Klimaschutz
Erde ohne Aktien
Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise darf nicht auf Kosten des Klimaschutzes gehen. Der Schaden wäre irreparabel

© Spencer Platt/Getty Images
Manhattan, Epizentrum der Finanzkrise
Die Weltwirtschaftskrise kostet nicht nur Arbeitsplätze . Sie verschlingt nicht nur Billionen Euro für Konjunkturprogramme. Zu allem Übel verursacht sie auch heimliche Kosten. So sinkt die Bereitschaft, sich anderen, nicht weniger drängenden Herausforderungen zu stellen. Zum prominentesten Opfer ist der Kampf gegen den Klimawandel geworden. In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und kollabierender Unternehmen könnten wir uns Klimaschutz nicht mehr leisten, heißt es.
Ein Irrglaube. Tatsächlich können wir es uns nicht leisten, auf den Schutz des Klimas zu verzichten.
Die von Menschen verursachte Wirtschafts- und Finanzkrise sorgt für Verheerungen im Universum der Ökonomie. Der Schaden ist groß, aber er ist reparabel. Die ebenfalls vom Menschen angezettelte Erderwärmung gefährdet den Lebensraum Erde; dieser Schaden ist irreparabel. Allein durch den kaum noch vermeidbaren Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bis zum Ende des Jahrhunderts könnten 600 Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren – fast jeder zehnte Bewohner der Erde!
Trotzdem hat bisher keine Nation und keine Staatengruppe den Kampf gegen den Klimawandel entschlossen aufgenommen, auch Europa nicht . Immerhin hat die Europäische Union den Emissionshandel eingeführt, fördert sie erneuerbare Energien und will den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent vermindern.
Bisher hat die EU bei den internationalen Klimaverhandlungen obendrein die Rolle des Antreibers gespielt. Doch je länger die Wirtschaftskrise dauert, desto mehr verflüchtigen sich Europas bescheidene Ambitionen – während der neue US-Präsident Barack Obama seinen »grünen« Ankündigungen erst noch Taten folgen lassen muss.
Wie weit das Thema auf ihrer Agenda inzwischen nach hinten gerutscht ist, demonstrieren die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder gerade bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel. Ganze drei Absätze in der vorbereiteten Abschlusserklärung haben sie für das Thema übrig. Dass es fast unter den Tisch fällt, ist nicht einmal Anlass für Streit. Auch Angela Merkel zieht es vor, zu schweigen.
Dabei hätte der europäische Frühjahrsgipfel ein Zeichen des Aufbruchs setzen müssen. Das Jahr 2009 ist für die Klimapolitik das Jahr der Entscheidung. Im Dezember sollen in Kopenhagen unter der Regie der Vereinten Nationen neue, wirksame Regeln zum weltweiten Klimaschutz vereinbart werden. Ende nächster Woche beginnen in Bonn die Vorverhandlungen. Soll die Erde nicht zu einem lebensfeindlichen Treibhaus werden, duldet der Kampf gegen den Klimawandel keinen Aufschub.
Dieser Kampf verlangt von uns allerdings mehr, als Windräder aufzustellen, sparsamere Autos zu kaufen und Häuser zu sanieren. Notwendig ist ein historisch einmaliger Pakt zwischen Nord und Süd, zwischen Industrieländern auf der einen, Schwellen- und Entwicklungsländern auf der anderen Seite.
Die Länder des Südens haben zwar nicht viel zum Klimafrevel seit Beginn der Industrialisierung beigetragen; inzwischen sind jedoch einige von ihnen, voran das bevölkerungsreiche China, zu Großemittenten von Treibhausgasen geworden. Soll die Erderwärmung gebremst werden, sind China & Co deshalb gefordert. Die Länder des Nordens, die Verursacher des bereits messbaren Temperaturanstiegs, sind allerdings doppelt gefordert. Sie müssen nicht nur ihre Emissionen deutlich mindern; sie stehen ebenso in der Pflicht, dem Süden mit Geld zu helfen – auch, um ihre historischen Klimaschulden zu begleichen.
Ohne Geldtransfer in den Süden lässt sich die Erwärmung nicht bremsen
Es geht um einen dreistelligen Milliardenbetrag, jährlich. Das ist weniger als ein halbes Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts, eine fast lächerlich kleine Prämie, um die dramatischen Risiken des Klimawandels zu vermeiden. Es geht um Geld für Deiche, für Bewässerungssysteme, für Krankenstationen und Medikamente – für all das, was arme Länder und Menschen vor den Folgen der bereits begonnenen Erderwärmung schützen hilft. Es geht um Geld für den Schutz der Urwälder, deren Vernichtung den Klimawandel noch beschleunigt. Und schließlich geht es um Geld, das es den Ländern des Südens ermöglicht, sich zu entwickeln, ohne dabei die Fehler des Nordens zu wiederholen.
Dieses Geld wird den Entwicklungsländern bisher verweigert. Bleibt es dabei, wird es kein neues Klimaschutzabkommen geben. Doch Europa, einstmals klimapolitischer Vorreiter, ziert sich und hat gerade die Gelegenheit verstreichen lassen, dem Süden wenigstens ein Angebot zu machen. Dass die Staats- und Regierungschefs der EU sich drücken und lediglich zu Protokoll geben, einen »fairen Anteil« an einer nicht genannten Summe tragen zu wollen, zeugt davon, wie schwach der Wille zum Klimaschutz tatsächlich geworden ist.
Die Wirtschaftskrise ist keine Entschuldigung. Im Gegenteil. Sie zeigt, welch immense Summen binnen kürzester Frist lockergemacht werden können. Zugegeben, ein funktionierendes Bankensystem ist wichtig. Aber nicht so wichtig wie die Erde als funktionierender Lebensraum.
Den zu erhalten, hat die EU gerade eine Chance verpasst. Viel Zeit, das Versäumnis nachzuholen, bleibt ihr nicht. Langsam wird es zu heiß.
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- Datum 19.3.2009 - 09:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.03.2009 Nr. 13
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In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und kollabierender Unternehmen könnten wir uns Klimaschutz nicht mehr leisten, heißt es.
Ein Irrglaube. Tatsächlich können wir es uns nicht leisten, auf den Schutz des Klimas zu verzichten.
1) Alle Menschen könnten sich wesentlich mehr leisten, Klimaschutz, Bildung und möglicherweise sogar den Weltfrieden ;-) wenn der Wohlstand nur besser verteilt wäre. Ist er aber nicht.
In der Tat ist die Verteilung völlig grotesk. Ich erlaube mir, an dieser Stelle (wie so oft) auf JJahnke und Meudalismus hinzuweisen.
2) "Die Natur hätte Aktien", wenn der Mensch nachhaltig und langfristig wirtschaften würde. Eine gute Politik würde in diesem Fall die Rahmenbedingungen setzen, damit die ständige Externalisierung von Kosten (auf die Gemeinschaft der Steuerzahler, auf die Folgegeneration(en)) nicht möglich wäre. Tut sie aber nicht.
1 und 2 folgt beides aus
3) Der Mensch hat -wie jedes Lebewesen- Fehler, und Fehler (Mutation) sind sogar Teil der Evolution. Von daher glaube ich ganz persönlich nicht daran, daß wir die Kurve noch kriegen. Die "ideale Gesellschaft", in welcher sich die Fehler der Menschen in einem transparenten, öffentlichen System gegeneinander ausspielen, und private Freiräume erhalten und respektiert werden, bei gleichzeitigem Gleichgewicht zwischen liberalwirtschaftlichen Interessen sowie sozialen Notwendigkeiten, scheint -auch wenn schon seit Menschheitsgedenken daran gefortscht wird- bislang ja noch nicht einmal in einer vollständigen Theorie zu existieren.
Schlimmer noch, jegliche Ideen in diese Richtung werden aus der jeweils herrschenden und profitierenden Kaste aus naheliegenden Gründen laufend tabuisiert - und das auch nicht erst seit gestern. Man schaue sich doch mal mit gesundem Abstand und Objektivität die Lehrpläne der BWL und VWL der letzten 20 Jahre an. Übrigens, meinen Respekt an dieser Stelle an Bernd Senf.
Nach lesen dieses Artikels fielen mir spontan auch noch zwei Dinge ein (beides Klassiker und den meisten hier sicher auch bekannt):
Sprechen zwei Planeten miteinander...
"Du siehst aber scheisse aus, was ist los?"
"Ich habe homo sapiens"
"Keine Sorge, das geht von alleine wieder weg"
.. und die berühmte "Weissagung der Cree".
Sorry für die ganze Schwarzmalerei - die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl in der Mitte, nämlich zwischen dem was Pessimisten wie ich und Optimisten wie .. schauen Sie TV-Nachrichten ;-) so verzapfen. Ich wünsche allen Lesern ein sonniges Wochenende. Der Einstand am heutigen Frühlingsanfang war ja schon sehr gelungen.
Leider handelt es sich wieder einmal nur um die unkritische Verkündung politisch korrekte "Wahrheiten", wie ich es in dieser Massierung wohl noch nicht gesehen habe.
Bitte nicht nur Mosern, Bessermachen!
Bitte nicht nur Mosern, Bessermachen!
Oh, das würde mindestens 100.000 Zeichen erfordern und nicht hierhin passen. Weiterhin steht zu vermuten, dass der Autor nicht unter den kritischen, sondern unter den gläubigen Journalisten zu finden ist und da gilt halt kein (Gegen)Argument.
Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Bequemlichkeit sowohl für den Autor, als im Moment auch für mich. Aber es gibt so viele leicht zugängliche Quellen für unterschiedliche Argumente, dass eine Verkündigung von der Kanzel, wie es dieser Artikel darstellt, als intellektuelle Insolvenzerklärung anzusehen ist. :-)
Sätze wie dieser:"Soll die Erde nicht zu einem lebensfeindlichen Treibhaus werden, duldet der Kampf gegen den Klimawandel keinen Aufschub." beruhen letztendlich aus simplifizerten, sensatiossuggerierenden, aufgepeppten Aussagen aus dritter Quelle, die keiner ernsthaften wissenschaftlichen Analyse standhalten. Was Computermodelle wirklich wert sind, haben grade die Affäre um die AIG und die Finanzkrise gezeigt. Skepsis ist angebracht und nicht die Verkündigung von Glaubenssätzen und "Wahrheiten".
Wer keine Zweifel an seinem Computermodell hat, hat sein eigenes Computermodell nicht verstanden! (abgewandelt und adaptiert) Auch Sokrates war da schon weiter: scio nescio.
Und wenn Sie auf den sogenannten Consensus abzielen: Der Terminus ist aus dem lateinischen "fühlen" abgeleitet - nicht "wissen", sondern nur "fühlen" und "fühlen" impliziert "nicht-wissen". Insofern ist Consensus der richtige Terminus.
Und sich zB bei der Kampagne für FairTrade Towns engagieren (vielleicht haben (zu) viele bald viel mehr Freizeit (als sie sich wünschen würden), die man durchaus sinnvoll nutzen kann...).
Bitteschön, und hier kann man sich informieren: http://www.fairtrade-town....
Zum peinlichen Vergleich:
(1) Grossbritannien hat bereits 380 FairTrade Towns, 200 im Prozess.
(2) Belgien hat 57 FairTrade Towns, 200 im Prozess.
(3) Irland 32:30
(4) Italien 29:??
(5) Schweden 14:84
(6) Norwegen 09:35
(7) USA 07:??
etc.
Und Deutschland? Hat ab dem 2. April 2009 01(!) FairTrade Town, und zwar Saarbrücken!
Schnell wird man feststellen: es gibt 1001 Gegenargumente der "Fürsten und Fürstinnen der Finsternis", auch "BremserInnen" oder "Stinktiere" genannt, warum man seinen täglichen Kaffee/Tee/Kakao/O-Saft/Schokolade/Banane/Mango/SüdfruchtXY wie gehabt aus "unsicheren", aber preisgünstigen Quellen beziehen möchte.
Hier Überzeugungsarbeit, insb. bei "Akademikern" zu leisten, ist nicht selten ein wahrer Krampf! Scheinargumente, die sämtlich nur Bequemlichkeit und Desinteresse signalisieren, sind eher Regel als Ausnahme.
Dabei ist die Tatsache, dass wir in Europa faire (=normale?) Geschäftspraktiken/Handelsgewohnheiten mit den früher einmal überwiegend sehr reichen ehemaligen Kolonien gegen hohe Widerstände erringen müssen, sehr beschämend.
Und je mehr TROTZDEM geredet und lamentiert wird, anstatt einfach ZU HANDELN, desto stärker steigt die Übelkeit.
Oh, das würde mindestens 100.000 Zeichen erfordern und nicht hierhin passen. Weiterhin steht zu vermuten, dass der Autor nicht unter den kritischen, sondern unter den gläubigen Journalisten zu finden ist und da gilt halt kein (Gegen)Argument.
Das entbehrt natürlich nicht einer gewissen Bequemlichkeit sowohl für den Autor, als im Moment auch für mich. Aber es gibt so viele leicht zugängliche Quellen für unterschiedliche Argumente, dass eine Verkündigung von der Kanzel, wie es dieser Artikel darstellt, als intellektuelle Insolvenzerklärung anzusehen ist. :-)
Sätze wie dieser:"Soll die Erde nicht zu einem lebensfeindlichen Treibhaus werden, duldet der Kampf gegen den Klimawandel keinen Aufschub." beruhen letztendlich aus simplifizerten, sensatiossuggerierenden, aufgepeppten Aussagen aus dritter Quelle, die keiner ernsthaften wissenschaftlichen Analyse standhalten. Was Computermodelle wirklich wert sind, haben grade die Affäre um die AIG und die Finanzkrise gezeigt. Skepsis ist angebracht und nicht die Verkündigung von Glaubenssätzen und "Wahrheiten".
Wer keine Zweifel an seinem Computermodell hat, hat sein eigenes Computermodell nicht verstanden! (abgewandelt und adaptiert) Auch Sokrates war da schon weiter: scio nescio.
Und wenn Sie auf den sogenannten Consensus abzielen: Der Terminus ist aus dem lateinischen "fühlen" abgeleitet - nicht "wissen", sondern nur "fühlen" und "fühlen" impliziert "nicht-wissen". Insofern ist Consensus der richtige Terminus.
Also Zeit genug war da, um auf die Klimakatastrophe zu reagieren. In dem Film Soylent Green aus dem Jahre 1973 wird die Situation schon richtig beschrieben.
In China werden in 10 Jahren die Grundwasservorräte zur Neige gehen. Und damit die Industrieproduktion zwangsläufig zurückgehen.
In vielen anderen Staaten sieht es nicht besser aus.
Überall werden die Ernteerträge rapide sinken.
Herr Vorholz warum wurde 60 Jahre eine falsche Entwicklungspolitik betrieben.
Warum wurde nicht in die Bildungssysteme der dritten Welt investiert.
Und die Analphabetisierung behindert.
12 Milliarden Menschen werden in 20 Jahren auf der Erde leben.
Und Soylent Gelb , Soylent Rot und Soylent Grün werden die Hauptnahrungsmittel sein.
Es ist befremdlich, dass immer noch Leute Geld an korrupte afrikanische Potentaten verteilen wollen, diesmal um "Klimaschulden" zu begleichen. Glaubt denn wirklich jemand, transferiertes Geld kommt dem Klimaschutz zugute? Das ginge nicht ohne strengste Verwendungskontrollen, was wiederum eine Art neokoloniale Ökodiktatur in Afrika bedeuten würde. Will das jemand?
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