Als im Januar ein internationales Team von 48 Wissenschaftlern mit dem deutschen Forschungsschiff Polarstern zu einem Eisendüngungsexperiment im Südozean aufbrach, hagelte es Proteste von Umweltaktivisten: Die »rücksichtslosen Klimaforscher« wollten das Meer düngen, um riesige Algenteppiche zu züchten. Die Algen sollten Kohlendioxid (CO₂) aus dem Oberflächenwasser aufnehmen, absterben und hinab zum Tiefseeboden sinken, um so das Treibhausgas zu entsorgen. Das Projekt, monierten die Kritiker, verstoße gegen ein internationales Moratorium.

Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) setzte sich an die Spitze der Bewegung und forderte, die Expedition sofort zu stoppen. Sie untergrabe »Deutschlands Glaubwürdigkeit und Vorreiterrolle« im Umweltschutz. Doch mehrere Gutachten widerlegten die Bedenken. Die Wissenschaftler durften einen Meereswirbel nördlich von Südgeorgien für ihre Grundlagenforschung düngen. Nun kehren sie mit Ergebnissen zurück, die ihre Kritiker freuen sollten: Riesige Teile des Südozeans sind ungeeignet für das kommerzielle Versenken von CO2. Die komplexe Biologie macht den Klimaingenieuren einen Strich durch die Entsorgungsrechnung.

»Durch unsere Düngung hat sich die lokale Algenbiomasse zwar verdoppelt. Aber davon versank viel weniger Richtung Boden als bei früheren Eisenexperimenten«, berichtet Victor Smetacek, Fahrtleiter der Expedition. Die Lösung des scheinbaren Widerspruchs: Die Algen konnten diesmal nicht mächtig aufblühen, absterben und versinken wie bei den meisten früheren Experimenten in extrem eisenarmen Meeresgebieten. Vielmehr verputzten Heerscharen winziger Ruderfußkrebse die leckeren Algen und verhinderten größere Blüten.

Dann schwamm die nächste Überraschung heran. »Der gedüngte Fleck lockte zahlreiche Flohkrebse an«, berichtet Smetacek. Diese garnelenartigen Tiere, bis zu drei Zentimeter groß, vertilgen wiederum die Ruderfußkrebse. Der Fresszyklus verhindert ein Absinken toter Algen und der aufschwimmende Kot der Tiere auch das Absinken des Düngers. Der lässt neue Algen wachsen – die Krebse spielen Gärtner. Diese verquickte Biologie ernährt Tintenfische und Finnwale. Weiter polwärts läuft ein ähnliches Recycling, allerdings spielen hier Krill und Blauwale die Gärtner. Solche Ökosysteme als Endlagermaschine zu missbrauchen verbietet sich von selbst.

Zum Glück ist der Versuch gescheitert, diese Forschung zu blockieren. Ein Ministerium, das blindem Aktivismus folgt und dafür sein Kernziel, den erkenntnisbasierten Umweltschutz, aufgibt, hätte sonst auf ureigenem Feld »Deutschlands Glaubwürdigkeit und Vorreiterrolle« untergraben.