Parteien Fix und Foxi

Jürgen Trittin und Guido Westerwelle verbindet mehr, als beiden lieb ist. Aber reicht das für eine Koalition?

Als Guido Westerwelle beschließt, sich in der FDP zu engagieren, hat er gerade Abitur gemacht. Im Wahlkampf des Jahres 1980 treten die Minister Hans-Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff in der Bonner Beethovenhalle auf, und der 19-jährige Westerwelle sitzt mit einem Freund im Publikum. Beide denken das Gleiche, erzählt der FDP-Chef heute: »Wow, diese Mischung aus Leistungsbereitschaft und leben und leben lassen – das fanden wir toll.«

Der sechs Jahre ältere Jürgen Trittin gehört in dieser Zeit zur Göttinger Hausbesetzerszene – und zu denen, die eine Anti-Parteien-Partei gründen. »In den Jahren davor hatte die Ökobewegung Zehntausende gegen das Atomkraftwerk in Brokdorf mobilisiert und die Inbetriebnahme trotzdem nicht verhindern können«, erinnert sich Trittin. »Das brachte die Suche nach parlamentarischen Hebeln in Gang.« Auch Trittin wird in diesem Jahr Parteimitglied.

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Ein Jahr später, im Dezember 1981, gibt der Soziologiestudent nach acht Jahren an der Universität seine Examensarbeit ab. Thema: Die Übereinstimmungen von Arbeiter- und Ökologiebewegung. Auch Guido Westerwelle studiert lange , und die Dissertation, die der Jurist anschließend vorlegt, handelt ebenfalls von der Politik, es geht um die Rolle der Jugendorganisationen. Zu diesem Zeitpunkt hat er selbst längst die Jungen Liberalen erfolgreich aufgebaut. Weitere zwei Jahre später haben beide wichtige Posten in der Bundespolitik. Westerwelle wird 1994 Generalsekretär, Trittin gemeinsam mit der Hamburger Realpolitikerin Krista Sager einer von zwei Parteivorsitzenden. Seit diesen Tagen kennen sie einander. Sie waren politische Gegner mit einem gemeinsamen Anliegen: Jeder kämpfte auf seine Weise gegen Helmut Kohl. Und beide litten unter dem Spott des beliebten grünen Oberrealos Joschka Fischer, der sich über »Gu-i-do« lustig machte und mit Trittin um die Meinungsführerschaft in der Partei rang.

Die FDP hat eine Alternative, die Grünen haben keine

Könnten die beiden, Trittin und Westerwelle, heute koalieren, in einem Ampelbündnis mit der SPD? Die Große Koalition ist ausgelaugt und zerstritten, die Aussicht auf eine schwarz-gelbe Mehrheit unsicher. Doch eine Ampel wird es nur geben, wenn die beiden hochgewachsenen Männer es wollen, so viel ist sicher. Aber falls sie es wollten, wäre vieles möglich. Beide sind weltanschaulich weit voneinander entfernt, aber gleichzeitig kühl kalkulierende Machttechniker, die pragmatische Absprachen treffen und Andersdenkenden mit professionellem Respekt begegnen. Sie könnten solch ein – in beiden Parteien unbeliebtes – Bündnis am ehesten durchsetzen, gerade weil sie unverdächtig sind, die Partei des jeweils anderen zu mögen.

Und beide wollen unbedingt regieren. Westerwelle hat elf Oppositionsjahre hinter sich. Wie oft kann man sich selbst als Daueroppositioneller aufs Neue motivieren? Trittin wiederum ist – wie der zweiten grünen Spitzenkandidatin Renate Künast – der Phantomschmerz über das verlorene Ministeramt nach wie vor anzumerken.

Und so hängt die Machtfrage für die nächste Regierungsbildung maßgeblich an zwei Männern, die nur auf den ersten Blick komplett verschieden sind. Der zweite Blick fördert Überraschendes zutage. Trittin und Westerwelle gehören zur Nach-68er-Generation, sie schätzen höfliche Umgangsformen, sie bereisen unermüdlich ihre jeweilige Partei. Beide neigen zu rhetorischer Schärfe, die einen eher tastenden, vorsichtigen Politikstil verdeckt. Beide sind Kopfmenschen, keine Instinktpolitiker. Sie wägen wichtige Entscheidungen lange ab und testen sie vorab in vielerlei Gesprächen. Beide redeten lange wenig über Privates, bei Westerwelle hat sich das zuletzt etwas verändert. Aber wer weiß schon, dass Trittin seit einigen Jahren stolzer Großvater ist? Beide waren innerhalb ihrer Parteien nie so stark wie jetzt. Was auch daran liegt, dass Altvordere wie Fischer oder die liberalen Ehrenvorsitzenden sich aus dem Alltagsgeschäft heraushalten.

Beide wollen Außenminister werden und treten gelegentlich entsprechend staatstragend auf. Als Trittin am Freitag vergangener Woche in seinem dunkelblauen Nadelstreifenanzug in der Bundestagsdebatte sprach, rügte er zunächst die Linkspartei für ihren Populismus – um später der Union und der FDP zu erklären, wie die Unionsikone Ludwig Erhard heute denken würde. Am selben Abend spricht er bei der Böll-Stiftung über die Zukunft der Nato – und kann sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen, als die Moderatorin sich für »diese Außenministerrede« bedankt.

Leser-Kommentare
  1. Die FDP mit der SPD in Koalition wird noch mehr Zerreißproben geben, als es in der großen Koalition der Fall war. Gerade jetzt im Zuge der Finanzkrise offenbaren sich nahezu gegensätzliche Laufrichtungen.
    Das gilt auch für die Grünen und das möchte ich nicht erleben.
    Ich hoffe sehr, daß nach der nächsten Wahl die SPD wieder auf dem Oppositionsbänkchen sitzt, dann können sie untereinander herumzanken, während die Anderen sich mit den wichtigen Angelegenheiten befassen. (Die derzeitige Geschlossenheit ist nicht gestützt von irgendeinem Konsens! das wird gerne übersehen: Es passiert nur genug anderes, das Aufmerksamkeit auf sich lenkt.)

    Sowohl an FDP als auch an CDU schätze ich deren klare Linie, auch wenn diese in letzter Zeit aufgrund der Notwendigkeiten während der Finanzkrise schwerer nachzuvollziehen ist. Doch auch wenn sie zur Zeit vom Weg der eigenen Parteimentalität abweichen, bedeutet das nicht, daß sie ihre parteiliche Identität aufgegeben haben oder diese auch nur in Frage stellen. Besondere Aufgaben erfordern nunmal besondere Maßnahmen, und diese mit Bedacht und nicht in blindem Aktionismus. Es zeigt daß sie die Krise ernst nehmen und sich konzentriert damit befassen, im Gegensatz zu manchem Politiker, der die Krise zu seinem persönlichen Wahlkampfgag macht.

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    Dass Otto Graf Lambsdorf (OGL) mit dem Vorschlag die Sozialhilfezahlungen zu reduzieren und die Kapitalertragsquote zu steigern, die Kernkompetenz der FDP formulierten, deren Galionsfiguren, nämlich Hans-Dietrich Genscher (HDG) & OGL sich als emsige und schon fast fürstlich bezahlte Werber der Alterssicherungsanlagenorganisation GÖTTINGER GRUPPE betätigten, die schlussendlich mehr als hunderttausend gutgläubige und saumselige Altersparer, die der Theorie der privaten Kapitalstockbildung folgten, ist für jeden Interessierten leicht durch die Einsichtnahme in die einschlägigen Gerichtsverfahrensprotokolle nachvollziehbar. Vielleicht war das der erste Hinweis auf die Affinität dieser Partei zur heutigen finanzspekulativen Anlagenkriminalität.

    Dass diese Politik schon fast als extremistische Lobbypolitik begriffen werden muss, kann jeder auch nur halbwegs interessierte daraus entnehmen, dass die vielen FDP-Funktionäre, die in schon fast exemplarischer Weise in die Lobbystrukturen der Pharmaindustrie-, der Versicherungswirtschaft und der Kapitalspekulationswirtschaft (private equity, investment - hedge - dach- und superfonds) eingebunden sind, in überhaupt keiner Weise die gesamtgesellschaftlichen Interessen vertreten dürfte bei hinreichender Erfahrung mit den praktischen Korruptionsmechanismen in unserer Wirtschaft jedem Interessierten einsichtig werden.

    Dass dieses wohl extreme Beispiel eine Lobbypartei mit dem gleichen Instrument Quote macht, wie die vielen enthirnenden und idiotisierenden TV-Sender, nämlich mit „comedy“,
    zeigt ganz deutlich auf die geistig-moralische Verwandtschaft zwischen dieser Funktionärsclique und den einschlägigen Interessenverbänden (einschließlich Bauernverband), die mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein hervorragend funktionierendes Agitations- und Propagandazentrum etabliert haben. Dass die von dort
    lancierten Wunschwahnvorstellungen heute noch so wunderbar funktionieren, wie das einst von Hans-Christian Andersen in seiner Geschichte „Des Kaisers neue Kleider“ beschrieben wurde, zeugt noch einmal davon, dass wir der Zerstörung und Liquidation unserer früheren demokratischen Zivilgesellschaft durch die Wahl von FDP, CDU/CSU, SPD und inzwischen auch noch Bündnis90/Die Grünen weiter voran treiben. Vielleicht ist das ja unvermeidlich.
    Aber wir sollten uns, wenn wir das tun, auch darüber Rechenschaft ablegen und uns nicht einbilden, wir würden unserer demokratischen Bürgerpflicht gerecht. Wäre dem so, wären wir längst alle in Wählervereinigungen aktiv, die dem Interesse unserer Gemeinden und Kreise zum Durchbruch verhelfen könnten. Weil wir aber lieber als arrivierte, saturierte, träge und selbstgefällige Fettärsche in unsere Sessel f....... und selbstgerecht unsere Köpfe über „diese Gesellschaft“ unsere schweinskopfähnlichen Köpfe schütteln, darum sind wir die Totengräber dieser 2. Deutschen Republik und der ersten bürgerlichen, zivilgesellschaftlichen Demokratie, die es je auf deutschem Boden gegeben hat.

    Neben diesen persönlichen Beurteilungen möchte ich noch auf drei recht aufschlussreiche
    Publikationen verweisen:
    http://www.amazon.de/Die-...
    http://www.amazon.de/sind...
    Verteidigt das Anrechnungsverfahren gegen unbedachte Reformen!
    © Der Betriebsberater, JG 55, 2000

    Wer nach dieser Lektüre nicht versteht, was FDP in der Praxis bedeutet, dem vermag ich nichts mehr zu erzählen.

    Experience is the only way to understand.

    Dass Otto Graf Lambsdorf (OGL) mit dem Vorschlag die Sozialhilfezahlungen zu reduzieren und die Kapitalertragsquote zu steigern, die Kernkompetenz der FDP formulierten, deren Galionsfiguren, nämlich Hans-Dietrich Genscher (HDG) & OGL sich als emsige und schon fast fürstlich bezahlte Werber der Alterssicherungsanlagenorganisation GÖTTINGER GRUPPE betätigten, die schlussendlich mehr als hunderttausend gutgläubige und saumselige Altersparer, die der Theorie der privaten Kapitalstockbildung folgten, ist für jeden Interessierten leicht durch die Einsichtnahme in die einschlägigen Gerichtsverfahrensprotokolle nachvollziehbar. Vielleicht war das der erste Hinweis auf die Affinität dieser Partei zur heutigen finanzspekulativen Anlagenkriminalität.

    Dass diese Politik schon fast als extremistische Lobbypolitik begriffen werden muss, kann jeder auch nur halbwegs interessierte daraus entnehmen, dass die vielen FDP-Funktionäre, die in schon fast exemplarischer Weise in die Lobbystrukturen der Pharmaindustrie-, der Versicherungswirtschaft und der Kapitalspekulationswirtschaft (private equity, investment - hedge - dach- und superfonds) eingebunden sind, in überhaupt keiner Weise die gesamtgesellschaftlichen Interessen vertreten dürfte bei hinreichender Erfahrung mit den praktischen Korruptionsmechanismen in unserer Wirtschaft jedem Interessierten einsichtig werden.

    Dass dieses wohl extreme Beispiel eine Lobbypartei mit dem gleichen Instrument Quote macht, wie die vielen enthirnenden und idiotisierenden TV-Sender, nämlich mit „comedy“,
    zeigt ganz deutlich auf die geistig-moralische Verwandtschaft zwischen dieser Funktionärsclique und den einschlägigen Interessenverbänden (einschließlich Bauernverband), die mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein hervorragend funktionierendes Agitations- und Propagandazentrum etabliert haben. Dass die von dort
    lancierten Wunschwahnvorstellungen heute noch so wunderbar funktionieren, wie das einst von Hans-Christian Andersen in seiner Geschichte „Des Kaisers neue Kleider“ beschrieben wurde, zeugt noch einmal davon, dass wir der Zerstörung und Liquidation unserer früheren demokratischen Zivilgesellschaft durch die Wahl von FDP, CDU/CSU, SPD und inzwischen auch noch Bündnis90/Die Grünen weiter voran treiben. Vielleicht ist das ja unvermeidlich.
    Aber wir sollten uns, wenn wir das tun, auch darüber Rechenschaft ablegen und uns nicht einbilden, wir würden unserer demokratischen Bürgerpflicht gerecht. Wäre dem so, wären wir längst alle in Wählervereinigungen aktiv, die dem Interesse unserer Gemeinden und Kreise zum Durchbruch verhelfen könnten. Weil wir aber lieber als arrivierte, saturierte, träge und selbstgefällige Fettärsche in unsere Sessel f....... und selbstgerecht unsere Köpfe über „diese Gesellschaft“ unsere schweinskopfähnlichen Köpfe schütteln, darum sind wir die Totengräber dieser 2. Deutschen Republik und der ersten bürgerlichen, zivilgesellschaftlichen Demokratie, die es je auf deutschem Boden gegeben hat.

    Neben diesen persönlichen Beurteilungen möchte ich noch auf drei recht aufschlussreiche
    Publikationen verweisen:
    http://www.amazon.de/Die-...
    http://www.amazon.de/sind...
    Verteidigt das Anrechnungsverfahren gegen unbedachte Reformen!
    © Der Betriebsberater, JG 55, 2000

    Wer nach dieser Lektüre nicht versteht, was FDP in der Praxis bedeutet, dem vermag ich nichts mehr zu erzählen.

    Experience is the only way to understand.

  2. hatte am 9. September 1982 das sog. "Lambsdorff-Papier" veröffentlicht: Es beinhaltet Forderungen nach spürbarer Verbesserung der Kapitalerträge und einer "Verbilligung des Faktors Arbeit" durch Senkung der Sozialleistungsquote.

    Damit kam es vor 25 Jahren zum Bruch der sozial-liberalen Koalition unter Kanzler Schmidt. Die nachträgliche Lektüre des Memorandums lässt erkennen, dass es sich um das offizielle Drehbuch für die Wirtschafts- und Sozialpolitik bis heute handelte und der korrupte "Marktgraf" ein wichtiger Wegbereiter der neoliberalen Hegemonie war.

    Kommt einem der dort aufgezeichnete Handlungskatalog nicht bekannt vor?

    Von einer zeitlichen Begrenzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes auf zwölf Monate über die Einführung eines "demografischen Faktors" zur Beschränkung der Rentenhöhe ("Berücksichtigung des steigenden Rentneranteils in der Rentenformel") bis zur stärkeren Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen listete das Lambsdorff-Papier fast alle "sozialen Grausamkeiten" auf, welche die folgenden Bundesregierungen bis heute verwirklichten.

    Wenn man sich den Finanz-Tsunami vergegenwärtigt ist es naheliegend zu schlußfolgern, daß von den Verursachern dieser Politik unmöglich die Lösung der Folgeprobleme zu erwarten ist, da sie doch wohl eher beabsichtigt sind.
    _______________________________________________________
    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

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    auch wenn es angesichts der Hessen-Wahl und der Umfragewerte fuer den Bund so aussieht, als interessiert es die Moechtegern-Leistungstraeger nicht!
    Aber deshalb geben wir es nicht auf zu sagen : die FDP ist wesentlich an eurer Situation Schuld, wenn ihr sie waehlt, wird es euch noch schlechter gehen!

    da hilft auch kein Goethe-Zitat am Ende. Lambsdorff kriminell und korrupt, aha. Natürlich ist er auch an der Finanzkrise schuld. Ohne die Dinge, die Sie ansprechen (demografischer Faktor bei der Rente, zeitliche Begrenzung des Arbeitslosengelds, Senkung der Lohnnebenkosten, Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen) wäre Deutschland noch schneller bankrott als es demnächst sowieso schon ist. Komisch das diese Dinge auch noch zu einem guten Teil von einer links-grünen Koalition eingeführt wurden…
    Ihr könnt ja gern alle die neue SED wählen und euch dann an der DDR 2.0 erfreuen. Besser jedoch auswandern nach Venezuela, Nordkorea oder Kuba und dort in Frieden im Sozialismus leben. Tschüss dann!!
    (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 16.03.2009 um 16:54 Uhr

    eine bessere Zustandsbeschreibung deutscher ignoranter Befindlichkeiten hätten sie wohl kaum geben können.

    Ewig dasselbe, immer sind die anderen Schuld. Nie kommt jemand auf den Gedanken, das es der gemeinsame Nenner von links und Rechts ist, der die Ursache der Probleme ist.

    Ich mag Lambsdorff nicht, doch sein Papier war eine Empfehlung den Staatshaushalt zu sanieren. Das sich seine Empfehlungen zum Teil als nicht zielführend herausgestellt haben, kann man im nachhinein leicht kritisieren.

    Das der belastete Staatshaushalt heute das Problem ist, wenn es um die Möglichkeit keynsianischer Politik geht, wird gerne ignoriert.

    Ich bin auch anderer Meinung, wenn es darum geht den Staatshaushalt zu sanieren. Doch hat die politische Elite Rechts wie Links bisher nicht einen einzigen anderen Vorschlag gemacht, wie sie dem Problem beikommen wollen. Und das seit den Tagen Lambsdorffs.
    Alles was linker als die aktuelle Regierung ist, hat dieses Problem bis heute ignoriert.
    Weggelassen wird auch der Umstand, dass Schmidt bereit gewesen wäre sich mit Lambsdorffs Thesen zu arrangieren, seine Partei, insbesondere die Linke wollte nicht.

    Wenn von sozialen Grausamkeiten die Rede ist, und ein Verschulden hinsichtlich der Finanzkrise, so muss festgestellt werden, dass diese Politik eben völlig belanglos bezüglich der Finanzkrise geblieben ist.
    Die echte Zockerei hat hier gar nicht stattgefunden, nur Dummheit bei einigen Bankern (war nicht Frau Matthäus Meyer eine von Ihnen?). Der Hauptgrund für die aktuelle starke Betroffenheit Deutschlands ist die Staatsverschuldung, die zu hohen Belastungen für Arbeitnehmer und ihre dadurch zu geringe Kaufkraft. Damit ist Deutschland nicht in der Lage sich von der Tsunami aus Amerika abzukoppeln.

    Ja Lambsdorff hat geirrt, doch wo er geirrt hat, haben die Linken doppelt versagt, sie haben bis heute nicht mal das Problem erkannt.

    Berthold Grabe

    auch wenn es angesichts der Hessen-Wahl und der Umfragewerte fuer den Bund so aussieht, als interessiert es die Moechtegern-Leistungstraeger nicht!
    Aber deshalb geben wir es nicht auf zu sagen : die FDP ist wesentlich an eurer Situation Schuld, wenn ihr sie waehlt, wird es euch noch schlechter gehen!

    da hilft auch kein Goethe-Zitat am Ende. Lambsdorff kriminell und korrupt, aha. Natürlich ist er auch an der Finanzkrise schuld. Ohne die Dinge, die Sie ansprechen (demografischer Faktor bei der Rente, zeitliche Begrenzung des Arbeitslosengelds, Senkung der Lohnnebenkosten, Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen) wäre Deutschland noch schneller bankrott als es demnächst sowieso schon ist. Komisch das diese Dinge auch noch zu einem guten Teil von einer links-grünen Koalition eingeführt wurden…
    Ihr könnt ja gern alle die neue SED wählen und euch dann an der DDR 2.0 erfreuen. Besser jedoch auswandern nach Venezuela, Nordkorea oder Kuba und dort in Frieden im Sozialismus leben. Tschüss dann!!
    (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Polemik. Die Redaktion/jk)

    • Anonym
    • 16.03.2009 um 16:54 Uhr

    eine bessere Zustandsbeschreibung deutscher ignoranter Befindlichkeiten hätten sie wohl kaum geben können.

    Ewig dasselbe, immer sind die anderen Schuld. Nie kommt jemand auf den Gedanken, das es der gemeinsame Nenner von links und Rechts ist, der die Ursache der Probleme ist.

    Ich mag Lambsdorff nicht, doch sein Papier war eine Empfehlung den Staatshaushalt zu sanieren. Das sich seine Empfehlungen zum Teil als nicht zielführend herausgestellt haben, kann man im nachhinein leicht kritisieren.

    Das der belastete Staatshaushalt heute das Problem ist, wenn es um die Möglichkeit keynsianischer Politik geht, wird gerne ignoriert.

    Ich bin auch anderer Meinung, wenn es darum geht den Staatshaushalt zu sanieren. Doch hat die politische Elite Rechts wie Links bisher nicht einen einzigen anderen Vorschlag gemacht, wie sie dem Problem beikommen wollen. Und das seit den Tagen Lambsdorffs.
    Alles was linker als die aktuelle Regierung ist, hat dieses Problem bis heute ignoriert.
    Weggelassen wird auch der Umstand, dass Schmidt bereit gewesen wäre sich mit Lambsdorffs Thesen zu arrangieren, seine Partei, insbesondere die Linke wollte nicht.

    Wenn von sozialen Grausamkeiten die Rede ist, und ein Verschulden hinsichtlich der Finanzkrise, so muss festgestellt werden, dass diese Politik eben völlig belanglos bezüglich der Finanzkrise geblieben ist.
    Die echte Zockerei hat hier gar nicht stattgefunden, nur Dummheit bei einigen Bankern (war nicht Frau Matthäus Meyer eine von Ihnen?). Der Hauptgrund für die aktuelle starke Betroffenheit Deutschlands ist die Staatsverschuldung, die zu hohen Belastungen für Arbeitnehmer und ihre dadurch zu geringe Kaufkraft. Damit ist Deutschland nicht in der Lage sich von der Tsunami aus Amerika abzukoppeln.

    Ja Lambsdorff hat geirrt, doch wo er geirrt hat, haben die Linken doppelt versagt, sie haben bis heute nicht mal das Problem erkannt.

    Berthold Grabe

  3. "Sowohl an FDP als auch an CDU schätze ich deren klare Linie".

    Immer wieder gibt es so etwas zu lesen und ich verstehe einfach nicht, warum. Sicher, da ist Konsequenz erkennbar, weil sich beide Parteien - für die FDP war das ja gar kein großer Aufwand - für Deregulierungspolitik einsetzen. Wenn man diese Positionen vertritt, das beschreibt auch der Artikel, eckt man in mächtigen Wirtschaftsgremien selten an. Und diese Politik der Deregulierung, die hat's in den letzten Jahren richtig gebracht, nicht?!

    Oder geht's am Ende gar nicht mehr um die Inhalte, sondern nur darum, konsequent immer dasselbe zu erzählen? Manchmal kommt es mir so vor. Es ekelt mich inzwischen an, wenn ich einen Spitzenmann aus der FDP zu Fragen der Sozialpolitik Stellung nehmen höre. Leute, die sich ausschließlich in Bonzenkreisen aufhalten, sich an teuren Büffets satt essen und das Leben einer Familie, die von Hartz IV leben muss, höchstens vom Vorbeifahren in der S-Klasse kennen, brauchen eine gehörige Dosis Realitätssinn. Aber halt - ich wäre unfair, wenn ich in diesem Punkt nur auf der FDP herumhackte...

    SPD und Grüne könnten sich jedenfalls sehr freuen über einen "liberalen" Koalitionspartner, denn alle unliebsamen Entscheidungen, die sie vor ihrer eigenen Basis eigentlich nicht rechtfertigen könnten, könnten sie der FDP zuschustern und die würde sich noch ins Fäustchen lachen.

  4. "Sowohl an FDP als auch an CDU schätze ich deren klare Linie" - jaja, da gehoeren Sie aber zu einer Minderheit ! Auch in den Themen Papst und Steinbach gab es natuerlich fuer jede vertretbare Meinung auch einen CDU-Granden, der sie vertrat.
    Wenn sie alle wirtschaftspolitischen Themen ausklammern, damit das Bild stimmt, und wenn Sie vorsichtshalber die CSU nicht erwaehnen, um nicht gleich jegliche Glaubwierdigkeit zu verlieren, haben Sie eh schon ein kleines Feld abgesteckt, und noch icht einmal da passt es!

  5. auch wenn es angesichts der Hessen-Wahl und der Umfragewerte fuer den Bund so aussieht, als interessiert es die Moechtegern-Leistungstraeger nicht!
    Aber deshalb geben wir es nicht auf zu sagen : die FDP ist wesentlich an eurer Situation Schuld, wenn ihr sie waehlt, wird es euch noch schlechter gehen!

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    wählen ihre Schlächter selber, könnte man sagen und die geneigten FDP-Wähler ihrem Schicksal überlassen.

    Da aber im Ergebnis der Machtausübung solcher Lobbypolitiker die gesamte Gesellschaft in das wirtschaftliche, soziale und zivilisatorische Elend gestossen wird, kann einer, der sich dem etwas aus der Mode gekommenen Prinzipien der Zivilcourage, der Vaterlandsliebe (im Sinne eines Ernst-Moritz Arndt) und den Gedanken von Friedrich II (Epistel über die Menschlichkeit) verbunden fühlt, solche
    Gesindelpolitik nicht ohne Widerstand über das Land kommen lassen.

    Als Latino rufe ich allen Mitmenschen nur noch eines zu: No pasaran! Nunca mas!

    Experience is the only way to understand. Come to Manila to see the desert of barbarity and the ocean of inhumanity.

    wählen ihre Schlächter selber, könnte man sagen und die geneigten FDP-Wähler ihrem Schicksal überlassen.

    Da aber im Ergebnis der Machtausübung solcher Lobbypolitiker die gesamte Gesellschaft in das wirtschaftliche, soziale und zivilisatorische Elend gestossen wird, kann einer, der sich dem etwas aus der Mode gekommenen Prinzipien der Zivilcourage, der Vaterlandsliebe (im Sinne eines Ernst-Moritz Arndt) und den Gedanken von Friedrich II (Epistel über die Menschlichkeit) verbunden fühlt, solche
    Gesindelpolitik nicht ohne Widerstand über das Land kommen lassen.

    Als Latino rufe ich allen Mitmenschen nur noch eines zu: No pasaran! Nunca mas!

    Experience is the only way to understand. Come to Manila to see the desert of barbarity and the ocean of inhumanity.

  6. Wenn sich Rechts- und Links verbünden, dann sollten an sich sachlogische Kompromisse erzielt werden. Ich dachte, bei dieser Konstellation würden sich die Fachleute bei Lösungen und in der gesetzgeberischen Arbeit durchsetzen. Leider ist es aber so gekommen, dass in der Sozialstaatspolitik Kompromisse gefunden wurden, die nicht effzient und kostengünstig sind.

    Die Umverteilung von Vermögen und Einkommen hat eher die ganz kleinen und die ganz reichen Leute begünstigt. Eine gleichmäßige Verteilung des Volkseinkommens auf die Bürgerschaft fand eher nicht statt.

    Ob jetzt Fix und Foxi in Zusammenarbeit mit CDU/CSU hier einen Ausgleich hinbekommen, dürfte eher unwahrscheinlich sein.

    Es wird also auf die 22 Mio. Bürger mit gut dotierten Dauerarbeitsverträgen ankommen, wie die im Herbst die Lage sehen. Ich denke mal: Es wird eine klare bürgerliche Mehrheit geben.

    Die Grünen werden zusammen mit der SPD und unter Mithilfe Der Linken Opposition machen müssen. Wenn Schwarz-Gelb verschärft weiter von Unten nach Oben umverteilt, dann haben wir ab 2014 eine rot-rot-grüne Koalition.

    ____________________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

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    • cs
    • 16.03.2009 um 6:07 Uhr

    "Die Umverteilung von Vermögen und Einkommen hat eher die ganz kleinen und die ganz reichen Leute begünstigt. Eine gleichmäßige Verteilung des Volkseinkommens auf die Bürgerschaft fand eher nicht statt."

    Wo wurden denn in den letzten Jahren bis Jahrzehnten irgendwo die armen & arbeitslosen Menschen (Ihre "ganz kleinen Leute") begünstigt? Der gesellschaftliche Konsens verläuft doch eher auf der Line (und das Bibelzitat, auf dem dies gründet, habe ich by the way noch nich so recht verstanden) "Wer viel hat, soll noch viel mehr bekommen, und wer wenig hat, dem soll auch das noch genommen werden, und wir wollen ihn erniedrigen und beleidigen, auf das uns wohl sei!" Oder so ähnlich.

    Und warum zählen die armen und arbeitslosen Menschen jetzt nicht zur Bürgerschaft? Möchten Sie die alten preussischen Regeln wieder einführen und das Wahlrecht vom Einkommen abhängig machen?

    • cs
    • 16.03.2009 um 6:07 Uhr

    "Die Umverteilung von Vermögen und Einkommen hat eher die ganz kleinen und die ganz reichen Leute begünstigt. Eine gleichmäßige Verteilung des Volkseinkommens auf die Bürgerschaft fand eher nicht statt."

    Wo wurden denn in den letzten Jahren bis Jahrzehnten irgendwo die armen & arbeitslosen Menschen (Ihre "ganz kleinen Leute") begünstigt? Der gesellschaftliche Konsens verläuft doch eher auf der Line (und das Bibelzitat, auf dem dies gründet, habe ich by the way noch nich so recht verstanden) "Wer viel hat, soll noch viel mehr bekommen, und wer wenig hat, dem soll auch das noch genommen werden, und wir wollen ihn erniedrigen und beleidigen, auf das uns wohl sei!" Oder so ähnlich.

    Und warum zählen die armen und arbeitslosen Menschen jetzt nicht zur Bürgerschaft? Möchten Sie die alten preussischen Regeln wieder einführen und das Wahlrecht vom Einkommen abhängig machen?

  7. FDP und SPD und Gruene wuerden sich nicht weniger blockieren als die grosse Koalition. Ich weiss wirklich nicht, was fuer Gemeinsamkeiten der Autor sehen will.
    Und noch einmal zu dem unsaeglichen Gu-i-do: es darf doch nicht wahr sein, dass man mit blossem Gelaber Karriere machen kann. Wenn man es nur jahrelang durchhaelt. Dieser Typ ist ein lupenreiner Opportunist, selbst sein Outing ist ein Akt des Opportunismus. Seit Friedrich Merz versuchte, sich ein bisschen Revoluzzer-Pomade in die - wie er einraeumte: zu Teenie-Zeiten "kragenlangen " - Haare zu schmieren, um an Joschka Fischers Charisma zu partizipieren, seit Wowereits Outing eine neue deutsche Redewendung hervorbrachte, seither bedarf es keiner Courage mehr, sich als schwul zu offenbaren. Im Gegenteil: man hat die Chance, vom Glamour einer couragierten Persoenlichkeit ein paar Glitzersteinchen abzukriegen. Unsaeglich.

  8. Ralf Fücks im Interview mit der Süddeutschen.
    http://www.sueddeutsche.d...

    Als nächstes kommt das Projekt 18. Bei den Banken sammeln die Grünen auch schon mächtig ein.

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