MEINUNG BERLINER BÜHNE Noch ’ne Idee?
Warum der Kapitalismus viel schneller als die Linkspartei ist
Die Linkspartei geht in den Wahlkampf mit einer Forderung, die früher – so etwa vor einem halben Jahr – etwas Aufrührerisches gehabt hätte: den Kapitalismus abschaffen. »Es muss Schluss damit sein, alles dem Profitstreben und den Märkten zu unterwerfen«, heißt es im Programmentwurf.
Das hat Schwung. Da möchte man gleich mitmachen und einstimmen: Weg damit! Die Märkte müssen endlich entmachtet werden, und der Staat muss in die Verantwortung treten! Den Heuschrecken, die deutsche Firmen aufkaufen wollen, muss endlich der Garaus gemacht werden! Und sollte man diese Investmentbanken an der Wall Street mit ihrer haltlosen Spekulation nicht einfach dichtmachen? Warum nicht Banken enteignen, wo wir schon dabei sind?
Wie bitte? Leider raunt uns gerade ein Kollege aus der Wirtschaftsredaktion zu, dass die Investmentbanken schon weg seien, bevor die Linke überhaupt Gelegenheit hatte, Hand an sie zu legen. Und die Heuschrecken, heißt es, wollten überhaupt keine deutsche Firmen mehr kaufen. Ebendas sei ja gerade ein Teil des Problems. Ein Enteignungsgesetz für eine gewisse Bank – Sie wissen schon – liege übrigens längst in der Schublade der Kanzlerin. Ist das jetzt peinlich für den Versuch der Linkspartei, im Wahlkampf mit Antikapitalismus zu punkten? Der Kapitalismus hat sich schon selbst angetan, womit die Linke ihm droht.
Hat die Linke sonst noch eine Idee zur Krise? Hat sie: »Die Linke fordert mehr öffentliche Gelder zur Konjunkturankurbelung.« Wo haben wir das bloß schon mal gehört?
- Datum 12.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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