Gesellschaft Krieg im Frieden

Amokläufer erklären "die anderen", "das System", "die Gesellschaft" zum Feind. Warum? Ein Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Joseph Vogl

DIE ZEIT: Herr Vogl, nach jedem Amoklauf suchen wir nach Gründen. Warum finden wir keine?

Joseph Vogl: Weil es für die sogenannten Amokläufe keine hinreichenden Gründe, allenfalls diffuse Motive und Anlässe gibt. Die Kriminologen und Psychiater bestätigen das und behelfen sich mit Statistik. Man stößt an die Grenzen der Individualpsychologie. Weder alltägliche Verletzungen wie Liebeskummer, Mobbing, Schulversagen noch das Spektrum von Krankheitsbildern – von Depression bis zur Schizophrenie – reichen hin, den Sprung von möglichen Ursachen zu dieser Art Massenmord zu erklären.

ZEIT: Warum suchen wir ständig nach Gründen?

Vogl: Weil Gründe, auch angesichts dieser Katastrophen, die Welt zusammenhalten und wenigstens nachträglich die Verstörung minimieren. Aber damit kommt man hier nicht weiter. Man hat es weder mit Wahnsinnigen noch mit »gefährlichen Individuen« zu tun. Kaum oder keine Anzeichen einer »abweichenden Persönlichkeit«. Es bleibt eine erschreckende Doppelgestalt von Harmlosigkeit und Gefährlichkeit, scheinbar normale Jugendliche, die etwas völlig Irrsinniges tun. Daran zerbricht alle Vernunft, auch die therapeutische.

ZEIT: Amokläufer scheinen das einzukalkulieren.

Vogl: Ja. Es gibt einen äußerst verstörenden Satz in den Notizen eines der Täter an der Columbine Highschool, die 1999 zwölf Menschen ermordeten. Kurz vor der Tat schrieb er: »Alles ist meine Schuld. Nicht die meiner Eltern, nicht die meiner Brüder, nicht die meiner Freunde, nicht die meiner Lieblingsbands, nicht die der Computerspiele, nicht die der Medien. DIE SCHULD GEHÖRT MIR!« Das heißt: Diese Täter haben die erwartbaren Erklärungsgründe selbst schon zum Gegenstand ihrer Taten gemacht und zudem alle Verantwortung reklamiert. Sie fordern die Zurechnung ihrer Anschläge ein, und diese Ausdrücklichkeit macht das Verbrechen nur umso rätselhafter.

ZEIT: Trotzdem geben die Täter Erklärungen ab.

Vogl: Sie legen, wenn überhaupt, oft unmissverständliche Fährten. Man darf nicht übersehen: Amokläufe, vor allem die school shootings, sind oft als Medienereignisse geplant und werden als solche vollzogen. Man sagt, was man tut. Es sind scheinbar kalte Taten, die mit Kalkül durchgeführt werden. Man erklärt sich und kündigt die Tat an. Und der Selbstmord, meist eingeplant, radikalisiert diese Hinterlassenschaft: »Ich habe euch alles gesagt, bin zu weiteren Erklärungen nicht mehr bereit.«

ZEIT: Vielleicht sind es Nachahmungstäter?

Vogl: Das sind nicht einfach Nachahmungstäter, sie wollen Nachahmungstäter sein. Die Muster werden nicht bloß imitiert, sondern inszeniert, mit aller symbolischen Kraft. Wie in Emsdetten oder wie der Erfurter Gymnasiast, der keinen Zweifel an der Herkunft seiner düsteren Maskerade ließ.

ZEIT: Trotzdem gibt es Täterprofile.

Vogl: Die gibt es, und sie sind so stereotyp, dass man sie im Zweifelsfall nachträglich ergänzen, retuschieren kann, wie im gegenwärtigen Fall. Dennoch bleibt die Frage bestehen, warum hier mögliche private und persönliche Krisen mit aller Gewalt den Weg in die größte Öffentlichkeit suchen. Warum werden zivile Ortschaften – Schulen, Universitäten, Einkaufszentren – in Kriegsschauplätze verwandelt? Und zwar mit dem Anspruch auf Infamie, auf ein berüchtigtes Nachleben?

ZEIT: Was vermuten Sie?

Vogl: Seit dem 19. Jahrhundert hatte man sich darauf verständigt, dass der Amok ein kulturgebundenes Phänomen darstellt und in Südostasien, auf der malaiischen Halbinsel oder auf Java, einem bestimmten Ablaufprotokoll folgt: ein dumpfes Brüten, ein plötzliches Rotsehen, dann die mörderische Attacke, danach Suizid oder Gedächtnisverlust. Was man im Augenblick beobachten kann, insbesondere mit den school shootings, erscheint mit seinem neuen und besonderen Format ebenso auf Kulturkreise beschränkt, auf Mittel- und Nordeuropa, Nordamerika.

ZEIT: Also gibt es doch kulturelle Erklärungen für Amokläufe?

Vogl: Bezogen auf Südostasien, konnte man bemerken, wie im Zuge der Kolonialisierung der Amok seit dem 17. Jahrhundert von einer selbstmörderischen kriegerischen Taktik zur Attacke verirrter Einzeltäter wurde. Und vielleicht gibt es auch in unseren gegenwärtigen Gesellschaften besondere Konstellationen. In den USA heißt Amoklaufen unter anderem auch going postal, aufs Postamt gehen. Diese Taten fielen mit der Privatisierung der staatlichen Post, dem Sieg der Reaganomics und ihrer ökonomischen Deregulierung seit den achtziger Jahren zusammen. Ehemalige Postangestellte kehrten an ihren privatisierten Arbeitsplatz zurück und schossen um sich. Zwischen diesen Gewalttaten und der wirtschaftlichen Deregulierung gab es einen zumindest statistisch bemerkbaren Zusammenhang.

ZEIT: Das waren erwachsene Täter. Wir sprechen von Jugendlichen.

Vogl: Und die geben durchaus Anlass zur Spekulation. In amerikanischen Untersuchungen wird zum Beispiel vom toxischen Klima der Highschools gesprochen, vom Anpassungsdruck in den weißen Vorstädten und kleinstädtischen Mittelschichtmilieus. Auffällig ist ja, dass die Tatorte mit großer Regelmäßigkeit solche Anstalten wie eben Schulen sind. Und in Schulen entscheidet man über die Verteilung von Chancen und Zukunftsaussichten.

ZEIT: Aber früher gab es mehr autoritäre Lehrer.

Vogl: Zweifellos. Dennoch zirkulieren in den Chatrooms alle möglichen Feindschaftserklärungen. Die Täter von Columbine zitieren eine ganze Geschichte von Aufruhr und Revolte herbei, zum Beispiel den Anschlag von Oklahoma City oder die Riots in Los Angeles. Und hier wie in anderen Fällen scheinen die Täter keinen Zweifel daran aufkommen lassen zu wollen, dass man es mit Feindschaftsdeklarationen gegen »die anderen«, gegen »das System«, »die Gesellschaft« zu tun hat – also mit einer besonders hässlichen Grimasse von Rebellion, mit einer allgemeinen Feindseligkeit.

ZEIT: Wollen Sie damit sagen: Vor 1989 war der Feind außen. Heute ist er in der Gesellschaft?

Vogl: Das weiß ich nicht. Überraschend ist allerdings, dass unsere Gesellschaften offenbar im hohen Maß aufgerüstet sind, fast zehn Millionen Waffen sind in Privatbesitz. Man kann das durchaus Amerikanisierung nennen. Und seit dem 19. Jahrhundert sind die Schützenvereine mit einer Geschichte des deutschen Militarismus verknüpft. Zudem ist ja der Krieg heute nicht ferner, sondern näher gerückt. Wie kaum zuvor ist die deutsche Innenpolitik mit Maßnahmen gegen innere, verborgene, unkenntliche Feinde beschäftigt, gegen Bedrohungen, die innen wie außen gleichermaßen lauern. Feindschaftsadressen haben sich jedenfalls eher vervielfältigt als reduziert.

ZEIT: Warum erklärt der Täter der Gesellschaft den Krieg? Fühlt er sich nicht anerkannt? Der Täter von Emsdetten bezeichnete sich als ein »Nicht-Gesehener«.

Vogl: Auch das hat den Vorzug der Eindeutigkeit. Soziales Überleben hängt heute mit Sichtbarkeit und diese mit Aufmerksamkeitsökonomien zusammen. Wer nicht gesehen wird, existiert nicht. Der Bedarf geht nicht auf weniger, sondern auf mehr Selbstdarstellung und Öffentlichkeit. Man muss auffällig sein, Unauffälligkeit hat keine gute Konjunktur. Jedes Unternehmen, jede Filiale hat ihre hall of fame, prämiert den Mitarbeiter der Woche. Dazu kommt eine verordnete Rundumevaluation, in pädagogischen wie in professionellen Milieus. Damit werden fortlaufend Aufsteiger und Absteiger, Sieger und Verlierer produziert. Kein Status, kein Erfolg bleibt auf Dauer gesichert; das ist die andere, die krisenhafte Seite der sogenannten Dauermotivation. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass man den Amokläufern bis zur Tat oft eine erstaunliche Unauffälligkeit nachsagt.

ZEIT: Sind Konkurrenzgesellschaften besonders anfällig für Amokläufer?

Vogl: Ich würde ungern in die Falle der Verallgemeinerung gehen. Aber zweifellos ließe sich sagen, dass der Wettbewerb und die Konkurrenz auf allen Gebieten in den letzten Jahrzehnten vielfältiger und feinmaschiger geworden sind. Kaum ein Lebensbereich kann sich dem entziehen, und das ist so gewollt. Wir leben tatsächlich in Gesellschaften, die den Titel von »Wettbewerbsgesellschaften« in jeder Hinsicht verdienen, und was man in der Wirtschaft Deregulierung nennt, hat längst die Lebenswelten besetzt. Das ist ein Sozialexperiment, dessen Ausgang noch offen und ungewiss ist.

ZEIT: Für Ihre These spricht, dass sich die Gesellschaft nach einem Amoklauf auf seltsame Weise gemeint fühlt. Sie macht sich selbst zum Thema.

Vogl: Ich weiß nicht, ob ich dazu wirklich eine haltbare These habe. Allerdings werden gerade die sogenannten Amokläufe, und das ist bemerkenswert, mit einer diagnostischen Überaktivität beantwortet. Das gilt nicht so sehr für Eifersuchtsdramen, Kindsmorde oder rechtsradikale Gewalt. Obwohl also diese Amokläufe, statistisch gesehen, höchst selten sind, obwohl größere Gefahr in den Formen häuslicher Gewalt lauert, gerät sogleich das Gesamt der Gesellschaft in den Blick, in konzentrischen Kreisen. Man redet von der Krise der Familie und der Kinderzimmer, von einer Krise der Schule und der sozialen Beziehungen, vom Unheil der Medien und ihres unlauteren Gebrauchs. Unsere Einbildungskraft, unser Gefahrenbewusstsein werden offenbar durch diese Taten ganz besonders herausgefordert und aufgeregt. Als ob es darum ginge, hier wie nirgendwo sonst die Frage nach dem Zusammenhalt, nach den Sollbruchstellen und nach dem Zerfall dieser Gesellschaft aufwerfen zu müssen.

ZEIT: Amokläufer alarmieren unser Krisengefühl?

Vogl: Offenbar. Und das umso mehr, als man es hier eben nicht mit sozialen Dunkelzonen, Problembezirken, Verwahrlosung und Prekariat zu tun hat, sondern mit Wohlstandsregionen, Baden-Württemberg, schwäbischer Landschaft, intakten Familien, Vereinsmilieu und kleinstädtischer Nachbarschaft. Und gerade da wird plötzlich ein Ernstfall, ein Ausnahmezustand, ein namenloses Unglück manifest. Die ganze hektische Berichterstattung, die Kommentarsucht und das diagnostische Aufgebot scheinen es jedenfalls nahezulegen, dass hier ein diffuses Krisengefühl mit einem Mal scharf gestellt wird und eine krasse, symptomatische Gestalt erhält.

ZEIT: In Winnenden hatte man eine Vorahnung. Der Rektor rief: »Frau Koma kommt!«

Vogl: Koma – Amok, das ist ein altes, skurriles Wortspiel. Aber es verweist hier darauf, dass man bereits ein Passwort für den schlimmstmöglichen Fall hatte. Und man war vorbereitet durch einen Leitfaden für Krisenprävention. Auch das ist in jeder Hinsicht überraschend: Das Gefahrenbewusstsein, der Sinn für ein soziales Hochrisiko war bereits vorhanden und wirksam.

ZEIT: Das ist doch eine sinnvolle Prävention?

Vogl: Wahrscheinlich. Es zeigt aber auch an, wie der neueste Stand von Sicherheits- und Sozialtechnologien idealerweise funktionieren soll, nämlich über Prävention. Unsere Gesellschaften sind Präventionsgesellschaften. Sie bestimmen ihr Schicksal durch die Einrichtung von Frühwarnsystemen, Früherkennung, auf allen möglichen Gebieten. Das bedeutet eine Art Daueralarmbereitschaft. Auch in dieser Hinsicht hat die Tat von Winnenden eine fatale Lücke, einen unbequemen Erklärungsbedarf hinterlassen: Der Täter war nicht nur, wie man allseits versicherte, ein freundlicher und unauffälliger Jugendlicher, er hat auch nicht, wie zwischendurch vermutet oder erhofft, seine Tat im Internet angekündigt. Das ist die größte Herausforderung für jede Form von Prävention. Nicht von ungefähr gibt es nun Überlegungen für eine Art pädagogischer oder psychologischer Rasterfahndung, die sich nicht auf die Gewalttätigen bezieht, sondern gerade die Unauffälligen und Zurückgezogenen vorsorglich erfassen soll.

ZEIT: Also gibt es kein Mittel gegen Amokläufer.

Vogl: Keine Prävention kann verhindern, dass das Schlimmste passiert.

Das Gespräch führte Thomas Assheuer

 
Leser-Kommentare
  1. Verstummen. E-Mail an Arthur Rimbaud

    Gruß ins Land der kurzen Schatten. Bin von Bord gegangen: Europa, das sinkende Schlachtschiff, verlässt seine Ratten. Die Rettungsboote schaukeln auf den Ätherwellen. -

    Schreibe mit geballter Faust: Satz und Satz und Satz. Was solln Gedichte? - Sterbehilfe mit dem Stift. Der Autor als Arzt. Die Verse legen sich wie Watte auf die Wunden ...

    Ich habe soeben schwarze Ufer betreten. Erwarte mich im Schatten des Mittags am Tage Äquator. Ich bringe Panzerfäuste mit: Schreibzeug für die Poesie des kommenden Jahrhunderts.
    (Anmerkung: Bitte versuchen Sie angesichts der Ereignisse im Rahmen des guten Geschmacks zu bleiben. Die Redaktion/jk)

  2. „Verbot von Ballerspielen!...schärfere Waffengesetze!...hätte der Vater nur seine Waffen besser gesichert...“ Das sind die Sätze, die man seit dem Amoklauf in Winnenden täglich zu hören bekommt. Den Angehörigen und trauernden Menschen vor Ort kann wegen solcher Aussagen (noch) kein Vorwurf gemacht werden. In ihnen spiegelt sich ihr Ohnmachtsgefühl, die nicht beantwortete Frage nach dem Warum. Hört man solche Aussagen aus dem Mund von Politikern und Aussenstehenden, so mutet dies eher nach einer Ausrede an. Scheinbar will in diesem Land niemand über die wirklichen Gründe einer solchen Tat nachdenken – vermutlich, weil sich niemand eingestehen will, dass wir alle Schuld sind, wir alle tagtäglich versagen.
    Das Menschsein beruht aus humanistischer Sicht auf drei voneinander untrennbaren Bezugsgrößen: dem Verhältnis des Menschen zu sich selbst, einer Beziehung zu dem, was er nicht selbst ist: zu Anderen und Anderem, und einem Bezug zum Absoluten, für Glaubende: zu Gott.
    Aus diesem „Sinn des Lebens“ leitet sich auch der Auftrag der Erziehung ab. Sie soll nichts anderes, als den Menschen zum Menschsein befähigen. Ebenso lässt sich ableiten, dass Erziehung immer ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag ist.
    Es liegt auf der Hand, warum immer weniger junge Menschen scheinbar nicht in der Lage sind, ihr Leben selbständig und verantwortlich zu führen: Die Erziehung versagt, wir versagen. Wo wir versagen? – Mit unserem Konsumdenken, der übertriebenen Leistungsorientierung, in unserem nicht vorhandenen Respekt vor uns selbst, vor anderen, vor der Natur,...Sollte man allgemein formulieren, worin wir versagen, dann im Menschsein, in der „Aufgabe Leben“.

    Was bringen also Verbote und Gesetze? Sie erleichtern unser Gewissen und hindern uns am Menschsein, daran Verantwortung für unser Leben zu übernehmen.

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    Hervorragender Kommentar!
    Die Erziehung versagt nicht nur bei den GottseiDank noch seltenen Attentätern. Woran mag das liegen. Ich sehe den Hauptgrund in der falschen Wettbewerbsphilosophie die mittlerweile alle Lebensbereiche erreicht hat. Auch in der Erziehung geht es nur noch um Leistung, Leistung, Leistung (e.g. englisch im kindergarten). Das schlimme ist, dass die, die die Leistung einfordern, meistens auf ganz bequemen Pöstchen sitzen.

    Die "falsche" Ökonomie hat mittlerweile unser Leben im Griff, der Debitismus (wahre Identität unseres Geldsystems) treibt alle Personen zu noch mehr Leistung in Ihrem Hamsterrad an, wenn wir am Geldsystem sowie unseren Werten nichts ändern, dann werden wir im Zuge der wirtschaftlichen Depression leider noch viele AMOK Läufe sehen. Eigentlich bietet diese depressionäre Krise die Chance, dass Zusammenleben auf diesem Planeten wieder in menschlichere (positivere) Bahnen zu lenken. Weg vom Leistungsgedanken hin zum savoir vivre! Die G 20 Staaten hätten die Möglichkeit dazu, allein mir fehlt der Glaube!

    Aber völlig verhindern wird man den menschlichen Wahnsinn wahrscheinlich nie! Verbote sind keine Lösung.

    ... bringen zumindest mal dasselbe wie ein Nasenspray bei Schnupfen, eine Symptomlinderung. Daher sollte man sie ebenfalls nicht vernachlässigen, ohne Ferntötungswaffe wären niemals so viele Menschen zu Opfern geworden, das darf man nie vergessen. Ich hoffe dem Vater wird ordentlich der Prozeß gemacht. Ich hatte noch nie Verständnis für Leute die Mordinstrumente sammeln und verehren, einfach krank sowas.

    Ansonsten stimme ich ihrem Kommentar durchaus zu.

    Vielen Dank! Sie bringen die Sache auf den Punkt. Selten hat jemand so klar und einfach die Gründe auf den Tisch gebracht. Aber wahrscheinlich ist das Problem Beziehungslosigkeit schon so weit fortgeschritten, dass die meisten gar nicht mehr wissen, worin die Symptome dieser Beziehungsunfähigkeit zu sich selbst, zu anderen und zu einer "höheren Macht" liegen. Alle Probleme unserer Gesellschaft gründen sich darauf.

    Sie geben die Antwort, die der Kulturwissenschaftler nicht zu geben vermag.

    Hervorragender Kommentar!
    Die Erziehung versagt nicht nur bei den GottseiDank noch seltenen Attentätern. Woran mag das liegen. Ich sehe den Hauptgrund in der falschen Wettbewerbsphilosophie die mittlerweile alle Lebensbereiche erreicht hat. Auch in der Erziehung geht es nur noch um Leistung, Leistung, Leistung (e.g. englisch im kindergarten). Das schlimme ist, dass die, die die Leistung einfordern, meistens auf ganz bequemen Pöstchen sitzen.

    Die "falsche" Ökonomie hat mittlerweile unser Leben im Griff, der Debitismus (wahre Identität unseres Geldsystems) treibt alle Personen zu noch mehr Leistung in Ihrem Hamsterrad an, wenn wir am Geldsystem sowie unseren Werten nichts ändern, dann werden wir im Zuge der wirtschaftlichen Depression leider noch viele AMOK Läufe sehen. Eigentlich bietet diese depressionäre Krise die Chance, dass Zusammenleben auf diesem Planeten wieder in menschlichere (positivere) Bahnen zu lenken. Weg vom Leistungsgedanken hin zum savoir vivre! Die G 20 Staaten hätten die Möglichkeit dazu, allein mir fehlt der Glaube!

    Aber völlig verhindern wird man den menschlichen Wahnsinn wahrscheinlich nie! Verbote sind keine Lösung.

    ... bringen zumindest mal dasselbe wie ein Nasenspray bei Schnupfen, eine Symptomlinderung. Daher sollte man sie ebenfalls nicht vernachlässigen, ohne Ferntötungswaffe wären niemals so viele Menschen zu Opfern geworden, das darf man nie vergessen. Ich hoffe dem Vater wird ordentlich der Prozeß gemacht. Ich hatte noch nie Verständnis für Leute die Mordinstrumente sammeln und verehren, einfach krank sowas.

    Ansonsten stimme ich ihrem Kommentar durchaus zu.

    Vielen Dank! Sie bringen die Sache auf den Punkt. Selten hat jemand so klar und einfach die Gründe auf den Tisch gebracht. Aber wahrscheinlich ist das Problem Beziehungslosigkeit schon so weit fortgeschritten, dass die meisten gar nicht mehr wissen, worin die Symptome dieser Beziehungsunfähigkeit zu sich selbst, zu anderen und zu einer "höheren Macht" liegen. Alle Probleme unserer Gesellschaft gründen sich darauf.

    Sie geben die Antwort, die der Kulturwissenschaftler nicht zu geben vermag.

  3. Meiner Meinung nach ist es heute nötig ein neues Sozialsystem zu suchen, das keine Ausgrenzung und Anhäufung von Hass mehr zulässt, die dann zu Amokläufen führen.

    Wir sollten die Friedensforschung forcieren. Eine friedliche Realität muss keine Utopie bleiben. Es gibt ein neues Projekt, das Projekt RealTheater, das beabsichtigt eine Gesellschaft ohne strukturelle Gewalt (zuerst als Gruppe von ca. 10 Leuten) zu konstruieren. Dies ist übrigens ein aktuelles Problem, weil zum Beispiel eine Marsmission genau an der strukturellen Gewalt der Gruppe, die jahrelang auf engem Raum unterwegs wäre, scheitern kann.

    Was ist Realität?
    Unsere Wirklichkeit ist in sozialer Hinsicht, und in unserem Selbstbild/ Weltbild nicht mehr und weniger als eine gemeinsame Abmachung was wahr und ernst zu sein hat und welche Perspektive zählt.
    Wenn wir, die wir bisher unbewusst die Konstrukteure dieser Wirklichkeit sind, beschließen würden die Formung der Wirklichkeit bewusst in die Hände zu nehmen, dann könnten wir das tun!

    Ich bin Schauspieler, und Schauspieler können ihre Realität manchmal selbst bestimmen und zwar nicht nur in festgeschriebenen Rollen und Stücken, sondern so echt wie das Leben selbst ist. Dies geschieht zum Beispiel während der schauspielerischen Ausbildung bei den sogenannten "Improvisationsübungen nach Stanislawski" und manchmal stellte ich mir dabei die Frage:
    „Sind wir Menschen vielleicht alle Schauspieler und die Welt ist eine Bühne“ ohne dass dies den meisten bewusst ist? (So wie Herman Hesse dies im Roman „Der Steppenwolf“ beschrieben hat.) Und könnten wir unsere relativ festgeschriebene (kausale) Geschichte hinter uns lassen, indem wir aus unserem linearen Film heraustreten und bewusst unsere Wünsche leben? Könnten wir über unseren Schatten springen?

    Es gab 2 Filme, die zeigten, das eine konstruierte Realität/Simulation die Macht hat real zu werden: Der Film „Die Welle“ mit Jürgen Vogel und der Film „Das Experiment“, beides basierte auf wahren Begebenheiten.

    Es gab nie ein ähnliches Projekt, das ein Best-Case Szenario zum Ziel hatte und ich behaupte nun, dass ein solches Projekt abgesichert werden kann und das Potential hätte, die Friedensforschung auf eine neue (praktische) Stufe zu heben. Wir könnten an Wünschen arbeiten.

    Es geht um ein interdisziplinäres Pilotprojekt das Schauspiel Know-how und Kommunikationsforschung/Philosophie zusammenbringen soll.

    Das Projekt nennt sich „RealTheater“ und eine nähere Erklärung des philosophischen Hintergrundes gibt es hier:
    http://www.radikaler-kons...

    Eine Erklärung des Projekts ist hier:
    http://www.radikaler-kons...

    Wenn wir erkennen, dass der Mensch unmöglich objektiv sein kann, und dass die Welt auf den Säulen der Subjektivität steht, dann wird es nötig damit aufzuhören die Welt nur aus einer Perspektive, unser eigener zu betrachten. Um den eigenen Standpunkt aber wirklich zu verlassen ist es nötig in die Rolle des andern zu schlüpfen, was mit Theatermethoden sehr gut funktioniert.

    Damit wird weiterhin der Begriff „Polykontexturale Logik“ wichtig (Ein Begriff aus der Systemtheorie):
    http://www.web-tv-nuernbe...

  4. Hervorragender Kommentar!
    Die Erziehung versagt nicht nur bei den GottseiDank noch seltenen Attentätern. Woran mag das liegen. Ich sehe den Hauptgrund in der falschen Wettbewerbsphilosophie die mittlerweile alle Lebensbereiche erreicht hat. Auch in der Erziehung geht es nur noch um Leistung, Leistung, Leistung (e.g. englisch im kindergarten). Das schlimme ist, dass die, die die Leistung einfordern, meistens auf ganz bequemen Pöstchen sitzen.

    Die "falsche" Ökonomie hat mittlerweile unser Leben im Griff, der Debitismus (wahre Identität unseres Geldsystems) treibt alle Personen zu noch mehr Leistung in Ihrem Hamsterrad an, wenn wir am Geldsystem sowie unseren Werten nichts ändern, dann werden wir im Zuge der wirtschaftlichen Depression leider noch viele AMOK Läufe sehen. Eigentlich bietet diese depressionäre Krise die Chance, dass Zusammenleben auf diesem Planeten wieder in menschlichere (positivere) Bahnen zu lenken. Weg vom Leistungsgedanken hin zum savoir vivre! Die G 20 Staaten hätten die Möglichkeit dazu, allein mir fehlt der Glaube!

    Aber völlig verhindern wird man den menschlichen Wahnsinn wahrscheinlich nie! Verbote sind keine Lösung.

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    • Anonym
    • 19.03.2009 um 20:43 Uhr

    Um den Zustand der Wertegesellschaft zu beurteilen, muss man vielleicht gar nicht allzu weit gehen. Ein Blick in die Nachbarschaft kann vielleicht bereits genügen. Als Beispiel möchte ich einfach mal die Firma Parship nehmen, eine Schwester der ZEIT im Holtzbrinck-Konzern.
    Aus privaten Gründen wollte ich mich heute nachmittag im Internet mal kurz kundig machen. Wenn diverse Beiträge dort (ciao.de/parship_de_Test oder singleboersen-vergleich.de oder 123inserate.net.../Parship-at-unserioeser-gehts-kaum-Kritik oder www.datingjungle.de oder ....?) auch nur einigermaßen korrekt sind, dann sind die AGB dieser Einrichtung juristisch so konstruiert, dass ganz speziell solche Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann den Überblick verlieren in die, möglicherweise gerade für sie vorgesehene, Falle der automatischen Aboverlängerung tappen. Ist die Falle erst einmal zugeschnappt, dann wird der Zugang zum Account gesperrt. Zugang zu den eigenen, teilweise sehr intimen Daten gibts erst nach Zahlung, häufig offenbar 179 Euro. Eine Überprüfung der Einstellungen auf Manipulation ist nicht mehr möglich. Belege für Versäumnisse werden offenbar nicht vorgelegt. Nachfragen werden demnach nicht konkret, sondern mit allgemeinen, vorformulierten Floskeln beantwortet. Rücksicht auf Geldprobleme oder Krankheit wird offenbar nicht genommen. Stattdessen wird die "Sache" nach Ablauf irgendwelcher Fristen an ein Inkasso-Unternehmen abgegeben... So jedenfalls wird in einigen kritischen Beiträgen berichtet. Lob gibt es allerdings auch! (Ich kann auf beides nur hinweisen, es aber nicht nachprüfen!)
    Unter diesem Vorbehalt war mein Eindruck nach nur kurzer Lektüre: bei den "Schwachen", den Einsamen, denen mit Problemen wird abkassiert , in schicke Werbung für die Wohlbestallten und Gutbetuchten investiert. Wie gesagt: eine Vermutung.
    Vielleicht setzen also nicht nur die Abzocker in den Chefetagen der Investmentbanken, die "Berater", die bestimmte Dinge verkaufen müssen neue sozialdarwinistische Maßstäbe in unserer Gesellschaft. Nicht nur die Gewaltmedien. Nicht nur sadistische Schulrituale. Sondern womöglich auch die feine Firma von nebenan. Könnte es sein, dass man hier Fallen für die Einsamen und Schwachen aufstellt und sie danach rücksichtslos abkassiert? Könnte das bei anderen Firmen dieser Art auch so sein? Oder vielleicht schlimmer?
    Könnte es sein, dass dies nur ein Beispiel von vielen ist? Was ich in letzter Zeit so im TV gesehen habe, scheint dafür zu sprechen.
    Während wir noch dabei sind, Winnenden zu verarbeiten. Während Tissy Bruhns feierlich von der Unfähigkeit zum Mitleiden spricht, andernorts konstatiert wird, es fehle der Respekt vor der Würde, wird nicht weit davon entfernt in einem anderen Zimmer vielleicht gerade ganz prosaisch und konkret eine allerletzte Mahnung verschickt, die nächste "Sache" an ein Inkasso-Unternehmen abgetreten. Findet weiter der kleine, alltägliche, schmutzige Krieg von wirtschaftlicher Macht gegen menschliche Ohnmacht statt, werden Menschen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gedrückt, ihre Würde missachtet....
    Sieht so eine Gesellschaft aus, in der Rücksicht und Achtsamkeit gelten? Ist das das Vorbild, das Großkonzerne und Medien geben sollten? Ist das der Weg, den wir nach Winnenden weiter gehen dürfen? Hat eine Zeitung mit so einer Schwester überhaupt noch das Recht, in solchen Dingen mit zu sprechen?
    Ich bin mir selbst nicht sicher, ob das jetzt wirklich hierher passt. Ich hab es einfach mit hierher geschleppt, weil ich mich dort gerade umgeschaut habe und mich plötzlich in einen Hinterhof hinter einer schicken Fassade versetzt fühlte, wo nicht mit Springerstiefeln, aber vielleicht doch mit wohlgeformten, gesetzten Worten gandenlos auf andere eingetreten wird.
    Aber irgendwie bin ich auch der Meinung, dass es vielleicht auch der ganz kleine, meist als vermeintlich bedeutungs- oder zusamenhangslos übersehene Alltag ist der's ausmacht. Nicht die feinen Donnerstagskommentare und die Sonntagsreden! Es ist ein kaum sichtbarer, stetiger Strom, der die Gesellschaft ganz langsam und unmerklich (ver)formt. Und plötzlich stehen wir da und fragen entgeistert: Warum......
    Zur Erinnerung: dies ist nur ein Beispiel, das ich gerade parat hatte, um über den Umgang mit Werten nebenan nachzudenken.

    • Anonym
    • 19.03.2009 um 20:43 Uhr

    Um den Zustand der Wertegesellschaft zu beurteilen, muss man vielleicht gar nicht allzu weit gehen. Ein Blick in die Nachbarschaft kann vielleicht bereits genügen. Als Beispiel möchte ich einfach mal die Firma Parship nehmen, eine Schwester der ZEIT im Holtzbrinck-Konzern.
    Aus privaten Gründen wollte ich mich heute nachmittag im Internet mal kurz kundig machen. Wenn diverse Beiträge dort (ciao.de/parship_de_Test oder singleboersen-vergleich.de oder 123inserate.net.../Parship-at-unserioeser-gehts-kaum-Kritik oder www.datingjungle.de oder ....?) auch nur einigermaßen korrekt sind, dann sind die AGB dieser Einrichtung juristisch so konstruiert, dass ganz speziell solche Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann den Überblick verlieren in die, möglicherweise gerade für sie vorgesehene, Falle der automatischen Aboverlängerung tappen. Ist die Falle erst einmal zugeschnappt, dann wird der Zugang zum Account gesperrt. Zugang zu den eigenen, teilweise sehr intimen Daten gibts erst nach Zahlung, häufig offenbar 179 Euro. Eine Überprüfung der Einstellungen auf Manipulation ist nicht mehr möglich. Belege für Versäumnisse werden offenbar nicht vorgelegt. Nachfragen werden demnach nicht konkret, sondern mit allgemeinen, vorformulierten Floskeln beantwortet. Rücksicht auf Geldprobleme oder Krankheit wird offenbar nicht genommen. Stattdessen wird die "Sache" nach Ablauf irgendwelcher Fristen an ein Inkasso-Unternehmen abgegeben... So jedenfalls wird in einigen kritischen Beiträgen berichtet. Lob gibt es allerdings auch! (Ich kann auf beides nur hinweisen, es aber nicht nachprüfen!)
    Unter diesem Vorbehalt war mein Eindruck nach nur kurzer Lektüre: bei den "Schwachen", den Einsamen, denen mit Problemen wird abkassiert , in schicke Werbung für die Wohlbestallten und Gutbetuchten investiert. Wie gesagt: eine Vermutung.
    Vielleicht setzen also nicht nur die Abzocker in den Chefetagen der Investmentbanken, die "Berater", die bestimmte Dinge verkaufen müssen neue sozialdarwinistische Maßstäbe in unserer Gesellschaft. Nicht nur die Gewaltmedien. Nicht nur sadistische Schulrituale. Sondern womöglich auch die feine Firma von nebenan. Könnte es sein, dass man hier Fallen für die Einsamen und Schwachen aufstellt und sie danach rücksichtslos abkassiert? Könnte das bei anderen Firmen dieser Art auch so sein? Oder vielleicht schlimmer?
    Könnte es sein, dass dies nur ein Beispiel von vielen ist? Was ich in letzter Zeit so im TV gesehen habe, scheint dafür zu sprechen.
    Während wir noch dabei sind, Winnenden zu verarbeiten. Während Tissy Bruhns feierlich von der Unfähigkeit zum Mitleiden spricht, andernorts konstatiert wird, es fehle der Respekt vor der Würde, wird nicht weit davon entfernt in einem anderen Zimmer vielleicht gerade ganz prosaisch und konkret eine allerletzte Mahnung verschickt, die nächste "Sache" an ein Inkasso-Unternehmen abgetreten. Findet weiter der kleine, alltägliche, schmutzige Krieg von wirtschaftlicher Macht gegen menschliche Ohnmacht statt, werden Menschen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gedrückt, ihre Würde missachtet....
    Sieht so eine Gesellschaft aus, in der Rücksicht und Achtsamkeit gelten? Ist das das Vorbild, das Großkonzerne und Medien geben sollten? Ist das der Weg, den wir nach Winnenden weiter gehen dürfen? Hat eine Zeitung mit so einer Schwester überhaupt noch das Recht, in solchen Dingen mit zu sprechen?
    Ich bin mir selbst nicht sicher, ob das jetzt wirklich hierher passt. Ich hab es einfach mit hierher geschleppt, weil ich mich dort gerade umgeschaut habe und mich plötzlich in einen Hinterhof hinter einer schicken Fassade versetzt fühlte, wo nicht mit Springerstiefeln, aber vielleicht doch mit wohlgeformten, gesetzten Worten gandenlos auf andere eingetreten wird.
    Aber irgendwie bin ich auch der Meinung, dass es vielleicht auch der ganz kleine, meist als vermeintlich bedeutungs- oder zusamenhangslos übersehene Alltag ist der's ausmacht. Nicht die feinen Donnerstagskommentare und die Sonntagsreden! Es ist ein kaum sichtbarer, stetiger Strom, der die Gesellschaft ganz langsam und unmerklich (ver)formt. Und plötzlich stehen wir da und fragen entgeistert: Warum......
    Zur Erinnerung: dies ist nur ein Beispiel, das ich gerade parat hatte, um über den Umgang mit Werten nebenan nachzudenken.

  5. ... Interview. Allerdings frage ich mich, warum man ausgerechnet einen Kulturwissenschaftler interviewt? Vor allem, wenn der dann auch noch dermaßen pessimistisch ist und sich in Hilflosigkeit wiegt.

    Die durchaus gewagten Thesen, es gäbe keine sinnvolle Prävention und niemand könne sagen was die Täter taten und dachten, hätte ich doch ganz gerne noch von einem seriösen Psychologen bestätigt.

    Auch halte ich es für unzulässig den Täter von Erfurt und den von Winnenden in einen Topf zu werfen. Der Erfurter Amoklauf war eher eine Rachetat gegenüber den Lehrern und Autoritäten, der in Winnenden folgte dagegen in erster Linie dem klassischen Verlauf und richtete sich gegen alle, insbesondere andere Schüler.

    Zumindest den Fall von Erfurt kann ich dabei emotional durchaus nachvollziehen, ich hatte selbst oft genug ähnliche Gewalt-Phantasien. Die sind mitnichten so komplex und unverständlich und ergeben sich schlicht aus der Hilflosigkeit gegenüber zynischen ignoranten Autoritäten, der gleichzeitig absoluten 0-Stellung in der Gesellschaft (und der ständigen Drohung das werde auch so bleiben) und übersprudelnden Testosteron- und Adrenalinspiegeln. Da muss dann nur noch ein bisschen Mobbing dazukommen oder ein schlechter Status unter den Mitschülern, unverständige desinteressierte Eltern und man bekommt den Tunnelblick. Wenn der lange genug anhält wirkt er selbstverstärkend und wird mit Gewaltfilmen und Spielen zusätzlich angeheizt.

    Bei mir fehlten immer mehrere Faktoren um zur Tat zu kommen, ich war idR recht beliebt bei den Mitschülern und meine Eltern hatten immer ein offenes Ohr und an Waffen wäre ich nicht herangekommen, so dass es letztlich bei recht ausgedehnten Depri-Phasen blieb, die wohl viele während der Pubertät haben. Aber ich möchte nicht wissen, wieviele potentiell gewalttätige junge Männer immer wieder knapp an sowas vorbeischlittern.

    Und damit nochmal zur eigentlichen Prävention (Waffenverbote sind letztlich auch nur Symptombekämpfung lieber Herr Vogl): wir müssen weg von der anonymen Frontalunterrichtsmethode mit strikter Leistungsselektion und hin zu einem System, welches den lernenden jungen Menschen ernst nimmt und in Problemphasen auffängt, anstatt ausschliesslich zusätzlichen Druck zu generieren. Weg von der Intelligenztestmentalität hin zu einer humanen Bildungsmentalität.

    Offenbar passt die derzeitige Form unsere Kinder zu bilden nicht mehr mit deren Mentalität und Erwartungen überein (mit den gesellschaftlichen Ansprüchen offenbar auch nicht, siehe Pisa). Früher war das Leben vielleicht einfach determinierter, der Bildungsabschluß nicht ganz so wichtig, der Familienzusammenhalt besser, die Medien nicht so gewalttätig, Waffen nicht so verbreitet, Kinder mehr eingeschüchtert? Keine Ahnung. Tatsache ist, dass man was ändern muss und das auch könnte, wenn denn der politische Wille dazu da wäre.

  6. 6. ...

    Was ist denn 1989 passiert. Der Feind verschwand. Ein System blieb übrig. Einerseits "die Masse" auf der anderen das Individuum, als oberstes Ideal. 20 Jahre blähte sich das überlebende Ideal aus, wurde nicht mehr begrenzt durch den Feind. Die letzten Folgen lesen Sie im Dow Jones ab (plus allem was zur Krise gehört).
    Diese Gesellschafts"idee" welche Sozialdarwinismus, Materialismus (und damit magischer Glaube an die Allmacht von geld), Rationalismus, Egoismus, Wettbewerb, Äußerlichkeiten, ewige Jugend, Sexualität auf ihr Fahnen schreibt hat das Leben völlig sinnentleert. Da ist ein kleiner Amokläufer nur ein logisches Symptom der Selbstzerstörung. Kriegerische Expansion ist von derselben metaphysischen (destruktiven) Energie gespeist.

    Ich wundere mich dass das so lange dauerte (20 Jahre). Ok die Anzeichen waren überdeutlich seit 2001, aber gerne überhört.

  7. ... bringen zumindest mal dasselbe wie ein Nasenspray bei Schnupfen, eine Symptomlinderung. Daher sollte man sie ebenfalls nicht vernachlässigen, ohne Ferntötungswaffe wären niemals so viele Menschen zu Opfern geworden, das darf man nie vergessen. Ich hoffe dem Vater wird ordentlich der Prozeß gemacht. Ich hatte noch nie Verständnis für Leute die Mordinstrumente sammeln und verehren, einfach krank sowas.

    Ansonsten stimme ich ihrem Kommentar durchaus zu.

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    Ich bin nicht prinzipiell gegen Verbote.

    Aus meinem Kommentar geht auch hervor, dass es nie eine 100%tig wirksame Prävention geben wird. Denn eine solche Prävention kann die Freiheit des Einzelnen nicht berücksichtigen.
    Meiner Meinung nach ist Erziehung/Bildung aber die einzig wirklich sinnvolle Prävention.

    • Atan
    • 19.03.2009 um 14:13 Uhr

    "List of mass murderers and spree killers by number of victims" auf der englischen Wikipedia-Seite an, wird man feststellen, dass sich die Taten über das ganze vergangene Jahrhundert und alle geographischen Räume hinziehen. Äusserst beunruhigend ist übrigens, dass einige der schlimmsten Zwischenfälle von Polizisten mit Dienstwaffen verübt wurden, oder bei einigen Taten auch selbstgebastelte Bomben, Messer, Schwerter, Äxte verwandt wurden.

    Übrigens sollten wir nicht vergessen, dass für alle deutschen 18 Jährigen Jungen in Deutschland die nationale Pflicht bestehet, sich fleißig im Umgang mit Gewehr, Pistole und Handgranate zu üben - heißt Wehrpflicht und dürfte wohl kaum unter individueller Perversität laufen. Übrigens werschwinden da pro Jahr Schusswaffen in vierstelliger Höhe aus den Arsenalen.

    Wenn man jetzt noch die "Zeit" voh heute aufschlägt fordert Hr. Naumann leutselig "Die Waffen nieder!", aber auf der erste Seite des Wissenschaftsteils werden Deutschlands 350.000 Jäger dringend zur verschärften Wildschweinjagd aufgerufen, weil sonst eine nationale Schweinepest-Katastrophe droht.

    Nimmt man dazu die Tatsache, dass die Studien zu Verschärfungen von Waffengesetzen bisher nirgendwo eindeutige Verringerungen der Deliktquoten oder Mordrate feststellen konnten, dürfte als einzige Tatsache feststehen:

    Dass der nächste Amoklauf mit Sicherheit genauso "unerwartet" kommt wie der letzte.

    Ich bin nicht prinzipiell gegen Verbote.

    Aus meinem Kommentar geht auch hervor, dass es nie eine 100%tig wirksame Prävention geben wird. Denn eine solche Prävention kann die Freiheit des Einzelnen nicht berücksichtigen.
    Meiner Meinung nach ist Erziehung/Bildung aber die einzig wirklich sinnvolle Prävention.

    • Atan
    • 19.03.2009 um 14:13 Uhr

    "List of mass murderers and spree killers by number of victims" auf der englischen Wikipedia-Seite an, wird man feststellen, dass sich die Taten über das ganze vergangene Jahrhundert und alle geographischen Räume hinziehen. Äusserst beunruhigend ist übrigens, dass einige der schlimmsten Zwischenfälle von Polizisten mit Dienstwaffen verübt wurden, oder bei einigen Taten auch selbstgebastelte Bomben, Messer, Schwerter, Äxte verwandt wurden.

    Übrigens sollten wir nicht vergessen, dass für alle deutschen 18 Jährigen Jungen in Deutschland die nationale Pflicht bestehet, sich fleißig im Umgang mit Gewehr, Pistole und Handgranate zu üben - heißt Wehrpflicht und dürfte wohl kaum unter individueller Perversität laufen. Übrigens werschwinden da pro Jahr Schusswaffen in vierstelliger Höhe aus den Arsenalen.

    Wenn man jetzt noch die "Zeit" voh heute aufschlägt fordert Hr. Naumann leutselig "Die Waffen nieder!", aber auf der erste Seite des Wissenschaftsteils werden Deutschlands 350.000 Jäger dringend zur verschärften Wildschweinjagd aufgerufen, weil sonst eine nationale Schweinepest-Katastrophe droht.

    Nimmt man dazu die Tatsache, dass die Studien zu Verschärfungen von Waffengesetzen bisher nirgendwo eindeutige Verringerungen der Deliktquoten oder Mordrate feststellen konnten, dürfte als einzige Tatsache feststehen:

    Dass der nächste Amoklauf mit Sicherheit genauso "unerwartet" kommt wie der letzte.

  8. Ich bin nicht prinzipiell gegen Verbote.

    Aus meinem Kommentar geht auch hervor, dass es nie eine 100%tig wirksame Prävention geben wird. Denn eine solche Prävention kann die Freiheit des Einzelnen nicht berücksichtigen.
    Meiner Meinung nach ist Erziehung/Bildung aber die einzig wirklich sinnvolle Prävention.

    Antwort auf "Verbote und Gesetze..."

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