Stimmt's? Von Hand zu Hand
Michael Dehn aus Frankfurt/Main fragt: Stimmt es, dass Münzen und Geldscheine gefährliche Krankheiten übertragen?
»Gefährliche Bakterien auf Geldscheinen entdeckt!« – diese Meldung kann man immer wieder lesen. Unter den Mikroorganismen, die Labors auf Euro-, Dollar- und anderen Noten finden, sind auch solche, die zu schlimmen Krankheiten führen können: Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonas, sogar Salmonellen. In Ländern mit schlechten sanitären Zuständen wie Iran oder Pakistan sind auch Kolibakterien auf Geldscheinen nachgewiesen worden.
Jeder Bazillus ist sicherlich einer zu viel, aber es kommt vor allem auf die Besiedlungsdichte an. Und die ist in keiner der Untersuchungen größer gewesen als die durchschnittliche Zahl der Erreger auf Menschenhänden oder auch auf frischem Obst, das auf dem Markt ausliegt.
Geldscheine sind generell kein guter Nährboden für Bakterien. Das heißt, die Bazillen können am Geld haften, aber sie vermehren sich nicht. Auf Papiergeld halten sie sich besser als auf Scheinen aus Kunststoffen, die in einigen asiatischen Ländern und in Australien üblich sind. Auf Münzen haben die Erreger noch schlechtere Überlebenschancen, besonders in der Euro-Zone, weil unser Hartgeld entweder eine Kupferauflage hat oder aus Nordischem Gold mit einem Kupferanteil von 89 Prozent besteht. Kupfer aber ist ein Bakterienkiller, deshalb sind zum Beispiel die Türklinken in Krankenhäusern immer häufiger aus Kupfer.
Trotz der vergleichsweise geringen Gefahr sollte in Geschäften darauf geachtet werden, dass die Hand, die das Geld entgegennimmt, nicht mit Lebensmitteln in Kontakt kommt. Und wer aus Angst vor Ansteckung bargeldlos zahlt, dem sei gesagt: Auf Kreditkarten tummeln sich genauso viele Keime. Christoph Drösser
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts
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- Datum 03.03.2010 - 15:47 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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Auch wenn es zumindest in Supermärkten nicht mehr üblich ist, dass das Personal am Fleischwarentresen den Aufschnitt mit bloßen Händen anfasst und anschließend kassiert, vemissen wir hierzulande noch immer einen Hygienestandard für den Umgang mit Lebensmitteln, der das Berühren unverpackt feilgebotener Lebensmittel ohne Schutzhandschuhe verbietet. Die an Geldscheinen haftenden Krankheitserreger sind nämlich in weit höherer Konzentration auf der Haut von Verkaufspersonal nachweisbar, selbst wenn nach dem Aufsuchen der Toilette die Hände sorgfältig gewaschen werden und nicht von den selben Personen Frischfleisch und Aufschnitt in die Hand genommen wird, worauf man hoffen kann, aber nicht wetten sollte. Auch die gesunde menschliche Haut birgt in der Tiefe gesundheitsschädliche Keime, insbesondere Eitererreger (Staphylokokken), die auch bei sorgfältigster Wäsche nach kurzer Zeit wieder an die Hautoberfläche gelangen und so auf Lebensmittel übertragen werden können, wo sie sich vemehren und eine gesundheitsschädigende Wirkung entfalten können. Das ist nicht nur ekelerregend, sondern gefährlich. Verkäufer in Geschäften, in denen unverpacktes Fleisch, Fleischwaren und Milcherzeugnisse feilgeboten werden, sollte deshalb das Tragen von Schutzhandschuhen verordnet werden. Andernfalls bleiben wir trotz des Verbannens des Bargeldes vom Veraufstresen ein hygienisches Entwicklungsland!
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