Was läuft und was nicht

Japans eigenes Finanzsystem ist von der Weltfinanzkrise unversehrt geblieben – doch in fast allen anderen Bereichen der Wirtschaft sieht es augenblicklich sehr schlecht aus. In keinem anderen G-7-Land ist die Realwirtschaft so dramatisch eingebrochen. Das lag an ihrer großen Abhängigkeit vom Export.

Schon im letzten Quartal 2008 schrumpfte die japanische Wirtschaft, aufs Jahr hochgerechnet, um 13 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Im Januar sank die Industrieproduktion um 10 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ein Rekord. Die Exporte sanken um 45,7 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres. Ebenfalls ein Rekord. Auch das Handeldefizit der stolzen Exportnation erreichte eine Rekordhöhe.

Der Nikkei-Börsenindex lag 80 Prozent unter seinem Höchstwert von 1989. Große Unternehmen wie Sony und Nissan kündigten Zehntausende von Entlassungen an. Sogar Toyota meldete Milliardenverluste.

Wirtschaftsminister Kaoru Yosano sprach also nicht grundlos kürzlich von der »größten Wirtschaftskrise seit dem Krieg«. Allerdings sagen Zahlen nicht alles über Japan. Seine Bürger, vom Topunternehmer bis zum Obdachlosen, gehen mit der Krise so produktiv um, wie sie können. Sie klagen nicht und streiten nicht – sie malochen.

Früher glaubten viele im Westen, dass dieses Land aus jeder Krise verstärkt hervorginge. Das ist auch diesmal nicht auszuschließen. Japan ist und bleibt wichtiges Industrieland und größte Kreditgebernation der Welt. Und seine Lage in Ostasien begünstigt es mit Blick auf das zu erwartende Wachstum in China und Indien, wenn die Weltkonjunktur erst wieder anspringt. Bl

 
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