Gogol war hässlich. Zeugnisse von Zeitgenossen sind nicht selten Dokumente des Hohns, der Bestürzung über sein Äußeres. Ein Schulkamerad erinnerte sich an einen "schwächlichen, äußerst hässlichen Jungen", der ständig rotzte und dem häufig die Augen tränten. Als Gogol Jahre später in einem Petersburger Theater vorsprach, wurde notiert: "Ein junger Mann von sehr wenig anziehendem Äußeren […]. Bestenfalls als Statist zu brauchen." Gogol sollte zeitweilig als Hauslehrer arbeiten, da haben pubertierende Jungs ihr Lachen unterdrücken müssen, als sie ihn sahen. Gogol, erinnerte sich einer seiner Schüler, "hatte einen kleinen Wuchs, eine dünne, verkrümmte Nase, krumme Beine, ein putziges Haarbüschel auf dem auch sonst nicht gerade elegant frisierten Kopf, eine stoßweise Art zu sprechen, ständig unterbrochen von einem näselnden Laut und einem Zucken des Gesichts". Andere Zeugnisse erwähnen einen irgendwie schiefen, hüpfenden Gang. Und immer ist es die Nase, diese übergroße Nase, die Aufsehen erregte und die in späteren, schriftstellerisch erfolgreichen Jahren leichte Beute für Karikaturisten war.

Schon sein Name reizte zum Spott. Gogol, auf der ersten Silbe zu betonen, ukrainischer Herkunft, heißt ein Wasservogel: die Schellente. "Wie eine Schellente daherkommen" meint im Russischen so viel wie sich geckenhaft kleiden und benehmen. Von einer Frau, die Gogol ernsthaft begehrt hätte, ist nichts bekannt.

Gogol war hässlich. Zeichnungen und Gemälde, die wir noch heute kennen, sind wohlmeinende Interpretationen seines Äußeren, wie die, die ihn kannten, wussten. Und die, mit denen er befreundet war, wussten um seine Kränklichkeit, um die Schübe heftiger Unausgeglichenheit, Verfolgungswahn, Unruhe, die er zu bekämpfen suchte durch weite Reisen, planlos, irrlichternd durch Europa. Sie führten ihn unter anderem nach Lübeck, Hamburg, Köln, Frankfurt, Genf, Paris. Sie führten ihn in religiös umnachteter Gereiztheit nach Jerusalem.

Die, mit denen er befreundet war, begriffen seine entrückte Bigotterie, seine Selbstgeißelungsfantasien, zu denen er zeitweise heftig neigte, als Krankheit, als Vorarbeit zum Selbstmord, den er schließlich 42-jährig durch Nahrungsverweigerung vollzog, sich dabei gern und heftig bekreuzigend. Ärzte hatten ihm zuvor allerlei Albernes verordnet und auch handgreiflich durchgesetzt: heiße Bäder, kaltes Abduschen, Blutegel, so wurde behauptet, die man ihm, der sich nur noch schwach wehrte, aus irgendeinem Grund in die Nase setzte. Die Geschichte der Heilkunst kennt ihre Irrtümer.

Man neigt zum Stimmenhören in der Familie. Zu Erscheinungen. Dem Vater, einem ukrainischen Postbeamten, der früh stirbt, erscheint seine zukünftige Braut bereits kurz nach ihrer Geburt. Jahre später ein weiteres Mal. Sie tritt in Begleitung der Muttergottes auf, die ihm befiehlt, Marja Iwanowna zu heiraten. Eine glückliche Ehe nach allem, was man weiß: Ein reicher Gönner der Familie sorgt für halbwegs gute Finanzen, hinzu kommen gemeinsame mystische Vorlieben. Auch Gogols Mutter hat Erscheinungen, hört Stimmen, ist sich gewiss, Unglücksfälle vorausahnen zu können, und dergleichen. Ihr Mann dichtet nebenher. Ukrainische Schwänke. Sie sind nicht erhalten.

Der Sohn, am 1. April 1809 in Welikije Sorotschinzy geboren, zieht nach dem Besuch des Gymnasiums als 19-Jähriger mit einem Diener nach St. Petersburg. Sein Plan: eine Anstellung im Staatsdienst zu finden. Doch ungehörig sein überreizter Anspruch, der jeder Beamtenlaufbahn abträglich ist: "Kalter Schweiß trat mir auf die Stirne bei dem Gedanken, es könnte mir bestimmt sein, wohl gar im Staube umzukommen, ohne meinen Namen auch nur durch eine einzige edle Tat ausgezeichnet zu haben." Er verspüre einen "Durst nach Anblick und Empfindung des Schönen". Eine Idylle bringt er nach St. Petersburg mit, die er auf dem Gymnasium zu schreiben begonnen hat: Hans Küchelgarten, ein langatmiges Poem, der deutschen Empfindsamkeit abgeschaut, eine Liebeständelei, die er bald auf eigene Kosten drucken und aufgeregt in die Buchhandlungen tragen wird.

Ansonsten großes Missbehagen. "Ich hatte mir Petersburg weit schöner und prächtiger vorgestellt", klagt er. "Im Volk glänzt keinerlei Geist, es gibt nur Bedienstete und Amtspersonen, alle schwätzen von ihren Büros und Ministerien, alles ist niedergedrückt, alles festgefahren in sinn- und nutzloser Arbeit." Er meint die Verwaltung des Riesenreichs, die vorzugsweise im Abschreiben von Vorgängen sich verwirklicht, die Heerscharen von Kopisten ausführen. Da reibe sich doch, sagt Gogol empört, das Leben unfruchtbar auf.