Die Werbung der Woche
Plötzlich und unerwartet stand diese Annonce zwischen anderen, vergangenen Sonnabend in der Fankfurter Allgemeine »Wir trauern um>unsere Klementine«, schreibt da die Geschäftsleitung der Firma Procter+ Gamble Deutschland, und noch bevor sie den bürgerlichen Namen der Verstorbenen nennt, kommt »unser Waschmittel Ariel« zur Sprache, das »Johanna König bereits zu Lebzeiten unsterblichen Ruhm« als »Markenbotschafterin« eingetragen habe. Ist das nun ein sauber inszenierter Werbe-Coup oder rein die Frechheit, wie hier eine Frau,die sich nicht mehr wehren kann, über ihren Tod hinaus zur Fleckenlösung herangezogen wird? Man kann das so oder so sehen, mit Gewissheit aber lässt sich sagen, dass diese Anzeige nicht die Letzte ihrer Art sein wird. Sollte Johannes B. Kerner dermaleinst ins Gras statt in die Geflügelwurst beißen, könnte die Heinrich Nölke GmbH &Co. KG aus Versmold seiner einfühlsam gedenken: »Mit Gutfried ging’sihm gut. Er war besser drauf mit weniger Fett.« Oder Magdalena Brzeska, mehrfache deutsche Meisterin in der rhythmischen Sportgymnastik: »Sie war immer sie. Und wenn sie eine Zwischenmahlzeit brauchte, dann sollte sie leicht schmecken und nicht belasten. Wir werden sie und ihre Milchschnitte nicht vergessen!« Am Sarg des Veltins-Trainers Rudi Assauer schließlich heißt es ein letztes Mal und und unter Tränen: Nur gucken, nicht anfassen!
- Datum 12.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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