Beziehungen Jesus, Madonna!
Madonnas neuer Liebhaber Jesus Luz könnte ihr Sohn sein. Warum irritiert es noch immer, wenn Frauen jüngere Männer haben?
Ganz schön knackig, Madonnas Neuer. Ganz schön jung. Das Schmuckstück, ein brasilianisches Model namens Jesus Luz, mit dem sich die 50-Jährige neuerdings beglückt, war noch nicht mal auf der Welt, als Like a Virgin rauskam. Das war 1984. Das neue Paar trennt nämlich ein Altersunterschied von knapp drei Jahrzehnten.
Na und? Der amerikanische Regisseur Woody Allen macht sich in jedem Interview über die Reiselust seiner mehr als 30 Jahre jüngeren Frau lustig, der zuliebe sich sein filmisches Alterswerk als Tour d’Europe gestalte. Der Skandal, den Allens Liaison mit der Adoptivtochter einstmals auslöste, bezog sich indes vor allem auf die innerfamiliären Umstände. Natürlich auch ein bisschen auf den Altersabstand. Ein bisschen zuckt der Geschmacksnerv immer, wenn grauhaarige Gentlemen mit Geliebten auf der Bildfläche erscheinen, die aussehen, als hätten sie vorgestern mit der Schultüte im Arm in Papas Kamera gelächelt. Der Blick der Umwelt bleibt an einem solchen Paar schon mit gewisser Skepsis hängen.
Mit mehr aber auch nicht. Der alternde Mann, der sich mit einer jungen Frau abgibt, wirkt allenfalls lächerlich; Sugardaddy ist kein Titel, der von Respekt zeugt. Die ältere Frau hingegen, die sich ein Bürschlein angelt – sie wird viel tiefer, viel gründlicher abgelehnt, ja nahezu verachtet. Das Bürschlein übrigens auch. Das Altersverhältnis dieses Paares stößt auf regelrechte Missbilligung. Ihm haftet nicht nur der Verdacht der kleinen Geschmacksverletzung an, sondern der Verdacht einer mittleren Tabuverletzung.
Und, seien wir ehrlich, von diesem Tabureflex, vom Gefühl, dass irgendwas einfach nicht stimmt, wenn eine 50-Jährige einen 20-Jährigen liebt, ist in der abendländischen Kultur niemand frei. Egal, wie oft man es um die Achse feministischer Korrektheit auch dreht und wendet. Woran liegt das nur, dass selbst moderne, aufgeklärte Frauen und Männer daran Anstoß nehmen?
Als sich die Fernsehmoderatorin Birgit Schrowange vor ein paar Monaten in einen 15 Jahre jüngeren Mann verliebte (die Affäre soll bereits wieder zu Ende sein), löste dies ein kurzfristiges Skandalgeschrei in der Boulevardpresse aus. Schrowange, die zuvor mit einem zehn Jahre Jüngeren liiert war, entrüstete sich über die Spießigkeit und Ungerechtigkeit einer Gesellschaft, die den Altersunterschied von Paaren, je nach Geschlecht, komplett unterschiedlich beurteilt. Damit hatte sie, im Sinn rationaler Gleichberechtigungslogik, wohl recht.
Nur folgt die kulturelle Optik keineswegs nur rationalen Motiven. Gerhard Schröder führte seine jugendliche Gattin mit stolzgeschwellter Brust vor. Aber andersrum? Angela Merkel auf Staatsbesuch mit einem Ehemann, der gerade sein Diplom zu Ende schreibt? Frank-Walter Steinmeier mit einer Frau, die demnächst einen runden Geburtstag feiert, nämlich ihren 70.? Da sträubt sich was, und zwar mit erstaunlicher Kraft. Auf den Punkt gebracht: Ein schwuler Bundeskanzler wäre für die öffentliche Fantasie akzeptabler als ein Bundeskanzler mit einer erheblich älteren Frau.
Bei diesem Paarbild schlägt der biologische Faktor als Unstimmigkeit viel stärker durch als bei allem anderen, das vom konventionellen Durchschnitt abweicht. Vermutlich aus einem ganz einfachen Grund, der unbewussten kollektiven Nachwuchssorge. Der Jüngling, der sich zu einer Frau jenseits der Gebärfähigkeit gesellt, fällt als potenzieller Stammhalter aus. Statt Kinder in die Welt scheint er sich selbst in die Dauerposition des Kindes zu setzen und das ödipale Rollenmuster als Dauerzustand zu etablieren. Daran stört sich der Tabureflex. Dies gilt für die junge Frau mit ihrem Sugardaddy nicht in gleicher Weise. Sie kann die Mutter eines gemeinsamen Kindes werden. Sie schlägt die Tür zum genealogischen Fortschritt nicht zu und damit auch nicht die Tür zur eigenen Erwachsenheit. Das Ödipale wirkt bei ihr wie eine Durchgangsphase und wohl eben dadurch auch erträglicher.
Wichtig zu sagen: All diese Paare können sehr glücklich sein. Die Modemacherin Vivienne Westwood ist seit 1992 mit einem ehemaligen Studenten verheiratet, von dem sie 26 Jahre trennen, und soweit man weiß, sind die beiden recht vergnügt. Die 1873 geborene Schriftstellerin Colette hatte an ihrem 1903 geborenen Stiefsohn mindestens so viel Freude wie zuvor an dessen Vater Baron Henry de Jouvenel. Hier geht es vielmehr um einen jener kleinen Unterschiede der Geschlechterwahrnehmung, die kein Trend, kein Dernier Cri der Gleichberechtigung so mühelos und ohne Selbstbetrug aus der Welt schafft.
Dass hier ein Trend köchelt und Madonna mal wieder ihr Bestes gegeben hat, seinen Siedepunkt zu besetzen, das allerdings ist nicht zu übersehen. In jeder fünften deutschen Ehe, sagt das Statistische Bundesamt, ist die Frau inzwischen älter als der Mann. Im Internet finden sich Partnervermittlungsseiten wie altersvorsprung.de und toyboywarehouse.com, die auf den Kontakt älterer Frauen mit jüngeren Männern spezialisiert sind.
In Amerika, wo der Trend herkommt, gehört es für weibliche Stars längst zur Garantie des Selbstbildes, einen Mann zu haben, der sich im eigenen gefühlten Idealalter befindet. Die Schauspielerin Demi Moore und ihr Kollege Ashton Kutcher (16 Jahre jünger) gelten seit geraumer Zeit als Vorzeigepaar des Trends. Gefolgt von der stoischen Tina Turner, die einen ebenfalls eineinhalb Jahrzehnte jüngeren Plattenmanager liebt. Ganz zu schweigen von den großen Pensionistinnen des Glamours wie Liz Taylor, Joan Collins, Zsa Zsa Gabor, die, was nur ihre Geburtsurkunde weiß, die Großmütter ihrer jeweils siebten oder achten Ehemänner sein könnten.
Gut, das sind schrille Ausnahmen von der Regel. Die Regel sagt: Im besten Fall ist der Mann ein paar Jahre älter als die Frau. Im zweitbesten Fall ist die Frau ein wenig älter als der Mann, aber nicht mehr als zehn Jahre. Wer liebt und lieben will, soll Regeln brechen nach Lust und Laune. Zu verleugnen, dass die Kulturgeschichte unseren Reflexen ein kleines Regelwerk der Liebe eingepflanzt hat, das indes ist Unfug.
- Datum 17.03.2009 - 16:29 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.03.2009 Nr. 13
- Kommentare 22
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Warum muss "frau" darüber schreiben, wenn sich zwei starmäßige Menschlein - wahrscheinlich für eine kurze, heftige, materiell bestens abgesicherte, begrenzte Zeit - zusammen tun?
Weil ZEIT-Leser darüber aufgeklärt werden wollen (oder müssen)?
Weil das simulierte, abe funktionierende Vorbilder, also Identitätsattrappen, für psychosozial ungesicherte Existenzen sind?
Liebe oder Sex (oder beide Stimuli...!?) als physiologische Kreation oder PR-Geschäft?
Mir schnurz-egal!
Ich zahl dafür nix.
Ich bete da nix und niemanden an.
Religions- und emotionale Ersatzphasen sind für mich perdu! Seit Abschluss der Pubertät.
Sehr viel jüngere Partner leistet man sich. Da in der Regel der Mann mehr als die Frau verdient, ist in einer Beziehung mit großen Altersunterschieden in den meisten Fällen der Mann der Ältere. Bei den gut verdienenden Stars kann natürlich auch die Frau die Ältere sein.
lustig nur, dass die paarung "ältere frau -- jüngerer mann" erst seit vielleicht einem jahrhundert ernsthaft als problematisch empfunden wird -- parallel nämlich zum aufschwung des ideals der ehe als ausdruck romatischer liebe.
bis in's 19. jh hinein war die heirat einer älteren frau in vielen bereichen voraussetzung für wirtschaftlichen und persönlichen erfolg -- wenn nämlich die "konservierung" der witwe notwenig war, um einen betrieb bzw eine bestimmte berufliche position einzunehmen.
selbst bei pfarrämtern war es bis weit in die neuzeit üblich, dass der amtsnachfolger die pfarrwitwe heiraten musste, um deren versorgung sicherzustellen -- aber in eben diesem bereich ist das auch am ehesten kritisiert und abgeschafft worden.
in handwerksbetrieben jedoch, wo die witwe tatsächlich im besitz der produktionsmittel war, war dies nahezu unvermeidlich -- und wurde als vollkommen normaler vorgang angesehen (allerdings gab es amtliche und kirchliche vorgaben, die den altersabstand begrenzten).
verwitwetete der jüngere mann dann, heiratete er eine jüngere -- die ihren mann dann wieder überlebte ...
neben dem versorgungsaspekt und der karrriereplanung war im übrigen die heirat einer älteren frau auch probates mittel der familienplanung.
wie gesagt, erst mit dem siegeszug des romatischen liebesideals (und der strikten verbannung der frau in den häuslichen bereich seit dem 19.jh), wurde diese konstellation ungebräuclich und schliesslich tabubeladen.
"Zu verleugnen, dass die Kulturgeschichte unseren Reflexen ein kleines Regelwerk der Liebe eingepflanzt hat, das indes ist Unfug."
sicher, aber die betrachtung in historischer perspektive zeigt auch, dass so manche dieser "althergebrachten" regeln (mit vorliebe evolutionsgeschichtlich begründet), sehr jung sind -- und folgerichtig auch vergleichsweise unaufwendig zu ändern.
ob man, um eine gesellschaftliche Meinung abzubilden, unbedingt die Leute hernehmen muss die es interessiert, mit wem Madonna sich verheiratet.
Ansonsten möchte ich zu dem Thema diesen Artikel hier empfehlen.
Was Fiktionen der Bundeskanzlerin mit einem Frischabsolventen angeht: ich glaube, dies würde weniger an mangelnder gesamtgesellschaftlicher Legitimität scheitern, als an den Präferenzen des jungen Mannes. Ich selber habe bis vor kurzem gut fünf Jahre mit einer gut fünf Jahre älteren Freundin zusammengelebt, kein Schwein hat was gesagt und der Altersunterschied hat mich fast zu keinem Zeitpunkt gestört. Sollte er aber so drastisch ausfallen, wie oben angesprochen: wenn ich die Wahl hätte zwischen einer, die genausoalt ist wie ich oder jünger (und dementsprechend gut aussieht) und die relativ viel Zeit für mich hat... oder einer, die wesentlich älter ist, als ich, ständig im Beruf eingespannt und dann vermutlich auch noch den Stress nach Hause bringt - ich bin mir sicher, dass sich 99% meiner männlichen Altersgenossen wie ich...SICH FÜR MÖGLICHKEIT N° 2 ENTSCHEIDEN WÜRDEN ;P.
Mich irritiert daran lediglich, daß Madonna sich nicht endlich eine jüngere Frau sucht. Aber das ist schon alles.
hat mit Sicherheit sehr viele Freundinnen seines Alters, oder jünger.
Ein guter Angler wählt mit Bedacht den rechten Köder.
Möglicherweise aber ist auch alles ganz anders.
Who cares?
hat mit Sicherheit sehr viele Freundinnen seines Alters, oder jünger.
Ein guter Angler wählt mit Bedacht den rechten Köder.
Möglicherweise aber ist auch alles ganz anders.
Who cares?
britney hat sie nicht gewollt ;-)
nur spaß ;-) ... bei all den meinungen, dem wohlwollen wie der abneigung ist es letztendlich nutzlos auch nur ein wort darüber zu verlieren.
partnerschaft ist und bleibt eine sache zwischen zwei personen und wenn die sich einig sing, gehen ihr alter, ihre geschlechter oder ihre praktiken niemanden etwas an.
Darum kann ich mich ehrlich gesagt auch nur darüber wundern, wenn in diversen Berichten dazu zwar ausgebreitet wird, wie es denn nun wirklich zugeht in und um die Prominenzbetten, aber gleichzeitig, meist noch im selben Duktus, mit recht hoher Nase und gerunzelter Stirn die Frage behandelt wird, weshalb man darüber eigentlich schreiben muß, da es ja an sich keinen zu interessieren habe - ganz so, als sei der Schreiber nicht als solcher, sondern als Anthropologe unterwegs.
Aber gleichviel: Die Nacht ist nun einmal die Mutter der Ontologie - das mag wohl auch fürs nächtliche Bettgestöber gelten.
Darum kann ich mich ehrlich gesagt auch nur darüber wundern, wenn in diversen Berichten dazu zwar ausgebreitet wird, wie es denn nun wirklich zugeht in und um die Prominenzbetten, aber gleichzeitig, meist noch im selben Duktus, mit recht hoher Nase und gerunzelter Stirn die Frage behandelt wird, weshalb man darüber eigentlich schreiben muß, da es ja an sich keinen zu interessieren habe - ganz so, als sei der Schreiber nicht als solcher, sondern als Anthropologe unterwegs.
Aber gleichviel: Die Nacht ist nun einmal die Mutter der Ontologie - das mag wohl auch fürs nächtliche Bettgestöber gelten.
Darum kann ich mich ehrlich gesagt auch nur darüber wundern, wenn in diversen Berichten dazu zwar ausgebreitet wird, wie es denn nun wirklich zugeht in und um die Prominenzbetten, aber gleichzeitig, meist noch im selben Duktus, mit recht hoher Nase und gerunzelter Stirn die Frage behandelt wird, weshalb man darüber eigentlich schreiben muß, da es ja an sich keinen zu interessieren habe - ganz so, als sei der Schreiber nicht als solcher, sondern als Anthropologe unterwegs.
Aber gleichviel: Die Nacht ist nun einmal die Mutter der Ontologie - das mag wohl auch fürs nächtliche Bettgestöber gelten.
Selten schön auf den Punkt gebracht.
Selten schön auf den Punkt gebracht.
hat mit Sicherheit sehr viele Freundinnen seines Alters, oder jünger.
Ein guter Angler wählt mit Bedacht den rechten Köder.
Möglicherweise aber ist auch alles ganz anders.
Who cares?
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