Was kommt nach Amerika? Der Koloss lässt uns nicht los

Die Vereinigten Staaten haben Südamerika im Namen der Freiheit seit je in Abhängigkeit gehalten. Daran wird sich auch künftig nichts ändern

Obama sagt den Lateinamerikanern: "Ich werde keine Politik für euch, sondern mit euch anstreben"

Obama sagt den Lateinamerikanern: "Ich werde keine Politik für euch, sondern mit euch anstreben"

Am Ende des Kalten Krieges, so schien es, war die Macht der Vereinigten Staaten durch nichts zu erschüttern. Amerika stand fest wie ein Fels in der Brandung. Heute ist der (relative) Verfall der amerikanischen Macht nicht mehr zu übersehen. Nicht nur materiell – die Vereinigten Staaten verlieren alle Kriege, die sie anfangen, und ihre Wirtschaft steht erneut am Rande einer großen Depression –, sondern auch psychologisch: Während die überheblichen Neocons um George W. Bush noch davon träumten, ein »neues amerikanisches Jahrhundert« einzuläuten, sieht dessen Nachfolger Barack Obama die Dinge mit einem nüchterneren Realitätssinn. Zu Zeiten seiner Kandidatur zeigte ihn die New York Times mit einem Buch in der Hand: »Das postamerikanische Zeitalter«. Allein die Tatsache, dass ein USPräsident Bücher liest, sagt schon viel: Ja, die Dinge werden sich ändern.

China und Indien erwachen. Europa taucht wieder auf. Russland verfeinert seinen Sinn für Expansionismus. Japan rekelt sich, ebenso Iran. Und es bebt die arabische Welt. Die Regie an der Weltbühne lag eine Zeit lang ganz in den Händen einer einzigen militärischen und wirtschaftlichen Supermacht – nun werden die Rollen neu verteilt. Und in diesem neuen Ensemble, das so anders ist als die von George Bush Sr. verkündete »Neue Weltordnung«, stellt sich die Frage: Was wird aus Lateinamerika?

Vorweg gesagt: Es behält Gültigkeit, was der mexikanische Diktator Porfirio Díaz um 1900 betrübt ausrief (er meinte sein eigenes Land, doch übertragen lässt es sich auf die ganze Region): »Armes Mexiko, so weit von Gott und so nah an den Vereinigten Staaten!«

Dass dieser Satz ein Jahrhundert später noch gilt, liegt daran, dass die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika – obwohl sich beide sehr verändert haben – praktisch die gleiche geblieben ist: eine Beziehung politischer Unterwerfung und wirtschaftlicher Abhängigkeit der Länder des Südens gegenüber dem »Koloss des Nordens« – mit zwei Ausnahmen: einer zwar lautstarken, aber winzigen, dem rebellischen Kuba der letzten fünfzig Jahre, und einer jüngeren, fragilen, dem großmäuligen Venezuela des letzten Jahrzehnts unter Oberst Hugo Chávez mit seiner »bolivarischen Revolution«, die auch befreundete Länder wie Bolivien, Ecuador und Nicaragua erfasst hat und sich durch die hohen Ölpreise finanziert, die derzeit wieder ins Bodenlose fallen. Es mag vielleicht keinen Gott geben, aber die USA gibt es, zweifellos. Fast einhundert Jahre vor jenem Porfirio Díaz hatte Simón Bolívar, der Befreier von halb Lateinamerika, in einem Brief beiläufig kommentiert: »Die Vereinigten Staaten scheinen vom Schicksal dazu bestimmt, Amerika im Namen der Freiheit mit Unglück zu plagen.«

Global betrachtet, nahm die Rolle der USA als Imperialmacht erst im Zweiten Weltkrieg Gestalt an, nach dem Fall der alten Kolonialmächte in Europa und Asien. Auf dem amerikanischen Kontinent hingegen hatte sich das US-Imperium schon während des vorangegangenen Jahrhunderts allmählich durchgesetzt, mit Beginn zur Zeit der Unabhängigkeitskriege gegen Spanien. Die Monroe-Doktrin (»Amerika den Amerikanern«) datiert auf das Jahr 1823. Theoretisch hatte sie nur das Ziel, die Europäer aus den Angelegenheiten Amerikas herauszuhalten. Praktisch aber wurde mit der Doktrin gerechtfertigt, in andere Länder des Kontinents militärisch einzugreifen und sie zu besetzen. Man denke an die Annektierung eines großen Teils Mexikos (Texas, Kalifornien, Nevada und Colorado) Mitte des 19. Jahrhunderts oder, bei Anbruch des 20. Jahrhunderts, an die Eroberung von Kuba und Puerto Rico (und den Philippinen am anderen Ende der Welt). Und so – unter den verschiedensten Überschriften: Monroe-Doktrin, Manifest Destiny, Roosevelt-Corollary, Kanonenbootpolitik, Dollar-Diplomatie – bestand die Beziehung zwischen den beiden Amerikas seit der Unabhängigkeit von Spanien immer aus schlichter Unterwerfung, ob freiwillig oder zwangsweise.

Nun kommt Barack Obama, der Präsident des Wechsels. Und er sagt den Lateinamerikanern: Ich werde keine Politik für euch, sondern mit euch anstreben. Und es stimmt, in seiner Rhetorik unterscheidet er sich sehr von George W. Bush und sogar von Bill Clinton. Sie erinnert eher an die schönen Worte, die zwei andere seiner Vorgänger auf dem Imperialthron verkündeten. An die »Politik der guten Nachbarschaft« von Franklin D. Roosevelt, der ein Ende des Unilateralismus sowie der militärischen Invasionen und Besetzungen im karibischen und zentralamerikanischen Raum ankündigte. Und an die »Allianz für den Fortschritt«, die John F. Kennedy in den sechziger Jahren proklamierte, nicht weniger als eine Allianz der Gleichberechtigung.

Aber worin mündeten diese beiden Versprechen? Roosevelts gute Nachbarschaft in einer Reihe von Handelsabkommen, die den stärksten Ländern der Region (Mexiko, Brasilien, Argentinien) die Versuchung nehmen sollte, ihre Beziehungen mit den Achsenmächten auszubauen. Was die schwächeren Länder betrifft, in einer Aufrechterhaltung ihrer grausamen Diktaturen, beispielsweise der Regimes von Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik und von Nicaraguas Anastasio Somoza: »our son of a bitch«, wie ihn der US-Präsident nannte. Und im Übrigen mündete sie lediglich in dem einzigen Disney-Film der Geschichte mit einem spanischen Titel: Saludos, Amigos . Kennedys Fortschrittsallianz ihrerseits hinterließ, neben der durch die CIA organisierten Anti-Castro-Mission an der kubanischen Küste, die Nationale Sicherheitsdoktrin sowie ein Pentagon-Trainingsprogramm für lateinamerikanische Armeen. Die Folge: ein Dutzend Militärdiktaturen.

Um es mit Obama zu sagen: Die Politik der USA gegenüber ihren südlichen Nachbarn bestand immer (und besteht bis heute) darin, ihnen die eigene Innen- wie Außenpolitik zu diktieren. Vom Antikommunismus des Kalten Krieges über die neoliberalen Maßnahmen des sogenannten Washington Consensus bis zum Kampf gegen die Drogen in den Neunzigern: Privatisierungen, freier Handel, Öffnung der Märkte für ausländische Investitionen, Deregulierung, Eigentumsgarantien und unbegrenzter Export der Gewinne.

Die heutige wirtschaftliche und politische Realität lässt keine Emanzipation des Subkontinents erahnen, weder auf kurze noch auf lange Sicht. Im Gegenteil: Die Abhängigkeit ist größer als je zuvor. Die lateinamerikanischen Länder sind in zwei Schlüsselaspekten immer stärker auf die USA angewiesen: Lebensmittel (die Freihandelsabkommen machen es für die lokale Produktion unmöglich, mit der massiv subventionierten US-Agrarindustrie zu konkurrieren) und Jobs (ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung Mexikos, ganz Zentralamerikas, der Karibik, Kolumbiens, Ecuadors und Perus lebt in den Staaten).

Auf der anderen Seite fallen die in diesen Ländern produzierten Rohstoffe auf der Grundlage von Partnerschaftsverträgen von Tag zu Tag mehr in die Hände US-amerikanischer Firmen. Sogar Mexiko, das in den dreißiger Jahren als weltweiter Pionier das Öl verstaatlichte, privatisiert es nun wieder unter dem Euphemismus der »Kapitalvereinigungen«. Und nicht einmal mehr die Drogen scheinen noch eine große Zukunft für Lateinamerika zu bieten. Nach einer kurzen Blütezeit des Heroins (während der vorübergehenden Vernichtung des afghanischen Opiums durch die Taliban) und einem etwas längeren Siegeszug von Cannabis (der ein Ende fand, als die USA sich in der Lage sahen, den eigenen Binnenmarkt ausreichend mit lokaler Produktion zu versorgen) geht es heute vor allem um das Kokain. Ein Großteil der Exportgewinne jedoch verbleibt bei den US-Banken, und die US-Justiz fordert vehementer denn je die Auslieferung der Drogenbosse, um mit ihnen über die Beschlagnahme eines Teils ihres Reichtums im Tausch gegen mildere Strafen zu verhandeln.

Wie man die Sache auch dreht und wendet, die Aussicht auf eine »zweite Unabhängigkeit«, von der viele Lateinamerikaner träumen, ist eher düster.

Der Schriftsteller, Journalist und Karikaturist Antonio Caballero ist einer der renommiertesten Intellektuellen Lateinamerikas. Er wurde 1945 in Bogotá/Kolumbien geboren, lebte bis 1975 in verschiedenen europäischen Städten und arbeitete als Journalist für die BBC, »The Economist« sowie für verschiedene spanischsprachige Zeitungen. Mit seinem Roman »Sin remedio« (»Rettungslos«, 1984) hat er sich einen festen Platz in der kolumbianischen Gegenwartsliteratur erobert. – In unserer Serie erschienen bislang Beiträge von Francis Fukuyama, Joseph Nye, Andrew Bacevich, Kishore Mahbubani, Binyavanga Wainaina, Juri Andruchowytsch und Ian Buruma

Aus dem Spanischen von Britta Verlinden und Camilo Jiménez

 
Leser-Kommentare
    • lef
    • 15.03.2009 um 12:08 Uhr

    Was will der Autor?
    Eine perfekte Welt? Ausströmende Gerechtigkeit unter dem wohligen Mäntelchen einer großzügigen Muttermacht?

    Die USA haben niemals behauptet, sie hätten die Weltformel für eine schöne neue Welt gefunden. Es ist lediglich ein Territorium, in dem sich zum ersten Male in der Weltgeschichte das Individuum entfalten konnte - nach vielen tausend Jahren ein Novum.
    Es entfaltete sich in einer (völlig neu!) kulturell entgrenzten Menschengemeinschaft, die völlig neue Produktionssysteme entwickelte.
    Dieses Recht auf Individualität verbreitete sich dann in alle Staaten, die das neue Modell nachahmten (Europa, Japan ff). Was immer auch an weiterhin und neueartigem Negativen hinzukam,
    insgesamt hat sich auch dort ein völlig neues und sehr lebenswertes Gemeinwesen entwickelt.
    "Demokratie" hat damit übrigens sehr wenig zu tun - die ist lediglich ein sehr kleines Hilfsmittel. Viel entscheidender ist: neuartige gesellschaftliche Empathie, kulturell entgrenzte Kommunikation und vor Allem eine Emergente Ordnung - ein leider immer noch sehr unbekannter Begriff.
    Dass diese Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist, weil diese neue Entwicklung viele Generationen brauchen wird, um sich zu etablieren, sollte selbstverständlich sein.

    Und dass besonders in kulturell historisch sehr fest geprägten (GERADE Spanien, wo die neuen Werte ja erst sehr spät Einzug hielten!) der Umschwung noch länger dauern wird, sollte ebenso klar sein.

    Was will der Autor, der behauptet, im Namen Vieler zu sprechen?
    Natürlich wollen die USA kein Sozialamt der Welt sein (obwohl sie es faktisch in vielen Bereichen der Welt sind!)!
    In erster Linie denken auch US-Amerikaner zunächst an sich selbst.

    Und natürlich haben die USA immer noch heftige Probleme, die individuelle Selbstverantwortlichkeit eben mit sich bringt - Drogen natürlich, auch Spielsucht (die ja eine der hauptttreibenden Kräfte der jetzigen Finanzkrise war und ist).

    Aber es darf nicht vergessen werden, dass ALLE reicheren Bewohner der Welt (auch Europa, auch Reichere in Fernost, auch die Rohstoffstaatenvampire) an dieser jetzigen Krise heftig mitgemischt haben.
    Die Fädenzieher in den USA scheinen einfach nur intelligenter gewesen zu sein.

    Jetzt heulen die Dümmeren laut auf und schimpfen lauthals über die achsobösen USA.

    (nebenbei: Ob der Irak nicht doch allmählich begreift, dass es besser ist, MIT den USA statt mit Taliban ff zu kooperieren, ist zur Zeit durchaus offen. nach 5 jahren zeichnet sich durchaus ab, dass Ersteres gewählt werden wird. Wenn die USA dann als der finanzielle Sieger Hauptabnehmer des Erdöls werden wird, wird dann natürlich auch den USA vorgeworfen.
    Dass Europa - auch Deutschland!! - jahrelang den Diktator Hussein unterstützte (im trauten Verein mit der UNO),
    dann sich an der Vertreibung nicht beteiligte, jetzt aber wieder um Exportaufträge dorthin buhlt, ist so ziemlich das Perfideste, was in letzter Zeit geschehen ist!)

    • Anonym
    • 15.03.2009 um 12:43 Uhr

    in Wahrheit war es immer ein Geben und Nehmen, im Alltag.
    Südamerika hat unwahrscheinlich vom Geld profitiert was die vielen Gastarbeiter in den USA in die alte Heimat schicken (es handelt sich dabei um Summen die locker das Bruttoinlandsprodukt eines mittleren westeuropäischen Staates übertreffen), von Direktinvestitionen (mag sein dass zB Ölfirmen sich dumm und dämlich damit verdienen und die Einheimischen nicht immer soviel profitieren wie es fair wäre - ohne die Amerikaner und damit einen Abnehmer wäre das Zeug halt weiterhin im Boden und der Ertrag wäre gleich 0) - Staaten wie Venezuela bezahlen ihren Populismus ind angeblichen Sozialismus mit Petrodollars (angeblich, da eine Volkswirtschaft die sich auf Rohstoffverkäufe stützt alleine nicht lebensfähig ist und somit kein funktionierendes System darstellt). Was die Lateinamerikaner nie davon abhielt die Hand die sie füttert beißen zu wollen.
    Und wie immer stimmt die Bevölkerung mit den Füßen ab, jeder der es kann flüchtet mit einem Boot von Kuba nach Florida, oder von Mexiko über die grüne Grenze in das Land des großen weiten Teufels. Allem blabla auf selbtgerechten Konferenzen von verkopften Betonköpfen entgegen haben die USA ihre Anziehungskraft auch in dieser Krise nicht eingebüßt. Und ohne eine Erholung der US Wirtschaft wird jene in Lateinamerika einen ähnlichen Absturz erleben wie die afrikanischen Kolonien nach deren Unabhängigkeit von Großbritannien und Frankreich. Es stimmt schon dass man von einem kolonialähnlichen Verhältnis sprechen kann, aber dies ist nicht immer nur zum alleinigen Nutzen der Amerikaner - im Gegenteil. Man muss dazu nur mit Leuten aus dem ehemaligen Industriegürtel (heute "rust belt", Rostgürtel) reden da Millionen von Arbeitsplätze dort abgebaut und in Lateinamerika aufgebaut wurden um Personalkosten zu sparen. Dort arbeitet man zwar für weniger als in den USA, aber in aller Regel werden die Arbeiter dort von den amerikanischen Firmen viel besser bezahlt als von einheimischen Unternehmen. Der Durchschnittsamerikaner der dadurch seine Existenz verliert kriegt also zurecht die Zornesröte im Gesicht wenn man "den Amerikanern" dann mal wieder vorwirft Lateinamerika ja nur auszubeuten.

    • self22
    • 15.03.2009 um 13:13 Uhr

    Die Monroe-Doktrin (»Amerika den Amerikanern«) datiert auf das Jahr 1823. Theoretisch hatte sie nur das Ziel, die Europäer aus den Angelegenheiten Amerikas herauszuhalten.

    Jetzt schreiben wir 2009. 186!! Jahre nachdem die Amerikaner es geschafft haben, die Europäer aus ihren Angelegenheiten herauszuhalten, sollte es langsam möglich sein, dass Europa das umgekehrt auch endlich schafft.

    Zwei Punkte fallen mir hierzu auf Anhieb ein, mit denen mal mal loslegen könnte (ein ganz klein wenig satirisch):

    1. Neues Bretton Woods: Der Dollar wird endlich als grünfarbenes Klopapier
    deklariert und nicht mehr als Gegenwert echter Wirtschaftsgüter und
    Dienstleistungen zugelassen

    2. Verbot von Hedgefonds, die noch nie zum Nutzen der
    kontinentaleuropäischen Allgemeinheit gewirkt haben.
    (Die Engländer zähle ich hier mal als quasi Bundesstaat von US)

    usw.

    Dafür brauchte man aber endlich ein Europa, das sein Namen auch verdient.
    Bisher existiert nur eine aufgescheuchte Hühnerschar, die sich lieber gegenseitig die Augen auskratzt als in dieser Hinsicht Fortschritte durchzusetzen.

    Auch die Finanzkrise konnte nur durch die alles erdrückende Gestaltungsmacht der Amerikaner entstehen. Sie wollen intransparente Finanzmärkte, da Wall Street und London die größten Nutznießer davon sind. Und sie bekamen die Intransparenz. Entschulden werden sie sich wieder über ihr löchriges Klopapier, richtig lange leiden wird wohl wieder Europa...

    Entgegen meinen Vorkommentatoren halte ich nichts von dem amerikanischen Win-Win-Geschwafel. Es ist eher wie das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Natürlich geben sie immer mal eine Lohnerhöhung, aber das Win ist im Allgemeinen doch sehr einseitig.

    @lef: Das die Amis einfach mal mit einer brutalen Lüge einen Krieg um Öl anfangen, kann man als clever bezeichnen. Für mich ist es aber perversester Imperialismus gepaart mit übelster Meinungsbildung, nichts weiter.

  1. Bis zur Industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts war die wirtschaftliche Bedeutung des Westens, global betrachtet, ziemlich gering. Vom Beginn unserer Zeitrechnung an besaß der asiatische Kontinent den größten Anteil an der Weltwirtschaft. Trug Asien zum globalen Bruttosozialprodukt (BSP) bis dahin nahezu 70 Prozent bei, beschränkte sich der Anteil Westeuropas daran allenfalls auf ein knappes Zehntel.

    Wie die gegenwärtige militärisch-ökonomische Hegemonie möglichst lange aufrecht erhalten werden kann, beschrieb Samuel Huntington 1993 in seinem Buch "The Clash of Civilizations":

    "Praktisch benutzt der Westen internationale Institutionen, militärische Macht und ökonomische Ressourcen, um die Welt auf eine Art zu führen, welche die westliche Vorherrschaft aufrechterhält, westliche Interessen schützt und westliche politische und ökonomische Werte fördert."

    Nachdem Bush das Ansehen der westlichen "Friedenspolitik" ruinierte, gibt der Finanz-Tsunami dem westlichen Wirtschaftsliberalismus den Rest.

    Wenn der Normalzustand wiederkehrt, daß auch die Staaten der restlichen 90% der Weltbevölkerung ihre Ideen und Werte verwirklichen dürfen, haben wir wieder echten Wettbewerb der Märkte und Systeme.
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  2. Die USA haben weltverändernde, ohne Frage wichtige Veränderungen und Einflüsse erwirkt, die zu stärkerem Individualismus und scheinbar freierem Denken und Handeln geführt haben. Jedoch lässt sich nicht verleugnen, daß es auch eine Kehrseite der Medallie gibt: Die Korruption, die das Geld mit sich bringt. Denn Geld bedeutet Macht, und Macht bedeutet zu bestimmen, was in der Welt passiert. Dies zeichnet sich auch in Südamerika ab: US- und europäische Einrichtungen erreichen auf erstaunliche Weise bei südamerikanischen Regierungen (alleinige) Rechte für Stromversorgung, Erdölförderung, das Schienennetz, den Panama-Kanal und viele andere gewinnbringende Branchen. Es entstehen Ungerechtigkeiten, die irgendwann nach hinten losgehen könnten, zum Beispiel mit der Formierung einer sozialistisch ausgerichteten Regierung, wie in Venezuela.
    Den USA wäre eine leicht beeinflussbare Regierung viel lieber, da sie von den vereinigten Staaten direkt gelenkt werden kann, was die förderung und Unterstützung von Diktaturen, wie zum Beispiel der argentinischen oder der chilenischen unter Pinochet erklärt.
    So lange es also Menschen und Regierungen gibt, die sich von dem stinkenden Morast der Korruption kaufen lassen, gibt es auch Ungerechtigkeit. Und so lange es Ungerechtigkeit gibt... wir werden es erleben.

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    ...sind käuflich - jeder Mensch ist es. Nur zu verschiedenen Preisen - früher oder später.
    Alles andere würde einer Entfernung des Lymbischen Systems gleichen.

    ...sind käuflich - jeder Mensch ist es. Nur zu verschiedenen Preisen - früher oder später.
    Alles andere würde einer Entfernung des Lymbischen Systems gleichen.

  3. Die meisten südamerikanischen Staaten sind jetzt schon seit fast genauso langer Zeit unabhängig wie die USA. Trotzdem hat es in knapp 200 Jahren kaum einer dieser Staaten geschafft, sich von Korruption, Armut und eben jener Abhängigkeit von den USA zu befreien und eine dauerhaft stabile Gesellschaft aufzubauen, so dass dieser Zustand wohl als selbstverschuldet angesehen werden muss. Inkompetenz, Diebstahl und Nepotismus bei den Regierenden bei gleichzeitig krasser Armut und Ausbeutung der Unterschicht werden auch weiterhin in vielen südamerikanischen Staaten an der Tagesordnung sein, ohne dass man die USA dafür zum Sündenbock stempeln kann.

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    Sicherlich haben Sie recht mit der Aussage: " Die Südamerikanischen Staaten sind schwächer als die USA" und dieser Zustand ist teilweise selbst verschuldet - ABER - ob diese Schwäche nun am Breitengrad, an der Zusammensetzung der Bevölkerung oder anderen Umständen hängt - das lassen Sie offen.

    Für mich stellt sich die Situation anders dar. Die USA haben eine politische Entwicklung in Südamerika immer verhindert. Diese Situation der Schwäche war für die USA sehr vorteilhaft, konnte doch die eigene Bevölkerung - vor allem die Eliten - von der Schwäche der anderen Länder profitieren.

    Die Stärke eines Landes beeinflusst vor allem die rechtlichen Möglichkeiten der ausländischen Firmen und die Terms of Trade. Südamerika war so billiges Absatzgebiet für schlechte Waren aus den USA im Austausch für knappe Bodenschätze. Die Gewinne verblieben weitgehend in den USA.

    Nur größere Länder entziehen sich dieser Entwicklung, z.B. Brasilien, Argentienien oder Chile etc. Allerdings muss ich Ihnen in einem Punkt recht geben - europäische Einwanderer (oder Abstammung) organisieren sich besser und verteidigen ihre Interessen Agressiver. Siehe die Buren in Südafrika usw.

    Kurz gesprochen - die USA sind nichts weiter wie die UDSSR ein imperialistischer Unterdrücker. Wie man diesen Sachverhalt wertet überlasse ich jedem selbst. Nur der Wahrheit sollte man durchaus ins Gesicht schauen und die Sache beim Namen nennen. Mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat das nichts zu tun, sondern schlicht mit den Interessen eines starken Landes, welche rücksichtslos durchgesetzt werden. Unter diesem Kontext muss man die gesamte US Politik verstehen.

    Sicherlich haben Sie recht mit der Aussage: " Die Südamerikanischen Staaten sind schwächer als die USA" und dieser Zustand ist teilweise selbst verschuldet - ABER - ob diese Schwäche nun am Breitengrad, an der Zusammensetzung der Bevölkerung oder anderen Umständen hängt - das lassen Sie offen.

    Für mich stellt sich die Situation anders dar. Die USA haben eine politische Entwicklung in Südamerika immer verhindert. Diese Situation der Schwäche war für die USA sehr vorteilhaft, konnte doch die eigene Bevölkerung - vor allem die Eliten - von der Schwäche der anderen Länder profitieren.

    Die Stärke eines Landes beeinflusst vor allem die rechtlichen Möglichkeiten der ausländischen Firmen und die Terms of Trade. Südamerika war so billiges Absatzgebiet für schlechte Waren aus den USA im Austausch für knappe Bodenschätze. Die Gewinne verblieben weitgehend in den USA.

    Nur größere Länder entziehen sich dieser Entwicklung, z.B. Brasilien, Argentienien oder Chile etc. Allerdings muss ich Ihnen in einem Punkt recht geben - europäische Einwanderer (oder Abstammung) organisieren sich besser und verteidigen ihre Interessen Agressiver. Siehe die Buren in Südafrika usw.

    Kurz gesprochen - die USA sind nichts weiter wie die UDSSR ein imperialistischer Unterdrücker. Wie man diesen Sachverhalt wertet überlasse ich jedem selbst. Nur der Wahrheit sollte man durchaus ins Gesicht schauen und die Sache beim Namen nennen. Mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat das nichts zu tun, sondern schlicht mit den Interessen eines starken Landes, welche rücksichtslos durchgesetzt werden. Unter diesem Kontext muss man die gesamte US Politik verstehen.

  4. Sicherlich haben Sie recht mit der Aussage: " Die Südamerikanischen Staaten sind schwächer als die USA" und dieser Zustand ist teilweise selbst verschuldet - ABER - ob diese Schwäche nun am Breitengrad, an der Zusammensetzung der Bevölkerung oder anderen Umständen hängt - das lassen Sie offen.

    Für mich stellt sich die Situation anders dar. Die USA haben eine politische Entwicklung in Südamerika immer verhindert. Diese Situation der Schwäche war für die USA sehr vorteilhaft, konnte doch die eigene Bevölkerung - vor allem die Eliten - von der Schwäche der anderen Länder profitieren.

    Die Stärke eines Landes beeinflusst vor allem die rechtlichen Möglichkeiten der ausländischen Firmen und die Terms of Trade. Südamerika war so billiges Absatzgebiet für schlechte Waren aus den USA im Austausch für knappe Bodenschätze. Die Gewinne verblieben weitgehend in den USA.

    Nur größere Länder entziehen sich dieser Entwicklung, z.B. Brasilien, Argentienien oder Chile etc. Allerdings muss ich Ihnen in einem Punkt recht geben - europäische Einwanderer (oder Abstammung) organisieren sich besser und verteidigen ihre Interessen Agressiver. Siehe die Buren in Südafrika usw.

    Kurz gesprochen - die USA sind nichts weiter wie die UDSSR ein imperialistischer Unterdrücker. Wie man diesen Sachverhalt wertet überlasse ich jedem selbst. Nur der Wahrheit sollte man durchaus ins Gesicht schauen und die Sache beim Namen nennen. Mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat das nichts zu tun, sondern schlicht mit den Interessen eines starken Landes, welche rücksichtslos durchgesetzt werden. Unter diesem Kontext muss man die gesamte US Politik verstehen.

    Antwort auf "Die meisten"
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    Zitat:
    (...)
    Die Stärke eines Landes beeinflusst vor allem die rechtlichen Möglichkeiten der ausländischen Firmen und die Terms of Trade. Südamerika war so billiges Absatzgebiet für schlechte Waren aus den USA im Austausch für knappe Bodenschätze. Die Gewinne verblieben weitgehend in den USA.
    (...)

    Ja.
    Und die USA ("Amerika den Amerikanern" ... ) legte bereits das Fundament ihres Entstehens auf intransparente, übervorteilende wirtschaftliche Austauschbeziehungen. Mit den eigentlichen "Amerikanern", den verschiedenen Indianerstämmen.
    Glasperlen/Alkohol gegen Land, gegen Bisonherden und andere Naturgüter.
    Diese Art und Weise des Wirtschaftens tilgt weiter Land, Wald, "Ureinwohner" von bis dato "unerschlossenen" Gebieten dort, wo sie bis heute friedlich und "geschützt" leben konnten ("touristische Erschliessung" durch spanische "Unternehmer").
    Weltweit. Und es scheint immer so weiterzugehen, bis wirklich nichts mehr da ist. Naiv gesprochen.

    Zitat:
    (...)
    Die Stärke eines Landes beeinflusst vor allem die rechtlichen Möglichkeiten der ausländischen Firmen und die Terms of Trade. Südamerika war so billiges Absatzgebiet für schlechte Waren aus den USA im Austausch für knappe Bodenschätze. Die Gewinne verblieben weitgehend in den USA.
    (...)

    Ja.
    Und die USA ("Amerika den Amerikanern" ... ) legte bereits das Fundament ihres Entstehens auf intransparente, übervorteilende wirtschaftliche Austauschbeziehungen. Mit den eigentlichen "Amerikanern", den verschiedenen Indianerstämmen.
    Glasperlen/Alkohol gegen Land, gegen Bisonherden und andere Naturgüter.
    Diese Art und Weise des Wirtschaftens tilgt weiter Land, Wald, "Ureinwohner" von bis dato "unerschlossenen" Gebieten dort, wo sie bis heute friedlich und "geschützt" leben konnten ("touristische Erschliessung" durch spanische "Unternehmer").
    Weltweit. Und es scheint immer so weiterzugehen, bis wirklich nichts mehr da ist. Naiv gesprochen.

  5. Natürlich haben die USA immer versucht, ihre Interessen in Lateinamerika durchzusetzen. Das dabei viel Unheil angerichtet wurde, steht außer Frage. Die Spanne reicht vom Eroberungskrieg gegen Mexiko bis hin zur Installation von kriminellen Regimes in Mittelamerika. Stören tut mich nur, dass dieser Fakt oft benutzt wird, um vom Versagen der Eliten in Lateinamerika abzulenken. Einfach alle Schuld den USA zuzuschieben, mag ja als Diagnose ganz griffig sein, ist aber als Ausgangsbasis für erfolgreiche Politik dann doch zu wenig.

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    Das kann ja sein ,dass die Eliten versagt haben, aber andersrum gefragt, wenn es nie die Chance gegeben hat, einen vernünftigen Staat aufzubauen, weil deren Souveranität immer US-Interessen zuwiderlaufen wird, kann man noch so gute Eliten besitzen, gegen einen Giganten wie die USA kommt man nicht an.Entweder unterwirft man sich seinem Diktat ( freie Marktwirtschaft,Kapitalismus) und versucht so auch ein paar Brocken vom Kuchen abzubekommen( wie Brasilien und Argentinien) oder man versucht sich tatsächlich in Opposition und das geht selten gut. Die Geschichte lehrt uns , dass es nur zwei Strategien gegen US-Allmacht in Lateinamerika überlebensfähig waren: Entweder man schwimmt in Öl ( Venezuela) oder man errichtet eine Diktatur unter einem charismatischen und zähen Führer, dem das Glück hold ist(Kuba).

    Zitat:

    (...)
    Natürlich haben die USA immer versucht, ihre Interessen in Lateinamerika durchzusetzen.
    (...)

    "Die USA" haben "ihre Interessen" durchzusetzen versucht. Wer sind "die USA"? Und um wessen Interessen ging es und geht es?
    Die USA haben keine direkte Demokratie und hatten sie auch zu allen Zeiten ihrer Interessensdurchsetzung nicht.

    Das kann ja sein ,dass die Eliten versagt haben, aber andersrum gefragt, wenn es nie die Chance gegeben hat, einen vernünftigen Staat aufzubauen, weil deren Souveranität immer US-Interessen zuwiderlaufen wird, kann man noch so gute Eliten besitzen, gegen einen Giganten wie die USA kommt man nicht an.Entweder unterwirft man sich seinem Diktat ( freie Marktwirtschaft,Kapitalismus) und versucht so auch ein paar Brocken vom Kuchen abzubekommen( wie Brasilien und Argentinien) oder man versucht sich tatsächlich in Opposition und das geht selten gut. Die Geschichte lehrt uns , dass es nur zwei Strategien gegen US-Allmacht in Lateinamerika überlebensfähig waren: Entweder man schwimmt in Öl ( Venezuela) oder man errichtet eine Diktatur unter einem charismatischen und zähen Führer, dem das Glück hold ist(Kuba).

    Zitat:

    (...)
    Natürlich haben die USA immer versucht, ihre Interessen in Lateinamerika durchzusetzen.
    (...)

    "Die USA" haben "ihre Interessen" durchzusetzen versucht. Wer sind "die USA"? Und um wessen Interessen ging es und geht es?
    Die USA haben keine direkte Demokratie und hatten sie auch zu allen Zeiten ihrer Interessensdurchsetzung nicht.

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