60 Sekunden für Obama-Fingers

Der Lebensmitteldiscounter Plus hat in dieser Woche ein ganz besonderes Supersonderangebot, nachzulesen im aktuellen Prospekt. Unter der Überschrift Yes! We Can! werden dort Obama-Fingers (fertig gebraten, mit Curry-Dip) beworben, die Packung für 2,69 Euro. Hierbei handelt es sich selbstverständlich nicht um verzehrfertig zubereitete präsidiale Gliedmaßen, sondern lediglich um dick panierte und in heißem Fett ausgebackene, längliche Geflügelfleischbrocken für die Tiefkühltruhe. Das ist die triste, unappetitliche Realität.

Man könnte nun anmerken, dass die Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts hierzulande strafbar ist. Oder aber resignierend feststellen, dass die Fleischklumpen-Offerte bloß die Versuche zur Rettung der Weltwirtschaft versinnbildlicht: große Versprechungen, aber fragwürdige Rezepte mit simplen Zutaten. Und am Ende steht die enttäuschte Einsicht, dafür in jedem Fall zu viel bezahlt zu haben.

Kaum tröstlich, dass deutsche Unternehmen wenigstens einem Staatenlenker die Lösung ihrer Probleme zutrauen. Auf die Idee, mit Angela Merkel den Umsatz in der Krise zu steigern, ist hier ja bislang niemand gekommen. Lediglich die US-Spielzeugfirma Mattel hat der Bundeskanzlerin nun eine Barbie-Figur gewidmet. Es mag eine zweifelhafte Ehre sein, durch ein Magerpüppchen aus Plastik repräsentiert zu werden – aber würdiger als ein Geflügelsnack ist es allemal. Marcus Rohwetter

 
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