Finanzgipfel Notfalls ohne Obama

Gute Nachrichten vor dem Gipfel: Wenn Amerika nicht mitmacht, kann Europa seine Finanzmärkte auch allein regeln

Je schlimmer die Krise, desto größer der Wunsch nach Gemeinsamkeit. In der Not sollen die führenden Länder zusammenstehen, deren Regierungschefs sich nächste Woche in London treffen. Doch wie schon nach den Terrorangriffen von 2001 oder im Kampf gegen den Klimawandel droht eine Enttäuschung. Allen Annäherungen zum Trotz wirft Amerika den Europäern vor, nicht genügend Milliarden für die Konjunktur auszugeben. Und Europa verdächtigt die Amerikaner, sie wollten die globale Regulierung der Finanzmärkte unterlaufen.

Das ist mehr als nur Gezänk. Die Alte und die Neue Welt unterscheiden sich in ihren Werten, Erfahrungen und volkswirtschaftlichen Strukturen. Und die neuen Mächte von China bis Brasilien bringen wiederum eigene Vorstellungen mit. Die Unterschiede sind zu groß, als dass gemeinsame Erklärungen sie beseitigen könnten. Natürlich ist es gut, wenn die Welt zusammenhält, um zum Beispiel die Gefahr des Protektionismus abzuwehren oder kleine Länder im Osten und Süden der Welt aufzufangen, die nun als Folge der Finanzkrise unverschuldet zu kollabieren drohen. Aber: Die Regierungen müssen nicht alles gemeinsam regeln, sie können zu ihren Unterschieden auch stehen.

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Amerikanische Politiker und Ökonomen zweifeln derzeit mit Vorliebe am Sachverstand der deutschen Regierung, weil sie zu wenig gegen den Abschwung unternehme. Die keilt zurück, vielleicht sollten die lieben Kollegen mal die Zahlen prüfen. Stimmt, die Bundesrepublik stützt die Konjunktur in diesem und im nächsten Jahr mit rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung und braucht sich damit nicht zu verstecken. Im Sommer dürfte Peer Steinbrück sogar weiteres Geld aufnehmen, um die Sozialkassen aufzufüllen. Auch das Argument, die Deutschen müssten mehr tun, weil sie es sich noch leisten könnten, ist absurd: Sollen wir jetzt dafür büßen, dass wir sparsamer gewirtschaftet haben als andere Industrieländer?

Berlin hat verhindert, dass Europa gemeinsam die Konjunktur stützt

Doch in einem haben die Amerikaner recht: Berlin hat lange verhindert, dass die Europäer gemeinsam die Konjunktur stützen – mit dem Ergebnis, dass unsere Handelspartner Frankreich und Italien kaum etwas gegen den Abschwung tun. Die Länder Europas treiben fast zwei Drittel ihres Handels miteinander, und teilweise unterhalten sie dieselbe Währung; sie müssen sich auch gemeinsam der Krise erwehren. Das haben die Deutschen zum Schaden der eigenen Exporte ignoriert. Erst als die Amerikaner lautstark Konjunkturpakete forderten, wurde Angela Merkel zur Europäerin – und organisierte das gemeinsame Nein. Immerhin fahren die Europäer geeint auf den G-20-Gipfel.

Dort prallen unterschiedliche Traditionen aufeinander. Das kollektive Gedächtnis der Amerikaner fürchtet vor allem Deflation und Depression, wie das Land sie vor dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Also geben die Vereinigten Staaten in der Krise eher zu viel als zu wenig Geld aus und nehmen das Risiko einer künftigen Inflation in Kauf. Die Deutschen dagegen wurden geprägt von der Erfahrung der Hyperinflation; ihre Angst vor Geldentwertung bestimmt den Stabilitätspakt des Euro.

Amerika ist – im Namen der individuellen Glückssuche – dafür geschaffen, sich abrupt zu verändern. Die Wirtschaft ist flexibler. Und wenn es abwärtsgeht, ist der Staat zu massiven Gegenmaßnahmen gezwungen, weil das schwache soziale Netz die Arbeitslosen nur ein bis zwei Jahre hält. Deutschland und seine Nachbarn haben einen stärkeren Sozialstaat. Die Industrie ist zwar innovativ, wandelt sich in ihrer Struktur aber langsam. Wenn die Regierungen riesige Schulden auftürmen, erschrecken sich die Bürger und kaufen weniger.

Leser-Kommentare
  1. Bitte, liebe Leser, schaut mal was unter folgender Webadresse steht:
    http://www.foreignpolicyi...
    Die alten Kriegsfalken, die unter Bush schon das Sagen hatten, basteln an Plänen für eine Zeit nach Obama. Die Zeit drängt allerdings, will die USA nicht ihre Hegemonialmacht verlieren. Sollte Obama vielleicht das Ende seiner offiziellen Amtszeit nicht überstehen? Ein interessanter Gedanke, doch was kommt danach? Folgt wieder Krieg wie nach der Zeit der großen Depression?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mehr als aufschlussreich, danke. Er rechtfertigt weiterhin die brutale und rücksichtslose Gewalt, mit der Amerika seine Interessen durchsetzt. Da, nach meinem Dafürhalten, der $$ jedoch über kurz oder lang als Leitwährung ausgedient hat, wird es so einfach nicht mehr werden, wie es in der Vergangenheit war. Europa wird diesem Treiben:

    continued U.S. engagement--diplomatic, economic, and military—in the world and rejection of policies that would lead us down the path to isolationism;

    robust support for America’s democratic allies and opposition to rogue regimes that threaten American interests;

    the human rights of those oppressed by their governments, and U.S. leadership in working to spread political and economic freedom;

    a strong military with the defense budget needed to ensure that America is ready to confront the threats of the 21st century;

    international economic engagement as a key element of U.S. foreign policy in this time of great economic dislocation.

    nicht mehr wortlos zur Seite stehen, das wird auch Angela Merkel, so sie die Bundestagswahl überlebt, lernen müssen. In diesem Zusammenhang ist auch der Wiedereintritt Farankreichs in den NATO Komplex zu verstehen: der amerikanische Einfluss geht zurück, somit kann Frankreich als Atommacht seinen Einfluss besser und effektiver durchsetzen meint ...
    Kuni

    Besser semiintellektuel als grenzdebil

    mehr als aufschlussreich, danke. Er rechtfertigt weiterhin die brutale und rücksichtslose Gewalt, mit der Amerika seine Interessen durchsetzt. Da, nach meinem Dafürhalten, der $$ jedoch über kurz oder lang als Leitwährung ausgedient hat, wird es so einfach nicht mehr werden, wie es in der Vergangenheit war. Europa wird diesem Treiben:

    continued U.S. engagement--diplomatic, economic, and military—in the world and rejection of policies that would lead us down the path to isolationism;

    robust support for America’s democratic allies and opposition to rogue regimes that threaten American interests;

    the human rights of those oppressed by their governments, and U.S. leadership in working to spread political and economic freedom;

    a strong military with the defense budget needed to ensure that America is ready to confront the threats of the 21st century;

    international economic engagement as a key element of U.S. foreign policy in this time of great economic dislocation.

    nicht mehr wortlos zur Seite stehen, das wird auch Angela Merkel, so sie die Bundestagswahl überlebt, lernen müssen. In diesem Zusammenhang ist auch der Wiedereintritt Farankreichs in den NATO Komplex zu verstehen: der amerikanische Einfluss geht zurück, somit kann Frankreich als Atommacht seinen Einfluss besser und effektiver durchsetzen meint ...
    Kuni

    Besser semiintellektuel als grenzdebil

  2. mehr als aufschlussreich, danke. Er rechtfertigt weiterhin die brutale und rücksichtslose Gewalt, mit der Amerika seine Interessen durchsetzt. Da, nach meinem Dafürhalten, der $$ jedoch über kurz oder lang als Leitwährung ausgedient hat, wird es so einfach nicht mehr werden, wie es in der Vergangenheit war. Europa wird diesem Treiben:

    continued U.S. engagement--diplomatic, economic, and military—in the world and rejection of policies that would lead us down the path to isolationism;

    robust support for America’s democratic allies and opposition to rogue regimes that threaten American interests;

    the human rights of those oppressed by their governments, and U.S. leadership in working to spread political and economic freedom;

    a strong military with the defense budget needed to ensure that America is ready to confront the threats of the 21st century;

    international economic engagement as a key element of U.S. foreign policy in this time of great economic dislocation.

    nicht mehr wortlos zur Seite stehen, das wird auch Angela Merkel, so sie die Bundestagswahl überlebt, lernen müssen. In diesem Zusammenhang ist auch der Wiedereintritt Farankreichs in den NATO Komplex zu verstehen: der amerikanische Einfluss geht zurück, somit kann Frankreich als Atommacht seinen Einfluss besser und effektiver durchsetzen meint ...
    Kuni

    Besser semiintellektuel als grenzdebil

    Antwort auf "U.S.A. ohne Obama?"
  3. Erst ist in Spanien die Immobilienblase geplatzt. Gestern erscheint die Meldung, dass in Spanien die erste Bank gestützt werden muß.

    Auch sonst liest sich der Artikel wie eine Sammlung alter Klischees und Wirtschaftslegenden.

    Europa kann formal ohne die USA viel regeln. Wo die Musik dirigiert wird, hat die gestrige Entwicklung des DAX gezeigt.

    Noch ein Beispiel gefällig: Die Amerikaner präsentieren ihr Rettungskonzept für die Banken. Der DAX folgt dem DOW gefügig zur Bären-Rally. Die Amerikaner stellen GM und Chrysler ein Ultimatum. Der DAX fällt dem DOW im vorweggenommenen Gehorsam voran.

    Beunruhigend ist, daß die Amerikaner heute schon die Grundlage für die Wettbewerbsvorteile ihrer Banken von morgen legen. Die Europäer schieben eine Milliarde nach der anderen in den maroden Bankensektor und sind von einem Konzept weit entfernt.

    Ach so ja, Herr Heuser, seit geraumer Zeit haben wir den Euro. Damit sind nationaler Wirtschaftspolitik enge Grenzen gesetzt. Auch die Tschechen werden das noch merken.

    • peto1
    • 31.03.2009 um 9:45 Uhr

    Von Frühlings Gefühlen kan man bei diesem Treffen nicht sprechen.

  4. DIESER FEHLGEBURT NAME EU IST GOTT SEI DANK ZUM SCHEITERN VERÜRTEILT;DIE MACHT DIE DIESER BETONKOPFE IM BRUXSEL MIT UNDEMOKRATISCHER METODE AN SICH GERISSEN HABEN WIRD FUR SIE ALS INDERNIS ERWEISEN UND SIE DURCH EUROPÄISCHER VOLKS AUSTAND IM MÜLL DER GESCHISCHTE VERDONNERT DIE ARROGANZ DER POLITISCHER MACHTHABER WIRD HART BESTRAFT AMEN:

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