Banken Der Kunde soll bezahlen
Warum wir den Beratern der Banken nicht mehr glauben können – der Erfahrungsbericht eines Insiders
Es gab eine Zeit, da galten Bankiers als kundige Berater, als grundsolide Wegbegleiter in Geldangelegenheiten, vielleicht ein bisschen langweilig, aber eben vertrauenswürdig und glaubhaft. Dieses Bild war schon immer ein wenig naiv. Seit je geht es ums Geschäft. Aber die gegenwärtige Bankenkrise hat deutlich gemacht, dass sich die Akzente endgültig verschoben haben: Im Vordergrund steht heutzutage nicht mehr das Interesse des Kunden an vernünftiger Beratung. Vornan stehen Vertriebserfolg und Ertragsmaximierung – für die Banken.
Schon äußerlich ist die untergegangene Bankenkultur offenkundig geworden. Bankfilialen wurden zu Automatenbanken, die Kundenhallen sind leer gefegt. Schalter und Tresen werden seltener, viele Kunden kennen ihren Bankberater nicht mehr persönlich. Kommt es überhaupt noch zum Gespräch, wird es vom Berater anhand standardisierter Gesprächsleitfäden geführt, mit festgelegten Textbausteinen und Fragen. Es geht um Verkauf, nicht um einen Dialog, bei dem die Bedürfnisse des Kunden herausgefunden werden.
Auch die Anfrage nach Kredit führt nicht mehr zum individuellen Gespräch, zur Einzelfallprüfung und Entscheidung – sondern begegnet dem Scoring. Lebensumstände, persönliche Eigenschaften, Verhalten und Branchen werden in Zahlen bewertet. Eine Blackbox fällt die Entscheidung. Auf erfahrene Kreditfachleute trifft der Kunde in den Filialen ohnehin kaum noch. Im Kreditgeschäft, das eigentlich Kerngeschäft der Banken ist, werden kaum mehr Mitarbeiter geschult. Die Weiterbildung konzentriert sich auf die Vertriebstechnik.
Im Einzelfall sieht das so aus: Am Montagmorgen hat der Kundenberater sein wöchentliches Zielgespräch. Sein Vorgesetzter hat zuvor mit dem Chef aus der ersten Führungsebene telefoniert; dabei ging es um die Zahlen der vergangenen Woche und die Frage, wie die Planzahlen dieser Woche zu erreichen sind. Der Chef berichtet am Montagnachmittag dem Vorstand, und dieses Gespräch kann unangenehm werden.
Dem Kundenberater wird gesagt, wie viel Provisionsertrag er durch Neuabschlüsse generieren soll – und zwar in allen Bereichen: Kredite, Anlagen, Versicherungen. Solche Zielvereinbarungen gibt es auch für das ganze Jahr. Wöchentlich, mitunter täglich, werden die elektronisch dokumentierten Vertriebserfolge mit den vorgegebenen Zielen abgeglichen. Erreicht der Kundenberater seinen vorgegebenen Ertrag, freut sich sein Vorgesetzter. Und der Chef des Vorgesetzten. Und der Vorstand.
Mehrmals jährlich wird der Kundenberater zu Veranstaltungen geschickt, wo neue Produkte und neue Produktkampagnen vorgestellt werden. Am Ende dieser Veranstaltungen werden die Teilnehmer gebeten, sich zu verpflichten, dass sie für guten Absatz sorgen. Bevorzugt werden »strukturierte« Produkte, wo sich Erträge für die Banken an besonders vielen Stellen unterbringen lassen.
- Datum 27.03.2009 - 14:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14
- Kommentare 13
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Na, also sowas:
Im Einzelfall sieht das so aus: Am Montagmorgen hat der Kundenberater sein wöchentliches Zielgespräch. Sein Vorgesetzter hat zuvor mit dem Chef aus der ersten Führungsebene telefoniert; dabei ging es um die Zahlen der vergangenen Woche und die Frage, wie die Planzahlen dieser Woche zu erreichen sind. Der Chef berichtet am Montagnachmittag dem Vorstand, und dieses Gespräch kann unangenehm werden.
Jetzt sind wir aber bass erstaunt! Leute, So sieht es wohl längst in JEDER Branche aus, ausgenommen die lieben Beamten und der Öffentliche Dienst.
Man muss schon ziemlich von gestern sein, wenn man immer noch über Beamte und öffentlichen Dienst herzieht. Erstens gibts davon immer weniger und als wir von denen ein angebliches "zu viel" hatten, da lief die soziale Marktwirtschaft tadellos.
Und das auch der Staat renditegeil ist und seine Mitarbeiter drangsaliert sieht man nicht zuletzt an den Klagewellen im Sozialwesen. Würde der Staat hier die Antragsteller oder wie er sie neuerdings selber nennt "Kunden" umfassend und ehrlich beraten, dann gäbe es in den Sozialgerichten nichts zu tun. Stattdessen gibt es klare Zielvorgaben, die Leute falsch oder zumindest gar nicht zu beraten und möglichst viel Geld zu verdienen (Überschüsse der Arbeitsagentur!), indem man Rechtsbruch wider besseres Wissen (die Klagen vor den Sozialgerichten ähneln sich, da wird nicht draus gelernt oder die Dienstanweisung überarbeitet) begeht.
Dazu kommt noch, dass im öffentlichen Dienst kaum noch Beamtenstellen vergeben werden und die Angestellten sehr kurz befristete Stellen bekommen. Die Entlohnung im öffentlichen Dienst als Angestellter ist ohnehin am unteren Ende im Vergleich zur Wirtschaft.
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
Man muss schon ziemlich von gestern sein, wenn man immer noch über Beamte und öffentlichen Dienst herzieht. Erstens gibts davon immer weniger und als wir von denen ein angebliches "zu viel" hatten, da lief die soziale Marktwirtschaft tadellos.
Und das auch der Staat renditegeil ist und seine Mitarbeiter drangsaliert sieht man nicht zuletzt an den Klagewellen im Sozialwesen. Würde der Staat hier die Antragsteller oder wie er sie neuerdings selber nennt "Kunden" umfassend und ehrlich beraten, dann gäbe es in den Sozialgerichten nichts zu tun. Stattdessen gibt es klare Zielvorgaben, die Leute falsch oder zumindest gar nicht zu beraten und möglichst viel Geld zu verdienen (Überschüsse der Arbeitsagentur!), indem man Rechtsbruch wider besseres Wissen (die Klagen vor den Sozialgerichten ähneln sich, da wird nicht draus gelernt oder die Dienstanweisung überarbeitet) begeht.
Dazu kommt noch, dass im öffentlichen Dienst kaum noch Beamtenstellen vergeben werden und die Angestellten sehr kurz befristete Stellen bekommen. Die Entlohnung im öffentlichen Dienst als Angestellter ist ohnehin am unteren Ende im Vergleich zur Wirtschaft.
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
Unsere Großeltern wussten es noch alle, Banker sind Gangster. In einem System, in dem die Mindestreserve regiert, kann es nur Betrug geben, ich hoffe auf den weltweiten Bankrun in den nächsten Monaten, damit diesen Verbrechern endlich auch rechtlich das Handwerk gelegt wird.
Der kleine schlechtbezahlte Bankangestellte in der Filiale tut mir dennoch irgendwie leid....
Man muss schon ziemlich von gestern sein, wenn man immer noch über Beamte und öffentlichen Dienst herzieht. Erstens gibts davon immer weniger und als wir von denen ein angebliches "zu viel" hatten, da lief die soziale Marktwirtschaft tadellos.
Und das auch der Staat renditegeil ist und seine Mitarbeiter drangsaliert sieht man nicht zuletzt an den Klagewellen im Sozialwesen. Würde der Staat hier die Antragsteller oder wie er sie neuerdings selber nennt "Kunden" umfassend und ehrlich beraten, dann gäbe es in den Sozialgerichten nichts zu tun. Stattdessen gibt es klare Zielvorgaben, die Leute falsch oder zumindest gar nicht zu beraten und möglichst viel Geld zu verdienen (Überschüsse der Arbeitsagentur!), indem man Rechtsbruch wider besseres Wissen (die Klagen vor den Sozialgerichten ähneln sich, da wird nicht draus gelernt oder die Dienstanweisung überarbeitet) begeht.
Dazu kommt noch, dass im öffentlichen Dienst kaum noch Beamtenstellen vergeben werden und die Angestellten sehr kurz befristete Stellen bekommen. Die Entlohnung im öffentlichen Dienst als Angestellter ist ohnehin am unteren Ende im Vergleich zur Wirtschaft.
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
Ich befinde mich grundsätzlich und immer im Rahmen des guten Geschmacks. Dafür gibt es nämlich keine allgemeingültige Definition! Insofern lehne ich die Bitte ab!
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
Ich befinde mich grundsätzlich und immer im Rahmen des guten Geschmacks. Dafür gibt es nämlich keine allgemeingültige Definition! Insofern lehne ich die Bitte ab!
Jetzt mal frei von jeder Moral:
Ein guter Verkäufer verkauft so, dass es ihm den meisten Gewinn bringt.
Das ist beim Autohändler so, beim Versicherungsvertreter auch und natürlich ebenso beim Kundenberater der Bank.
Dies logisch nachzuvollziehen ist nicht besonders schwer.
Problematisch wird es aber, wenn der gesunde Zweifel im Vorfeld immer wieder von eigentlich unverdächtiger Seite attackiert wird.
So geschehen von der Politik und im (auch öffentlich rechtlichem) Rundfunk, sowie der Presse.
Das Musterbeispiel ist hier die Riesterrente, die in immer für den Anbieter, aber oft nicht für den Kunden ein Gewinngeschäft ist/war, aber von allen Seiten als absolutes Muss angepriesen wurde.
Zu Kommentar 1 und die Ausnahme bei Beamten und dem öD.
Der Abschnitt:
Führen heißt also mehr und mehr: den Beratern Ziele vorgeben, sie motivieren und kontrollieren.
Kann man beinahe 1:1 auf die Polizei (jedenfalls in NRW) übernehmen.
Es geht halt auch hier mehr oder weniger ums Geld.
Beispiel:
Ziel: Verringerung der Verkehrsunfälle.
Vorgehensweise: rigoroses Vorgehen gegen Verkehrsverstöße durch Erhöhung der Kontrolldichte und Einschränkung des Opportunitätsprinzip.
Motivation: eine Hohe Tätigkeitenquote (Verwarn-, Bußgelder und Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen) neben der normalen Einsatzbewältigung (die auch sehr unterschiedliche Qualität haben kann), führt zu einer besseren Beurteilung, bzw. zu einer früheren Beförderung.
Kontrolle: Die Tätigkeiten werden als MHZ (beliebiges Zauberwort) notiert. So hat der direkte Vorgesetzte seine Leute im Blick, dessen Vorgesetzter ihn und die übrigen seiner Vergleichsgruppe, usw.
Das ging soweit, dass im internen Polizeinetz ein Ranking aufgestellt wurde, in dem man alle Behörden in NRW vergleichen konnte. Übrigens mit löblich differenzierten Statistiken.
Und so konnte der Kölner Polizeipräsident (ehemals Gewerkschaftsvorsitzender der Polizeigewerkschaft GDP) belegbar behaupten, dass seine Beamten faul seien.
Aber eins stimmt:
Während sich der Kundenberater mit Bedenken wahrscheinlich irgendwann ein neues Betätigungsfeld suchen muss, hat der Beamte, solange er ein dickes Fell hat, keine Verschlechterung zu befürchten.
Ach je, es ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr, daß mittlerweile nur noch die Gewinnmaximierung zählt. Wie soll es denn auch anders sein, wenn ein Unternehmen den Aktionären jedes Jahr mehr Rendite in den Rachen zu stopfen gedenkt. Ob Bank, Bahn, Telekom oder sonst wer. Die erwirtschafteten Mehreinnahmen kommen ja nun nicht denjenigen zugute, die dafür länger und härter arbeiten und schon gar nicht dem Kunden. Stattdessen fließt es in die Taschen derer, die keine weitere Leistung dafür erbringen, als im nächsten Jahr noch mehr zu verlangen. Wie es der frischgebackene Präsident der Vereinigten Staaten so schön gesagt hat: "Wir haben nicht ein Problem mit der Wirtschaftskriminalität, sondern damit, was legal ist." So werden wir auch in Zukunft mit schlechten Produkten auskommen müssen, die wir immer wieder neu kaufen weil sie auseinanderfallen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die den Namen nicht verdienen. Wer schon mal das Vergnügen hatte, z.B. in England mit dem Zug zu fahren, den die verehrte Frau Thatcher so effizient privatisiert hat, wird sich vorstellen können, wo das endet.
Aber solange wir diese Akzeptanz der Gier nicht wirklich in Frage stellen, haben wir es auch weißgott nicht verdient zu lamentieren. Immer schön die Klappe halten und weiterzahlen.
Scheint fast fast so. Was zählt ist nicht das nachvollziehbare Bedürfnis des Kunden sondern nur die Provison, die Provision, die Provision . Weiß ich als leidgeprüfter Ex-"Sparkasse Hagen" Kunde selbst aus eigener Erfahrung. Jetzt bin ich bei einer genossenschaftlich organisierten Bank und habe von den nervigen, unangemeldeten Cold-Call Anrufen meines Ex "Sparkasse Hagen"-Kundenverräters, äh, ich meine natürlich Bankberaters endlich meine Ruhe.
Damit kann man zwar nicht dafür sorgen, dass sich (auch auf gehobenem Niveau) die bessere Beratung durchsetzt, aber schlechte Beratung kann man so verhindern:
http://www.hauke-laging.de/ideen/wertpapier-verstaendnis-check/
Es muss auch die Frage gestattet sein, warum man als Kunde erwartet, eine halbwegs hoch qualifizierte Dienstleistung geschenkt zu bekommen. Finanzberatung sollte bezahlt werden wie "alles" andere auch.
(entfernt. Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion/jk)
Ich befinde mich grundsätzlich und immer im Rahmen des guten Geschmacks. Dafür gibt es nämlich keine allgemeingültige Definition! Insofern lehne ich die Bitte ab!
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