KINDER- UND JUGENDBUCH Und am Ende Glück
Anne Maars fröhliches Lob der Freundschaft
J
eder Mensch hat Wünsche. Oskar zum Beispiel wünscht sich einen Hund. Schwarze Ringe um die Augen soll er haben, viele Flecken auf dem Rücken, ein kuscheliges Fell und unbedingt Schlappohren. Die Sache hat nur einen Haken: Oskars Vater ist allergisch gegen Tierhaare. Was tun?
Oskars Vater schlägt eine Schildkröte vor. Oder Fische. Oder einen Vogel. Doch Oskar will einen Hund, mit dem er spazieren gehen, durchs Dorf laufen und über Wiesen rennen kann. Was soll er da mit einer Schildkröte, mit Fischen oder einem Vogel?
Anne Maar, mehrfach ausgezeichnete Kinderbuchautorin, die seit 2002 das von ihren Großeltern gegründete Fränkische Theater Schloss Maßbach leitet, hat mit Oskar und Elvis ein schönes Paar geschaffen, das erst noch zueinanderfinden muss. Und zum fünften Mal zeichnet Verena Ballhaus, in Unterfranken geborene und ebenfalls vielfach preisgekrönte Bilderbuchkünstlerin, in bewährter Manier die Kulisse zu einer Maarschen Geschichte.
Die Lösung erscheint in Form von Elvis. Elvis ist der Hofhund von Bauer Beckmann. Hat ein graues Fell, keine Flecken und ist ziemlich struppig. Fast schon ein Antiwunschhund. Aber er lächelt freundlich, findet Oskar. Und so machen sie sich auf den Weg. Elvis an sehr kurzer Leine, Oskar in heftig erregter Stimmung. Darf er Elvis losmachen? Wird Elvis gehorchen? Oder läuft Elvis davon? Alles scheint gut zu gehen, bis, ja bis der natürliche Trieb der frisch geknüpften Freundschaft ein Schnippchen schlägt, und Elvis…
Aber das kann jeder nachlesen in dieser freundlich erzählten Geschichte über Vertrauen und Verantwortung, die zu übernehmen erst gelernt werden will. Im Falle Oskars gelingt dies vortrefflich, nicht zuletzt weil Elvis ein williger Hundepartner ist, der sich über die frisch gefundene Freiheit und eine lange Leine genauso freut wie Oskar über den neu gewonnenen Hund, von jetzt an sein Wunschhund.
Freundlich poetisch auch die Bilder von Verena Ballhaus: Mal reduzierte Vignette – der sein Pausenbrot essende Oskar vor dem schwanzwedelnden Elvis –, dann wieder übermütig vergnügt, wenn ein Tisch aus dem Bild kippt, ein Fußball über dem Seitenrand verschwindet oder filigrane grüne Zweige in blauen Hundeköpfchen enden. Dazwischen immer wieder farbige Doppelseiten in warmen Pastelltönen, eine in sonnenorange getauchte Landschaft etwa, die viel Raum lässt für Gedanken und Gefühle wie Verzweiflung und am Ende Glück.
Ja, es gibt auch viel zu sehen in diesem schönen schmalen Buch für alle Erstleser und Erstleserinnen mit und ohne Hund.
- Datum 12.03.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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