Kreuzfahrten Noch mehr Meer sehen

Boom trotz Krise: 2009 stechen massenhaft neue Kreuzfahrtschiffe in See. Mit Partys und Schönheitspflege wollen sie bisherige Landurlauber aufs Wasser locken.

Kreuzfahrtschiff

Die Aidaluna, das sechste Schiff der Kussmund-Flotte, hat 1025 Kabinen

Krise? Welche Krise? Mitten in der weltweiten Rezession sticht in diesem Jahr in Europa und Amerika ein knappes Dutzend neuer Kreuzfahrtschiffe mit fast 30000 Betten in See. Die Veranstalter geben sich überzeugt, dass sie ihre kolossalen Neubauten mit zahlender Kundschaft füllen können. »Wir haben die Grenzen des Wachstums noch lange nicht erreicht«, sagt der Chef von Aida Cruises, Michael Thamm. »Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der deutschen Hochsee-Passagiere insgesamt auf über 900000 verdreifacht.«

So soll es in diesem Jahr weitergehen: Die erste Million wird angepeilt. Längst haben Kreuzfahrten ihre Marktnische verlassen. Sie gehören heute zum touristischen Kerngeschäft, ihr Anteil am Pauschalreisemarkt ist auf zehn Prozent gestiegen. Die vielen neuen Schiffe zeugen vom Optimismus der Veranstalter, dass sich bei den Kreuzfahrten, anders als in vielen anderen Reisebereichen, noch neue Zielgruppen erschließen lassen.

Am 4. April tauft das Model Franziska Knuppe auf Mallorca mit der Aidaluna bereits den sechsten Neubau der Rostocker Reederei. Das 330 Millionen Euro teure Clubschiff steigert mitten in der Rezession die Aida-Bettenkapazität um ein Viertel auf knapp 10000. Thamm schreckt das nicht: »Wir brauchen diese neue Kapazität dringend, unsere Passagierzahlen sind 2008 um knapp 30 Prozent gestiegen. Ich rechne auch für dieses Jahr mit zweistelligem Wachstum.« Nicht einmal beim Expansionstempo will Thamm Abstriche machen. Schon Anfang 2010 will er die siebte Aida in Betrieb nehmen – die Aidablu mit großem Spa und einer eigenen Brauerei.

Allerdings bekommt Aida erst einmal nationale Konkurrenz. Am 15. Mai lässt Ina Müller in Hamburg eine Champagnerflasche am Rumpf der Mein Schiff zerschellen. Die Sängerin tauft das erste große Kreuzfahrtschiff der TUI: einen blau lackierten Neuling der Kategorie »vier Sterne plus« für 2000 Passagiere. Das Schiff selbst allerdings ist gar nicht neu. Ihren äußerst späten Eintritt in den Kreuzfahrtmarkt wagt die TUI mit einem Schiff, das seit 1996 unter dem Namen Galaxy amerikanische Urlauber durch die Karibik beförderte und im April in Bremerhaven aufgemöbelt wird.

Die Aida setzt bei diesem Kampf auf ihr hinlänglich bekanntes Clubschiff-Konzept mit Partys und Sportangeboten, mit dem es ihr gelungen ist, auch jüngere Passagiere abseits des gängigen, älteren Kreuzfahrtpublikums zu gewinnen. Das TUI-Schiff, das es bislang nur als bunte Computer-Animation zu besichtigen gibt, wendet sich an gut verdienende 40- bis 55-Jährige, die weder Schlangen am Buffet noch Animationsspiele am Pool schätzen. Stattdessen will Europas führender Tourismuskonzern, der unter der Marke Hapag-Lloyd auch die luxuriöse Europa und drei kleinere Schiffe für klassische Kreuzfahrten betreibt, auf seinem ersten großen Schiff die Passagiere mit Wellness und Fitness begeistern. Außerdem verstehen sich die Ärzte an Bord der Mein Schiff auf ästhetisch-plastische Chirurgie, das ist in der Tat neu. »Unsere Passagiere locken wir nicht von anderen Schiffen, sondern die haben ihren Urlaub bislang an Land verbracht«, sagt Richard Vogel, der Chef von TUI Cruises.

Damit sie ihre jeweils rund 2000 neuen Betten auf den rein deutschsprachigen Schiffen Aidaluna und Mein Schiff belegt bekommen, müssen Aida und TUI Cruises bis zum Jahresende rund 100000 neue Kunden aufs Wasser locken. »Es wird einen Kampf darum geben, welcher Anbieter die meisten Vollzahler auf sein Schiff locken kann«, sagt Vogel.

Auch die internationale Konkurrenz buhlt mehr denn je um deutsche Kreuzfahrer. Sie baut ihre Kapazitäten in den kommenden Monaten massiv aus: Am 4. Juli tauft Sophia Loren in Barcelona die MSC Splendida für 4000 Passagiere, Genua ist schon im Juni Schauplatz einer Doppeltaufe von Costa Pacifica und Costa Luminosa mit je 3000 Betten. Internationale Anbieter von Costa und MSC locken mit günstigen Pauschalpreisen. Der Urlaub auf den deutschsprachigen Schiffen Aidaluna und Mein Schiff ist zumeist teurer. Und schon 2008 entschieden sich 43 Prozent aller kreuzfahrenden Bundesbürger für ein internationales Schiff. So könnte von dem Gedrängel auf dem Markt zumindest einer profitieren: der Reisende, der Kreuzfahrten zu günstigen Preisen abgreifen kann.

 
Leser-Kommentare
  1. als wenn wir unsere Ressourcen nicht sinnvoller einsetzen könnten.....

  2. die Leute, die Billig-Kreuzfahrten machen, schon mal naeher angesehen ? Ich habe vor einem Jahr aus Versehen eine mit 2000 Passagieren ab Barcelona ins westliche Mittelmehr und Tunis gemacht. Danach war mir klar: nie wieder. Nur die Fressgelage am Fruehstuecksbuffet mit ansehen zu muessen, reicht schon.

  3. 3. Ach?

    @Haben Sie sich...
    Es ist eine bodenlose Frechheit, wie Sie über die Leute reden, die AIDA-Reisen machen.
    GLAUBEN SIE IHR KEIN WORT, ES STIMMT SO NICHT!
    Schlechtredner!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • arpo
    • 21.01.2011 um 21:08 Uhr

    Ich finde es ok, dass es auch Massenveranstaltungen mit neuen großem Kreuzfahrtschiffen gibt. So kommen auch mal Leute mit weniger Geld oder Familien in den Genuß, [...]. Im karibischen Raum hat Royal Caribbean den Massenmarkt vor langer Zeit erkannt und erfüllt vielen Amerikanern damit einen Traum.
    Teile entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Verlinken von kommerziellen Angeboten. Danke. Die Redaktion/wg

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  • Quelle DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14
  • Kommentare 4
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  • Schlagworte TUI | Barcelona | Reise | Kreuzfahrt | Genua | Schiff | Hapag Lloyd | See | Sophia Loren | USA
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