Zeitspiegel Verfeindete Brüder

Ein Verbrechen, kein Zweifel. José Tabango hatte gestohlen. Doch es wäre eine Sache für die Justiz gewesen. Stattdessen jagte eine zornige Menge den 16-jährigen Täter durch die ecuadorianische Stadt Otavalo, fing ihn, verprügelte ihn und setzte ihn in Flammen. Man rief: »Scheiß Kolumbianer!« Im Hintergrund der kürzlich geschehenen Gewalttat steht die Politik – der diplomatische Bruch zwischen Kolumbien und Ecuador. Vor einem Jahr, im März 2008, bombardierten kolumbianische Kampfjets ein Lager der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) auf dem Boden Ecuadors. Die Regierung feierte die von den Vereinigten Staaten unterstützte Operation als historischen Erfolg. Über die Details aber informierte sie den beleidigten ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa erst viele Stunden später. Sofort kam es zu Spannungen in der Region, sogar von Krieg war die Rede. Als Folge brach Quito die Beziehungen mit dem Nachbarn ab, es bezichtigt ihn bis heute der Servilität gegenüber den USA. Aus Bogotá wiederum geißelt man gelegentlich das Bruderland. Und manchmal bricht die Aggression in den Alltag ein. CJ

 
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