Ein Büro in Potsdam, in einer alten Villa in einem Park mit alten Bäumen. Wissenschaftspark heißt diese Gartenanlage. Der Mann hinterm Schreibtisch ist ein wichtiger Mann. Er hat in den letzten Jahren Erkenntnisse gesammelt, welche die Welt verändern werden. Er gehört zur Wissenschaftselite der Royal Society und wurde von der englischen Königin als "Commander of the Order of the British Empire" ausgezeichnet, er ist einer der Berater der Bundeskanzlerin: Hans Joachim Schellnhuber, Professor der Physik, einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt. Er hat sich beispielsweise damit beschäftigt, dass das Abschmelzen der Pole in direktem Zusammenhang mit dem Amazonasgebiet steht. Aus einem ruhigen Wissenschaftler ist in den vergangenen Jahren einer der radikalsten Warner geworden.

Einer der beiden Autoren saß Schellnhuber beim Interview gegenüber und stellte eine Frage, als deren Antwort er eine hochwissenschaftliche Ausführung erwartete. In gewisser Weise kam die auch, allerdings ganz anders als gedacht. Die Frage lautete: "Wenn Sie an Ihr Leben als Wissenschaftler zurückdenken, können Sie eine Erkenntnis formulieren, von der Sie sagen, sie war die wichtigste?"

Da lachte Schellnhuber und sagte: "Ja, das kann ich, das weiß ich ganz genau. Die wichtigste Erkenntnis für mich als Wissenschaftler und Privatmensch ist das von mir entdeckte Stinktier-Prinzip." Seine Ausführung: Egal, in welchem Beruf Sie arbeiten, in welcher privaten Situation Sie stecken – da sind immer Menschen, die Sie blockieren, aufhalten, Sie verletzen und runterziehen, Menschen, die für schlechte Stimmung sorgen, Jammerer, Bedenkenträger, bösartige und unangenehme Zeitgenossen. Es ist wichtig, dass man sein persönliches und berufliches Umfeld durchkämmt und diese Stinktiere identifiziert. "Entweder verabschiedet man sich sofort von ihnen. Oder – wenn das nicht geht – man hält sich möglichst fern von ihnen und tut so, als wären sie nicht da. Der Wirkungsgrad dieses Prinzips ist erstaunlich hoch", sagt Schellnhuber, "denn wenn die Stinktiere erkannt sind, können sie einen nicht mehr verletzen." So weit der Wissenschaftler.

Wer sind nun die Feinde?

1. Menschen, die immer alles besser wissen.
2. Menschen, die gerne von sich sagen, sie brauchen keine Karnevalsverkleidung, um lustig zu sein, und sie brauchen dafür auch keinen Alkohol.
3. Menschen, die immer jammern, wehklagen, was sie alles noch vor sich haben, welche schwere Last das Leben schon wieder für sie bereithält.
4. Menschen, die alles schon gesehen haben, die überall schon waren.
5. Menschen, die das Ernste immer für wertvoller halten als das Leichte.
6. Menschen, die zu jedem Zeitpunkt wissen müssen, woran sie sind.
7. Gäste, die glauben, ihre einzige Pflicht als Gast sei es, das passende Mitbringsel dabeizuhaben.

Die ersten Todfeinde der Heiterkeit, die Besserwisser, wollen wir mit einem Gedanken erledigen.
Heiterkeit ist ein großes Geschenk mit unendlich vielen Facetten und Möglichkeiten. Es gibt viele Wege zu diesem Geschenk. Besserwisser sind schon zum allerersten Schritt nicht in der Lage. Weil dazu eine Voraussetzung nötig ist: ein gewisser Abstand zu sich selbst. Im Gegensatz dazu bläst sich der Besserwisser immer auf, stellt sich über den anderen, weil er ja am Ende recht haben muss.

Wir kommen zu unseren zweiten Todfeinden. Die Abrechnung benötigt eine Vorbemerkung: Humor und Heiterkeit sind flüchtig, unfassbar, nahezu unberechenbar. Mal gelingt es, lustig zu sein, mal nicht. Ein Abend in derselben Besetzung kann reizend sein, brüllend komisch bis ins Morgengrauen – und schon beim nächsten Mal ist alles anders, die Scherze laufen ins Leere, nix ist heiter. Humor und Heiterkeit verdienen größten Respekt, wir scheuen nicht einmal das Wort Ehrfurcht.

Menschen, die von sich sagen, sie könnten immer lustig sein, sie brauchten dazu keine Maskerade, keine Hilfsmittel und keinen Anlass, lassen genau diesen Respekt vermissen. Mit Konsequenzen: Diese Menschen sind nie lustig, nie, nie, nie. Als wäre es so, dass sich der Humor nicht niederlässt, wo ihm der Respekt verweigert wird.