KINDER- UND JUGENDBUCH Obdachlos
Ein kleines Buch übers Leben auf der Straße
D
er Held dieser Erzählung: ein Obdachloser, einer, der aus den emotionalen und sozialen Sicherungen herausgefallen ist, Schritt für Schritt, Jahr für Jahr, bis er am Ende auf der Straße landet. Auf dem Titelblatt des schmalen Büchleins blickt uns der namenlose Mann ratlos an, sodass uns ein wenig zum Lachen und ein wenig zum Weinen ist.
Armut ist nicht gerade ein Stoff für illustrierte Kinderbücher. Doch so geradlinig, so unpathetisch und dadurch so bewegend, wie Kirsten Boie erzählt, zeigt sich hier ein authentisches Stück Kinderliteratur.
Diese Lebensgeschichte, ganz unmittelbar aus einer familiären Perspektive heraus entwickelt, können Kinder begreifen. Sie erfahren, dass das Leben des Mannes, der nun auf der Straße lebt, so verlaufen ist wie das der meisten Menschen, irgendwie »mittelschön« – bis Unglück ihn ereilte: Trennung, Arbeitslosigkeit, Kündigung der Wohnung, Isolation. Jutta Bauer hat einige Momente dieser Erzählung mit Wärme und sanfter Empathie illustriert.
Dass ein solches Buchexperiment möglich wurde, liegt an mehreren Ideengebern, Akteuren und Förderern, auch an den Obdachlosen, die Hamburger Grundschulkindern Rede und Antwort standen. Dass es für dieses Projekt so vieler helfender Hände bedurfte, wirft ein bezeichnendes Licht auf das schwierige Verhältnis von sozialer Not und Kinderliteratur in diesem Lande.
- Datum 12.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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