Bankhilfen Hilfst du mir…

Deutschland profitiert, wenn im Ausland die Banken gestützt werden

Auch die stolze Deutsche Bank hat Staatshilfe angenommen. Nicht aus Berlin – bekanntlich lehnt es Bankchef Josef Ackermann vehement ab, sich unter die Fittiche des Finanzmarktstabilisierungsfonds zu begeben. Aber aus Washington: Der Versicherungskonzern AIG hat 11,8 Milliarden Dollar nach Frankfurt überwiesen – finanziert aus Washington.

Mit der KfW, der DZ Bank und der Dresdner Bank haben weitere deutsche Institute aus dieser Quelle Geld erhalten. Die Banken hatten ihre toxischen Wertpapiere bei AIG gegen Zahlungsausfälle versichert – und der Wert dieser Papiere sinkt, weil es wahrscheinlicher wird, dass die zugrunde liegenden Kredite nicht mehr zurückbezahlt werden können. AIG wiederum ist de facto ein Staatsbetrieb. Das Unternehmen ist noch am Leben, weil es von der Regierung, die vier Fünftel der Anteile hält, mit 170 Milliarden Dollar gestützt wurde.

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Die AIG-Episode lehrt zweierlei. Erstens: Auch Banken, die Staatshilfen nicht direkt in Anspruch nehmen, können ohne den Steuerzahler derzeit nicht überleben. Alle großen Banken machen untereinander Geschäfte: Sie verleihen sich Geld und sichern sich gegenseitig gegen Marktschwankungen ab. Eine Pleite der deutschen Immobilienbank Hypo Real Estate beispielsweise würde weitere Löcher in die Bilanzen ihrer Geschäftspartner reißen. Wenn der Staat die Hypo Real Estate stützt, dann stützt er auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Zweitens: In einer globalisierten Wirtschaft profitiert immer auch das Ausland von staatlichen Rettungsaktionen. Das sollten jene bedenken, die jetzt bei uns davor warnen, dass mögliche Staatshilfen für Opel »nach Amerika abfließen«, dass Konjunkturprogramme »versickern« oder vom Staat gerettete Banken womöglich neue Kredite in Osteuropa vergeben.

Natürlich hilft es der chinesischen Industrie, wenn deutsche Verbraucher dank des Berliner Konjunkturprogramms Elektrogeräte aus Asien kaufen können. Genauso aber nützt es den deutschen Exportfirmen, wenn China die dortige Nachfrage ankurbelt.

Deutschland ist Exportweltmeister, und die hiesigen Banken haben mehr Geld jenseits deutscher Grenzen angelegt als ihre Konkurrenten in anderen Ländern. Auf unvorstellbare 4299 Milliarden Dollar belaufen sich diese Auslandsengagements. Wenn im Ausland gerettet wird, dann profitieren gerade wir davon.

 
Leser-Kommentare
    • lispm
    • 18.03.2009 um 12:26 Uhr

    Die von AIG verkauften Produkte waren ihr Geld nicht wert. Ratingagenturen haben AAA-Ratings für Schrott vergeben. Man erinnere sich, die Basis des Geschäfts waren Kredite an Hauskäufer, die sich diese Kredite nicht wirklich leisten konnten (weil sie z.B. arbeitslos waren, im Gefängnis sitzen, u.ä.). Schon die Versicherungsvertreter haben die Anträge frisiert. Die Kreditnehmer haben auch nicht immer wahrheitsgemässe Angaben gemacht. Auf Basis dieser Kredite wurden nun neue Produkte generiert (mit angeblich sehr geringem Risiko) und in alle Welt verkauft.

    Ich finde das nur normal, dass die USA für diese Produkte einstehen. Sollten sie es nicht tun, sind die USA als Geschäftspartner erledigt.

  1. Wenn im Ausland gerettet wird, dann profitieren gerade wir davon.

    Sicher, wenn gerettet wird.... Bei GM ist das eher nicht zu erwarten. Also, warum sollte der deutsche Steuerzahler dann in ein Fass ohne Boden investieren?

    • Chali
    • 18.03.2009 um 15:15 Uhr

    Wenn der Staat die Hypo Real Estate stützt, dann stützt er auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

    Und da die HRE nicht pleitegehen darf, muss Herr Franke jetzt viele viele Millionen bekommen, die - bei den vielen Milliarden! - ja sowieso nicht weiter auffallen.
    Und Herr Flowers sowieso. Sonst wird er traurig und plündert künftig nur noch Unternehmen in Amerika aus!

    Natürlich. Ganz eindeutig. Da führt kein Weg dran vorbei! Ganz klar!
    TINA, nicht: There is no alternative

    Unmittelbar einleuchtend!

  2. HRE hat ebenso wie viele andere Banken seine spekulativen Geschäfte mit strukturiertem Finanzmüll durch kurzfristige Kredite finanziert, welche abgelöst werden müssen. Hierfür werden hunderte von Milliarden Steuergelder benötigt. Mit dem Geld der Steuerzahler werden die Gläubiger der HRE bedient, welche wider alle wirtschaftliche Vernunft die Zockerei der HRE finanziert haben. Eine der Hauptnutzniesser ist wie bereits bei der AIG und der IKB die Deutsche Bank. Es geht bei der Verstaatlichung der HRE um nichts anderes als die Rettung dieser an der Zockerei beteiligten Banken. Lesen Sie das Buch "Geld arbeitet nicht" und Sie erkennen, was wirklich gespielt wird. Nur über eine geordnete Insolvenz kann es gelingen, die Gläubiger der HRE angemessen an den verursachten Verlusten zu beteiligen. Alle Schulden auf die Steuerzahler abzuwälzen ist ein Skandal, für den die verantwortlichen Politiker bei der nächsten Wahl hoffentlich abgestraft werden.

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