Die Linkspartei fordert in diesem Wahlkampf zehn Euro flächendeckenden Mindestlohn sowie Hartz-IV-Bezüge in Höhe von 500 Euro monatlich. Keiner behaupte, das gehe aus finanziellen Gründen nicht. Oskar Lafontaine ergänzt: »Wir sind die einzige Partei, die mit realistischen Zahlen arbeitet.« Unsere euphorische Verschuldung im Blick, kann man nur sagen: Wo er recht hat, hat er recht, der Lafontaine. Doch selbst innerhalb der Linken scheint man den demnächst existierenden Sozialismus nicht mit offenen Armen willkommen zu heißen. Ihren Wahlkämpfern legt die Partei jedenfalls strenge Zügel an: »Selbstverständlich machen keine Leute unter Drogeneinfluss einen Info-Stand.« Das ist schade, denn gerade heilig-trunkene Vertreter dieser großen Idee hätten Chancen, die Menschen wieder für den Sozialismus zu begeistern. Objektive Widersprüche kommen hinzu: Seit Jahresbeginn ist der Ladenpreis für Marxens Kapital um fünf Euro oder 20 Prozent gestiegen. Die Inflation bricht hier am falschen Ende aus, und die politische Ökonomie ist ratlos. Wo wird der Preis im Herbst stehen? Setzt die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit ihrem Marx-Copyright am Ende kalt auf die Wirkung von Marktmechanismen? Tausende Banker wollen ja das Vergangene verstehen lernen. Der Sozialismus ist aber faul, wenn er von Kapital -Renditen in Höhe von 20 Prozent träumt. Die Wahrheit ist: Je näher wir dem Sozialismus kommen, desto hässlicher sieht er aus. Oder wie Bertolt Brecht sagte: Was ist die Gründung einer Bank gegen die Enteignung einer solchen? Thomas E. Schmidt