Ich habe einen Traum "Eine Piratenrolle würde mich reizen!"

Zurzeit ist Julia Jentsch als Effi Briest im Kino zu sehen. Nun würde sie gerne in einem Abenteuerfilm mitspielen - am liebsten auf hoher See

Als Schauspielerin unternehme ich ähnliche Reisen wie in meinen Träumen: Mich selbst in außergewöhnliche Situationen hineinzufantasieren ist Teil meiner Arbeit. Wenn ich mich auf eine Rolle vorbereite, träume ich um die Figur herum, stelle mir vor, wie sie sich in Situationen außerhalb des Drehbuchs verhalten würde oder wie ihr Leben nach dem Film oder dem Stück weitergeht.

Das alles geschieht eher in meinen Tagträumen. Dass eine Figur mich in die nächtlichen Träume verfolgt, habe ich noch nicht erlebt. Sicher, intensive Arbeitsphasen schlagen sich oft in wilden Träumen nieder, das schon. Aber nie die konkreten Rollen. Vielleicht weil das Spielen einer Figur für mich ein sehr bewusster Vorgang ist. Bisher ist es mir immer gut gelungen, mein eigenes Leben von der Rolle zu trennen.

In meiner Jugend habe ich mich in alle möglichen Berufe geträumt. Ich wollte Juristin werden wie meine Eltern, dann Goldschmiedin, später Archäologin – mich begeisterte die Vorstellung, aufregende Orte zu bereisen und antike Schätze auszugraben. Es gab sogar eine Phase, in der ich Mathematik über alles liebte. Mein Lehrer sagte damals, Mathematik habe viel mit Fantasie zu tun. Mich hat das Tüfteln fasziniert. Wenn ich mich intensiv mit etwas beschäftigt habe, wurde es spannender und spannender. Je mehr ich verstanden hatte, desto neugieriger wurde ich.

Vielleicht ist die Schauspielerei gerade deshalb mein Traumberuf – er erlaubt es mir, mich mit unterschiedlichen Lebenswegen zu beschäftigen, in andere Zeiten einzutauchen, fremde Orte kennenzulernen und Erfahrungen zu machen, die mir sonst nicht möglich wären.

Sehr gerne würde ich in einem Abenteuerfilm mitspielen. Eine Piratenrolle würde mich enorm reizen! Ich mag das Physische, die Bewegung. Ich liebe das Meer, auf einem Schiff zu drehen ist eine tolle Vorstellung. Auch wenn moderne Piraten natürlich kein Abenteurer-Flair mehr haben, im Gegenteil. Vielleicht wäre ein Piratenfilm heute doch zu problematisch.

Zu Beginn meiner Karriere habe ich davon geträumt, meinen Beruf ausüben zu können, ohne öffentlich als Julia Jentsch in Erscheinung treten zu müssen. So wie manche Musiker oder Schriftsteller, die nie ihr Gesicht zeigen. Das kann ich als Schauspielerin natürlich nicht, trotzdem gefällt mir die Vorstellung noch immer.

Der öffentliche Teil meiner Arbeit – Interviews geben, Autogramme schreiben, über den roten Teppich laufen – ist mir immer schwergefallen. Ich wünschte mir, hinter meinen Rollen verschwinden zu können. Alles andere lenkt doch von der eigentlichen Arbeit ab! Aber mittlerweile habe ich mich damit arrangiert, diese Dinge gehören eben doch zu meiner Arbeit. Auch wenn ich nie von ihnen geträumt habe.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Julia Jentsch wurde 1978 in Berlin geboren und besuchte dort die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch". Schon bald gewann sie wichtige Theater- und Filmpreise, darunter den Max-Reinhardt-Preis. Für die Hauptrolle in "Sophie Scholl – Die letzten Tage" wurde sie 2005 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Im Kino ist sie derzeit in der Titelrolle der Fontane-Verfilmung "Effi Briest" zu sehen

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    • Quelle DIE ZEIT, 05.03.2009 Nr. 11
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    • Schlagworte Traum | Theater | Mathematik | Schauspieler | Musiker | Arbeit | Drehbuch | Schiff | Karriere | Kino
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