.

Warum sollten die Westeuropäer die Milliarden auch großflächig über die gesamte Region verteilen? Niemand weiß, wie tief der Sturz sein wird und wie lange die Misere andauert – im Westen ebenso wenig wie im Osten. Ist der Aufholprozess ganz Osteuropas tatsächlich für lange Zeit unterbrochen, wie manche westeuropäische Experten meinen? Drohen gar soziale Unruhen und politisches Chaos? Im Gegensatz zur Untergangsstimmung, die sich im Westen ausbreitet, begegnet einem während einer Reise durch den Osten oft Gelassenheit – und vereinzelt hört man sogar die Prognose, dass Osteuropa am Ende von der Krise profitieren wird. Was also stimmt?

Leser-Kommentare
  1. Ieroču Veikals

    ...ist ein ladenname, und kein lettischer personenname. ich sag' doch auch nicht "herr spar", wenn ich den filialleiter meines stammladens interviewe.

    au wei, und das in der printausgabe - armselig.

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    so unbedeutend ist ??? "armselig", sich darüber auszulassen

    so unbedeutend ist ??? "armselig", sich darüber auszulassen

  2. so unbedeutend ist ??? "armselig", sich darüber auszulassen

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    ...auf so'ne antwort habe ich schon fast gewartet.

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    wenn aber anhand von solchen fehlern rückschlüsse auf die qualität der arbeit vor ort möglich werden, dann ist das, mit verlaub, 'n ganz anderer schnack.

    das ist dann nicht mehr unbedeutend, sondern erschreckend. vor allem, wenn sich alles zu einem fehler-syndrom zusammenbraut.

    ...auf so'ne antwort habe ich schon fast gewartet.

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    wenn aber anhand von solchen fehlern rückschlüsse auf die qualität der arbeit vor ort möglich werden, dann ist das, mit verlaub, 'n ganz anderer schnack.

    das ist dann nicht mehr unbedeutend, sondern erschreckend. vor allem, wenn sich alles zu einem fehler-syndrom zusammenbraut.

  3. ...noch mal ausführen:

    ierocis - waffe (genitiv ieroc-u)
    veikals - laden

    tut mir leid, aber wer mit solcher offenkundigen schludrigkeit an seine artikel herangeht, dem nehme ich die korrektheit bei komplexeren inhaltlichen sachverhalten nicht weiter ab.

    warum dürfen leute, die nicht wissen, dass ein lettischer männer-vorname immer auf -s endet, einen ellenlangen artikel über das land in einer deutschlandweit erscheinenden wochenzeitung schreiben?

  4. ...auf so'ne antwort habe ich schon fast gewartet.

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    wenn aber anhand von solchen fehlern rückschlüsse auf die qualität der arbeit vor ort möglich werden, dann ist das, mit verlaub, 'n ganz anderer schnack.

    das ist dann nicht mehr unbedeutend, sondern erschreckend. vor allem, wenn sich alles zu einem fehler-syndrom zusammenbraut.

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    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Ach ja...und dann dennoch dieses Gezeter?!?

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Stimmt, die lettische Grammatik und Namensgebung ist ja eigentlich urdeutsch, ne?

    Und der Artikel berührt eben nicht nur Lettland. Er ist dem ganzen Ostblock gewidmet. Sich da so eine Rosine aus dem Kuchen zu holen, finde ich dann doch ebenfalls...armselig.

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Ach ja...und dann dennoch dieses Gezeter?!?

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Stimmt, die lettische Grammatik und Namensgebung ist ja eigentlich urdeutsch, ne?

    Und der Artikel berührt eben nicht nur Lettland. Er ist dem ganzen Ostblock gewidmet. Sich da so eine Rosine aus dem Kuchen zu holen, finde ich dann doch ebenfalls...armselig.

  5. wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Ach ja...und dann dennoch dieses Gezeter?!?

    wenn fehler aufgrund von flüchtigkeit oder wg. zeitmangels entstehen, hab ich auch nix dagegen. man kann offenbar heute nicht mal mehr erwarten, dass journalisten ihr handwerk, die dt. sprache, vernünftig beherrschen. macht mir alles nix aus, ehrlich.

    Stimmt, die lettische Grammatik und Namensgebung ist ja eigentlich urdeutsch, ne?

    Und der Artikel berührt eben nicht nur Lettland. Er ist dem ganzen Ostblock gewidmet. Sich da so eine Rosine aus dem Kuchen zu holen, finde ich dann doch ebenfalls...armselig.

    Antwort auf "mpf,..."
    • reale
    • 07.03.2009 um 14:23 Uhr

    Ich finde diese Fehler ebenfalls sehr ärgerlich. Selbstverständlich ist Lettisch eine ausgesprochen kleine Sprache und Lettischkenntnisse sind keine Voraussetzung für das Verfassen eines Artikels über die wirtschaftliche Situation in Lettland bzw. Osteuropa. Nichtsdestotrotz ist dies doch schlicht und ergreifend schlecht recherchiert. Besonders fraglich erscheint mir, wie es zu diesem Fehler kommen konnte, da es sich doch um ein direktes Zitat des Besitzers handelt. Bei einem Gespräch/Interview sollte man doch wenigstens den Namen des Interviewten kennen. Und wenn das Interview vom Autor nicht selbst durchgeführt wurde, dann zeigt es einfach, dass die Quellen nicht sonderlich sorgfältig und genau geprüft wurden.

    Ich finde, man darf von einer Wochenzeitung wie der Zeit erwarten, dass genauer gearbeitet wird - auch wenn es sich "nur" um einen lettischen Namen handelt! Das hat nichts mit "unbedeutenden Fehlern" zu tun. Auch wenn der Name unbedeutend für den eigentlichen Inhalt des Artikels sein mag - peinlich ist es trotzdem. Natürlich sollte man daraus auch keine Rückschlüsse auf die Qualität der gesamten Zeitung ziehen.

    Zeit Nr. 11, Titelseite: „(...) in ihrem Interesse wird die ZEIT weiterhin in in journalistische Qualität investieren.“

  6. Solche Fehlerchen sind, würde ich sagen, wirklich typisch, und zwar in allen deutschen Zeitungen. Krise heisst auf Estnsich z.B. nicht krīis, sondern kriis. Etc. Das im Artikel gleich zweimal stehende Wort wäre völlig undenkbar (den Buchstaben ī gibt es im Estnischen leider eben nicht). Das sind natürlich Lappalien, aber etwas verraten sie schon. Und zwar, dass die deutschen Zeitungen heutzutage offenbar nur höchst selten über JournalistInnen verfügen, die die vielen Sprachen Osteuropas tatsächlich beherrschen oder auch nur ein wenig kennen (z.B. die drei sehr unterschiedlichen Sprachen des Baltikums) und somit nicht auf vermittelte Informationen angewiesen sind.

    P.S. Zum Glück gibt es jede Menge Online-Wörterbücher und Glossare im Internet, auch für die Sprachen des Baltikums. Um z.B. die Recherche zu erleichtern.

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