Spätabtreibungen Tragisch
Spätabtreibungen eignen sich nicht für ideologischen Streit
Manchmal trägt das Kind schon einen Namen, manchmal ist die erste Babywäsche schon gekauft. Keine Frau, die sich nach der 20. Schwangerschaftswoche zu einer Abtreibung entschließt, trifft diese Entscheidung leichtfertig. Anders als bei einem Abbruch in den ersten drei Monaten beendet die sogenannte Spätabtreibung den Traum von einem Wunschkind. Nur Frauen, die sich in einer schweren Notlage befinden, können diesen Schritt rechtfertigen – vor sich selbst, vor dem Ungeborenen, vor der Gesellschaft.
In der Regel bringt die Diagnose, ein stark behindertes Kind zu erwarten, die Frauen in diese Extremsituation. Einige Hundert Mal geschieht dies jedes Jahr. Im Vergleich zu den sonstigen Abtreibungen – rund 114.000 waren es 2008 – erscheint die Zahl klein. Doch jeder Fall ist ein Drama. Deshalb muss alles getan werden, um den Paaren bei ihrer Entscheidungsfindung beizustehen. Dies aber ist nicht der Fall, wie eine Anhörung im Bundestag jetzt erneut gezeigt hat.
Es ist deshalb richtig, Spätabbrüche besser zu regeln. Mehrere Vorschläge liegen dafür dem Bundestag vor. Liest man sie, erkennt man nur schwer die Unterschiede. Keiner will den Paragrafen 218 verändern, alle möchten die Beratung vor und nach der Pränataldiagnose verbessern. Strittig ist, wie verbindlich die medizinische und psychosoziale Begleitung sein soll und wie viel Zeit man sich für den Entschluss nehmen muss. Dabei fällt selbst der strikteste Entwurf moderat aus. Er fordert zwar eine Beratungspflicht. Doch soll diese nicht der Schwangeren auferlegt werden, sondern dem Arzt. Die Schwangere kann die Hilfe – übrigens anders als beim Abbruch vor der 12. Woche – zurückweisen. Zudem sollen zwischen Diagnose und Abbruch 3 Tage Bedenkzeit liegen, in Worten: drei.
In vielen Fällen geschieht beides bereits. Aber eben nicht in allen. Ein großer Teil der Paare fühlt sich nur schlecht oder gar nicht beraten; ein Drittel aller Abbrüche erfolgt schon in den ersten drei Tagen. Hier mehr Verbindlichkeit herzustellen ist der Sache angemessen und bedeutet weder für den Arzt noch für die Schwangere eine unzumutbare Belastung oder gar eine »Entmündigung«, wie Kritiker meinen. Im Gegenteil, eine qualifizierte Begleitung – durch Ärzte, Humangenetiker, Psychologen – kann das Selbstbestimmungsrecht der Frau erweitern.
Spätabtreibungen wird es immer geben, keine Frist oder Beratung wird die Zahl der Abbrüche merklich verringern. Den betroffenen Frauen jedoch kann beides helfen. Wenig ist so schlimm wie das Gefühl, eine lebenswichtige Entscheidung überhastet und ohne die notwendigen Informationen getroffen zu haben. Dies zu verhindern muss Ziel der Parlamentarier sein. Dafür sollte sich die große Mehrheit auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen.
- Datum 13.05.2009 - 13:45 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.03.2009 Nr. 13
- Kommentare 4
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Man treibt Kühe von der Alm abwärts ins Tal oder man treibt flussabwärts Holz vom Wald zum Sägewerk.
Ungeborenes Leben wird doch nicht abgetrieben - das ist kein schönes Deutsch und vermittelt eigentlich nur den "geistigem Dünnschiss" im Vokabular der Anwender dieser Artikulation.
Kinder werden nicht abgetrieben - sondern Schwangerschaften werden unterbrochen, solange der Fötus noch nicht allein lebensfähig ist.
Der Begriff "Abtreibung" sollte endlich aus dem Vokabular der menschlichen Gesellschaft gestrichen werden!
Die Würde des Menschen ist laut Grundgesetz unantastbar - so soll der Betroffene auch selbst entscheiden dürfen, ob er ein Kind austragen möchte oder nicht!
Die Gesellschaft diskutiert über das ungeborene Leben, aber um die, die bereits geboren wurden, schert sie sich dann - grob gesagt - einen Dreck!!!
Winnenden und Hildesheim lassen Grüßen!
Ich bin voll und ganz Ihrer meinung.
Egal wie man zu dem Thema steht, diesen Euphenismus halte ich für nicht angebracht.
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Ich bin voll und ganz Ihrer meinung.
Egal wie man zu dem Thema steht, diesen Euphenismus halte ich für nicht angebracht.
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Ich bin voll und ganz Ihrer meinung.
Egal wie man zu dem Thema steht, diesen Euphenismus halte ich für nicht angebracht.
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Na, wenn schon sprachlich korrekt und logisch und medizinsich korrekt:
Schwangerschaftsabbruch!
Oder.... - wollen Sie den Vorgang oder den Begriff nach erfolgter "Unterbrechung" wird fortsetzen?
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