Kurz nach der Wende eröffnete in Berlin im Keller einer alten Bank in der Leipziger Straße ein Club, der Tresor. Damit begann die Liebesgeschichte zwischen einem Technosound, dem sogenannten Brett, und einer Großstadt, in deren Mitte viele Hauseingänge mit Brettern vernagelt waren. 18 Jahre später ist Berlins Mitte weitgehend saniert – und die Liaison hat sich in etwas Festes verwandelt. Für nicht wenige junge Musikfans auf der ganzen Welt ist Berlin Techno. Das zahlt sich aus: Die Clubkultur und der auf ihr aufbauende Tourismus haben sich zu einem profitablen Wirtschaftsfaktor der Stadt an der Spree entwickelt.

Mit Lost and Sound, Berlin, Techno und der Easyjetset bringt Tobias Rapp, langjähriger Musikredakteur der taz und nun des Spiegels, nicht nur Licht ins Dunkel des diffusen Marktsegments »Feiern«, sondern leuchtet auch den Berliner Underground aus. Er flaniert durch die Kellergewölbe der technoiden Unterhaltungsindustrie, stellt Künstler vor und erzählt Anekdoten aus dem sexuell aufgeladenen Nachtleben.

Fans auf der ganzen Welt kennen das line-up, sprich das DJ-Programm, des Friedrichshainer Techno-Tempels Berghain und buchen danach ihre Billigflüge. Die von Tobias Rapp als »Easyjetset« bezeichneten jungen Hedonisten kommen freitags in Schönefeld an und fliegen Sonntagabend oder Montag früh wieder zurück. Dazwischen liegt ein Clubwochenende, das sich hauptsächlich auf die »Ausgehmeile« zwischen dem Alexanderplatz und der Oberbaumbrücke konzentriert. Die beiden berühmtesten Clubs Berlins – das schon erwähnte Berghain in einem alten Elektrizitätswerk an der Warschauer Brücke und die Bar 25, eine von außen schier unsichtbare Technokommune mit Hostel, Restaurant und Club direkt an der Spree – zeichnen sich dabei durch einen für die Berliner Popkultur hohen Grad an Professionalität und kommerziellem Geschick aus. Viele Clubbetreiber haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und können sich jetzt den »Müßiggang leisten«, wie Christoph Klenzendorf von der Bar 25 es dezent euphemistisch ausdrückt.

Tobias Rapp ordnet so gut wie gar nicht ein, er theoretisiert auch kaum. Weder ist Lost and Sound ein kritisches Buch noch der Versuch einer Kulturökonomie, wie es Der lange Weg nach Mitte war, in dem sich Diedrich Diederichsen vor zehn Jahren ebenfalls mit dem Sound und der Stadt Berlin auseinandergesetzt hat. Bei dieser Technofibel handelt es sich auch nicht um das Werk eines Feuilletonisten, der sich über eine Sache selbst darstellen will. Im Gegenteil: Es ist ein stilistisch seltsam demütig gehaltenes, schwärmerisches Buch über eine Szene, die dem Autor einigen Respekt abnötigt. Man ist fast versucht zu sagen: die er liebt.