Mein Deutschland (Teil 1) Wie ich die Mauer öffnete

9. November 1989, es ist 18.53 Uhr. Pressekonferenz in Ost-Berlin. Die neue Reiseregelung der DDR tritt in Kraft. Wann? "Unverzüglich"

Berliner Mauerreste - Relikte der Vergangenheit

Berliner Mauerreste - Relikte der Vergangenheit

Berliner Mauerreste - Relikte der Vergangenheit

Berliner Mauerreste - Relikte der Vergangenheit

Gegen 20 Uhr passiert mein Volvo die Wache am Eingang zur Waldsiedlung Wandlitz im Norden Berlins, dem Wohnort für Mitglieder des SED-Politbüros. Es ist der Abend des 9. November 1989, eine denkwürdige Pressekonferenz liegt hinter mir. Ich bin noch ein wenig aufgedreht. Wer von den Illuminaten des Politbüros hat schon einen solchen unzensierten Auftritt vor der Weltpresse absolviert?

Dem Korrespondenten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sei Dank, geht es mir durch den Kopf. Zehn Minuten vor Schluss der Pressekonferenz hat der Reporter noch diese Frage gestellt: »Sie haben doch Anfang der Woche ein Reisegesetz veröffentlicht. War das nicht ein Fehler?«

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Er zielte damit auf das unverständliche Wortungetüm, das vom Neuen Deutschland am Wochenanfang veröffentlicht worden war. Dieses Reisegesetz hatte noch am selben Abend auf den inzwischen regulären Montagsdemos eine Protestwelle ausgelöst. Die Zweifel an den Absichten des Politbüros wollte ich vor den Pressevertretern ausräumen mit der Ankündigung einer hastigen Korrektur des ellenlangen Gesetzes durch eine knappe und eindeutige Regierungsverordnung. Mein Vorhaben hätte ich unter dem Druck der Umstände fast aus dem Blick verloren – bis mir die Frage des Ansa-Mannes Stichwort und Anstoß zu meiner Antwort gab. Sie sollte, was ich nicht ahnte, weit mehr verändern als nur die Reisefreiräume für DDR-Bürger.

Die Fenster in fast allen Häusern der Waldsiedlung in Wandlitz sind dunkel. Hier hat noch Wohnrecht, wer inzwischen aus dem Politbüro ausscheiden musste. Offenbar haben die anderen Bewohner nichts mitbekommen von der Pressekonferenz, von meiner Darstellung der jüngsten ZK-Entscheidungen – freie Wahlen im nächsten Jahr, Einschränkung der bürokratischen Kompetenzen der Staatlichen Plankommission, weitere Ausschlüsse von Alten aus dem Politbüro –, ach ja, und von der Reiseregelung, die noch einmal einen Wust von verfänglichen Fragen auslöste. Zu Hause gibt es einen Topf Kaffee von meiner Frau. Entspannung ist angesagt nach diesem turbulenten Tag. Es ist der 24. Tag, seit wir Honecker entmachteten. Seither lebe ich in einer Blase von Euphorie.

Die Menschen sind zwar gegen uns, aber Stück um Stück kommen wir ihnen näher – wir, die, wenn auch späten, Gorbatschow-Nachahmer.

Die Ruhe des Wandlitz-Abends wird jäh unterbrochen. Das Telefon schrillt. Als ich abnehme, meldet sich ein Mitarbeiter der Bezirksleitung der SED. »Ich rufe an vom Übergang Bornholmer. Ein paar Hundert haben sich hier versammelt. Aber die Posten machen keine Anstalten, sie durchzulassen.« Der Anrufer hat die Pressekonferenz im Fernsehen mitverfolgt. Er hat keinen Zweifel, dass meine Ankündigung der Reisefreiheit »ab sofort, unverzüglich« gültig sei. Ich antworte, ebenso überzeugt wie der Anrufer von der Rechtskraft meiner Ankündigung: »Danke, aber da ist wohl, verflixt noch mal, wieder eine Panne passiert, vermutlich bei der Übermittlung an diesen Grenzübergang. Nehme an, sie wird in Kürze behoben sein. Ruf mich bitte dann noch mal an.«

Eine Viertelstunde später ist der Mann erneut am Apparat. Seine Unruhe ist deutlich spürbar: »Noch Dutzende, wenn nicht Hunderte mehr sind inzwischen hier eingetrudelt. Trotz Hinweisen auf deine Mitteilung: Sie lassen sie nicht durch.«

Jetzt ist auch bei mir der Zwirn dünn: Mein Gott, wenn es durch die Informationspanne zu einer Zuspitzung kommt! Hier die erwartungsfreudige Menschenmenge, und da die sich ihnen verweigernden Grenzposten.

Ich muss sofort zurück nach Berlin, um das bedrohliche Knäuel am Übergang Bornholmer Straße aufzulösen. Wir kommen von Norden, über die Schönhauser Allee. Dort, wo sie von der Wisbyer und Bornholmer Straße gekreuzt wird, ist die Schönhauser durch eine Autokette blockiert. Die Kühlerhauben zeigen nur in eine Richtung: Grenzübergang Bornholmer Brücke. In die verstopfte Bornholmer Straße ist kein Einbiegen möglich.

Ich fahre an die Autokette heran und bitte die Fahrer einiger Wagen, uns durchzulassen. Meine Absicht ist nun, zum südöstlichen Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße durchzukommen. Dort werde ich versuchen, über ein Diensttelefon den Bornholmer Posten zu erreichen und ihm die Anweisung zum Öffnen der Grenze zu geben. Die Menschen in ihren Autos machen keine Schwierigkeiten, sie sind, ungeachtetet der Warterei, in aufgekratzter Stimmung. Sie manövrieren ihre Wagen auseinander und lassen mich passieren.

Im Südosten ist die Zufahrt zum Grenzübergang nicht verstopft wie die Bornholmer. Hier kommt man nur zu Fuß an die Grenze. Als ich aussteige, nähert sich ein Zivilist, strafft sich und schnarrt im Melde-Duktus: »Genosse Schabowski, Sie lassen sie jetzt durch. Keine besonderen Vorkommnisse.« Es ist vermutlich einer von Mielkes Leuten, die er an der Grenze postiert hat. Auch hier hat es offensichtlich eine zeitweilige Stockung gegeben. Sie scheint nun durch eine nachgeholte Weisung, womöglich des zuständigen Innenministeriums, behoben zu sein. Ich gehe von hinten an die Menschentraube heran, die sich am Grenzübergang drängt. Die Bürger ziehen mit gezücktem Personalausweis durch den Trichter, die Posten winken sie durch. Ich verzichte auf ein Vorsprechen bei den Grenzposten, um keine Unterbrechung des in Gang gekommenen friedlichen Ablaufs zu verursachen.

Ein Riesenstein ist mir vom Herzen gefallen. Kein gewalttätiger Ausbruch. Keine Schüsse. Keine Verletzten. Die Grenzöffnung scheint mir trotz der kurzzeitigen Panne reibungslos über die Bühne zu gehen. Und sofort keimt wieder der Wunderglaube an den Bestand der DDR auf. Die Reisefreiheit wird uns Sympathien einbringen. Der gezückte Personalausweis – ist er nicht Ausdruck dafür, dass die Bürger den ruinierten Staat noch respektieren! So bin ich in dieser Stunde zwischen Bangen, Ängsten und Selbstbeschwichtigung äonenweit entfernt von den Gefühlen der Menschen, die nur einige Meter vor mir davon beseelt sind, endlich den Schritt in jene Freiheit zu tun, die sie uns abgetrotzt hatten.

Als ich ein zweites Mal an diesem Abend in Wandlitz eintreffe, rufe ich Krenz an. »Mordsstimmung«, sage ich. »Obwohl es anfänglich wieder eine Panne gegeben hat. Das hätte kreuzgefährlich werden können.« Er stimmt mir zu, als ich resümiere: »Ich glaube, das ist uns gelungen. Die heute rübergegangen sind, die kommen wieder.«

Unser Tunnelblick lässt keine weiterreichende Wahrnehmung der epochalen Auswirkung dieses Tages zu.

Das Gespräch endet ohne nähere Erörterung dessen, was die zeitweilige Komplikation verursacht hat. Wochen danach, als die Reisefreiheit das Fiasko der SED beschleunigt und schließlich unabwendbar besiegelt, lässt Krenz immer deutlicher durchblicken, Schabowski habe eigenmächtig die unverzügliche Reisefreiheit verkündet.

Die Tatsachen sagen etwas anderes. In der ZK-Sitzung am 9.November hatte mich Krenz gedrängt, auf der bevorstehenden Pressekonferenz die von uns nach dem Sturz Honeckers veranlasste neue Reiseregelung bekannt zu geben. Wir waren uns einig, dass wir uns damit vom zunehmenden öffentlichen Druck entlasten würden. Krenz hatte alle Materialien darüber vom Innenminister erhalten. Er hatte mir jedoch nichts von einer Durchführungsbestimmung zu der Verordnung gesagt. Vielleicht hatte er sie auch als unwesentlich ignoriert.

Aus dieser Durchführungsbestimmung ging hervor, dass die Regierung die Neuerung erst am 10.November um vier Uhr früh durch einen Rundfunksprecher bekannt geben wollte. In den Nachtstunden bis vier Uhr sollten dann auch die Grenzposten von der Regelung in Kenntnis gesetzt werden.

Noch am Abend des 9. November war jedoch die Mitteilung über die Grenzöffnung um die Welt gegangen. Sie hatte sich wie ein Lauffeuer in Berlin verbreitet, der von der Spaltung besonders heimgesuchten Stadt. Die Menschen strömten an die Grenze, sie wollten »sofort, unverzüglich« das Unglaubliche testen, das ein Schabowski verkündet hatte. Nur die Grenzer, ein paar Kilometer entfernt vom Ort der Pressekonferenz, hatte die Kunde nicht erreicht.

So entstand für Stunden an der Grenze eine unheilschwangere Situation. Sie hätte eskalieren können, wenn nicht die Menschen trotz der frustrierenden Blockade friedlich und nicht gewalttätig reagiert und wenn nicht die Grenzer auf eigene Faust die Grenze passierbar gemacht hätten. Das – so erfuhr ich später – geschah, kurz bevor ich an der Heinrich-Heine-Straße eintraf. Und nicht anders hatte sich der Stau an der Bornholmer Straße aufgelöst.

Ich aber vermutete eine organisatorische Panne im Informationsverlauf der Bürokratie. Stattdessen war ich ahnungslos selbst zum Pannenfall einer dem Untergang zusteuernden Macht geworden. Krenz hatte es verbockt, mir die terminlichen Eingrenzungen der Bürokratie nicht mitzuteilen. Im Grunde hätten diese eine Vorabinformation der Weltpresse ausgeschlossen.

So bleibt das eigentliche, wenn auch verblasste Wunder des 9. November 1989, dass sich die unklare Situation nirgendwo zum blutigen Wirrwarr auswuchs. Widerstand und Druck der Menschen hatte das SED-Regime dazu gebracht, die Reisefreiheit zu verfügen. Die besonnene Courage der Menschen hat am 9. November die Schlagbäume hochgehen lassen und so die unmittelbare Umsetzung der neuen Reisefreiheit bewirkt.

Noch Tage danach waren wir nicht in der Lage, ungeschminkt den fortschreitenden Verfall zu begreifen. Die Rotation des Untergangs war durch eine hektische Betriebsamkeit überdeckt. So kam ich nicht dazu, die eigentliche Ursache der von mir vermuteten Panne aufzuspüren. Auch Krenz äußerte sich nicht näher. Am Ende waren es zwei Vorfälle, die mir klarmachten, dass man in den eignen Reihen längst den »Schuldigen« an der Grenzöffnung und damit am akuten, endgültigen Niedergang der Partei ausgemacht hatte. Die schlüssige Logik dieses Zusammenhangs will der Autor nicht bestreiten.

Anfang Dezember traten jene zurück, die Honecker entmachtet hatten, um der Partei, der nun ein Chef mit gefälliger Rhetorik vorstand, zusätzlich mehr mimische Unbedenklichkeit zu verschaffen. Auch mein freiwilliger Rücktritt verriet die noch immer in mir pulsende Parteiergebenheit.

Zu den neuen Parteioberen gehörte inzwischen der vom Spionagechef zum Literaten gewandelte Markus Wolf. Ich begegnete ihm auf der Politbüro-Etage, die ich gerade verließ und auf der er sein neues Büro in Augenschein nahm. Er drückte mir, dem suspekten Maueröffner, tatsächlich die Hand, sagte kühl grienend: »Die Reiseregelung war euer großer Fehler«, und verschwand in seinem Büro.

Anfang Januar 1990 sollte ich in weitaus unverblümterer Weise an meine Sündenlast vom 9. November erinnert werden. Es war ein Gericht namens Parteikontrollkommission. Verhandelt wurde der Ausschluss aller früheren Politbüromitglieder aus der Partei. Nach zwölfstündiger Wartezeit wurde ich gegen 23 Uhr vorgeladen. Als man mir vorwarf, ich hätte mit der Grenzöffnung die DDR aufs Spiel gesetzt und mich an der Partei vergangen, versuchte der Kommissionsvorsitzende, ein ehemaliger DDR-Staatsanwalt, die Genossen Beisitzer zu beschwichtigen. Er befürchtete wohl, wenn der Angeklagte mit diesem Schuldvorwurf an die Öffentlichkeit ginge, könnte daraus der SED-PDS bei ihrer »Erneuerung« politisch ein Strick gedreht werden. Aber ich war damals zu solchen Finessen gar nicht fähig. Ich kochte vor Wut über meine bornierten Partei-Richter. Mit den Worten »Auf Nimmerwiedersehen!« verließ ich den Raum und knallte die Tür hinter mir zu.

Erst Tage später begriff ich, dass sich damit für mich eine andere Tür geöffnet hatte, die zu meiner Selbstfindung, zur geistigen Selbstbefreiung. Letztlich hatte der Mauerfall neben seinem weltverändernden Impuls auch den Beton in einem Parteikopf bersten lassen – in meinem eigenen.

 
Leser-Kommentare
    • Rades.
    • 22.03.2009 um 18:05 Uhr

    Eine blutige US-Operation im Norden Afghanistans hat nach stern.de-Informationen die Führung der Bundeswehr brüskiert: Ohne jede Abstimmung drangen Amerikaner in das Haus eines Bezirksbürgermeisters ein und töteten fünf Menschen - darunter zwei Hausangestellte und den Koch.

    US-Truppen haben nach stern.de-Informationen die Führung der Bundeswehr in Nordafghanistan schwer brüskiert. Ohne es anzukündigen oder abzustimmen, drang ein US-Kommando in das Haus des Bürgermeisters des Bezirks Emamsahib, Sufi Manan, ein. Dort töteten sie zwei Leibwächter, zwei Hausangestellte und den Koch. Zwei Angehörige Manans seien gefangen genommen worden, teilte die afghanische Polizei mit.

    Unter den deutschen Truppen, die den Norden Afghanistans kontrollieren, hat der Vorfall für erhebliche Verstimmung gesorgt. Die Motive der Amerikaner seien unklar, da Manan nicht zu den Anhängern der Taliban gehöre. Die Tötungen würden außerdem die militärische Lage im Norden destabilisieren, da nun mit Racheakten zu rechnen sei, hieß es.

    cr mit Agenturen

    Wieso wird das in der Zeit nicht erwaehnt. Wieso bringen diese Spinner deutsche Soldaten in Gefahr!!!!???

  1. ... dazu tendiert, seinen Beitrag zum Fall der Mauer etwas aufzuhübschen, bleiben zwei Dinge, die bemerkenswert sind.

    Das ist zuerst die Tatsache eines "Wunders", eines Wunders darüber, dass bei der unklaren Nachrichtenlage für die DDR-Grenztruppen kein einziger Schuss fiel...und zweitens die Tatsache, dass Günter Schabowski einer der Wenigen, vielleicht sogar der Einzige der ehemaligen Politbüromitglieder ist, der die Wende voll und ganz begrüsst hat und dem Verschwinden der DDR nicht nachtrauert.

  2. Wenn man die geistigen Ergüsse des SPD-Ministerpräsidenten Sellering liest, der viel Gutes in der DDR zu erkennen glaubt, hätte man die Mauer besser zugelassen. Was Sellerings Mecklenburg-Vorpommern anbelangt, sollte man ernsthaft darüber nachdenken, sie wieder hochzuziehen, damit er mal so richtig die Vorzüge des DDR-Regimes genießen kann. MannoMann von was für Diktaturen-Freunde wird dieses Land mittlerweile nur regiert? Langsam aber sicher wird es wirklich Zeit, solchen Dummköpfen massiv Widerstand zu leisten.

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    Egal wie es Herr Sellering gemeint hat, er ist wieder mal einer, der es gewagt hat, in der DDR Gutes zu entdecken. Und da müssen die in die Spur gehen, die natürlich empört den Unrechtsstaat betonen müssen. Es stimmt, die DDR war eine Ditkatur mit allem, was eine Diktatur ausmacht. Aber, Entschuldigung, wir waren 17 Millionen Menschen und der größte Teil von ihnen waren rechtschaffene Leute, die auch nur leben wollten und das Pech hatten, in diesen Grenzen zu leben und leben zu müssen. Wir haben gesungen, getanzt und gelacht, wir haben gegegssen und gefeiert und sogar Kinder gezeugt. Mitten hinein in diesen Staat. Es gab Leute, denen es gut ging und die sich einen "Wartburg" leisten konnten und es gab Leute, die schafften es nicht zum Trabbi. Und wir haben uns nicht alle nur moralisch verdreht, wir haben nur das gemacht, was man in jedem Land macht: um zu Überleben und durchzukommen hat sich mancher angepaßt und gesagt, was er nicht geglaubt hat. Nur das ist in der Demokratie nicht anders. Heute werden Daten gesammelt, von denen keiner weiß, wer sie mal in die Hände kriegt, die einen bangen um ihren Arbeitsplatz und der Herr Mehdorn darf AUS POLITISCHEN GRÜNDEN weiter sein Unwesen treiben. Aber ich will nicht vergleichen, ich finde es nur traurig, wenn mit den Pfeilen auf andere die eigene Gütigkeit herausgestellt werden soll. Wenn es um die Macht geht, ist es mit Moral und Anstand schnell vorbei. Dem politischen System der DDR trauere ich nicht nach, umso peinlicher, wenn dann damalige Zustände plötzlich in der Demokratie wieder erfunden werden (die Ganztagsschule wollten schon die Russen in der DDR einführen, Gott sei Dank wurde das den Kindern erspart - nun holt uns diese Fehlgeburt der Pädagogik ein.). Warum darf man nicht sagen: das war gut, ohne als Diktaturen-Freund beschimpft zu werden? Soll ich mich für mein Leben im Unrechtsstaat entschuldigen müssen, nur weil ich einfach gelebt habe? Und soll ich diese Zeit immer nur beschimpfen müssen, nur um nicht als ewig gestrig verschrien zu werden. Die DDR war nicht gut, aber wir haben Gutes erlebt und manches (!) auch gut gestaltet. Und manche Pflicht-Brigade-Veranstaltung hat glatt dazu geführt, dass Freundschaften entstanden. Nein, ich beschönige nichts. Aber es kotzt mich an, immer nur als einer aus dem Unrechtsstaat beschimpft zu werden. Wir brauchten unsere Kräfte nötiger um zu verhindern, dass der heutige Staat in die Unmenschlichkeit abrutscht. Demokratien sind nicht an sich gut, man muß sie gestalten. Und damit sollten anfangen.

    Egal wie es Herr Sellering gemeint hat, er ist wieder mal einer, der es gewagt hat, in der DDR Gutes zu entdecken. Und da müssen die in die Spur gehen, die natürlich empört den Unrechtsstaat betonen müssen. Es stimmt, die DDR war eine Ditkatur mit allem, was eine Diktatur ausmacht. Aber, Entschuldigung, wir waren 17 Millionen Menschen und der größte Teil von ihnen waren rechtschaffene Leute, die auch nur leben wollten und das Pech hatten, in diesen Grenzen zu leben und leben zu müssen. Wir haben gesungen, getanzt und gelacht, wir haben gegegssen und gefeiert und sogar Kinder gezeugt. Mitten hinein in diesen Staat. Es gab Leute, denen es gut ging und die sich einen "Wartburg" leisten konnten und es gab Leute, die schafften es nicht zum Trabbi. Und wir haben uns nicht alle nur moralisch verdreht, wir haben nur das gemacht, was man in jedem Land macht: um zu Überleben und durchzukommen hat sich mancher angepaßt und gesagt, was er nicht geglaubt hat. Nur das ist in der Demokratie nicht anders. Heute werden Daten gesammelt, von denen keiner weiß, wer sie mal in die Hände kriegt, die einen bangen um ihren Arbeitsplatz und der Herr Mehdorn darf AUS POLITISCHEN GRÜNDEN weiter sein Unwesen treiben. Aber ich will nicht vergleichen, ich finde es nur traurig, wenn mit den Pfeilen auf andere die eigene Gütigkeit herausgestellt werden soll. Wenn es um die Macht geht, ist es mit Moral und Anstand schnell vorbei. Dem politischen System der DDR trauere ich nicht nach, umso peinlicher, wenn dann damalige Zustände plötzlich in der Demokratie wieder erfunden werden (die Ganztagsschule wollten schon die Russen in der DDR einführen, Gott sei Dank wurde das den Kindern erspart - nun holt uns diese Fehlgeburt der Pädagogik ein.). Warum darf man nicht sagen: das war gut, ohne als Diktaturen-Freund beschimpft zu werden? Soll ich mich für mein Leben im Unrechtsstaat entschuldigen müssen, nur weil ich einfach gelebt habe? Und soll ich diese Zeit immer nur beschimpfen müssen, nur um nicht als ewig gestrig verschrien zu werden. Die DDR war nicht gut, aber wir haben Gutes erlebt und manches (!) auch gut gestaltet. Und manche Pflicht-Brigade-Veranstaltung hat glatt dazu geführt, dass Freundschaften entstanden. Nein, ich beschönige nichts. Aber es kotzt mich an, immer nur als einer aus dem Unrechtsstaat beschimpft zu werden. Wir brauchten unsere Kräfte nötiger um zu verhindern, dass der heutige Staat in die Unmenschlichkeit abrutscht. Demokratien sind nicht an sich gut, man muß sie gestalten. Und damit sollten anfangen.

  3. Im Grundgesetz steht :" Die Würde des Menschen ist unantastbar " und " Jeder hat das Recht seine Meinung frei zu äußern ". Eigentlich sind es diese zwei Präambeln, die basislegend zum Begriff Freiheit gehören. Wie sieht es damit aus in der Bundesrepublik Deutschland ? Es sind nur die Meinungen frei, die dem political correctness Rechnung tragen. Äußert jemand Zweifel am Holocaust , kritisiert jemand Israel und die Juden, sagt jemand Neger statt Farbiger oder Zigeuner statt Roma ist es mit der Würde desjenigen nicht mehr weit her und die Meinungsfreiheit gilt nicht mehr: Nun frage ich mich besorgt, was ist das denn anderes als eine " etwas anders geartete Diktatur ".

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    Meinungsfreiheit heißt nicht, jeder kann UNWIDERSPROCHEN Blödsinn erzählen, sondern Meinungsfreiheit bedeutet: Das Äussern einer Meinung wird nicht (von staatlicher Seite) bestraft. Schon am Arbeitsplatz sieht das anders aus und dort könnte man durchaus auch von fehlender Meinungsfreiheit sprechen.

    ABER: Wenn jemand eine andere Aussage kritisiert, so ist das keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, gleich wenn dadurch des Kritisierten Ruf durchaus leiden kann. Immerhin trifft entweder die Kritik durchaus zu, so handelt es sich tatsächlich um eine Meinungsäusserung, oder aber sie ist aus der Luft gegriffen, was im Zweifelsfalle den Straftatsbestand der Verleumdung erfüllte - zumindest sofern tatsächlich ein Ruf zu leiden hatte. In der Regel ist Ersteres der Fall.

    Was Ihre Beispiele anbelangt, so frage ich mich, warum sie so tief in die Mottenkiste greifen müssen und dann auch noch so daneben. Zweifelsohne ist die Leugnung der Massenmorder der Nazis und damit insbesondere des Holocaustes verboten. Das sieht erst einmal merkwürdig aus (immerhin wird dem Menschen sonst die Dummheit nicht untersagt) eine Abschaffung aber stärkte ärgerlicher Weise noch üblere Geister. Das bedeutet allerdings nicht, jegliches Zweifeln stünde unter Strafe - gleichwenn wer sich mit den historischen Quellen beschäftigt wohl seine Zweifel mehr als ausräumen kann. Aber wie Sie auf die Idee kommen, die Meinungsfreiheit gülte nicht für Menschen, die Israel kritisieren (was auch immer das sein mag?) frage ich mich dann doch. Wenn ich Zeitungen aufschlage, so finde ich zuhauf Kritik am Handeln des Staates Israel, nicht nur hier in der Zeit, sondern in den meisten Medien dieses Landes - die meisten davon haben sogar die Propaganda der Hamas bei der letztigen Gaza Aktion ohne nähere Prüfung übernommen, mindestens was die Zahlen der Opfer anbelangte. Was also soll verboten sein? Oder meinen sie etwa Herrn Blüm, der einen Parteikollegen aus Frankfurt anmaulte, er möge doch bitte aus dem Gaza-Streifen abziehen. Wer da einen Zusammenhang feststellt, erkennt auch, vielleicht wurde Herr Blüm nicht zu unrecht kritisiert. Ausserdem welche Folgen hatte es ansonsten für Herrn Blüm? Keine, er ist weiterhin Mitglied der CDU und auch die katholische Kirche hat ihn weder exkommuniziert noch in ihren Karfreitagsfürbitten seine Vernunft erbeten, ich wette sogar, seine Nachbarn und Freunde grüßen ihn auch weiterhin. Wo also ist das Problem?

    Nein, von Diktatur kann wohl keine Rede sein. Die Meiungsfreiheit wird garantiert und auch grobster Unfug bleibt erlaubt. Das heißt allerdings nicht, es werde jedem abgenommen, sich so zu erklären, dass andere auch bereit sind zuzuhören. Denn unterschiedlich sind die Menschen und sie hören eben auch nur selektiv zu.

    Manchmal lässt sich nur mit dem Kopf schütteln, in welcher Gesellschaft man doch lebt.

    Meinungsfreiheit heißt nicht, jeder kann UNWIDERSPROCHEN Blödsinn erzählen, sondern Meinungsfreiheit bedeutet: Das Äussern einer Meinung wird nicht (von staatlicher Seite) bestraft. Schon am Arbeitsplatz sieht das anders aus und dort könnte man durchaus auch von fehlender Meinungsfreiheit sprechen.

    ABER: Wenn jemand eine andere Aussage kritisiert, so ist das keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, gleich wenn dadurch des Kritisierten Ruf durchaus leiden kann. Immerhin trifft entweder die Kritik durchaus zu, so handelt es sich tatsächlich um eine Meinungsäusserung, oder aber sie ist aus der Luft gegriffen, was im Zweifelsfalle den Straftatsbestand der Verleumdung erfüllte - zumindest sofern tatsächlich ein Ruf zu leiden hatte. In der Regel ist Ersteres der Fall.

    Was Ihre Beispiele anbelangt, so frage ich mich, warum sie so tief in die Mottenkiste greifen müssen und dann auch noch so daneben. Zweifelsohne ist die Leugnung der Massenmorder der Nazis und damit insbesondere des Holocaustes verboten. Das sieht erst einmal merkwürdig aus (immerhin wird dem Menschen sonst die Dummheit nicht untersagt) eine Abschaffung aber stärkte ärgerlicher Weise noch üblere Geister. Das bedeutet allerdings nicht, jegliches Zweifeln stünde unter Strafe - gleichwenn wer sich mit den historischen Quellen beschäftigt wohl seine Zweifel mehr als ausräumen kann. Aber wie Sie auf die Idee kommen, die Meinungsfreiheit gülte nicht für Menschen, die Israel kritisieren (was auch immer das sein mag?) frage ich mich dann doch. Wenn ich Zeitungen aufschlage, so finde ich zuhauf Kritik am Handeln des Staates Israel, nicht nur hier in der Zeit, sondern in den meisten Medien dieses Landes - die meisten davon haben sogar die Propaganda der Hamas bei der letztigen Gaza Aktion ohne nähere Prüfung übernommen, mindestens was die Zahlen der Opfer anbelangte. Was also soll verboten sein? Oder meinen sie etwa Herrn Blüm, der einen Parteikollegen aus Frankfurt anmaulte, er möge doch bitte aus dem Gaza-Streifen abziehen. Wer da einen Zusammenhang feststellt, erkennt auch, vielleicht wurde Herr Blüm nicht zu unrecht kritisiert. Ausserdem welche Folgen hatte es ansonsten für Herrn Blüm? Keine, er ist weiterhin Mitglied der CDU und auch die katholische Kirche hat ihn weder exkommuniziert noch in ihren Karfreitagsfürbitten seine Vernunft erbeten, ich wette sogar, seine Nachbarn und Freunde grüßen ihn auch weiterhin. Wo also ist das Problem?

    Nein, von Diktatur kann wohl keine Rede sein. Die Meiungsfreiheit wird garantiert und auch grobster Unfug bleibt erlaubt. Das heißt allerdings nicht, es werde jedem abgenommen, sich so zu erklären, dass andere auch bereit sind zuzuhören. Denn unterschiedlich sind die Menschen und sie hören eben auch nur selektiv zu.

    Manchmal lässt sich nur mit dem Kopf schütteln, in welcher Gesellschaft man doch lebt.

  4. Egal wie es Herr Sellering gemeint hat, er ist wieder mal einer, der es gewagt hat, in der DDR Gutes zu entdecken. Und da müssen die in die Spur gehen, die natürlich empört den Unrechtsstaat betonen müssen. Es stimmt, die DDR war eine Ditkatur mit allem, was eine Diktatur ausmacht. Aber, Entschuldigung, wir waren 17 Millionen Menschen und der größte Teil von ihnen waren rechtschaffene Leute, die auch nur leben wollten und das Pech hatten, in diesen Grenzen zu leben und leben zu müssen. Wir haben gesungen, getanzt und gelacht, wir haben gegegssen und gefeiert und sogar Kinder gezeugt. Mitten hinein in diesen Staat. Es gab Leute, denen es gut ging und die sich einen "Wartburg" leisten konnten und es gab Leute, die schafften es nicht zum Trabbi. Und wir haben uns nicht alle nur moralisch verdreht, wir haben nur das gemacht, was man in jedem Land macht: um zu Überleben und durchzukommen hat sich mancher angepaßt und gesagt, was er nicht geglaubt hat. Nur das ist in der Demokratie nicht anders. Heute werden Daten gesammelt, von denen keiner weiß, wer sie mal in die Hände kriegt, die einen bangen um ihren Arbeitsplatz und der Herr Mehdorn darf AUS POLITISCHEN GRÜNDEN weiter sein Unwesen treiben. Aber ich will nicht vergleichen, ich finde es nur traurig, wenn mit den Pfeilen auf andere die eigene Gütigkeit herausgestellt werden soll. Wenn es um die Macht geht, ist es mit Moral und Anstand schnell vorbei. Dem politischen System der DDR trauere ich nicht nach, umso peinlicher, wenn dann damalige Zustände plötzlich in der Demokratie wieder erfunden werden (die Ganztagsschule wollten schon die Russen in der DDR einführen, Gott sei Dank wurde das den Kindern erspart - nun holt uns diese Fehlgeburt der Pädagogik ein.). Warum darf man nicht sagen: das war gut, ohne als Diktaturen-Freund beschimpft zu werden? Soll ich mich für mein Leben im Unrechtsstaat entschuldigen müssen, nur weil ich einfach gelebt habe? Und soll ich diese Zeit immer nur beschimpfen müssen, nur um nicht als ewig gestrig verschrien zu werden. Die DDR war nicht gut, aber wir haben Gutes erlebt und manches (!) auch gut gestaltet. Und manche Pflicht-Brigade-Veranstaltung hat glatt dazu geführt, dass Freundschaften entstanden. Nein, ich beschönige nichts. Aber es kotzt mich an, immer nur als einer aus dem Unrechtsstaat beschimpft zu werden. Wir brauchten unsere Kräfte nötiger um zu verhindern, dass der heutige Staat in die Unmenschlichkeit abrutscht. Demokratien sind nicht an sich gut, man muß sie gestalten. Und damit sollten anfangen.

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    • Zaphod
    • 23.03.2009 um 18:26 Uhr

    Ich frage mich oft, was können wir dafür, dass wir in diese Diktatur hineingeboren wurden? Sollen wir uns noch dafür entschuldigen? Im Gegenteil! Wir haben schließlich auch etwas geleistet und geschaffen, trotz dieser Mangelwirtschaft. Ja, wir haben sogar schöne Momente erlebt. Freundschaften waren intensiver, Zusammenhalt an der Tageordnung. Wir haben also das Beste daraus gemacht und sind irgendwie durchgekommen. Und als es unerträglich wurde, haben wir das einzig Richtige getan: Wir haben unseren Kopf an zahlreichen Montagen hingehalten, um diesem Unrecht den Garaus zu machen. Dazu hat viel Mut gehört und darauf können wir stolz sein.

    Stattdessen wird uns unser Hintergrund noch heute vorgehalten. Keinen interessiert, dass wir aus einer anderen Gesellschaftsordnung kommen und die uns- ob wir es wollten oder nicht - doch geprägt hat. Das hat einen Anpassungsprozess von uns gefordert, der nicht immer einfach war. Auch darauf können wir stolz sein, dass wir auch in diesem neuen System unseren Weg machen, trotz schlechterer Voraussetzungen!

    Deshalb möchte ich mich nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich aus dem Osten komme oder gar auf meine Heimat schimpfen müssen. Schlimm genug, dass ich dort nicht leben kann, weil es noch immer nicht genügend Arbeitsplätze für qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, an die schönen Augenblicke zu denken, genauso wenig wie ich die Unterdrückung und Drangsalierung durch den Staat und seine Organisationen vergessen werde!

    Lasst uns doch froh sein, dass wir die Wende '89 geschafft haben und jetzt in einem Rechtsstaat leben. Damit können wir endlich mit der ewig selben Leier über die DDR aufhören. Das hilft heute keinem mehr weiter! Lasst uns lieber gemeinsam mit unseren Stärken aus West und Ost unsere Demokratie gestalten - denn die hat es auch nötig...

    • Harzer
    • 26.05.2009 um 12:34 Uhr

    Mit der Einzeldiskussion: " War dieses nun Unrecht und dieses evetuell nicht " lassen viele, glaube ich, den gößeren " Überblick " außer acht.
    Ist es nicht so:
    Die DDR war ein Unrechtsstaat in dem es zu 30% auch gerecht zuging. Die BRD ist natürlich ein Rechtsstaat in dem es zu 30% ungercht zugeht. Wir haben uns immerhin verbessert.
    Können wir uns darauf ausruhen, oder müssen wir weiter ackern ?

    Euer ( Ex-Ost- ) Harzer

    • Zaphod
    • 23.03.2009 um 18:26 Uhr

    Ich frage mich oft, was können wir dafür, dass wir in diese Diktatur hineingeboren wurden? Sollen wir uns noch dafür entschuldigen? Im Gegenteil! Wir haben schließlich auch etwas geleistet und geschaffen, trotz dieser Mangelwirtschaft. Ja, wir haben sogar schöne Momente erlebt. Freundschaften waren intensiver, Zusammenhalt an der Tageordnung. Wir haben also das Beste daraus gemacht und sind irgendwie durchgekommen. Und als es unerträglich wurde, haben wir das einzig Richtige getan: Wir haben unseren Kopf an zahlreichen Montagen hingehalten, um diesem Unrecht den Garaus zu machen. Dazu hat viel Mut gehört und darauf können wir stolz sein.

    Stattdessen wird uns unser Hintergrund noch heute vorgehalten. Keinen interessiert, dass wir aus einer anderen Gesellschaftsordnung kommen und die uns- ob wir es wollten oder nicht - doch geprägt hat. Das hat einen Anpassungsprozess von uns gefordert, der nicht immer einfach war. Auch darauf können wir stolz sein, dass wir auch in diesem neuen System unseren Weg machen, trotz schlechterer Voraussetzungen!

    Deshalb möchte ich mich nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich aus dem Osten komme oder gar auf meine Heimat schimpfen müssen. Schlimm genug, dass ich dort nicht leben kann, weil es noch immer nicht genügend Arbeitsplätze für qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, an die schönen Augenblicke zu denken, genauso wenig wie ich die Unterdrückung und Drangsalierung durch den Staat und seine Organisationen vergessen werde!

    Lasst uns doch froh sein, dass wir die Wende '89 geschafft haben und jetzt in einem Rechtsstaat leben. Damit können wir endlich mit der ewig selben Leier über die DDR aufhören. Das hilft heute keinem mehr weiter! Lasst uns lieber gemeinsam mit unseren Stärken aus West und Ost unsere Demokratie gestalten - denn die hat es auch nötig...

    • Harzer
    • 26.05.2009 um 12:34 Uhr

    Mit der Einzeldiskussion: " War dieses nun Unrecht und dieses evetuell nicht " lassen viele, glaube ich, den gößeren " Überblick " außer acht.
    Ist es nicht so:
    Die DDR war ein Unrechtsstaat in dem es zu 30% auch gerecht zuging. Die BRD ist natürlich ein Rechtsstaat in dem es zu 30% ungercht zugeht. Wir haben uns immerhin verbessert.
    Können wir uns darauf ausruhen, oder müssen wir weiter ackern ?

    Euer ( Ex-Ost- ) Harzer

    • Zaphod
    • 23.03.2009 um 18:26 Uhr

    Ich frage mich oft, was können wir dafür, dass wir in diese Diktatur hineingeboren wurden? Sollen wir uns noch dafür entschuldigen? Im Gegenteil! Wir haben schließlich auch etwas geleistet und geschaffen, trotz dieser Mangelwirtschaft. Ja, wir haben sogar schöne Momente erlebt. Freundschaften waren intensiver, Zusammenhalt an der Tageordnung. Wir haben also das Beste daraus gemacht und sind irgendwie durchgekommen. Und als es unerträglich wurde, haben wir das einzig Richtige getan: Wir haben unseren Kopf an zahlreichen Montagen hingehalten, um diesem Unrecht den Garaus zu machen. Dazu hat viel Mut gehört und darauf können wir stolz sein.

    Stattdessen wird uns unser Hintergrund noch heute vorgehalten. Keinen interessiert, dass wir aus einer anderen Gesellschaftsordnung kommen und die uns- ob wir es wollten oder nicht - doch geprägt hat. Das hat einen Anpassungsprozess von uns gefordert, der nicht immer einfach war. Auch darauf können wir stolz sein, dass wir auch in diesem neuen System unseren Weg machen, trotz schlechterer Voraussetzungen!

    Deshalb möchte ich mich nicht dafür entschuldigen müssen, dass ich aus dem Osten komme oder gar auf meine Heimat schimpfen müssen. Schlimm genug, dass ich dort nicht leben kann, weil es noch immer nicht genügend Arbeitsplätze für qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Ich werde es mir nicht nehmen lassen, an die schönen Augenblicke zu denken, genauso wenig wie ich die Unterdrückung und Drangsalierung durch den Staat und seine Organisationen vergessen werde!

    Lasst uns doch froh sein, dass wir die Wende '89 geschafft haben und jetzt in einem Rechtsstaat leben. Damit können wir endlich mit der ewig selben Leier über die DDR aufhören. Das hilft heute keinem mehr weiter! Lasst uns lieber gemeinsam mit unseren Stärken aus West und Ost unsere Demokratie gestalten - denn die hat es auch nötig...

  5. Meinungsfreiheit heißt nicht, jeder kann UNWIDERSPROCHEN Blödsinn erzählen, sondern Meinungsfreiheit bedeutet: Das Äussern einer Meinung wird nicht (von staatlicher Seite) bestraft. Schon am Arbeitsplatz sieht das anders aus und dort könnte man durchaus auch von fehlender Meinungsfreiheit sprechen.

    ABER: Wenn jemand eine andere Aussage kritisiert, so ist das keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, gleich wenn dadurch des Kritisierten Ruf durchaus leiden kann. Immerhin trifft entweder die Kritik durchaus zu, so handelt es sich tatsächlich um eine Meinungsäusserung, oder aber sie ist aus der Luft gegriffen, was im Zweifelsfalle den Straftatsbestand der Verleumdung erfüllte - zumindest sofern tatsächlich ein Ruf zu leiden hatte. In der Regel ist Ersteres der Fall.

    Was Ihre Beispiele anbelangt, so frage ich mich, warum sie so tief in die Mottenkiste greifen müssen und dann auch noch so daneben. Zweifelsohne ist die Leugnung der Massenmorder der Nazis und damit insbesondere des Holocaustes verboten. Das sieht erst einmal merkwürdig aus (immerhin wird dem Menschen sonst die Dummheit nicht untersagt) eine Abschaffung aber stärkte ärgerlicher Weise noch üblere Geister. Das bedeutet allerdings nicht, jegliches Zweifeln stünde unter Strafe - gleichwenn wer sich mit den historischen Quellen beschäftigt wohl seine Zweifel mehr als ausräumen kann. Aber wie Sie auf die Idee kommen, die Meinungsfreiheit gülte nicht für Menschen, die Israel kritisieren (was auch immer das sein mag?) frage ich mich dann doch. Wenn ich Zeitungen aufschlage, so finde ich zuhauf Kritik am Handeln des Staates Israel, nicht nur hier in der Zeit, sondern in den meisten Medien dieses Landes - die meisten davon haben sogar die Propaganda der Hamas bei der letztigen Gaza Aktion ohne nähere Prüfung übernommen, mindestens was die Zahlen der Opfer anbelangte. Was also soll verboten sein? Oder meinen sie etwa Herrn Blüm, der einen Parteikollegen aus Frankfurt anmaulte, er möge doch bitte aus dem Gaza-Streifen abziehen. Wer da einen Zusammenhang feststellt, erkennt auch, vielleicht wurde Herr Blüm nicht zu unrecht kritisiert. Ausserdem welche Folgen hatte es ansonsten für Herrn Blüm? Keine, er ist weiterhin Mitglied der CDU und auch die katholische Kirche hat ihn weder exkommuniziert noch in ihren Karfreitagsfürbitten seine Vernunft erbeten, ich wette sogar, seine Nachbarn und Freunde grüßen ihn auch weiterhin. Wo also ist das Problem?

    Nein, von Diktatur kann wohl keine Rede sein. Die Meiungsfreiheit wird garantiert und auch grobster Unfug bleibt erlaubt. Das heißt allerdings nicht, es werde jedem abgenommen, sich so zu erklären, dass andere auch bereit sind zuzuhören. Denn unterschiedlich sind die Menschen und sie hören eben auch nur selektiv zu.

    Manchmal lässt sich nur mit dem Kopf schütteln, in welcher Gesellschaft man doch lebt.

    Antwort auf "Diktatur"
    • Harzer
    • 26.05.2009 um 12:34 Uhr

    Mit der Einzeldiskussion: " War dieses nun Unrecht und dieses evetuell nicht " lassen viele, glaube ich, den gößeren " Überblick " außer acht.
    Ist es nicht so:
    Die DDR war ein Unrechtsstaat in dem es zu 30% auch gerecht zuging. Die BRD ist natürlich ein Rechtsstaat in dem es zu 30% ungercht zugeht. Wir haben uns immerhin verbessert.
    Können wir uns darauf ausruhen, oder müssen wir weiter ackern ?

    Euer ( Ex-Ost- ) Harzer

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