Ein düsteres Gewölbe, Winterlicht fällt durch die Schießscharten auf die Kanonen in Dresdens Jungfernbastei. Im Laboratorium des Goldmachers ist es unerträglich heiß, der König und sein Statthalter weichen erschrocken zurück. Der Mann öffnet eine Ofentür, ein Mitarbeiter holt eine feuerfeste Tonkapsel aus der Glut. Der Goldmacher lässt sich eine Zange reichen, entnimmt der Kapsel ein rot glühendes Teekännchen und lässt es mit theatralischer Geste in ein Wasserfass fallen. Peng! Ein explosionsartiger Knall. Kännchen kaputt? Aber nein, Majestät. »Es muss mir eine Probe aushalten«, lächelt der Goldmacher und fischt das kleine Gefäß unversehrt aus dem trüben Wasser. Der König staunt.

Ein Augenzeuge schildert später die Szene, es ist der Bergknappe Wildenstein, der Mann, der für den Goldmacher das Objekt aus dem Feuer holte. An jenem Dezembertag 1707 wurde das europäische Hartporzellan erfunden. Oder auch nicht. Denn nach allem, was die Forschung heute weiß, ist August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, einem Trickbetrug aufgesessen. Das glühende Kännchen war zerplatzt, der Goldmacher hatte den Knalleffekt kalkuliert – und ein zweites aus dem Bottich herausgefischt, das zuvor dort hineinpraktiziert worden war.

Hat Johann Friedrich Böttger das Geheimnis der Porzellanherstellung zu diesem Zeitpunkt schon gekannt? In jedem Fall will er Zeit schinden und den ungeduldig gewordenen König über den Fortschritt seiner Forschungen beruhigen. Und August ist sehr ungeduldig.

Hartporzellan, in China seit mehr als tausend Jahren in Gebrauch, kostet so viel wie Gold. Europas Fürstenhöfe sind verrückt danach; an die zwölf Millionen Einzelstücke gelangen aus China und auch aus Japan – wo man Porzellan erst seit Beginn des 17.Jahrhunderts und mehr für den Export produziert – in die Kunstkammern europäischer Potentaten und Kirchenfürsten. Das »weiße Gold«, in Gestalt von Servicen oder dekorativen Skulpturen, wird auch zur großen Schwäche Augusts des Starken. Der Prachtkerl unter Europas Barockfürsten, nach dem Urteil von Ulrich Pietsch, dem Leiter der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, »zweifellos der berühmteste und vornehmste Porzellansammler aller Zeiten«, ist dabei, sich durch seine Ankäufe zu ruinieren.

Verzweifelt stößt Böttger den Kopf gegen die Wand und bricht blutend zusammen

Der Fürst herrscht über eines der reichsten Länder in Europa und bleibt doch beständig in Geldnot. Sein Hofstaat ist größer als der des Kaisers, dessen Geschäfte er zeitweise führt. Um die Königskrone in Polen zu gewinnen, hat der Protestant den katholischen Glauben angenommen und seinen Staatsschatz geplündert, denn Polens Kirche und Adel ließen sich ihre Zustimmung teuer bezahlen. Und jetzt noch dieser unselige Krieg!

Eigentlich wollte er nur dem 18-jährigen König von Schweden zeigen, wie es um die Machtverhältnisse im Ostseeraum steht. Doch der draufgängerische KarlXII. marschiert in Polen ein, seine Truppen schlagen die überlegenen Heere Sachsens, Polens und Litauens in die Flucht. Polens Adel geht von der Fahne, wählt Stanislaus Leszczyński zum neuen König.

August gibt sich nicht geschlagen. Doch er braucht Geld für seinen Krieg. Er braucht Gold. Zwei Tonnen verspricht ihm der Goldmacher. Kann er ihm vertrauen? Johann Friedrich Böttger, 1682 im thüringischen Schleiz geboren, hat als 19-jähriger Apothekerlehrling in Berlin mit chemischen Versuchen Aufsehen erregt, da er keck behauptete, er sei in der Lage, unedles Metall in Gold zu verwandeln. Als Preußens König Friedrich I. den Apothekergehilfen vorlädt, ergreift der die Flucht. Zu viele Goldmacher, Alchimisten und Quacksalber endeten schon am Galgen. Im Herbst 1701 flieht er über die sächsische Grenze; in Wittenberg wird er verhaftet und nach Dresden gebracht. Es kommt zu einer internationalen Krise. Preußens Friedrich verlangt die Auslieferung. Sachsens August denkt nicht daran, einen Alchimisten herauszurücken, der einfaches Metall in Gold verwandeln kann. Böttger steht unter Arrest, der König stellt ihm ein Labor im Dresdner Schloss zur Verfügung und verordnet Geheimhaltung.

So beginnt eine der merkwürdigsten Geschichten im Zeitalter der Erfindungen. Der Gefangene köchelt die Gier des Königs auf kleiner Flamme. August stattet ihn mit Dukaten aus, lässt ihm ein Laboratorium im sogenannten Goldhaus der Residenz errichten, mit umfassender Bibliothek und 23 Brennöfen. Acht Bergknappen aus Freiberg sind ihm zu Diensten.

Natürlich kann Böttger sein Versprechen auch an der Elbe nicht einlösen. Wieder nimmt er Reißaus, flieht über die böhmische Grenze nach Prag, weiter in Richtung Wien. Er wird gefasst und an Sachsen ausgeliefert. Von nun an steht er unter strengster Bewachung. Im Keller des Fürsten von Fürstenberg, Statthalter Augusts des Starken, forscht und notiert, mischt und brennt Böttger um sein Leben. Die Luft ist zum Schneiden dick, eine unheilvolle Mischung aus Blei- und Quecksilberdämpfen. Trotzdem arbeitet er sorgfältig und systematisch, notiert die Resultate seiner Versuche mit Säuren und hochgiftigen Elixieren.

Für seine Arbeit mangelt es dem Staatsgefangenen an nichts. Er bekommt alle Materialien, die er verlangt. Zu seinen Aufsehern zählen die besten Köpfe des Landes: der erfahrene Metallurg und Bergrat Gottfried Pabst von Ohain aus Freiberg und der Königlich Polnische Rat und Leiter der kurfürstlichen Laboratorien, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus.

Der Universalgelehrte, 1651 im niederschlesischen Kieslingswalde bei Görlitz geboren, ist der bedeutendste Wissenschaftler im Reich Augusts des Starken, eine Lichtgestalt der frühen Aufklärung, Naturforscher, Vulkanologe und Mineraloge, Physiker und Philosoph, Materialforscher und Mathematiker. In Holland besucht er Spinoza, in Paris arbeitet er mit Leibniz an einer Zahlentheorie. Er entwickelt Spiegelapparate aus poliertem Kupfer, begehrte Sammelobjekte in fürstlichen Kunstkammern. Er baut Brenngläser von nie da gewesener Größe und Klarheit, mit denen er Temperaturen von 1400 Grad Celsius erreicht.

Der Gelehrte wird zum Mentor und Beschützer des Apothekergehilfen, dessen systematische Arbeitsweise ihn ebenso beeindruckt wie seine mathematischen Kenntnisse. Er sucht Böttgers Rat bei einem eigenen Forschungsprojekt: Seit Jahren versucht Tschirnhaus schon, »den Porcellan zu bereiten«, scheitert aber wie viele seiner Vorgänger daran, dass er Methoden der Glasherstellung variiert. Auch Sonnenenergie führt ihn nicht weiter. Unterm Brennglas schmelzen sogar Diamanten, aber Porzellan braucht einen Ofen.

Offenbar bringt ihn erst Böttger auf die heiße Spur: Für einen Ofen, der Brenntemperaturen über 1450 Grad Celsius entwickelt und hält, benötigt man sehr gute Ofenbauer, feuerfeste Schamottsteine und sehr, sehr viel Holz. Und man braucht ein leistungsfähiges Labor, in dem man ungestört arbeiten kann.

Mitten im Krieg? Die Schweden fallen in Sachsen ein. Böttger wird in Sicherheit gebracht. Nun arbeitet er auf der Meißner Albrechtsburg, einige Kilometer elbabwärts von Dresden, in einem geheim gehaltenen Labor. Dort schließt er mit Pabst von Ohain und Tschirnhaus einen Vertrag. Gemeinsam wollen sie die »Tinktur der Weisen« suchen, die unedle Metalle in edle verwandelt. Auf der Albrechtsburg beginnt Böttger auch mit Steinzeug zu experimentieren. Der Versuch gelingt: die Herstellung von ziegelrotem Jaspisporzellan, später als Böttgersteinzeug bekannt.

Die Schweden belagern Dresden. Böttger wird auf die Feste Königstein gebracht, im Elbsandsteingebirge südlich der Hauptstadt. Dort gibt es kein Labor, dafür Freigänge an frischer Luft hoch über der Elbe. Der Königstein ist Knast auf höchstem Niveau, Sachsens Bastille. Hier schmachten Staatsgefangene von Adel. Der ehemalige Premierminister Wolf Dietrich Graf von Beichlingen sitzt schon seit drei Jahren ein, plant mit einigen Mitverschwörern einen Ausbruchsversuch. Er hat Großes vor, will August stürzen. Böttger ist eingeweiht, bekommt kalte Füße und verrät die Aktion an den Festungskommandanten. Die enttäuschten Rädelsführer schwärzen ihn als Scharlatan an, der Goldmacher, der kein Gold macht, gerät in Not.

Sein Retter ist offenbar der ehrenwerte Tschirnhaus. Der Gelehrte überzeugt Statthalter Fürstenberg, dass es höchst sinnvoll sei, in dieser kritischen Situation an zwei Projekten zu forschen. Der Gefangene solle nicht nur nach dem Geheimnis des gelben, sondern auch nach dem des weißen Goldes suchen.

Böttger leidet an Depressionen, die jahrelange Haft verwirrt ihn zusehends. Er stößt so lange den Kopf gegen die Wand, bis er blutend zusammenbricht. Im September 1707 wird er von Tschirnhaus und dem Arzt Johann Jacob Bartholomaei nach Dresden gebracht. Sein neuer Arbeitsplatz sind die Kasematten der Jungfernbastei am Elbufer.

Drei Gewölbe werden als Laboratorien ausgebaut. Hier beginnt Böttger seine keramischen Versuche. Er bleibt unter strenger Bewachung. Immerhin erhält er eine monatliche Zuwendung von 400 Talern. Davon müssen alle Ausgaben beglichen werden samt den Personalkosten. Auch Tschirnhaus steht auf Böttgers Liste, erhält monatlich 100 Taler, ein klägliches Salär für einen der großen Gelehrten Europas. Seit 1682 Mitglied der französischen Académie des sciences, hofft er vergeblich auf eine Staatspension aus dem Etat Ludwigs XIV. Sein Lebenstraum, die Gründung einer sächsischen Akademie der Wissenschaften, ging nie in Erfüllung.

Unglücklicher Tschirnhaus. Im Frühjahr 1707 ist seine Frau am Kindbettfieber gestorben, mit ihr das Neugeborene. Sein Stolz, sein ältester Sohn Gottlob Ehrenfried, der in Leiden studiert, erkrankt an Hirnhautentzündung und wird debil. Der Gelehrte ist am Ende seiner Kräfte, überträgt Böttger die Verantwortung für das Porzellan-Projekt. Wenn es einer schafft, dann er.

Vermutlich in den letzten Tagen des Jahres 1707 kommt der König in die Bastei. Böttger kann sein Kännchen vorführen. Der Knalleffekt zeigt Wirkung. Sein Gehalt wird auf 450 Taler erhöht. Tatsächlich sind die Forscher nicht mehr weit vom Ziel entfernt. Unermüdlich hat Bartholomaei von seinen Reisen durch Sachsen Bodenproben mitgebracht. Endlich trifft man den richtigen Ton: weißer Waldenburger und Colditzer Ton mit Alabaster als Flussmittel.

Am 15. Januar 1708 notieren sie die Rezeptur für weißes Hartporzellan. Ein Grund zum Feiern. Nur, wer hat das Protokoll geschrieben? Böttger? Ein graphologisches Gutachten weist nach: Er war es nicht. Das Rezept schrieb der Arzt, es ist die Handschrift Bartholomaeis. Hat er etwa das Porzellan erfunden, zwei Wochen nachdem er in die komplexe Materie eingeführt wurde? Wohl kaum. Hat Böttger die Aufzeichnungen diktiert? War es Tschirnhaus?

König August reagiert sofort. Er lässt die Bastei umstellen. Sieben Oberoffiziere, fünf Sergeanten, zwölf Korporale, ein Tambour und 90 einfache Soldaten bewachen jetzt das Zukunftslabor. Da trifft das ganze Unternehmen ein schwerer Verlust. Am 11. Oktober 1708 stirbt Ehrenfried Walther von Tschirnhaus nach vier Tagen Krankheit an der Roten Ruhr.

August kann das nicht beirren. Im Porzellan liegt die Zukunft. Eine Kaolinprobe aus Aue im Erzgebirge trifft ein. Am 28. März 1709 ist der große Moment gekommen: Johann Friedrich Böttger vermeldet in einem Memorandum an seinen König feierlich die erste Produktion europäischen Porzellans.

Eine Kommission wird eingesetzt, stellt Fragen, die Böttger am 10. November 1709 beantwortet. Die Schrift trägt den schönen Titel: Unvorgreiffliche Gedanken über meine theils denen Ausländern nachgeahmte theils durch mich selbst erfundene Manufacturen. Drei Dinge seien es, welche die Begierde der Menschen wecken können, etwas zu erwerben, das sie zu ihrem nötigen Gebrauch entbehren können: »Als erstlich die Schönheit, zum anderen die Rarität und drittens die mit beyden verknüpfte Nutzbarkeit. Solche drey Qualitäten machen eine Sache angenehm, kostbar und nöthig…«

Die Kommission bleibt skeptisch, ob genügend Rohstoffe und Brennholz zu beschaffen seien. Ob der Preis für das einheimische Porzellan niedriger ausfallen werde als der für das ausländische. Und vor allem: ob das Böttgersche Porzellan dem »ost-indianischen« in der Qualität gleichkomme.

August der Starke, nun wieder König von Polen, mag keine Bedenkenträger. Am 24. Januar 1710 verkündet er per Dekret die Gründung der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Ein Schloss muss her. Drei stehen zur Auswahl. Moritzburg, das Jagdschloss mitten im Wald, ein Sicherheitsrisiko. Pillnitz, die Residenz direkt am Ufer der Elbe, charmant, aber noch gehört sie seiner Mätresse, der Gräfin Cosel. Bleibt die Albrechtsburg in Meißen. Böttger regelt die Ausstattung, stellt den Personalplan auf: »Goldschmiede, Bildhauer, Wax- und andere Posierer derl. Sowohl künstliche als auch gemeine Töpfer, für gemeine Hand-Arbeith aber allerhand gemeine und nur etwas geschickte Leute.«

Starb Tschirnhaus an Arsen? War es Mord?

Der Meißner Betrieb nimmt die Arbeit auf, unter Böttgers Leitung. Am 19. April 1714 wird er offiziell aus der Haft entlassen. Im Jahr darauf überträgt ihm der König die Manufaktur auf Lebenszeit. Böttger führt nun ein herrschaftliches Leben, unterhält eine Orangerie mit 400 Bäumen, ein freier, geachteter Mann. Aber seine Gesundheit ist ruiniert. 13 Jahre Haft, die Arbeit mit Säuren und giftigen Substanzen in düsteren, verqualmten Gewölben verlangen ihren Tribut. Am 13. März 1719 stirbt Johann Friedrich Böttger, der Goldmacher des Königs.

Die Frage bleibt: Hat er wirklich das Porzellan erfunden? Schon zu seinen Lebzeiten regt sich Widerspruch. Caspar Gottlob Bussius, Mitglied des Direktoriums der Meißner Manufaktur, behauptet im September 1718, dass die Erfindung »nicht von Böttgern, sondern vom seligen Herrn von Tschirnhaus herkomme und dessen schriftliche Wissenschaft ihm durch den Inspektor Steinbrück zugebracht worden sey«. Der Kassenverwalter bezichtigt Böttger der Trunksucht, der Treulosigkeit und der Unfähigkeit, die Manufaktur zu leiten. Als diese Polemik öffentlich wird, kann sich der Angegriffene nicht mehr wehren, da liegt er bereits todkrank darnieder.

Doch besagter Steinbrück tritt erst Mitte Mai 1709 in Böttgers Dienste, da ist der kritische Laborversuch abgeschlossen, das Rezept dokumentiert. Und der Entwurf einer handschriftlichen Erklärung Böttgers vom 15. Januar 1708 ist eigentlich nicht mehr zu ignorieren: »In Nomine Jesu. Die Sächs. Porcell. Manuf. Seynd Anno 1708 unter der glorwürdigen Regierung des Allergnäd. Tot. Tit. Seynd durch mich J.Fr. B. gebürtig von Schleiz i. Voigtlande [] erfunden worden.«

Oder war es ganz anders? Der Lübecker Edelsteingutachter Cristof von Tschirnhaus, ein entfernter Nachkomme des Gelehrten, beschuldigt Böttger noch heute des Betrugs und des geistigen Diebstahls. Ja, es könnten sogar, folgt man seiner engagierten Version der Ereignisse, die Symptome des todkranken Tschirnhaus auf eine Arsenvergiftung hindeuten. Wurde Ehrenfried Walther von Tschirnhaus ermordet?

Inzwischen sind etliche Historiker dem Streit verfallen. Lexika und Reiseführer werden umgeschrieben, selbst das Sächsische Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung änderte die entsprechenden Passagen im Schulbuch Geos für Geschichte. Dort heißt es nun: »Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gelang die Herstellung des Hartporzellans, die Johann Friedrich Böttger weiterentwickelte.«

Kann es sein, dass ein Apothekergehilfe klüger ist als ein Universalgelehrter? Kann es sein, dass ein Nachfahre zur Rettung der Familienehre mit einer kühnen These drei Jahrhunderte seriöse Forschung auf den Kopf stellt, um seinen Urahn in besserem Licht erscheinen zu lassen? Alles ist möglich.

Nächstes Jahr feiert Meißens Manufaktur ihren 300. Gründungstag, lassen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit der größten Porzellansammlung der Welt Augusts Idee vom Porzellanschloss wieder aufleben. Im Japanischen Palais am Elbufer wollte er 35000 Preziosen aus China, Japan und Sachsen versammeln und in verspiegelten Sälen präsentieren. So soll es nun geschehen.

Doch noch stehen die Hüter des Schatzes unter Schock. Das Haus Wettin fordert einen beträchtlichen Teil der Sammlung zurück. Nicht zum ersten Mal. 1918, als Deutschlands anachronistische Monarchien implodierten, dankte auch Friedrich August III. ab, Sachsens reichster Mann und letzter König. Er wurde enteignet, legte Widerspruch ein. In der Fürstenvereinbarung von 1924 bekamen die Wettiner 381 Teile der Porzellansammlung zugesprochen. Über ein halbes Jahrhundert später, 1999, schloss das Haus mit Sachsen einen neuen Kompromiss: 230 Stücke wurden zurückgegeben, 30 vom Freistaat angekauft.

Aber Augusts nimmersatte Erben geben keine Ruhe. 2008 erhöhte das Haus die Forderung auf 1860 Stück, einschließlich der Porzellane, die von den Russen nach 1945 aus der Moritzburg geraubt wurden. Dass die Wettiner demnächst auch Polen zurückverlangen, ist allerdings ein böses Gerücht.

Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg