Die Weltwirtschaftskrise kostet nicht nur Arbeitsplätze . Sie verschlingt nicht nur Billionen Euro für Konjunkturprogramme. Zu allem Übel verursacht sie auch heimliche Kosten. So sinkt die Bereitschaft, sich anderen, nicht weniger drängenden Herausforderungen zu stellen. Zum prominentesten Opfer ist der Kampf gegen den Klimawandel geworden. In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und kollabierender Unternehmen könnten wir uns Klimaschutz nicht mehr leisten, heißt es.

Ein Irrglaube. Tatsächlich können wir es uns nicht leisten, auf den Schutz des Klimas zu verzichten.

Die von Menschen verursachte Wirtschafts- und Finanzkrise sorgt für Verheerungen im Universum der Ökonomie. Der Schaden ist groß, aber er ist reparabel. Die ebenfalls vom Menschen angezettelte Erderwärmung gefährdet den Lebensraum Erde; dieser Schaden ist irreparabel. Allein durch den kaum noch vermeidbaren Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bis zum Ende des Jahrhunderts könnten 600 Millionen Menschen ihr Zuhause verlieren – fast jeder zehnte Bewohner der Erde!

Trotzdem hat bisher keine Nation und keine Staatengruppe den Kampf gegen den Klimawandel entschlossen aufgenommen, auch Europa nicht . Immerhin hat die Europäische Union den Emissionshandel eingeführt, fördert sie erneuerbare Energien und will den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent vermindern.

Bisher hat die EU bei den internationalen Klimaverhandlungen obendrein die Rolle des Antreibers gespielt. Doch je länger die Wirtschaftskrise dauert, desto mehr verflüchtigen sich Europas bescheidene Ambitionen – während der neue US-Präsident Barack Obama seinen "grünen" Ankündigungen erst noch Taten folgen lassen muss.

Wie weit das Thema auf ihrer Agenda inzwischen nach hinten gerutscht ist, demonstrieren die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder gerade bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel. Ganze drei Absätze in der vorbereiteten Abschlusserklärung haben sie für das Thema übrig. Dass es fast unter den Tisch fällt, ist nicht einmal Anlass für Streit. Auch Angela Merkel zieht es vor, zu schweigen.

Dabei hätte der europäische Frühjahrsgipfel ein Zeichen des Aufbruchs setzen müssen. Das Jahr 2009 ist für die Klimapolitik das Jahr der Entscheidung. Im Dezember sollen in Kopenhagen unter der Regie der Vereinten Nationen neue, wirksame Regeln zum weltweiten Klimaschutz vereinbart werden. Ende nächster Woche beginnen in Bonn die Vorverhandlungen. Soll die Erde nicht zu einem lebensfeindlichen Treibhaus werden, duldet der Kampf gegen den Klimawandel keinen Aufschub.