MAIL AUS Achiltibuie

Von:reiner.luyken@zeit.de Betreff: Lounge oder sitting room?

Die englische Sprache ist – um eine ihrer Metaphern zu gebrauchen – ein Minenfeld. Das junge Eheglück meiner Tochter wird dadurch getrübt, dass ihr Mann das Wohnzimmer lounge nennt. Wenn er das Wort äußert, verspannen sich ihre Züge. Lounge klingt, sagen wir es ohne Umschweife, nach unterer Mittelschicht. In der mittleren Mittelschicht, zu der wir gehören, setzt man sich nach dem Dinner im sitting room zusammen. Angehörige der oberen Mittelschicht ziehen sich in einen drawing room zurück.

Manche Leute glauben, die Sprachregelung durch den neutraleren Begriff living room umgehen zu können. Meine Frau findet das naff, was laut Wörterbuch mit »bescheuert« zu übersetzen ist. Aber das trifft den Kern der Bedeutung nicht. Naff ist ebenfalls ein gesellschaftlich belasteter Begriff, er ruft Assoziationen wach an Leute, die den Sprung aus einer Sozialwohnung in einen mit braunem Kieselwurf verputzen Bungalow geschafft haben und einen Ford Mondeo fahren.

Meine Tochter hat nun mit Charme und weiblicher List einen linguistischen Umerziehungsprozess ihres Mannes gestartet. Ganz wie ihre Mutter, die mir im Lauf der Jahre ebenfalls die richtige Wortwahl eingetrichtert hat. Wenn ich aufs Klo muss, erkundige ich mich nie nach dem bathroom oder der toilet, sondern immer nach dem loo. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, was ein Ausländer sagt.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 12.03.2009 Nr. 12
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    • Schlagworte Ausländer | Mittelschicht | Ford
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