Weltwirtschaft Klotzen oder kontrollieren?
Während die Amerikaner der Konjunktur Dampf machen wollen, fürchten die Europäer steigende Schulden und neue Exzesse. Auf dem Weltgipfel in London dürfte der Alte Kontinent den Ton angeben

© Eric Feferberg/AFP/Getty Images
Nach dem Gruppenbild: Die Teilnehmer des G20-Finanzgipfels, der im vergangenen November in Washington stattfand, verlassen ihre Position
Es wird ein Gruppenbild geben, eine gemeinsame Erklärung. Die Welt rückt zusammen, sie kämpft mit vereinten Kräften gegen die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Das ist die Botschaft, die vom Weltfinanzgipfel am kommenden Donnerstag in London ausgehen soll. Das Bild ist an der Oberfläche nicht falsch. Diese Krise hat Bewegung in festgefahrene Debatten gebracht, Fronten aufgeweicht. Und doch entdeckt, wer den Weg nachzeichnet, der zum Londoner Gipfel führt, Gräben zwischen den Nationen, unterschiedliche Interessen und divergierende wirtschaftspolitische Grundüberzeugungen.
Die Ankurbler
Am 9. Januar, Barack Obama ist noch nicht Präsident, stellt Christina Romer eine kleine Studie ins Netz. Romer ist Vorsitzende des Wirtschaftssachverständigenrats. Titel des Papiers: »Die Folgen des American Recovery and Reinvestment Plan für den Arbeitsmarkt«. Ergebnis: Das geplante milliardenschwere Konjunkturprogramm rechnet sich. Jeder Dollar, den der Staat ausgebe, erhöhe das Bruttoinlandsprodukt um 1,60 Dollar, drei bis vier Millionen neue Jobs könnten entstehen. Die Untersuchung atmet den tief im amerikanischen ökonomischen Denken verankerten Glauben, der Staat könne die Wirtschaft nach den Gesetzen der Newtonschen Mechanik steuern. Wenn Nachfrage ausfällt, weil Verbraucher und Unternehmen Geld zusammenhalten, springt die Regierung ein. Der staatliche Impuls pflanzt sich fort, die Konjunktur springt wieder an.
Das Papier macht die Runde. Auch Fred Bergsten liest es. Er ist einer der einflussreichsten Ökonomen in Washington. Er hat schon für Henry Kissinger gearbeitet und leitet heute das Peterson Institute for International Economics. Am 12. März ist Bergsten vor den Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses geladen. Thema der Sitzung im Raymond House, Raum 2172: »Die Außenwirtschaftspolitik der USA in der globalen Krise«. Bergsten ergreift das Wort, er schreit, die Hände bewegen sich im Rhythmus der Sätze. Die Welt brauche einen »massiven fiskalischen Stimulus«. Größenordnung: drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jährlich. Brasilien, Kanada, Frankreich, Korea, Mexiko und Deutschland »sollten ganz klar mehr tun«. Und: »Ich bitte den Ausschuss dringend, alles in seiner Möglichkeit Stehende zu tun, um dieses Ergebnis herbeizuführen.«
Larry Summers ist längst dabei. Summers ist Obamas oberster Wirtschaftsberater, ein brillanter Ökonom, der sehr genau weiß, was er will, und das meistens auch sagt. Er hat die Nachfragelücke vermessen lassen. Allein in den kommenden beiden Jahren fehlen der US-Wirtschaft nach Schätzungen des Haushaltsbüros 2000 Milliarden Dollar. Das Konjunkturpaket beläuft sich nur auf knapp 800 Milliarden Dollar. Mehr Geld billigt der Kongress nicht, nicht für die Konjunktur und schon gar nicht für die maroden Banken. Wenn nichts geschieht, davon ist man in Washington überzeugt, dann schrumpft die Wirtschaft weiter, dann steigt die Arbeitslosigkeit, dann nährt sich die Krise selbst. Aus der Rezession würde eine Depression. Wie in den dreißiger Jahren.
Noch im Februar wenden sich Summers und Finanzminister Tim Geithner an den Rest der Welt. Geithner trifft Dominique Strauss-Kahn, den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dessen Auftrag ist es, Krisenstaaten zu stützen. Die Amerikaner hatten zuletzt nicht allzu viel übrig für den IWF. Sie wollten ihm die Mittel kürzen. Jetzt verkündet Geithner eine neue Linie: Die Zeit der Zurückhaltung sei vorbei, großzügig solle der Fonds Kredite in aller Welt vergeben. Man werde sich dafür einsetzen, seine Kassen aufzufüllen.
Ted Truman ist ein alter Haudegen in der internationalen Wirtschaftspolitik. Seit fast vierzig Jahren ist er im Geschäft, er hat für die US-Regierung die Finanzkrisen in Lateinamerika, Asien und Russland bekämpft. Ende Februar wird er von Geithner engagiert. Truman soll bei der Vorbereitung des Gipfels helfen. Die Amerikaner kontaktieren die anderen G-20-Staaten, in Deutschland sprechen sie mit Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen und Jens Weidmann, dem Leiter der Wirtschaftsabteilung im Kanzleramt.
In Washington wird anerkannt, dass die Deutschen bereits mehr tun als viele andere EU-Staaten. Auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, verteilt über zwei Jahre, beläuft sich das Konjunkturpaket, davon fallen 1,5 Prozent 2009 an (siehe Grafik). Die Amerikaner wenden mit insgesamt 3,8 Prozent kaum mehr auf. Rechnet man hinzu, dass der deutsche Staat seinen Bürgern in der Krise großzügigere Sozialleistungen gewährt als der amerikanische, so liegt die Bundesrepublik sogar vor den USA. Das müsse aber auch so sein, argumentieren die Amerikaner, denn Deutschland habe ja auch mehr Spielraum: Weil die Staatsfinanzen solide sind. Und weil der Exportweltmeister in den vergangenen Jahren gut an den Konsumexzessen anderer Länder verdient habe. Jetzt sollten die Deutschen endlich selbst mehr konsumieren – und das Exportieren den anderen überlassen. Berlin bleibt hart. Am 9. März erscheint in der Financial Times ein Interview mit Larry Summers. »Der richtige makroökonomische Fokus für die G20 ist die globale Nachfrage, und die Welt braucht mehr Nachfrage«, steht darin. Um alles andere könne man sich später kümmern. Es klingt verzweifelt.
- Datum 30.03.2009 - 20:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14
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zuerst glaubt man, der artikel haben nicht mehr info anzubieten als diese hier auf seite 2: " .... South Lodge Hotel in Horsham, einer Kleinstadt südlich von London. Hier steht der größte Rhododendron Englands." , was dann doch etwas enttaeuschend waere bei dem etwas zu grossartigen titel, der uns keine wirkliche alternative anzubieten scheint.
dann kommt unverhofft diese info: "Deshalb hat er [Ben Bernanke] selbst die Initiative ergriffen, er ist nicht auf die Zustimmung von Parlamentariern angewiesen, wenn er Geld braucht. Er druckt es einfach." , was in sofer interessant ist , als dass tatsaechlich auch in der ZEIT endlich mal ganz klar ausgesprochen wird, dass die FED sich komplett jeglicher demokratischen kontrolle zu entziehen weiss und sich immer schon entzieht, denn sie ist ein privater bankerclub , der die kontrolle ueber den dollar 1913 mit dem bereuchtigten "federal reserve act" an sich bringen konnte. normalerweise wird man hier bei dieser aeusserung als esoterischer "verschwoerungtheoretiker" verhohnepiepelt. das will ich jetzt der ZEIT ersparen, denn sie hat recht. ben bernanke kann machen was er will, und das mit der weltleitwaehrung. sehr eigentuemlich, denkt da der ZEITgenosse, aber schoen, dass das endlich mal klargestellt wird. danke liebe zeit redaktion. es kam spaet , aber immerhin es kam ....
fuer was ich mich allerding nicht bedanke ist der umstand, dass ich schon heute morgen gegen 01 uhr hier einen link zu diesem kommentar von Thomas Strobl aka weissgarnix bezueglich G20 in der FAZ angeboten habe, der nun (08 uhr) ominoeserweise verschwunden ist . er war mit : "die konkurrenz sieht das anders" beschrieben.
um bei der konkurrenz zu bleiben, scheint auch der hier nicht weiter erwaehnte umstand interessant, dass das abschlusskommuniqué des g20 gipfel der erst am donnerstag ( uebermorgen) stattfinden wird bereits gestern vom spiegel gebracht wurde. es heisst dass dieses papier dem spiegel aus regierungkreisen zugespielt wurde. die etwas dueppierte englishe regierung, aus deren feder es zu stammen scheint, verweisst bei der indiskretion auf eine "kleine" partei in der deutschen regierung - na die kenne sich sicher aus - spd oder csu ? ist da die frage - soviel parteien sind ja nun nicht an der regierung beteiligt. natuerlich wird der inhalt des kommuniqués dementiert und als veralterte version bezeichnet. wieviele versionen haben die denn schon vor dem eigentlichen treffen erstellt, fragt man sich da sofort. das also hier auch nur eine art mediales kasperletheather geboten wird und das internationale treffen eher als briefing fuer die nationalen regierungen dient anstatt als entscheidungspotenter austausch, scheint sich als interpretation anzubieten.
mit der hoffnung, dass diese links nicht auch wieder verschwinden, moechte ich noch auf einen interessanten thread zur finanzkrise hinweisen, der die unkontrollierte manipulation der weltleitwaehrung durch die FED und die per se manipulierte finanzkrise thematisiert, und dieser befindet sich hier ->
http://www.spiegel.de/pol...
oder
http://www.uni-kassel.de/...
Wie wäre es Schwerter zu Pflugscharen zu machen ?
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