Links, katholisch, kämpferisch

Andrea Nahles will mal wieder einen Teil des Sozialstaats neu erfinden: Mit den Fachleuten der SPD hat sie ein Konzept für die Arbeitslosenversicherung entwickelt. Aus ihr soll eine Arbeitsversicherung werden, die sich auch für Beschäftigte zuständig fühlt und hilft, deren Kompentenzen zu erhalten und zu verbessern. Nahles, 39, ist seit eineinhalb Jahren stellvertretende SPD-Vorsitzende und die einzige Frau und Parteilinke im engeren Führungszirkel der Partei. Im vergangenen Wahlkampf war sie noch Gesundheitspolitikerin. Überall in Deutschland warb sie für das Konzept einer Bürgerversicherung, die für alle gilt und nicht mehr zwischen Privatpatienten und Kassenmitgliedern unterscheidet. Damit setzte sie der Union kräftig zu – Angela Merkel hatte sich für das weit weniger populäre Modell der Gesundheitsprämie entschieden. Nahles hat früh gelernt, wie politischer Schlagabtausch funktioniert, von 1995 bis 1999 war sie Juso-Bundesvorsitzende. 1998 kam sie für eine Legislaturperiode in den Bundestag. Dann wechselte sie ins Berliner Verbindungsbüro der IG Metall, seit 2005 ist sie wieder Abgeordnete. Nahles wurde von so unterschiedlichen Parteivorsitzenden wie Oskar Lafontaine und Kurt Beck gefördert. Sie ist Katholikin, war einst Messdienerin und fühlt sich ihrer Kirche immer noch verbunden.