Finanzkrise Traumschiff zu Sonderpreisen
Zocken in Las Vegas, schlafen in Dubai oder cruisen auf der »Queen Mary«: Die Finanzkrise macht illustre Urlaube erschwinglich
Wer schlau ist, bleibt in diesem Jahr nicht zu Hause, sondern packt die Koffer. Denn die weltweite Rezession macht Touristen zu Gewinnern der Krise. Ob Atlantik-Kreuzfahrt oder Las-Vegas-Reise, Dubai- oder Norwegentrip – momentan lassen sich massenweise Schnäppchen abgreifen. Selbst Normalbetuchte können nun luxuriös reisen.
Ein wichtiger Grund für den Preisverfall sind geänderte Wechselkurse. Sie verhelfen Bürgern aus Euroland zu ungekannter Kaufkraft in Nord und Süd, in Ost und West.
Bekanntestes Beispiel einer einstürzenden Preishochburg ist Island. Während Urlauber vor zwölf Monaten einen Euro in 100 isländische Kronen eintauschten, erhalten sie heute fast 150. Den Flug nach Island samt vier Hotelübernachtungen bietet Icelandair bis Ende April für 333 Euro an. Einziger Nachteil: Der Ansturm auf die einsame Insel im Nordatlantik ist so groß, dass viele Angebote bereits ausgebucht sind.
Auch die als sündhaft teuer bekannten Metropolen London oder Oslo bieten Euro-Besitzern dank schwächelnder Landeswährungen ansehnliche Rabatte: An der Themse profitieren Urlauber nicht nur von einem binnen Jahresfrist um knapp 20 Prozent abgewerteten Pfund, sondern auch von der Senkung der Mehrwertsteuer um 2,5 Prozentpunkte. In Norwegen stieg die Kaufkraft des Euro, verglichen mit Februar 2008, immerhin um 9 Prozent. Sogar auf der Südhalbkugel macht die starke Gemeinschaftswährung europäische Touristen zu Krisengewinnern. Wer schon immer Kängurus oder Kiwis in ihrer Heimat begegnen wollte, sollte jetzt zuschlagen: Der Aufenthalt in Australien kostet heute knapp 20 Prozent weniger als vor einem Jahr, in Neuseeland sind es sogar 30 Prozent.
Kräftige Preisnachlässe gibt es derzeit auch für Länder, deren einheimische Kundschaft sparen muss und deshalb nicht mehr bucht, beispielsweise in den USA: »Allen voran leidet Las Vegas unter dem Ausbleiben amerikanischer Gäste, darum können wir dieses und viele weitere Ziele jetzt wesentlich billiger anbieten«, sagt Dertour-Sprecherin Andrea Probst. In der kürzlich erschienenen zweiten Auflage seines Nordamerika-Katalogs wirbt der Fernreisespezialist mit Preisabschlägen von bis zu 500 Euro. Dazu tragen auch die gesunkenen Kerosinzuschläge bei.
Den ägyptischen Hoteliers am Roten Meer fehlen hingegen nicht die einheimischen Touristen, sondern die russischen. Wegen des schwachen Rubels bleiben diese massenweise weg. In den Urlaubsgebieten gingen die Buchungen gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent zurück. Jetzt unterstützt das Tourismusministerium in Kairo Hoteliers und Fluggesellschaften finanziell. So ist es ihnen möglich, ihre Betten oder Sitzplätze günstiger anzubieten. Auch in anderen Ländern rund ums Mittelmeer werden wegen der schwachen Nachfrage Zimmerpreise neu verhandelt. Schon jetzt häufen sich die Sonderangebote in deutschen Reisebüros.
Wer lieber in Deutschland bleiben möchte, kann als Städtereisender von der Krise profitieren, sagt Ameropa-Chef Martin Katz: »Die gehobene Hotellerie in den Großstädten leidet darunter, dass Geschäftsreisende ausbleiben und Kongresse und Tagungen abgesagt werden.« Viele dieser freien Zimmer werden dann als Bausteine preisgünstiger Städtereisen von Ameropa angeboten oder über Buchungsplattformen im Internet an Schnäppchenjäger verkauft.
Die Urlaubswilligen profitieren auch von der Angst der Anbieter. Laut der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, die seit 25 Jahren das Reiseverhalten der Deutschen analysiert, war die Zahl der Zauderer noch nie so hoch: Jeder Dritte weiß noch nicht, ob er dieses Jahr überhaupt verreisen wird. Ein Befund, den auch die Anbieter kennen. Weil sie fürchten, dass sonst kaum jemand bucht, senken viele die Preise. TUI etwa lockte jüngst mit der Aktion »10.000 Kinder gratis«. Andere Veranstalter bieten ähnliche Rabatte.
Der Preisverfall trifft selbst eine Branche, die bislang von Krisen weitgehend verschont blieb: die Luxusreisen. Einwöchige Transatlantik-Kreuzfahrten auf der Queen Mary 2 einschließlich Rückflug ab New York gibt es in diesem Frühjahr schon für 2490 Euro – nicht etwa in der fensterlosen Innenkabine, sondern in einer luxuriösen Princess-Suite. Die Deilmann-Reederei mit ihrem Traumschiff Deutschland oder auch Hapag-Lloyd gehen etwas dezenter vor und entdecken all-inclusive für sich: Auf bestimmten Törns sind plötzlich Getränke und Landausflüge gratis – unter dem Strich ein Rabatt von mehreren Hundert Euro.
Auch die Luxusbauten Dubais lassen sich derzeit zu relativ erschwinglichen Preisen besuchen: Laut dem Veranstalter ETWC, der schwerpunktmäßig Reisen in die Emirate anbietet, haben viele der Fünfsternehotels in Dubai ihre Preise um die Hälfte gesenkt, Zimmer sind so günstig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Eine Entwicklung, die auch in der Branche nicht nur negativ gesehen wird: In Zeiten der Krise sinkt manch ein überzogener Preis auf ein normales Niveau.
- Datum 16.03.2009 - 09:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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Man muss ich immer fragen, ob man sich über fallende Preise freuen soll. Im ersten Schritt sicher aber wir wissen auch wohin die "geiz ist geil" haltung führt. Letztendlich wird alles billiger, weil die leute weniger geld in der Tasche haben oder gar keinen job mehr haben-
ibsofern liest man immer mit gemischten gefühlen, alles wird billiger...
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