Warum machen Sie das? "Geld - gibt es Spannenderes?"
Andere sprechen vom Kollaps des Kapitalismus, Hilmar Kopper verteidigt leidenschaftlich die Banker. Der Ex-Deutsche-Bank-Chef im Gespräch mit Roger Willemsen
Roger Willemsen: Herr Kopper, über Geld redet man nicht. Sie aber müssen dauernd darüber reden. Wird Ihnen nicht langweilig?
Hilmar Kopper: Nie. Geld, das die Welt in Atem hält, sieht man zwar nicht. Aber man redet ständig drüber. Gibt es Spannenderes? Geld, das man in der Tasche hat, ist nötig, aber langweilig.
Willemsen: Das aus Ihrem Munde!
Kopper: Ja, denken Sie doch, Geld ist wie Blut, das den Sauerstoff überallhin transportiert. Man sieht nichts, aber es arbeitet.
Willemsen: Das Geld arbeitet nicht, der Proletarier arbeitet.
Kopper: Stimmt, sehr gut. Sagen wir also nicht »Es arbeitet«, sondern »Es wirkt«.
Willemsen: Wenn man sich das Geld nicht vorstellt, sieht man auch nicht den Menschen am Ende der Kette, der sein Haus verkaufen muss?
Kopper: Darüber reden wir jetzt. Vor Kurzem haben wir über amerikanische Menschen geredet, die ein Haus kauften, das drei Jahre später doppelt so wertvoll war.
Willemsen: Verstehen Sie, dass die ersten Utopien, die Menschen entwickelten, immer die Abschaffung des Geldes einschlossen?
Kopper: Mit Geld umzugehen war immer leicht anrüchig. Und doch verdanken wir ihm eine grandiose zivilisatorische Entwicklung.
Willemsen: Was suchten Sie, als Sie 1954 als Lehrling bei der Deutschen Bank anfingen: den Gewinn, das Drama?
Kopper: Oh, mein Gott, ich wusste doch gar nicht, was ich tat. Meine Beziehung zu Bank und Geld war gleich null. Dann fand ich es toll, dass auf der anderen Seite des Schalters immer ein Wesen aus Fleisch und Blut stand – ein Kunde. Ein Schicksal.
Willemsen: Aber im Prozess des Aufsteigens verschwinden die Schicksale mehr und mehr.
Kopper: Ach nein, der Mensch ist immer vorne geblieben.
Willemsen: Lieben Sie die Menschen?
Kopper: Ja. Ich kann gut auf Menschen zugehen, was dem Aufstieg nicht geschadet hat.
- Datum 26.03.2009 - 13:07 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
- Kommentare 72
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Ich hätte gern Koppers Erklärungen gelesen, warum "wir" dem Geld eine grandiose zivilisatorische Entwicklung verdanken.
[spielten da nicht eher Wissenschaft und Technik eine Rolle?]
Grandios dagegen die Passage:
Willemsen: Das Geld arbeitet nicht, der Proletarier arbeitet.
Kopper: Stimmt, sehr gut. Sagen wir also nicht »Es arbeitet«, sondern »Es wirkt«.
Schade, daß auch dieser Faden nicht weiter gesponnen wurde...
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Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]
zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik waren aber auch immer Geldgeber nötig.
Aber ich gebe ihnen Recht, der "Geld- bzw. Proletarier arbeitet-Faden" hätte weiter gesponnen werden müssen. Aber: auch der Ingenieur arbeitet, auch der Banker arbeitet sinnvoll, wenn er z.B. Kredite für Projekte oder Firmen vergibt.
zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik waren aber auch immer Geldgeber nötig.
Aber ich gebe ihnen Recht, der "Geld- bzw. Proletarier arbeitet-Faden" hätte weiter gesponnen werden müssen. Aber: auch der Ingenieur arbeitet, auch der Banker arbeitet sinnvoll, wenn er z.B. Kredite für Projekte oder Firmen vergibt.
zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik waren aber auch immer Geldgeber nötig.
Aber ich gebe ihnen Recht, der "Geld- bzw. Proletarier arbeitet-Faden" hätte weiter gesponnen werden müssen. Aber: auch der Ingenieur arbeitet, auch der Banker arbeitet sinnvoll, wenn er z.B. Kredite für Projekte oder Firmen vergibt.
Da es sich bei diesen Fragen und Antworten nicht um ein Gerichtsszenario handelt, finde ich das - auf mich locker wirkende - Interview durchaus interessant. Das Nachhalten - Geld würde nicht arbeiten, sondern viele kleine fest- und frei angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - hat Hilmar Kopper doch so verblüfft, dass er seine Antwortungenauigkeit sofort zugab!
Vielleicht werden im Laufe der Zeit aus den Peanuts durchaus dickere Kartoffeln...
Warum macht die "Zeit" das (immer noch)? Was spricht dafür, diesen Individuen weiterhin Raum und Webspace für ihre Selbstdarstellung zu geben? Jaja, "kritische Intention", "Spiegel vorhalten" usw. usf. So sieht's aus, so funktionieren Germanisten-Zweitsemester, und leider auch dieses Blatt. Entsprechend darf dann ein Standartenträger des Hornbrillenjournalismus' artige Stichworte liefern. Soweit waren wir schon 'mal, oder? Repetitia non placent. Die Koppers (und Joffes) dieser Welt haben sich längst diskreditiert; die endlose Wiederholung hat keinerlei Informations- noch Unterhaltungswert mehr.
@ proof_of_concept
Mir gefällt, dass in der ZEIT Personen zu Themen befragt werden, die mit ihrem mittel- und unmittelbarem Umfeld zu tun haben. Meinetwegen könnten die Fragen auch "gemischter" sein (Ein Beispiel, damit's konstruktiv bleibt: "Herr Kopper, Sind Sie eigentlich der Meinung, dass Ihre Frau das Erbe Willy Brandts auf dem Marktplatz der Plattitüden verscherbelt?").
Es ist nicht so einfach, nach den Zigaretten-Interviews ein ähnlich einfaches und originelles Format zu präsentieren. Ich kenne Roger Willemsen - via seinen Büchern - auch eher als einen insistierenden, hartnäckigen Journalisten. In seinen TV-Talkrunden blieb schon damals (von Premiere abgesehen) von dieser Strenge wenig übrig.
Mich würde es sehr interessieren, welche Persönlichkeiten Willemsen denn aus der Sicht der ZEIT-Userinnen und -User interviewen sollte. Und wie "investigativ" er nachfragen und enthüllen (!) sollte.
Stelle mir das zwar ebenfalls - wie viele hier im Thread - interessant vor. Aber welche Köpfe würden sich auf Willemsens Verbal-Solarium noch sonnen wollen?
@ proof_of_concept
Mir gefällt, dass in der ZEIT Personen zu Themen befragt werden, die mit ihrem mittel- und unmittelbarem Umfeld zu tun haben. Meinetwegen könnten die Fragen auch "gemischter" sein (Ein Beispiel, damit's konstruktiv bleibt: "Herr Kopper, Sind Sie eigentlich der Meinung, dass Ihre Frau das Erbe Willy Brandts auf dem Marktplatz der Plattitüden verscherbelt?").
Es ist nicht so einfach, nach den Zigaretten-Interviews ein ähnlich einfaches und originelles Format zu präsentieren. Ich kenne Roger Willemsen - via seinen Büchern - auch eher als einen insistierenden, hartnäckigen Journalisten. In seinen TV-Talkrunden blieb schon damals (von Premiere abgesehen) von dieser Strenge wenig übrig.
Mich würde es sehr interessieren, welche Persönlichkeiten Willemsen denn aus der Sicht der ZEIT-Userinnen und -User interviewen sollte. Und wie "investigativ" er nachfragen und enthüllen (!) sollte.
Stelle mir das zwar ebenfalls - wie viele hier im Thread - interessant vor. Aber welche Köpfe würden sich auf Willemsens Verbal-Solarium noch sonnen wollen?
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Doppelposting kann gelöscht werden, keine Absicht
...ein ganz braver Interviewer.
Zwischen den Zeilen erkennbar ist die Bereitschaft des Herrn Kopper zu spüren, auf nachhakende Fragen zu antworten.
Sag mir, wo die Fragen sind, wo sind sie geblieben? ;-)
zu ihrem intelligenten Gesprächspartner!
Die Krise hätte er im Leben nie kommen sehen,
einen Unterschied zwischen freier und sozialer Marktwirtschaft gibt es nicht
und Humanismus besteht aus der Lektüre von Schiller.
Ganz ehrlich, liebe Redaktion, bei so einem Knaller auf der
Startseite kann ich mir auch eine Talkshow auf Sat1 reinziehen.
Wäre ohnehin Hartz IV gerechter!
;-)
http://www.hartz-aber-lus...
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