Siebeck Auf Obamas Spuren
Unser Kolumnist isst in Washington und wagt sich in "Bens Chilischüssel", wo auch schon der Präsident gespeist hat
Ankunft in Washington. Wir wohnen im Hotel Four Seasons, doch dessen Restaurant Bourbon Steak ist ausgebucht: Die Besserverdiener gehen abends gern aus. Notgedrungen muss ich den Room Service bemühen. Aber nach dem Fraß, den man mir bei United Airlines servierte, können mich auch Pizza und Caesar’s Salad nicht trösten. Nur der Chardonnay aus dem Napa Valley mildert meinen Jetlag ein wenig.
Am nächsten Morgen: Auf zur Recherche! Wie isst man in Obamas Washington? Wo isst der Präsident selbst? In Bens Chili Bowl ist er schon gesichtet worden, beim Verzehr eines "Chili Half Smoke".
Die Gegend war früher berüchtigt, jetzt ist sie grellbunt und sauber, wenn auch nicht gerade eine Straße, wo Kindermädchen ihre Schützlinge ausführen. Der Besuch Obamas muss also einen besonderen Grund gehabt haben. Hunger plus Populismus, schätze ich.
Vielleicht war dies vorausgegangen: Obama runzelt die Stirn: "Wovon mögen Bushs sich bloß ernährt haben? Weinkeller und Speisekammern sind leer. Und ich habe Hunger!"
"So viel ich weiß, gibt es einen Küchenchef im Haus. Eine Frau."
"Und wenn schon. Ich bin tolerant."
"Trotzdem könntest du doch deine Leibgardisten fragen, wo wir heute Abend in dieser Stadt anständig essen können!"
"Die kennen doch nur Italiener."
"Na und?"
"Soll etwa morgen in der Zeitung stehen: 'Präsident Obama beehrt Mafia mit Antrittsbesuch.'?"
"Oh, Barack, warum sind wir bloß von Chicago in diese furchtbare Stadt gezogen?"
Nicht nur die. Wir alle haben es gewünscht. (Washington ist übrigens gar nicht so furchtbar, sondern eine überraschend schöne Stadt.)
"Bens Chilischüssel" ist ein kleines buntes Häuschen, in dessen Innerem ganze Busladungen verschwinden. Ich klemme mich auf einen der Hocker an der Bar, gleich hinter der Tür. Es ist sehr hell hier, sodass ich die Versäumnisse der Putzkolonne ganz deutlich sehe. Die populäre Mahlzeit auf dem Pappteller besteht aus einer weichen Wurst in einem weichen Brötchen, ist mit einer braunen Pampe bedeckt und kostet 4,99 Dollar.
Es erfordert meinen ganzen Mut, hineinzubeißen. Und keine Anstrengung, es zu bereuen.
Bens Chili Bowl
: 1213 U Street, Washington, D. C., Tel. 001-202/6670909
- Datum 04.03.2009 - 15:23 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
- Kommentare 13
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Ich mag auch am liebsten 3***-Essen, aber diesen Siebeck-Dünkel!?!? Nein Danke!!!!!
(Überschrift entfernt. Etwas mehr Sachlichkeit würde uns freuen. Die Redaktion/jk)
... mich zu wiederholen: Allem Anschein nach leidet W.S. an einem ausgeprägten Biedenkopf-Syndrom, d.h. er hat den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören schon eine ganze Weile verpaßt.
Die ZEIT-Redaktion tut weder dem alten Herrn noch sich selbst einen Gefallen damit, (...).
Gönnen Sie ihm den verdienten Ruhestand und uns eine wohlwollende Erinnerung.
[Gekürzt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
... gespannt, was der Kolumnist zu Bernie's Hot-Dog-Station mitzuteilen hat. Ist eigentlich bei Ihren anderen Mitarbeitern das Verhältnis von eingesetzten Mitteln und Ergebnis genauso grotesk?
Nein - ich bin nicht neidisch ( oder vielleicht doch - so 'n bißchen...)...
Sehr geehrte User,
es würde uns freuen, wenn jetzt nicht auch noch die Gourmetartikel von Wolfgang Siebeck zur Kampfzone der Community würde. Wir möchten Sie deshalb bitten, Ihre Kritik mit einer Prise mehr an Sachlichkeit zu würzen.
Vielen Dank und freundliche Grüße,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
... nicht liegt mir ferner als das Thema unangemessen aufzublasen. Betrachten Sie es einfach als den Versuch eine enttäuschte - dochdoch - Bewunderung, zum Ausdruck zu bringen. Nichts für ungut...
Ich bin kein Lesebriefschreiber, aber nach der soundsovielten mir inhaltlich und stilistisch mißfallenden Kolumne ist es irgendwann gut. Herr Siebeck hat viel zum Eßverständnis und zur Ernährung der Deutschen beigetragen, aber irgendwann kann man sich nicht mehr auf seinen Lorbeeren ausruhen und im kulinarisch ewig gestrigen verweilen.
Nein, natürlich ist nicht alles alte und hergebrachte schlecht, denn wo wären wir ohne die Basics, aber wo kämen wir ohne Weiterentwicklung, ja Avantgarde hin? Nirgends!
Die ewig gleichen Aussagen zu anderen Gästen, zu seinem eigenen privilegierten Leben (auf der Burg, in der Provence) und gar zu Garmethoden und Zubereitungen sind schwer (zu ertragen) wie eine Buttersauce.
Mit kulinarischen Grüßen
weinreise
... ich bitte Sie recht herzlich, sich einmal der Mühe zu unterziehen, was ich oben (Kommentar 2) geschrieben habe. Sehr viel "sachlicher" geht es nicht, wenn man mit anschauen muß, wie die ZEIT-Redaktion die immer peinlicher werdende Selbstmontage des von mir seit 40 und mehr Jahren hochgeschätzten Wolfram Siebeck nicht nru nicht verhindert, sondern offenbar noch aktiv unterstützt.
Das, was Siebeck seit Monaten abliefert, sind keine "Gourmetartikel" mehr. Es ist nur noch peinlich (vor allem diese sogenannte "Serie" Siebeck ißt im Osten" ...).
Lesen Sie bitte, was ich zu diesem Thema schon mehrfach geschrieben habe und helfen Sie Herrn Siebeck, sich vor sich selbst zu schützen.
Es wäre, wie die hier stehenden Kommentare bestätigen, für ALLE Beteiligten das Beste, wenn Siebeck sich weniger an Biedenkopf als an Bernhard Vogel orientierte: Letzterer hat es im Gegensatz zu ersterem geschafft, das gewiß auch ans Herz gewachsene Amt auf tadellose Weise los- und hinter sich zu lassen.
Wenn siebeck so weitermacht -- weitermachen darf, das liegt schließlich an der ZEIT-Redaktion -- endet er als jämmerlicher Duchemin-Verschnitt (Sie erinnern sich an Louis de Funès in "L'Aile ou la cuisse", auf deutsch: "Brust oder Keule" ...). Und das hat er ganz gewiß nicht verdient.
... heißten. Blöde Tastatur ;-))
... heißten. Blöde Tastatur ;-))
... heißten. Blöde Tastatur ;-))
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